Dienstag, 4. Dezember 2012

Ravenous





















Regie: Antonia Bird

Die Legende vom Wendigo...

Die Eroberung des neuen Landes brachte auch Kannibalismus hervor. Geschichtlich verbürgt ist die Donner Party, eine 81 köpfige Siedlergruppe, die vom extrem harten Winter 1946/47 in den östlichen Bergen der Sierra Nevada überrascht wurde und dort in den Bergen festsaßen. Von der Gruppe kamen 34 ums Leben, die Überlebenden überstanden dies zum Teil durch Kannibalismus.
"Ravenous", ein Film der britischen Regisseurin Antonia Bird (Priest) nimmt dieses Thema auf und es enstand ein morbider Horror-Western, der mit Ironie und schwarzem Humor ausgestattet ist:
Lieutenant John Boyd (Guy Pearce) kämpft im mexikanisch-amerikanischen Krieg und stellt sich in einer entscheidenden Schlacht auf dem Feld der Ehre tot, dadurch gelingt es ihm das gegnerische Lager zu erobern, als Held wird er gefeiert und zum Captain befördert. Dabei war es Angst und Feigheit, die dazu führten, dass er sich tot stellte.
Er bekommt eine Beföderung, die ihn in ein heruntergekommenes Fort in der Sierra Nevada führt. Der gutmütige Colonel Hart (Jeffrey Jones) hat dort das Sagen, gemeinsam mit den anderen dort stationierten Männern Private Cleaves (David Arquette), Private Toffler (Jeremie Davies), Private Reich (Neil Mac Donough). Lindus (Bill Brochtrup) und den Indianergeschwistern George und Martha (Joseph Runningfox/Sheila Tousey) kämpft man gemeinsam gegen die Langeweile und den Müßiggang.
Als eines Nachts ein völlig entkräfteter Fremder (Robert Carlyle) auftaucht, der sich als Siedler Colqhoun vorstellt, ist es allerdings mit der Ruhe vorbei. Der sichtlich traumatisierte Mann erzählt die ungeheuerliche Geschichte einer 6köpfigen Siedlergruppe, der er angehörte. Diese Gruppe hatte bald keine Nahrung mehr und ihr Anführer, ein gewisser Colonel Ives, entschloss sich die Mitglieder seiner Gruppe zu töten und zu essen.
Bald ist ein Suchtrupp organisiert, denn es könnte sein, dass eine Frau der Gruppe noch lebt....

Der Wendigo ist gemäß der Mythologie der Indianer ein übernatürliches Wesen. Es symbolisiert die Völlerei. Wendigo ist bekannt für seine Grausamkeit und für seine Vorliebe für Menschenfleisch. Die amerikanischen Ureinwohner glauben, dass jeder, der Menschenfleisch isst, selber zum Wendigo wird und für immer von einem unstillbaren Hunger auf Menschenfleisch gequält wird. Wendigowak leben bevorzugt im Wald und sind eine Mischung aus Werwolf, Kannibale und Vampir.
In den Kinos noch ungeschnitten mit FSK 18-Freigabe landete der antiamerikanisch konzipierte Kannibalenfilm schnell auf dem Index.
Antonia Bird konnte auf Anthony B. Richmond, einen großartigen und versierten Kameramann zurückgreifen, die Bilder sind grandios - sehr schöne Natur, morbide und düstere Melancholie durchzieht die schönen Sequenzen, die gelegentlich in ihrer Brüchigkeit an "Mac Cabe und Mrs. Miller" erinnern.
Mit Robert Carlyle ist auch die perfekte Besetzung für den geheimnisvollen Fremden gelungen.
Der Film wurde von der Kritik eher ungnädig aufgenommen, trotzdem ist "Ravenous" ein bemerkenswerter Film, der in Erinnerung bleibt.
Bewertung: 8 von 10 Punkte.

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