Freitag, 29. September 2017

Alien: Covenant

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Ridley Scott
 
Einzug der Götter...
 
Mit weltweiten Einnahmen in Höhe von bisher 233 Millionen Dollar liegr Ridley Scotts "Alien: Covenant" deutlich schlechter als der Vorgänger "Prometheus" aus dem Jahr 2012, der mit insgesamt 403 Millionen Dollar der bislang finanziell erfolreichste Film der Reihe war. Bei den Filmfans liegen aber vor allem immer noch der Ur-Alien von Ridley Scott (1979) und James Camerons furioser Nachfolger (1986) ganz weit vorne in der Beliebtheitsskala. Beide Filme waren auch zu ihrer Zeit Megablockbuster und haben den Ruhm dieser Alien-Reihe (wenn man die beiden Alien vs. Predator Filme noch mitzählt sind es inzwischen 8 Alien-Kinovarianten) begründet.
Schade eigentlich, dass "Alien: Covenant" bei den Fans nicht so gut wegkommt, denn Ridley Scott ist es gelungen einen perfekten Weltraum-Horrorfilm mit philosophischem Subtext und klasssischer Erzählweise zu inszenieren. Möglicherweise sind aber genau diese beiden Charaktereigenschaften des 122 Minuten langen Science Fiction Film auch die Kritikpunkte eines jungen Kinopublikum. Denn der muss - bevor es zur Sache geht - sich auf eine eher komplexe Handlung einlassen können und auch Interesse zeigen für die Themen des Films. Neben dem "Alien" ist dies auch eine Geschichte über künstliche Intelligenz und über die beiden Androiden David und Walter.
Hier zeigt der deutsch-irische Schauspieler Michael Fassbender eine seiner bisher besten Leistungen. Auch die neu eingeführte Frauen-Figur Daniels, gespielt von Katherine Waterston ist genial gelungen - endlich eine würdige Nachfolgerin für die unverwüstliche Ripley.
Der Filmtitel selbst bezieht sich auf die Bibel, wenn dort vom "Land of the Covenant" die Rede ist, dann meint dies den Alten Bund zwischen Gott und Mensch. Und die Frage nach der Existenz Gottes wird in der ersten Szene von Alien: Covenant auch gestellt.
Der Androide David (Michael Fassbender) ist eine von Menschenhand geschaffene künstliche Existenz, der sich von einem echten Mensch nicht unterscheidet. Geschaffen wurde David von dem Bioingenieur Peter Weyland (Guy Pearce). "Wenn sie mich erschaffen haben, wer hat dann sie erschaffen ?" lautet die Frage des Androiden an seinen "Schöpfer" und ist gleichsam irritiert, weil er nicht wie sein Vater sterblich ist.
Aus den ersten Alienfilmen wissen wir natürlich, dass Androiden immer etwas undurchsichtig sind. Ash aus dem ersten Teil lockte die Crew sogar wissentlich ins Verderben, weil er Prioritäten hatte und es war nicht in allerersten Linie das Überleben des Menschen, sondern das Überleben der Species. In James Camerons "Aliens" rettete aber Android Bishop den Ruf der künstlichen Menschen.
"Alien:Covenant" leistet sich den Luxus mit gleich zwei gleich aussehenden Androiden die Story zu bereichern. Diesen David, geschaffen irgendwann um das Jahr 2088 und das Next Generation Modell "Walter", das im Jahr 2114 ein Raumschiff auf einer Kolonialmission begleitet.  So spielt "Alien: Covenant" genau wie "Prometheus" früher als "Alien", der den Horror an Bord der Nostromo zum Thema hat - aber vor "Aliens" von James Cameron, in dem Ripley 2179 aus einem 57 Jahre dauernden Tiefschlaf erwacht.
In Szene 2 ist der Zuschauer schon Zeuge der Mission. Die Crew des Kolonieschiffs USCSS Covenant erwacht aus einem mehrjährien Hyperschlaf - viel zu früh, aber ein Weltraumsturm hat an Bord eine Explosion ausgelöst, nur durch Reparaturen kann die sichere Weiterfahrt gewährleistet werden. Captain Jake Branson (James Branco) zählt leider zu den Opfern, die die Explosion gefordert hat - nun muss  Christopher Oram (Billy Crudup) die Nachfolge übernehmen. Der ist nicht ganz so beliebt wie sein Vorgänger. Im Kolonieschiff befinden isch ausser der Crew über 2.000 schlafende Menschen, die als Siedler auf dem Planeten Origae-6 leben wollen. Ebenso an Bord 1.140 menschliche Embryonen. Als ein Funkspruch empfangen wird, muss sich die Crew entscheiden, ob sie sich noch einmal 7 Jahre in den Tiefschlaf legt oder diesem Signal nachgeht. Denn der Planet, von dem das Signal kommt, ist nur einige Woche Fahrt entfernt. Nur seltsam, dass niemand vorher von der Existenz dieses Planeten eine Ahnung hatte - denn für die Kolonialisierung scheint der neue, nicht ganz so ferne Planet genauso gut geeignet. zu sein.
Nur Daniels (Katherine Waterston) ist sehr misstrauisch, aber sie wird überstimmt. Als die Crew den Planet betritt, offenbart sich aber neben den guten Lebensbedingungen eine dunkle und gefährliche Welt. Zwei Crewmitglieder werden mit fremden Sporen infiziert mit der Folge, dass ausserirdische Wesen sich in den menschlichen Körpern heranbilden und sich natürlich den Weg nach Aussen suchen - das beliebte Alien-Motiv.
Und der Androide Walter (Michael Fassbender) wird bald seinen Vorläufer David (Michael Fassbender) kennenlernen...




Ridley Scott lässt sich viel Zeit die Geschichte zu erzählen, erst im letzten Drittel des Films dominiert das Alien und läuft auch actionmässig zur Höchstform auf. Im Mittelteil gefällt die klassische Geschichte von den "10 little Indians", die ja auch den Ruhm des Erstlings begründete. Die erstmals in Erscheinung tretenden Neomorphen sind eine Variante der Xenomorphen, ausserirdischen Wesen aus den vorigen Alien-Filmen. Ähnlich wie der von Menschen geschaffene Hybrid-Saurier in "Jurassic World" stehen diese Monster für die Kreativität für eines Special Effects Supervisor. Für "Alien:Covenant" wurde Dan Oliver verpflichtet. Diese Kreaturen besitzen mitunter eine weiß-graue Haut mit einem etwas lichtdurchlässigen Aussehen und eine große Anzahl von Reißzähnen. Nach ihrer Geburt laufen diese Aliens zuerst auf allen Vieren, später richten sie sich wie wir Menschen auf zwei Beinen auf. Natürlich hegt David eine große Sympathie für diese perfekte Species...und alle Alien Filmfans natürlich ebenso, Scott hat sogar ein paar Themen aus "Blade Runner" mit aufgenommen. Für mich einer der überzeugendsten Genrefilmen dieses Jahres.




Bewertung: 9 von 10 Punkten. 

Mittwoch, 30. August 2017

A Cure for Wellness

























Regie: Gore Verbinski

Das Wellness-Sanatorium...

Gore Verbinskis Filme sind sehr kommerziell und schon im Voraus als Blockbuster angelegt. Er ist der Regisseur der ersten drei "Fluch der Karibik" Filme und auch "Lone Ranger" war an der Kasse erfolgreich. Für seinen Animationsfilm "Rango" erhielt er sogar den Oscar in der Kategorie "Bester Animationsfilm".  Seinen großen Durchbruch feierte er aber im Horrorfach mit dem US-Remake des japanischen Streifens "Ring". Mit dem opulenten und ambitionierten "A Cure for Wellness" versuchte er sich nach 14 Jahren nun zum zweiten Mal in diesem Genre. Herausgekommen ist ein bildgewaltiger Mysteryschocker, der rein optisch und auf die Schauwerte bezogen ein bisschen an Guillermo del Toros "Crimson Peak" erinnert - also etwas überfrachtet, aber durchaus als Hommage an die früheren Hammer-Classics einzuordnen.
Verbinski hat ein gutes Auge für Ästhetik, was man schon in den Anfangsszenen erkennt, wenn die Fahrt mit dem Zug ins Sanatorium gezeigt wird und diese tollen Kameraeinstellungen (Chefkameramann: Bojan Bazelli) und ein richtig gutes Setdesign (Eve Stewart) setzen sich bis zum Ende des 147 Minuten langen Films auch fort.  Beides steuert sehr viel zu dieser bedrohlichen Atmosphäre bei, die diese Geschichte braucht. Ein bisschen "Zauberberg" von Thomas Mann scheint genauso wie Paolo Sorrentinos "Ewige Jugend" äusserst gut als Kulisse zu funktionieren. Ein Sanatorium, dass so gut ist, dass man gar nicht mehr daran denkt, von dort weg zu gehen.
"A Cure for Wellness" ist eine deutsch-amerikanische Coproduktion und spielt in den schweizer Alpen, daher gibts auch in der Dorfwirtschaft eine Jukebox mit Songs von "Bilderbuch" und "Oomph".
In der ersten Szene wird der Zuschauer Zeuge eines Herzinfarktes. Ein Mann, der vor seinem PC sitzt und dabei Mineralwasser trinkt. Er hat einen Brief in der Hand und streicht mit dem Finger über das ungewöhnliche Briefsiegel (2 Schlangenköpfe) und dann bemerkt er ein Unwohlsein und ein beklemmendes Gefühl in der Brust. Eine Minute später liegt der Mann tot auf dem Boden. Todesursache: Der überarbeitete Topmanager einer Finanzdienstleistungsbehörde hatte einen Herzinfarkt.
Durch den Tod des Managers steigt nun auch sein Nachfolger Lockhart (Dane DeHaan) in der Firmenhierarchie nach oben. Der wird auch gleich von seinen Vorgesetzten mit der Mission beauftragt den Aufsichtsratsvorsitzenden Mr. Pembroke (Harry Kroener) so schnell wie möglich nach New York zu schaffen. Der weilt aber zur Zeit und schon seit geraumer Zeit in einem abgelegenen Sanatorium zur Kur. Und sowohl Krankheit als auch Ausruhen passen nicht zu Pembroke, der nun ganz dringend bei der Fusion mit einem anderen Unternehmen gebraucht wird.  Im letzten Brief Pembrokes hat dieser sogar angekündigt, gar nicht mehr heimkommen zu wollen. Für den karrierefixierten jungen Lockhart eigentlich kein Problem, doch so einfach wie er sich die Aufgabe vorgestellt hat, ist sie leider nicht.
Eine eigenartige Faszination geht von diesem Sanatorium in der prächtigen schweizer Bergwelt aus. Das merkt Lockhart schnell und es scheint so als wären alle Patienten aus dem gleichen Grund hier. Der fiesen und brutalen Geschäftswelt für ein und alle Mal entsagen und stattdessen sich von jeglichem Ballast reinigen zu lassen. Dazu sollen sich auf Geheiß des Direktors Dr. Heinreich Vollmer (Jason Issacs) sehr viel von diesem Heilwasser trinken, dass hier immer wieder angeboten wird. Dieses therpeutische Spa-Institut hat eine unheimliche Aura, die Patienten wirken seltsamer und noch seltsamer wirkt das Personal. Er kann mit Pembroke sprechen und danach ist der sogar bereit mit ihm abzureisen. Doch plötzlich ist Pembroke verschwunden. Lockhart selbst erleidet einen Unfall, als der Wagen, der ihn ins Dorf bringen soll, unglücklicherweise mit einem Hirsch kollidiert. Als Lockhart aufwacht steckt sein Bein in einem Gips. Nun muss er seine Mission unterbrechen und lernt dabei die junge Hannah (Mia Goth) kennen. Und er versucht dem Geheimnis dieses Wellness Tempels auf den Grund zu gehen...





Das Drehbuch von Justin Haythe hat zwei Fixpunkte, die die Geschichte bereichern. Zum einen sind es die finsteren Machtpraktiken der heutigen Geschäftswelt, von dem sich ein Wirtschaftshai wie Pembroke oder auch der junge Lockhart leiten lassen. Demgegenüber steht das Wellnessangebot. Doch das scheint ein doppelter Boden zu sein. "A Cure for Wellness" heißt ja auch übersetzt "Eine Heilung von der Wellness" und nicht "durch die Wellness". Zum zweiten werden diese finsteren Legenden erzählt, die sich damals im Jahr 1814 dort oben im Schloß (das heutige Sanatorium) ereigneten. Sehr gelungen sind die wiederkehrenden Motive in Form dieses sonderbaren Mineralwassers und die Visionen von Aalen.Ein bisschen kann man dem Film vorwerfen, dass er durch diese zwei tragenden Komponenten ein bisschen überfrachtet ist, was dann auch tatsächlich dazu führt, dass es wirkt, als wären die Macher etwas unentschlossen gewesen sein, welcher Richtung sie den Vorzug geben. Am Ende kommt dann noch eine trashige Gothic-Note dazu - doch insgesamt bleibt der Film dennoch gelungen als gruslige "Shutter Island" Variante mit einem guten Hauptdarsteller, dem noch unverbrauchten Gesicht von Dane DeHaan, der mit seinen detektiven Erkundungen in diesen endlosen Räumen des riesigen Sanatoriums in große Gefahr gerät. Er und die britisch-brasilianische Nachwuchsdarstellerin Mia Goth sind die prägenden Gesichter dieses Films. Die Dreharbeiten finden in Zwickau statt und aus der Burg Hohenzollern wurde der ominöse Wellnesstempel.





 Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Freitag, 18. August 2017

Die Stunde wenn Dracula kommt

























Regie: Mario Bava
Blutrünstige Vampire...
"Die Stunde wenn Dracula kommt" heißt im Original "La Maschera Lel Demonio" und war Mario Bavas erste Regiearbeit. Um eine bessere Kinoauswertung zu erzielen, wurde im deutschen Verleihtitel der Name des berühmtesten Vampirs eingepflegt und auch in der deutschen Fassung wird einige Male Bezug auf Dracula genommen. Zum Beispiel äussert in der Inquisitonsszene am Anfang die Off-Stimme den Verdacht, dass der verurteilte Graf Igor Javutich (Arturo Dominici) in Wirklichkeit sogar Dracula sei.
Im Original sind diese Textpassagen anders, denn die Geschichte führt den Zuschauer nach Moldawien. In der ersten Szene wird im Jahr 1630 von einem Inquisitionsgericht der Adligen Prinzessin Asa (Barbara Steele) gemeinsam mit ihrem Geliebten Javutich der Prozess gemacht. Sie wird als Hexe beschuldigt und auch zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung ist brutal - denn sie wird gebrandmarkt und dann wird der Hexe eine Dornenmaske auf das Gesicht geschlagen. Dann soll der Leichnam noch auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden, damit die Flüche, die sie kurz vor ihrem Tod gegen ihren eigenen Bruder, den Inquisitor Vaida, aussprach, wirkungslos werden. Ein plötzlich einsetzender Wolkenbruch verhindert aber die Verbrennung und so geschahen vor 100 Jahren am Todestag der Hexe und ihrem bösen Liebhaber seltsame Todesfälle in der Familie und auch im Dorf, an diesem Tag häuften sich auch die Katastrophen in der Gegend.
Inzwischen sind aber 200 Jahre vergangen und wieder ist Jahrestag. Die beiden Ärzte Dr. Thomas Grubajan (Andrea Checci) und sein jüngerer Assistent Dr. Andre Gorobec (John Richardson) mit der Kutsche unterwegs zu einem Kongress. Kutscher Niko (Mario Passante) ist ein ängstlicher Typ, der die beiden Akademiker warnt nicht die Abkürzung durch den Wald nehmen zu wollen. Doch für ein gutes Trinkgeld vergisst er seine Sorgen. Als die Kutsche in der Nähe des alten Schlosses der Familie Vaida ein Rad verliert und man Zeit hat die Beine zu vertreten, entdecken die Männer die Familiengruft, wo sich auch die Grabstätte von Asa befindet. Asa ist in einem Steinsarg mit einer Öffnung über ihrem Gesicht aufgebahrt. Am Kopfende des Sargs ist ein großes Steinkreuz angebracht, dessen Anblick die Hexe bannen soll. Als Krubajan von einer Fledermaus attackiert wird, zerschlägt er das Steinkreuz mit seinem Stock. Aus einer Wunde an seiner Hand tropft Blut auf Asa. Natürlich ahnen Krubajan noch nicht, dass er damit den Grundstein für die Auferstehung von Asa gelegt hat. Kurz danach treffen sie auch noch auf die junge Katja (wird ebenfalls von Barbara Steele gespielt), der Tochter des alten Fürsten (Ivo Garrani) - auch Katjas jüngerer Bruder Konstantin (Enrico Olivieri) lebt dort. Sofort fällt die starke Traurigkeit und Todessehnsucht der jungen Frau auf, dies wirkt aber anziehend auf den jungen Dr. Gorobec. Man verabschiedet sich und die Kutsche fährt weiter ins nächste Dorf. Dort übernachten die Männer im Wirtshaus. Inzwischen steigt auch Javutich von seinem Grab auf dem örtlichen Friedhof auf. Sonia (Germana Dominici), die Tochter der Wirtin, wird Zeuge eines sonderbaren Vorfalls. Dann überschlagen sich die Ereignisse...




Im Grunde erinnert Bavas Film tatsächlich an die alten Dracula Erzählungen und so präsentiert der superb von Ubaldo Terzano fotografierte Horrorfilm eine bekannte Geschichte mit den üblichen Versatzstücken und einigen Abwandungen.
Es ist also nicht zwingend die Geschichte selbst, die hier funktioniert - es ist vor allem die Art, wie Mario Bava den Film ausgestaltet. Kamera, Ausstattung....alles erste Sahne. Die Bilder haben alles, was einen richtigen Horrorklassiker ausmacht und so beweist sich bereits in der legendären Anfangsszene bei der Hinrichtung, dass "Die stunde, wenn Dracula kommt" ein durch und durch visueller Film ist. Bava studierte Malerei und dies ist eindeutig erkennbar. Der italienische Kultregisseur hat eindeutig ein hervorragendes Auge für gute Bilder und deren Wirkung. Die nagelbesetzte Bronzemaske wirkt furchteinflössend und der Schlag mit dem Beil des Henkers auf diese Maske, die die Hexe tragen muss, ist in Sachen gewaltvollen Szenen noch viel stärker als in einem neuen moderenen Horrorwerk wie "Saw".
Nicht unsonst war der Film lange Zeit nur ab 18 Jahren freigegeben. Barbara Steele wurde aber mit diesem Film weltberühmt. Noch heute gilt sie als die "Scream Queen" überhaupt. Die klasse Bildkompositionen des Films erinnern auch gelegentlich an die großen Universal Horrorfilme wie "Dracula" von Tod Browning oder "Frankenstein" von James Whale. Freunde der Hammer Movies werden auch bemerken, dass Mario Bava sich auch mit diesen Filmen bestens auseinandergesetzt hat. Bava selbst hat ja auch mal behauptet, dass bei einem Horrorfilm 70 % die Fotografie zum Gelingen einer perfekten Atmosphäre ausmacht. Hier hat er uneingränkt Recht - seine Mischung aus sadistischen Szenen und einem Märchen wirkt auch heute noch großartig.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Montag, 7. August 2017

Kong: Skull Island
















Regie: Jordan Vogt-Roberts

Die Insel des Riesenaffen...

Für den Spiegel ist der neue Monsterfilm "Kong Skull Island" ein atemberaubend reaktionärer und menschenverachtender Schrott und der Uraufführungstag 9. März der schlimmste Tag des hiesigen Kinojahres. Natürlich hat diese Kritik in einem Punkt recht: Originalität und Innovation sucht man beim Blockbuster der neuen Regiehoffnung von Jordan Vogt-Roberts (Kings of Summer) vergeblich. Aber Freunde von Monsterfilmen kommen hier schon richtig auf die Kosten, auch wenn man zuerst glaubt, dass mit dem ersten Angriff auf den Riesenaffen bereits sämtliches Pulver verschossen worden sein könnte.
Doch der Reihe nach. Die erste Szene führt den Zuschauer zurück in den Pazifikkrieg im Jahre 1944. Zwei Fallschirme landen auf der Insel Skull Island. Es handelt sich dabei um den Amerikaner Hank Marlow (Will Brittain) und den Japaner Gunpei Ikari (Miyavi). Natürlich wird sofort gekämpft, doch das Duell wird unterbrochen von dem Herrn dieser Insel: King kong.  Danach Ort- und Zeitwechsel in die 70er Jahre. Soeben hat Präsident Nixon beschlossen die US-Boys aus Vietnam abzuziehen und für einige der Soldaten ist aber sofort wieder eine neue Mission in Aussicht. William Randa (John Goodman) und sein Mitarbeiter Houston Brooks (Corey Hawkins) können den Senator (Richard Jenkins) überreden, dass er ihnen eine Expedition nach Skull Island genehmigt und zu diesem Zweck brauchen sie Soldaten, eine geübten Fährtensucher (Tom Hiddleston), eine Biologin (Jing Tian) und eine Fotografin (Brie Larson), die alles auf Kamera festhält, was dort in der unentdeckten Landschaft vorhanden ist. Randa ist sich sicher, dass dort Flora und Fauna noch einen urzeitlichen Kern aufweisen.
Der Befehlshaber der Soldaten ist der kampferprobte Lieutenant Colonel Packard (Samuel L. Jackson), der psychisch sehr stark vom Krieg und den Kämpfen gezeichnet ist und viel Hass in sich trägt. Andererseits können ihm seine Männer wie Major Chapman (Tobey Kebell), Houston Brooks (Corey Hawkins), Slivko (Thomas Mann), Cole (Shea Whigham), Reles (Eugene Cordero) oder Landsat Steve (Marc Evan Jackson) vertrauen und sich auf ihren Chief verlassen. Noch wissen die Soldaten nicht, was sie auf der Insel erwartet. Aber spätestens als sie mit 17 Helikopern auf der Insel landen wollen und in einen Kampf mit einem Riesenaffen verwickelt werden, der sämtliche Flieger zum Absturz bringt. Nun sind die Überlebenden verstreut auf einer Insel, die noch weitere Gefahren offenlegt. Riesenkraken, Riesenspinnen, rieisge Urochsen, Pterosaurier und ganz fiese Echsen, die man "Schädelkriecher" nennt,  haben immer einen guten Appetit. Und natürlich ist auch Kong präsent...





Mit dem Hauptmonster kommt aber auch eine weitaus weniger menschenverachtende Species in den Mittelpunkt des Geschehens, denn der Zuschauer wird einmal mehr erkennen, dass nicht jedes scheinbar furchterregende Monster tatsächlich ein Feind ist. Bereits der Urkingkong aus dem Jahr 1933 rettete die weiße Frau Anne Darrow, damals gespielt von Fay Wray und man fühlte mit dem Monster, als es auf der Spitze des Empire State Buildings von den Fliegern der US-Army tödlich getroffen wird. "Die Schönheit hat das Biest getötet" und "Kong Skull Island" geht noch einen Schritt weiter in Richtung Kong als Menschenfreund. Denn er ist der letzte Helfer der Iwi-Eingeborenen gegen die Allmacht der Schädelkriecher-Reptilien. Der letzte seiner Art sozusagen und Samuel L. Jackson mutiert aber als rachsüchtiger Captain Ahab, der den Riesenaffen (verantwortlich für den Tod vieler seiner Männer) unbedingt erledigen will, obwohl inzwischen die Fotografin Mason Weaver im lauf der Handlung zu einer "Weißen Frau light" wurde, sich in den besonennen Kriegsveteranen James Conrad verliebt hat, der auch erkannt hat, dass das Überleben von Kong wichtig für das Gleichgewicht der Natur ist. Hier ist sogar deutliche Kritik an der jetzigen US-Kritik spürbar, wenn man etwas nachdenkt. Und interessanterweise sind es eher die kritischen, eher politisch links orientierten Figuren der Geschichte, die richtig liegen im Gegensatz zum reaktionären Verhalten des Armee-Befehlshabers.
Optisch wird mit der Odyssee durch den Dschungel auch ein bisschen Bezug zu "Apocalypse Now" aufgenommen, nur sind diesmal gefrässige Urzeitmonster die Feinde des Menschen. Unterstrichen wird dieser Eindruck noch von der Musik, dieser Zeit und durch die Soldaten selbst, die wie die Kameraden aussehen, die  Captain Willard auf dem Patrouillenboot den Mekong flussaufwärts Richtung Kambodscha begleiten. Als Monsterfilm ist "Kong Skull Island" durchaus gelungen, bietet er doch eine Reihe von gut gemachten Szenen. Nur darf man nicht viel Neues erwarten. Aber wie schrieb bereits der beliebte Wilhelm Busch in seinen Streichen von Max und Moritz über Witwe Bolte "Für was sie besonders schwärmt, wenn es wieder aufgewärmt". Und vielleicht steckt in jedem von uns ein bisschen was von ihr...






Bewertung: 6,5 von 10 Punkten. 

Montag, 31. Juli 2017

Black House

























Regie: Sin Tae-ra

Der Soziopath...

 Black House" ist ein südkoreanischer Thriller aus dem Jahr 2007, der im Original "Geoneun Jib"heißt und von Sin Tae-ra inszeniert wurde. In der ersten Hälfte des Films steht auch tatsächlich "Suspence" auf dem Programm - leider will der Film beim Showdown zuviel und da gilt wieder das ganz einfache, aber wirkungsvolle Prinzip "Weniger wäre mehr gewesen". Denn der Schlußakkord wird immer wieder durch einen neuen Höhepunkt hinausgezögert, was leider am Ende die Atmosphäre doch sehr stört.
Schade, denn "Black House" wäre auch ein guter Neo-Noir Beitrag mit viel Horror geworden.

 Es geht erstklassig los. Die Stimmungen und die Locations wurden von der Kamera sehr wirkungsvoll eingefangen. Und hier am Anfang spielt sich der Horror hauptsächlich im Kopf des Betrachters ab.
Als Vorlage diente ein Roman des Japaners Yusuke Kishi, der bereits 1999 in Japan verfilmt wurde.
Ruhig und bedacht werden die Figuren der Geschichte eingeführt.
Der Versicherungsagent Jeong Juno (Hwang Jeong-min) hat als Kind mitansehen müssen, wie sein jüngerer Bruder Selbstmord beging, indem er von einem Hochhaus in die Tiefe stürzte. Dies hat ihn zu einem sehr empathischen Menschen gemacht. Dies bemerkt sein neuer Chef Nam (Kim Jeong Seok) sofort und es könnte vielleicht ein Nachteil für den Job als Versicherungsagent sein. Trotzdem findet der Gefallen an seinem neuen Mitarbeiter. Er soll aber bloss nie etwas von seinem Privatleben preisgeben, skrupellose Kunden könnten sowas total ausnützen. Gleich einer seiner ersten Fälle hat es auch schon in sich. Er soll den Kunden Chung-Bae (Kang Shin-Il) besuchen, der mit dem letzten Mitarbeiter der Versicherung nicht zufrieden war und extra darauf bestanden hat, dass der Neuling Jeong Juno für ihn tätig werden soll. Dabei kann sich Jeong Juno nicht erinnern, dass er den Mann kennt. Der Kunde hat 2 Lebensversicherungen abgeschlossen, eine für seine gehbehinderte Frau Yi-hwa (Seon Yu) und für deren kleinen Sohn aus erster Ehe. Die Familie lebt in einem abgelegenen, heruntergekommenen Haus und Jeong Juno wird bei diesem Besuch Zeuge, dass sich der kleine Junge im Nebenzimmer erhängt hat. Immer wieder hat der Vater selbst durch Verstümmelungen am eigenen Körper höhere Summen von der Versicherung kassiert und in Jeong Juno keimt der Verdacht, dass es gar kein Selbstmord war und er selbst als Zeuge missbraucht worden ist. Die Polizei sieht das anders und tut die Einwände des Versicherungsmannes als "üblich, wenn es ums Zahlen geht" ab. Doch der junge Mann lässt nicht locker und ermittelt auf eigene Faust. Sehr zum Ärger seiner Freundin, der Ärztin Mi-Na (Seo-hyeong Kim)...




Natürlich gerät er dadurch in große Gefahr, denn lange erkennt er nicht den doppelten Boden und unterschätzt den Gegner. "Black House" ist zwar ein bisschen vorhersehbar, wenn man die Geschichte aufmerksam verfolgt, dies tut der Spannung im ersten Teil aber keinen Abbruch. Im Gegenteil. Wir erleben, dass der etwas schüchterne und ängstliche Held immer stärker wird, aber von seiner Antipathie gegen den unsympathischen Versicherungsbetrüger immer mehr aufgefressen wird. Der Film ist die Geschichte eines grausamen Soziopathen und die Geschichte einer nie aufgearbeiteten Vergangenheit. Am Ende kommt dies auch noch einmal in einer Schlüsselszene eindrücklich zur Geltung. Dass Bösewichte nicht tot zu kriegen sind, wissen die Horrorfans nicht erst seit Michael Myers immer wieder auf die Beine kommt. Auch wenn die Logik was anderes besagt. So gesehen hat "Halloween" das Genre nachhaltig extrem geprägt - im Guten wie im Bösen. In manch anderen Filmen sehnt man dann irgendwann den gerechten Filmtod herbei, weil das Monster immer wieder aufsteht und Kugelhagel, Feuersbrünste oder Hochhausstürze überlebt. So erinnert "Black House" am Ende leider wieder an diese unendlichen, nie enden wollende Duelle zwischen Gut und Böse wie beispielsweise in Barbet Schroeders ansonsten gut inszenierten "Weiblich, ledig, jung sucht...".  Dieser sich langsam steigendernde Wahnsinn solcher Geschichten braucht einen perfekt platzierten Schlußpunkt. Dies ein Manko solcher Filme. "Black House" ist ein guter Genrefilm, der allerdings 20 Minuten vor Schluss seinen toll aufgebauten Suspence Anteil verspielt.




Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.