Freitag, 18. August 2017

Die Stunde wenn Dracula kommt

























Regie: Mario Bava
Blutrünstige Vampire...
"Die Stunde wenn Dracula kommt" heißt im Original "La Maschera Lel Demonio" und war Mario Bavas erste Regiearbeit. Um eine bessere Kinoauswertung zu erzielen, wurde im deutschen Verleihtitel der Name des berühmtesten Vampirs eingepflegt und auch in der deutschen Fassung wird einige Male Bezug auf Dracula genommen. Zum Beispiel äussert in der Inquisitonsszene am Anfang die Off-Stimme den Verdacht, dass der verurteilte Graf Igor Javutich (Arturo Dominici) in Wirklichkeit sogar Dracula sei.
Im Original sind diese Textpassagen anders, denn die Geschichte führt den Zuschauer nach Moldawien. In der ersten Szene wird im Jahr 1630 von einem Inquisitionsgericht der Adligen Prinzessin Asa (Barbara Steele) gemeinsam mit ihrem Geliebten Javutich der Prozess gemacht. Sie wird als Hexe beschuldigt und auch zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung ist brutal - denn sie wird gebrandmarkt und dann wird der Hexe eine Dornenmaske auf das Gesicht geschlagen. Dann soll der Leichnam noch auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, damit die Flüche, die sie kurz vor ihrem Tod gegen ihren eigenen Bruder, den Inquisitor Vaida, aussprach, wirkungslos werden. Ein plötzlich einsetzender Wolkenbruch verhindert aber die Verbrennung und so geschahen vor 100 Jahren am Todestag der Hexe und ihrem bösen Liebhaber seltsame Todesfälle in der Familie und auch im Dorf, an diesem Tag häuften sich auch die Katastrophen in der Gegend.
Inzwischen sind aber 200 Jahre vergangen und wieder ist Jahrestag. Die beiden Ärzte Dr. Thomas Grubajan (Andrea Checci) und sein jüngerer Assistent Dr. Andre Gorobec (John Richardson) mit der Kutsche unterwegs zu einem Kongress. Kutscher Niko (Mario Passante) ist ein ängstlicher Typ, der die beiden Akademiker warnt nicht die Abkürzung durch den Wald nehmen zu wollen. Doch für ein gutes Trinkgeld vergisst er seine Sorgen. Als die Kutsche in der Nähe des alten Schlosses der Familie Vaida ein Rad verliert und man Zeit hat die Beine zu vertreten, entdecken die Männer die Familiengruft, wo sich auch die Grabstätte von Asa befindet. Asa ist in einem Steinsarg mit einer Öffnung über ihrem Gesicht aufgebahrt. Am Kopfende des Sargs ist ein großes Steinkreuz angebracht, dessen Anblick die Hexe bannen soll. Als Krubajan von einer Fledermaus attackiert wird, zerschlägt er das Steinkreuz mit seinem Stock. Aus einer Wunde an seiner Hand tropft Blut auf Asa. Natürlich ahnen Krubajan noch nicht, dass er damit den Grundstein für die Auferstehung von Asa gelegt hat. Kurz danach treffen sie auch noch auf die junge Katja (wird ebenfalls von Barbara Steele gespielt), der Tochter des alten Fürsten (Ivo Garrani) - auch Katjas jüngerer Bruder Konstantin (Enrico Olivieri) lebt dort. Sofort fällt die starke Traurigkeit und Todessehnsucht der jungen Frau auf, dies wirkt aber anziehend auf den jungen Dr. Gorobec. Man verabschiedet sich und die Kutsche fährt weiter ins nächste Dorf. Dort übernachten die Männer im Wirtshaus. Inzwischen steigt auch Javutich von seinem Grab auf dem örtlichen Friedhof auf. Sonia (Germana Dominici), die Tochter der Wirtin, wird Zeuge eines sonderbaren Vorfalls. Dann überschlagen sich die Ereignisse...




Im Grunde erinnert Bavas Film tatsächlich an die alten Dracula Erzählungen und so präsentiert der superb von Ubaldo Terzano fotografierte Horrorfilm eine bekannte Geschichte mit den üblichen Versatzstücken und einigen Abwandungen.
Es ist also nicht zwingend die Geschichte selbst, die hier funktioniert - es ist vor allem die Art, wie Mario Bava den Film ausgestaltet. Kamera, Ausstattung....alles erste Sahne. Die Bilder haben alles, was einen richtigen Horrorklassiker ausmacht und so beweist sich bereits in der legendären Anfangsszene bei der Hinrichtung, dass "Die stunde, wenn Dracula kommt" ein durch und durch visueller Film ist. Bava studierte Malerei und dies ist eindeutig erkennbar. Der italienische Kultregisseur hat eindeutig ein hervorragendes Auge für gute Bilder und deren Wirkung. Die nagelbesetzte Bronzemaske wirkt furchteinflössend und der Schlag mit dem Beil des Henkers auf diese Maske, die die Hexe tragen muss, ist in Sachen gewaltvollen Szenen noch viel stärker als in einem neuen moderenen Horrorwerk wie "Saw".
Nicht unsonst war der Film lange Zeit nur ab 18 Jahren freigegeben. Barbara Steele wurde aber mit diesem Film weltberühmt. Noch heute gilt sie als die "Scream Queen" überhaupt. Die klasse Bildkompositionen des Films erinnern auch gelegentlich an die großen Universal Horrorfilme wie "Dracula" von Tod Browning oder "Frankenstein" von James Whale. Freunde der Hammer Movies werden auch bemerken, dass Mario Bava sich auch mit diesen Filmen bestens auseinandergesetzt hat. Bava selbst hat ja auch mal behauptet, dass bei einem Horrorfilm 70 % die Fotografie zum Gelingen einer perfekten Atmosphäre ausmacht. Hier hat er uneingränkt Recht - seine Mischung aus sadistischen Szenen und einem Märchen wirkt auch heute noch großartig.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Montag, 7. August 2017

Kong: Skull Island
















Regie: Jordan Vogt-Roberts

Die Insel des Riesenaffen...

Für den Spiegel ist der neue Monsterfilm "Kong Skull Island" ein atemberaubend reaktionärer und menschenverachtender Schrott und der Uraufführungstag 9. März der schlimmste Tag des hiesigen Kinojahres. Natürlich hat diese Kritik in einem Punkt recht: Originalität und Innovation sucht man beim Blockbuster der neuen Regiehoffnung von Jordan Vogt-Roberts (Kings of Summer) vergeblich. Aber Freunde von Monsterfilmen kommen hier schon richtig auf die Kosten, auch wenn man zuerst glaubt, dass mit dem ersten Angriff auf den Riesenaffen bereits sämtliches Pulver verschossen worden sein könnte.
Doch der Reihe nach. Die erste Szene führt den Zuschauer zurück in den Pazifikkrieg im Jahre 1944. Zwei Fallschirme landen auf der Insel Skull Island. Es handelt sich dabei um den Amerikaner Hank Marlow (Will Brittain) und den Japaner Gunpei Ikari (Miyavi). Natürlich wird sofort gekämpft, doch das Duell wird unterbrochen von dem Herrn dieser Insel: King kong.  Danach Ort- und Zeitwechsel in die 70er Jahre. Soeben hat Präsident Nixon beschlossen die US-Boys aus Vietnam abzuziehen und für einige der Soldaten ist aber sofort wieder eine neue Mission in Aussicht. William Randa (John Goodman) und sein Mitarbeiter Houston Brooks (Corey Hawkins) können den Senator (Richard Jenkins) überreden, dass er ihnen eine Expedition nach Skull Island genehmigt und zu diesem Zweck brauchen sie Soldaten, eine geübten Fährtensucher (Tom Hiddleston), eine Biologin (Jing Tian) und eine Fotografin (Brie Larson), die alles auf Kamera festhält, was dort in der unentdeckten Landschaft vorhanden ist. Randa ist sich sicher, dass dort Flora und Fauna noch einen urzeitlichen Kern aufweisen.
Der Befehlshaber der Soldaten ist der kampferprobte Lieutenant Colonel Packard (Samuel L. Jackson), der psychisch sehr stark vom Krieg und den Kämpfen gezeichnet ist und viel Hass in sich trägt. Andererseits können ihm seine Männer wie Major Chapman (Tobey Kebell), Houston Brooks (Corey Hawkins), Slivko (Thomas Mann), Cole (Shea Whigham), Reles (Eugene Cordero) oder Landsat Steve (Marc Evan Jackson) vertrauen und sich auf ihren Chief verlassen. Noch wissen die Soldaten nicht, was sie auf der Insel erwartet. Aber spätestens als sie mit 17 Helikopern auf der Insel landen wollen und in einen Kampf mit einem Riesenaffen verwickelt werden, der sämtliche Flieger zum Absturz bringt. Nun sind die Überlebenden verstreut auf einer Insel, die noch weitere Gefahren offenlegt. Riesenkraken, Riesenspinnen, rieisge Urochsen, Pterosaurier und ganz fiese Echsen, die man "Schädelkriecher" nennt,  haben immer einen guten Appetit. Und natürlich ist auch Kong präsent...





Mit dem Hauptmonster kommt aber auch eine weitaus weniger menschenverachtende Species in den Mittelpunkt des Geschehens, denn der Zuschauer wird einmal mehr erkennen, dass nicht jedes scheinbar furchterregende Monster tatsächlich ein Feind ist. Bereits der Urkingkong aus dem Jahr 1933 rettete die weiße Frau Anne Darrow, damals gespielt von Fay Wray und man fühlte mit dem Monster, als es auf der Spitze des Empire State Buildings von den Fliegern der US-Army tödlich getroffen wird. "Die Schönheit hat das Biest getötet" und "Kong Skull Island" geht noch einen Schritt weiter in Richtung Kong als Menschenfreund. Denn er ist der letzte Helfer der Iwi-Eingeborenen gegen die Allmacht der Schädelkriecher-Reptilien. Der letzte seiner Art sozusagen und Samuel L. Jackson mutiert aber als rachsüchtiger Captain Ahab, der den Riesenaffen (verantwortlich für den Tod vieler seiner Männer) unbedingt erledigen will, obwohl inzwischen die Fotografin Mason Weaver im lauf der Handlung zu einer "Weißen Frau light" wurde, sich in den besonennen Kriegsveteranen James Conrad verliebt hat, der auch erkannt hat, dass das Überleben von Kong wichtig für das Gleichgewicht der Natur ist. Hier ist sogar deutliche Kritik an der jetzigen US-Kritik spürbar, wenn man etwas nachdenkt. Und interessanterweise sind es eher die kritischen, eher politisch links orientierten Figuren der Geschichte, die richtig liegen im Gegensatz zum reaktionären Verhalten des Armee-Befehlshabers.
Optisch wird mit der Odyssee durch den Dschungel auch ein bisschen Bezug zu "Apocalypse Now" aufgenommen, nur sind diesmal gefrässige Urzeitmonster die Feinde des Menschen. Unterstrichen wird dieser Eindruck noch von der Musik, dieser Zeit und durch die Soldaten selbst, die wie die Kameraden aussehen, die  Captain Willard auf dem Patrouillenboot den Mekong flussaufwärts Richtung Kambodscha begleiten. Als Monsterfilm ist "Kong Skull Island" durchaus gelungen, bietet er doch eine Reihe von gut gemachten Szenen. Nur darf man nicht viel Neues erwarten. Aber wie schrieb bereits der beliebte Wilhelm Busch in seinen Streichen von Max und Moritz über Witwe Bolte "Für was sie besonders schwärmt, wenn es wieder aufgewärmt". Und vielleicht steckt in jedem von uns ein bisschen was von ihr...






Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

Montag, 31. Juli 2017

Black House

























Regie: Sin Tae-ra

Der Soziopath...

 Black House" ist ein südkoreanischer Thriller aus dem Jahr 2007, der im Original "Geoneun Jib"heißt und von Sin Tae-ra inszeniert wurde. In der ersten Hälfte des Films steht auch tatsächlich "Suspence" auf dem Programm - leider will der Film beim Showdown zuviel und da gilt wieder das ganz einfache, aber wirkungsvolle Prinzip "Weniger wäre mehr gewesen". Denn der Schlußakkord wird immer wieder durch einen neuen Höhepunkt hinausgezögert, was leider am Ende die Atmosphäre doch sehr stört.
Schade, denn "Black House" wäre auch ein guter Neo-Noir Beitrag mit viel Horror geworden.

 Es geht erstklassig los. Die Stimmungen und die Locations wurden von der Kamera sehr wirkungsvoll eingefangen. Und hier am Anfang spielt sich der Horror hauptsächlich im Kopf des Betrachters ab.
Als Vorlage diente ein Roman des Japaners Yusuke Kishi, der bereits 1999 in Japan verfilmt wurde.
Ruhig und bedacht werden die Figuren der Geschichte eingeführt.
Der Versicherungsagent Jeong Juno (Hwang Jeong-min) hat als Kind mitansehen müssen, wie sein jüngerer Bruder Selbstmord beging, indem er von einem Hochhaus in die Tiefe stürzte. Dies hat ihn zu einem sehr empathischen Menschen gemacht. Dies bemerkt sein neuer Chef Nam (Kim Jeong Seok) sofort und es könnte vielleicht ein Nachteil für den Job als Versicherungsagent sein. Trotzdem findet der Gefallen an seinem neuen Mitarbeiter. Er soll aber bloss nie etwas von seinem Privatleben preisgeben, skrupellose Kunden könnten sowas total ausnützen. Gleich einer seiner ersten Fälle hat es auch schon in sich. Er soll den Kunden Chung-Bae (Kang Shin-Il) besuchen, der mit dem letzten Mitarbeiter der Versicherung nicht zufrieden war und extra darauf bestanden hat, dass der Neuling Jeong Juno für ihn tätig werden soll. Dabei kann sich Jeong Juno nicht erinnern, dass er den Mann kennt. Der Kunde hat 2 Lebensversicherungen abgeschlossen, eine für seine gehbehinderte Frau Yi-hwa (Seon Yu) und für deren kleinen Sohn aus erster Ehe. Die Familie lebt in einem abgelegenen, heruntergekommenen Haus und Jeong Juno wird bei diesem Besuch Zeuge, dass sich der kleine Junge im Nebenzimmer erhängt hat. Immer wieder hat der Vater selbst durch Verstümmelungen am eigenen Körper höhere Summen von der Versicherung kassiert und in Jeong Juno keimt der Verdacht, dass es gar kein Selbstmord war und er selbst als Zeuge missbraucht worden ist. Die Polizei sieht das anders und tut die Einwände des Versicherungsmannes als "üblich, wenn es ums Zahlen geht" ab. Doch der junge Mann lässt nicht locker und ermittelt auf eigene Faust. Sehr zum Ärger seiner Freundin, der Ärztin Mi-Na (Seo-hyeong Kim)...




Natürlich gerät er dadurch in große Gefahr, denn lange erkennt er nicht den doppelten Boden und unterschätzt den Gegner. "Black House" ist zwar ein bisschen vorhersehbar, wenn man die Geschichte aufmerksam verfolgt, dies tut der Spannung im ersten Teil aber keinen Abbruch. Im Gegenteil. Wir erleben, dass der etwas schüchterne und ängstliche Held immer stärker wird, aber von seiner Antipathie gegen den unsympathischen Versicherungsbetrüger immer mehr aufgefressen wird. Der Film ist die Geschichte eines grausamen Soziopathen und die Geschichte einer nie aufgearbeiteten Vergangenheit. Am Ende kommt dies auch noch einmal in einer Schlüsselszene eindrücklich zur Geltung. Dass Bösewichte nicht tot zu kriegen sind, wissen die Horrorfans nicht erst seit Michael Myers immer wieder auf die Beine kommt. Auch wenn die Logik was anderes besagt. So gesehen hat "Halloween" das Genre nachhaltig extrem geprägt - im Guten wie im Bösen. In manch anderen Filmen sehnt man dann irgendwann den gerechten Filmtod herbei, weil das Monster immer wieder aufsteht und Kugelhagel, Feuersbrünste oder Hochhausstürze überlebt. So erinnert "Black House" am Ende leider wieder an diese unendlichen, nie enden wollende Duelle zwischen Gut und Böse wie beispielsweise in Barbet Schroeders ansonsten gut inszenierten "Weiblich, ledig, jung sucht...".  Dieser sich langsam steigendernde Wahnsinn solcher Geschichten braucht einen perfekt platzierten Schlußpunkt. Dies ein Manko solcher Filme. "Black House" ist ein guter Genrefilm, der allerdings 20 Minuten vor Schluss seinen toll aufgebauten Suspence Anteil verspielt.




Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

Sonntag, 11. Juni 2017

Split

























Regie: M. Night Shyamalan

Die Horde....

Seit seinem Welterfolg mit "The Sixth Sense" gilt der indischstämmige Filmregisseur M. Night Shyamalan als Regie-Wunderkind und konnte im Nu eine große Schar von Genrefans erobern. Mit "Unbreakable" und der Geschichte von "Mr. Glass", gespielt von Samuel L. Jackson und seinem Antagonisten Bruce Willis knüpfte er an den Erfolg an. Sein Ausflug ins Science Fiction Fach mit "Signs" gelang auch spielend..."The Village" hatte es da schon viel schwerer und die Nachfolgefilme "Das Mädchen aus dem Wasser", "The Happening", "After Earth" und "Die Legende von Aang" wurden eher zwiespältig bis negativ aufgenommen. Nach dem geglückten Found Footage Film "The Visit" gabs wieder Hoffnung, dass der Filmemacher zu alter Stärke zurückfinden konnte und nun bestätigt "Split" das Comeback.
Wie so oft werden seine Filmfiguren durch bedrohliche und mysteriöse Ereignisse aus ihrem Alltag gerissen. Fast von Beginn an gelingt es Shyamalan eine unangenehm-beklemmende Stimmung zu etablieren, ohne in pure Effekthascherei zu verfallen. Natürlich lässt er sich am Ende des Films nicht lumpen und steuert wieder einen bemerkenswerten Plot Twist bei, der diesmal einen Blick in ein zukünftiges Projekt des Regisseurs gibt. Anfänglich sollte Joaquin Phoenix die Hauptrolle spielen, der war aber leider nicht verfügbar. So wird der Mann, der an einer dissoziativen Identitätsstörung leidet vom Schotten James MacAvoy gespielt und der lieferte vielleicht sogar seine beste Rolle bisher ab.
Casey (Anya Taylor- Joy, bekannt aus "The VVitch") ist eine Außenseiterin und trägt seit ihrer Kindheit (die kleine Casey wird in einigen kurzen Rückblenden von Izzie Coffey verkörpert) ein traumatisches Geheimnis mit sich herum. Das macht sie irgendwann im Lauf der Handlung zu einer Leidensgenossin ihres Entführers Kevin Wendell Trump (James MacAvoy), der insgesamt 23 Persönlichkeiten in sich trägt. Unter anderem sind dies Dennis, Patricia, Hedwig, Die Bestie, Barry, Orwell, Jade. Während Casey und ihre Freundinnen Claire (Lu Richardson) und Marcia (Jessica Sula) ins Auto von Caseys Vater (Sebastian Arcelus) steigen, wird der Vater, der noch Sachen in den Kofferraum einräumt, von dem kranken Psycho überwältigt und plötzlich werden die drei Mädchen mit einem unbekannten Mann am Steuer konfrontiert. Der beäubt seine Opfer und etwas später wachen die drei Teenager in einem Kellerraum ohne Fenster eingesperrt auf. Ihr Entführer wirkt zuerst bedrohlich, dann aber gibt er immer mehr seine Identitätsstörung preis: Einmal als Mensch mit Zwangsstörung, einmal als älgere Dame und ein anderes Mal als neunjähriger Junge. Auch als Modedesigner Barry ist der Mann unterwegs und hat Sitzungen bei der feinfühligen Psychologin Dr. Fletcher (Betty Buckley), die irgendwann immer mehr Hilferufe per E-Mail von seinen anderen Persönlichkeiten erhält. Sie bekommt das Gefühl, dass da etwas grauenvolles dahinter stecken könnte. Bald kommt auch im Gespräch mit der Psychologin eine 24. Persönlichkeit "die Bestie" dazu, die die bisherige "Horde" der Dreiundzwanzig beherrschen könnte. Für die Teeniegirls bedeutet dies irgendwann nicht nur auf Dauer eingesperrt zu sein, sondern die Konfrontation mit einem ganz fiesen Killer...



Was etwas ungewöhnlich wirkt, ist die Dramaturgie des Films - in den ersten zwei Dritteln kommt nur sehr wenig Bedrohung auf, denn nach dem ersten Schock und dem ersten Schreck hat man das Gefühl, dass sich die Mädchen auf eine lange Zeit bei dem kranken Mann einstellen müssen. Immer wieder sorgen andere Persönlichkeiten dafür, dass sich die Lage irgendwie entspannt und keine Todesangst aufkommt. Alles wirkt beinahe kammerspielartig und sehr psychologisch - anhand von eingeflochtenen Therapiesitzungenw wird versucht die Krankheit zu erklären und zwischendurch hat Casey Erinnerungen an ihr Kindheitstrauma.
Dafür schaltet der Film die letzte halbe Stunde auf den Geschwindigkeitsmodus, alle Akteure können körperlich und seelisch aus sich heraus gehen und am Ende steht eine Metarmophose von Crumb und seinen 23 anderen Gesichtern in eine Art Übermensch mit unglaublichen Kräften. Wirklich unglaublich...aber war das nicht auch die Geschichte von Mr. Glass und David Dunn.
Kritker könnten bei "Split" bemängeln, dass der Film sehr lange wenig Dynamik hat und ausschliesslich aufgrund des Interesses an der Thematik "DIS" eine gewisse Spannung aufrecht erhält, der "Thrill" kommt aber erst spät dazu und wird m.E. dann ein bisschen zu sehr auf die Spitze getrieben. Dennoch ist "Split" ein gelungener Psychothriller. 
Mit einem Einspielergebnis von 274 Millionen Dollar gelang ihm ein Riesenerfolg an der Kasse und auch die Kritiker lobten den Film. Bei den Saturn Awards 2017 wurde "Split" als bester Thriller nominiert, ebenso die Darsteller Betty Buckley und Anya Taylor Joy.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

The Great Wall




















Regie: Zhang Yimou

Gefrässige grüne Toa Tie Monster....

Fünf Jahre war es still um den erfolgreichen chinesischen Regisseur Zhang Yimou, der in den späten 80ern und frühen 90ern lange Zeit mit Aufführverboten für seine Filme durch die chinesichen Zensurbehörden belegt war.  Seine Themen spielten sich im ländlichen China ab und zeigten gesellschaftliche Veränderungen und starke Frauen (Rote Laterne, Das Leben der Quiu Ju) des Landes. Inspiriert durch Ang Lees Welterfolg "Tiger and Dragon" drehte er auch spannende Wuxia und martial Arts Streifen wie "Hero", "House of the flying daggers" oder "Der Fluch der goldenen Blume". Es folgten der knallige "A Woman, a gun and a noodle Shop" und der dramatische "Flowers of Love".  Mit "The Great Wall", das ein Budget von ca. 150 Millionen Dollar brauchte, präsentiert er erstmalig einen Blockbuster mit amerikanischen Geldern. Die chinesisch-amerikanische Co-Produktion spielte aber das Geld sehr schnell wieder ein - inzwischen ist ein Box Office Ergebnis von 332 Millionen Dollar zu verzeichnen. Somit ist "The Great Wall" - auch wenn die Kritik zwiespältig ausfiel - sein bisher erfolgreichster Film. Auch wenn "The Great Wall" eindeutig ein Mainstream Blockbuster Film darstellt, ist Zhang Yimou aber seiner Linie dennoch treu geblieben - und verfilmt weiterhin chinesische Geschichten.
"The Great Wall" meint die chinesiche Mauer und erzählt dem Zuschauer ein Märchen, eine Sage oder eine chinesiche Legende. Angesiedelt ist die Geschichte in der Song-Dynastie (von 960 bis 1276 nach Christus). In dieser Zeit reisen europäische Söldner ins Reich der Mitte, sie suchen nach dem Schwarzpulver, dem ersten bekannten Explosivstoff und für den Besitzer von ungeheurem Wert - denn damit kann man Schlachten und Kriege gewinnen. Mit zu diesem räüberischen Söldnertrupp gehören William Garrin (Matt Damon) und Pero Tovar (Pedro Pascal). Sie sind auf der Flucht vor feindlichen Khitan-Truppen als sie von einem Monster angegriffen werden. Einige Söldner sterben dabei, William gelingt es mit der Hilfe eines magnetischen Steins dem Tier die Kralle abzutrennen.
Einen Tag später stehen sie vor der großen Mauer und werden gefangengenommen.
Dort erfahren sie, dass es sich bei diesem furchteinflössenden Wesen um einen Taotie handelt. Einem Vielfraß von saurierähnlicher Gestalt und alle 60 Jahre als Armee zum Leben erweckt - vor allem erscheint es den Menschen, die mit Gier und Völlerei in Verbindung gebracht werden. Die riesige Armee des Kaisers (Wang Junkai) hat die Aufgabe, dass die Monster die hohe imposante Mauer nicht überqueren können. Und die ist gut vorbereitet mit einer Nahkampf-Truppe, einer Akrobatikeinheit, den Bogenschützen und weiteren Spezialeinheiten. Bald bemerken William und Pero, dass es nicht einfach ist den ort zu verlassen. Mit dem undurchsichtigen Ballard (Willem Dafoe) lernen sie einen weiteren Europäer kennen, der schon Jahre lang in der Festung gefangen gehalten wird. Die mutigsten Kämpfer von General Wus (Eddie Peng) Armee  in der bevorstehenden Schlacht mit den monsterhafen Fabelwesen sind Lin Mae (Tiang Jin), Wang (Andy Lau) und der junge Peng Yong (Lu Han). Im ersten Angriff schlagen sich auch William und Pero sehr gut, so werden sie zu Verbündeten der Armee. Doch noch immer existiert der Plan das Schwarzpulver in der Festung zu entwenden und zu türmen. Doch William spürt immer mehr Verantwortung für diesen Kampf gegen die Tao Tei, die vermutlich aus einem grünen Meteor stammten, der 2000 Jahre zuvor im Gouwo-Berg abstürzte. Lediglich dieser Magnet könnte eine Chance sein die Monster unschädlich zu machen. Zumindest bei einem gefangenen Exemplar gelingt dies. Doch die Königin der gefrässigen Echsenwesen hat schon einen Tunnel durch die große Mauer gegraben und nähern sich der Hauptstadt des Reiches....




Mit Matt Damon konnte ein Big Star für die Hauptrolle gewonnen werden, aber der Film hat auch noch andere interessante Figuren zu bieten. Die kommen aber etwas zu kurz, weil der Schwerpunkt des Monstermärchens auf den Tricks und CGI Effekten liegt. Die sind zwar gut gemacht, aber nehmen der Geschichte dann aber doch etwas an magischer Atmosphäre. Stattdessen gibts aber grandiose Bilder zum Bestaunen - wie in jedem Zhang Yimou Film. Die beiden oscarnominierten Kameramänner Stuart Drybrurgh (Das Piaon) und Zhao Xiaoding (House of the flying daggers) liefern eine hervorragende Leistung. Und die Tao Tie sind schon richtig originelle Kinomonster mit ihren grünen Körpern und riesigen Mäulern.




Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.