Montag, 13. November 2017

Personal Shopper

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Olivier Assayas
 
Auf Identitätssuche...
 
Der französische Filmregisseur Olivier Assayas ist in Deutschland vor allem durch die Terroristenbiographie "Carlos" bekannt. Für den Episodenfilm "Paris Je t´aime" steuerte er die 11. Episode "Quartier des Enfant Rouges" bei. In seinem 2016 gedrehten "Personal Shopper" hat er alles auf die Präsenz der US-Schauspielerin Kristen Stewart gesetzt, die durch ihre Rolle der Bella Swan in den Blockbustern "Twilight" zwar ein weltberühmter Teeniestar wurde, aber nun ernsthafte Probleme hat als gute Schauspielerin anerkannnt zu werden. Ein Risiko also, denn der gesamte Film dreht sich um den von ihr verkörperten Cahrakter und es gibt kaum eine Szene, in der sie nicht im Bild ist. Assayas und sein Kameramann Yorick Le Saux arbeiten mit Nahaufnahmen und es war das erklärte Ziel mit viel Nahaufnahmen ihr hübschen Gesicht und ihre Bewegungen ganz intensiv einzufangen. Jede Geste, jede noch so feine Bewegung ist so sichtbar und darüberhinaus entzieht sich "Personal Shopper" jeglicher Genrezuordnung. Man kann vielleicht von einem Mix aus Arthaus und Geisterfilm drehen, als filmischen Verwandten der letzten Zeit würde ich Jonathan Glazers "Under the Skin" nennen, obwohl die Handlung total verschieden ist. Aber die Mischung aus Horror und Kunst war auch dort sehr stark sichtbar.
Wenn man eine Nähe zu echten Filmklassikern sucht, dann kommt sicherlich Polanskis "Ekel" in den Sinn.
Somit nicht jedermanns Sache, aber ein gewisse Faszination wird der Zuschauer efahren, der sich auf die ungewöhnliche Geschichte einer ungewöhnlichen jungen Frau einlassen kann.
Maureen Cartwright (Kristen Stewart) ist in der High-Fashion-Welt zuhause. Nicht als Model, sondern als Einkäuferin und Körperdouble für das berühmte Top-Model Kyra (Nora von Waldstätten). Sie muss für sie die Kleider- , Schmuck- und Accessoireseinkäufe erledigen. Aufgrund ihrer körperlichen Statur sind auch die Anproben Pflicht und sie kennt den Geschmack ihrer biestigen Chefin in- und auswendig. Für Kyra reist sie von Paris aus quer durch Europa. Maureens Zwillingsbruder Lewis starb vor kurzem mit 27 Jahren an einem Herzinfarkt. Sie befürchtet nun, da sie das gleiche genetische Herzproblem haben, dass sie auch sehr jung sterben muss. Beide spirituell begabt und Lewis glaubte noch stärker daran, dass er Verbindungen zur geistigen Welt hat. Maureen bleibt über Nacht im Hause ihres Bruders. Seine Freundin Lara (Sigrid Bouaziz) will die Villa an zwei Freunde (Audrey Bonnet/Pascal Rambert) verkaufen. Die beiden sind es auch, die Maureen die Bilder der schwedischen Künstlerin Hilma af Klint nahe bringen. Mit ihrem Freund Gary (Ty Olwin), der in Oman arbeitet, hat sie Kontakt per Video-Chat. Im Haus des Bruders versucht sie mit dem Toten kontakt aufzunehmen, denn die beiden haben sich geschworen, dass sie bei einem Tod dem Hinterbliebenen eine Nachricht aus der anderen Welt zukommen lassen. Sie spürt tatsächlich eine Präsenz. Am anderen Tag lernt sie Kyras Liebhaber Ingo (Lars Eidinger) kennen, der an ihr interessiert scheint. Am nächsten Tag steht London auf dem Programm. Ein unbekannter schickt ihr SMS-Nachrichten. Sie glaubt, dass es ihr Bruder ist....




Neben den rätselhaften Dingen, die im Haus des Verstorbenen passieren, kommt nun auch ein Unbekannter Anrufer dazu. Dies alles ereignet sich während Maureen ihren Job als Personal Shopper erledigt. Ganz nebenbei wird sichtbar, dass die junge Frau auf der Suche nach einer eigenen Identität sein muss. Ausserdem zweifelt sie stark an ihrer spirituellen Gabe. In großen Teilen des Films ist die Frau alleine und einsam. Sie unterhält sich mit unbekannten Anrufern und mit Geistern. Sie spürt auch Lust am Verbotenen. Assayas lässt dem Zuschauer viel Interpretationsraum. Es gibt nicht auf alle Fragen die entsprechenden Antworten.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 
 

The Autopsy of Jane Doe

























Regie: Andre Ovredal

Neues aus der Forensik...

Der norwegische Regisseur Andre Ovredal wurde den Horrorfans durch das Found Footage Mockumentary "Troll Hunter" bekannt. Mit "The Autopsy of Jane Doe" ist ihm nun ein zweiter guter Genrebeitrag gelungen.  Im Grunde genügt ein sehr minimalistisches Konzept um eine große Wirkung zu erzielen. Durch den begrenzten Schauplatz der Geschichte ist "The Autopsy of Jane Doe" auch ein perfektes Kammerspiel.
Lediglich in der ersten Szene wird der Zuschauer an einen anderen Schauplatz geführt. In einem Haus des kleines Ortes Grantham in Viriginia findet Sheriff Burke (Michael McElhatton) drei brutal ermordete Leichen. Im Keller liegt das vierte Todesopfer, eine junge Frau (Olwen Catherine Kelly). Da diese - anders als die anderen - relativ unversehrt aussieht, gibt diese tote Frau noch weitere Rätsel auf. Er möchte so schnell wie möglich wissen, wie diese Frau zu Tode kam und drängt noch am Abend auf eine Obduktion. Für diese Aufgabe ist Coroner Tommy Tilden (Brian Cox) zuständig. Sein Sohn Austin (Emile Hirsch) hilft ihm dabei. An diesem Tag hat Austin aber eine Verabredung mit seiner Freundin Emma (Ophelia Lovibound), er hat keine Lust Überstunden zu machen. Doch als die Leiche gebracht wird, bringt er es nicht übers Herz, seinen Vater alleine zu lassen. Er vertröstet Emma und verspricht ihr, dass sie gemeinsam in die Kino Spätvorstellung gehen werden. Eine Tote, die Geheimnisse verbirgt...es fehlen die Totenflecken, es ist keine Totenstarre eingetreten. Ausserdem entdecken die beiden, dass die Zunge herausgeschnitten wurde und ihr Mörder hat der Frau sowohl Fuß- als auch Handgelenke gebrochen. Je mehr die beiden Männer die Leiche öffnen und studieren, desto mehr verändert sich der Arbeitsplatz im Keller des Hauses. Es geschehen seltsame Dinge. Blut läuft aus dem Kühlschrank und die Katze verletzt sich schwer im Lüftungsschacht. Hat all das etwas mit der Leiche zu tun ?




Andre Ovredals Horrorfilm hat eine ganz starke erste Stunde, das Finale kann nicht ganz mithalten. Auch einige Ungereimtheiten in der Story fallen auf. Aber es überwiegen die positiven Aspekte. Zum einen haben es die Macher verstanden einen Schauplatz zu wählen, der gleich zu Beginn düster und unfreundlich wirkt: Der Arbeitsplatz des Gerichtsmediziners inklusive Leichenhalle und Krematorium. Diese Location ist sehr atmosphärisch ausgestattet und geradezu ein idealer Platz, in dem sich geisterhafte Phänomene entwickeln können oder in dem sich Hexen wohlfühlen. Die Drehbuchschreiber Ian Goldberg und Richard Naing führen den Zuschauer sehr präzise zu einem sehr alten Ritualmord und zu den berühmt-berüchtigten Hexenprozesse von Salem im Jahre 1692. Mit Brian Cox und Emile Hirsch sind die Hauptrollen optimal besetzt - aber eine noch größere Präsenz hat die junge Irin Olwen Catherine Kelly als tote Frau auf den Obduktionstisch.





Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Dienstag, 7. November 2017

Insel der besonderen Kinder


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie: Tim Burton

Die Insel in Wales
 
Auch wenn er nicht selbst auf dem Regiestuhl saß und "Alice im Wunderland - Hinter den Spiegeln" nur von ihm produziert wurde, gilt der 2016 inszenierte Blockbuster mit einem Einspielergebnis von fast 300 Millionen Dollar als bisher schwächster Film im Tim Burton Fantasy-Kosmos. Wenn er genauso schwach ist als "Alice im Wunderland", dann will ich das gerne glauben. Denn sein größter Hit mit über 1 Milliarde Dollar Umsatz ist für mich gleichzeitig seine bislang am wenigsten überzeugendste Arbeit. Mit "Die Insel der besonderen Kinder" gelang ihm aber wieder einmal ein besserer Film. Was man Tim Burton bislang zu Gute halten muss: Sein filmisches Portfolio hat einen großen Wiedererkennungswert, alle Filme passen inhaltlich gut zusammen und sie haben diesen typischen Tim Burton Touch, selbst wenn sie vom üblichen Fantasy- und Gruselschema abweichen wie "Big Fish", "Big Eyes" oder "Ed Wood".
Der Film basiert auf dem Roman "Miss Peregrines Home for Peculiar Children" und ist eine Fantasygeschichte zum Thema "Zeitschleifen" und bietet auch durch die fiesen Hollows einige markante Horror-Elemente.
Erzählt wird die Geschichte des 15jährigen Außenseiters Jack Portman (Asa Butterfield), der eine ganz besonders innige Beziehung zu seinem Großvater Abraham (Terence Stamp) hat. Jacks Vater Franklin (Chris O´Dowd) sagt, dass Abe sicherlich ein optimaler Opa ist, aber als Dad soll er völlig versagt haben. Schon als Jack ein kleiner Junge war erzählt Abe von seiner Vergangenheit und diese Geschichte driften oft ins Märchenhafte ab. Abe soll als Jugendlicher ganz besondere Kinder gekannt haben. So auch Fiona Frauenfeld (Georgia Pemberton), die Pflanzen vergrößern und auch sonst kontrollieren kann. Den unsichtbaren Millard Nullings (Cameron King) oder die kleine Bronwyn Buntley (Pixie Davis). Olive Abroholos Elephanta (Lauren McCrostie) kann zum Beispiel alles anzünden, was sie mit den Händen berührt. Deshalb muss der junge Teenager Handschuhe tragen. Ein anderer Junge namens Hugh Apiston (Milo Parker) hat einen ganzen Bienenstock im Bauchraum. Er braucht nur den Mund aufzumachen und schon tritt ein riesiger Insektenscharm heraus. Horace Somusson (Hayen Keeler-Stone) hat die Gabe die Zukunft zu sehen oder Enoch 0`Connor (Finlay McMillan) kann nicht lebendige Dinge für eine gewisse Zeit zum Leben erwecken. Nicht zu vergessen die maskierten Zwillinge und die hübsche Emma Bloom (Ella Purnell), die leichter als Luft ist und deshalb besonders schweres Schuhwerk tragen muss um nicht in den Himmel aufzusteigen. Das Mädchen kann die Luft und das Wetter kontrollieren.
Diese Kameraden seiner Kindheit sollen auf einer Insel in Wales während des 2. Weltkriegs gelebt haben und wurdenm damals betreut von einer gewissen Miss Peregine (Eva Green), die sich angeblich in einen Vogel verwandeln kann.
Später wird sie noch Zeitschleifen aufgrund ihrer magischen Kräfte erzeugen, die die Zeit konservieren. Die Schleife muss alle 24 Stunden aufs Neue genutzt werden, somit startet der 3. Septmeber 1943 immer wieder aufs Neue, kurz bevor dieses Haus von einer deutschen Bombe getroffen wird. Aber das weiß Jacob noch nicht, als er eines Nachts seinen Opa schwer verletzt im dunklen Wald liegen sieht. Jacob glaubt eine riesige Gestalt im Wald gesehen zu haben. Er ist schockiert, weil jemand die Augäpfel des Opas entnommen hat. Als letztes gibt der Sterbende seinem Enkel den Auftrag die Insel in Wales zu besuchen. Zuerst sind die Eltern wenig erbaut, doch der Junge leidet seit dem Tod seines geliebten Großvaters und so entschließt sich der Vater seinen Sohn auf die Insel zu begleiten. Er lernt dort das Geheimins der Zeitschleifen kennen und einen gefährlichen Mann (Samuel L. Jackson)....





Für die Horrorfans hat Burton dann die Hollowgasts in die Geschichte eingebaut. Das sind langbeinige Kreaturen ohne Augen, die Kinder morden und mit Hilfe der Augäpfel ihrer Opfer wieder ihre frühere menschliche Gestalt annehmen. Ein Kind (Louis Davison) wurde bereits getötet. Eine der besten Szenen findet auf dem Rummerplatz am Pier von Blackpool statt. Dort kämpfen die besonderen Kinder gegen diese Monster.
Auch die Coming of Age Story des Aussenseiters Jacob hat Burton liebevoll integriert. Seine Miss Peregine ist eine Art Mary Poppins, nur etwas verrückter. Eva Green, bekannt als Asa Lord aus "Sin City 2" und als persische Kriegerin aus "300 - Rise of an Empire", liefert ihre bislang beste Leistung ab. Auch Asa Butterfield überzeugt und der Zuschauer fragt sich, ob der Junge das Herz der hübschen Emma erobern kann. Als gruseliges Märchen überzeugt der Film jedenfalls und man kann auch den Detailreichung loben, den Burton hier bietet. Eine wunderbare Ausstattung, viel weniger CGI Effekte, dafür aber eine märchenhafte Atmosphäre, die ein bisschen an ganz alte Klassiker erinnert. Die gute Arbeit wurde auch an der Kasse mit einem Box-Office Ergebnis von ca. 298 Millionen Dollar belohnt.






Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Dienstag, 31. Oktober 2017

Die toten Augen des Dr. Dracula

























Regie: Mario Bava

Das Dorf der Angst...

Mario Bava drehte "Die toten Augen des Dr. Dracula" im Jahr 1966. Der Film heißt im Original "Operazione Paura" und kam am 13. März 1970 in die deutschen Kinos. Die deutsche Synchronisation fügte dem Vampirfürsten Dracula mit in die Handlung ein, in einem wichtigen Satz auf dem Höhepunkt des Films sagt Baroness Graps einen sehr wirren und verwirrenden Dialog "Es ist Draculas Kraft, die in mir steckt. Auch ich werde nun sein Opfer, er bemächtigt sich meiner. Durch mich ist er Melissa. Es sind die Augen des Bösen. Es sind seine Augen mit denen Melissa sieht. Die toten Augen Draculas" und da in der Geschichte noch ein Gerichtsmediziner auftaucht, kam man vermutlich auf den unpassenden Verleihtitel "Die toten Augen des Dr. Dracula". In Wahrheit ist es der Geist der kleinen verstorbenen Melissa Graps, der umhergeht und durch die diabolische Kraft ihrer Mutter Gestalt annimmt. Das kleine Mädchen mit dem springenden Ball wird dabei von dem 7jährigen Jungen Valerio Valerim gespielt, dem man kurzerhand eine Perücke und ein weißes Mädchenkleid angezogen hat - er wirkte besser als die über 100 Mädchen, die bei einem Casting ihr Glück versuchten.
Mario Bava löst sich in den Szenenfolgen immer wieder von der Geschichte - ein Kniff, der den Film etwas schweben lässt. Dazu schwelgt der Regisseur mit dem genialen Auge für das opulente Kinobild mit raffinierten Überblendungen in Hommagen an die Horrorvisionen der Stummfilmzeit. "Die toten Augen des Dr. Dracula" folgt den Gesetzen des Alptraums.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1907. Dr. Eswai (Giacomo Rossi-Stuart) wird von Inspektor Kruger (Piero Lulli) in ein Dorf in den Karpaten gerufen um die Autopsie an einer unter seltsamen Umständen verstorbenen jungen Frau durchzuführen. Es ist aber ein geheimnisvoller Ort, in den er geschickt wurde - der Kutscher will das Dorf sofort wieder verlassen und das Auftauchen des Mediziners sorgt auch nicht gerade für Begeisterung. In der Gaststätte begegnet man ihm reserviert bis feindselig - doch Bürgermeister Karl Arndt (Luciano Catenacci) hat auch ein gewisses Interesse daran, den Fall aufzuklären. Dr. Eswai trifft hier auch auf die junge Monica Shuftan (Erika Blanc), die sich als Einzige bereit erklärt hat, bei der Autopsie als Zeugin zu fungieren. Die junge Frau ist hier geboren, war lange weg und kam zurück um das Grab ihrer Eltern zu besuchen, die beide Bedienstete im Schloß Graps waren.
Sehr schnell bemerkt der Arzt, dass die Dorfbewohner enorm abergläubisch sind und dem medizinischen Fortschritt nicht gerade aufgeschlossen sind.  Sie wollten auch nicht, dass die Tote untersucht wird und wollten sie nur schnell begraben.
Bereits mehrere Menschen sind dort unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen, die Bürger leben in ständiger Angst und Schrecken. Sie glauben, dass der Geist des längst verstorbenen Mädchens Melissa Graps für die scheinbaren Selbstmorde verantwortlich ist. Die Ursache für den Spuk scheint daher auch in dem Schloß der Familie Graps zu liegen, aus dem aber angeblich niemand lebend herauskommt. Dort lebt nur noch die alte Gräfin (Giovanna Gallati), die Mutter Melissas, in scheinbar geistiger Umnachtung. Der Inspektor kehrt nach dem Besuch im Schloß nicht wieder zurück und Nadienne (Micaela Esdra), die Tochter der Wirtsleute, sieht den Geist der toten Melissa, die bereits 1887 im Alter von 6 Jahren verstarb. Man sagt, wer das Mädchen sieht wird ihr in den Tod folgen. Dorfhexe Ruth (Fabienne Dali) soll helfen den Flucht zu bannen. Doch der Fluch ist sehr mächtig...





Schon ab der ersten Sekunde wird der Zuschauer den grausigen Ereignissen ausgesetzt. Eine Frau flüchtet in Panik aus dem Schloß Graps und landet nur wenige Sekunden später auf den Spitzen eines eisernen Tores. Auch eine Wendeltreppe sorgt für tolle Kameraeinstellungen. Die Dreharbeiten fanden in Calcata statt - eine der kulturell interessantesten Städte Italiens. Eine Location wie geschaffen für die surreal alptraumhafte Stimmung der Geistergeschichte - in diesen labyrinthischen Gassen lauert der Zerfall. Die Gassen sind menschenleer, nur die Fremden laufen hier noch nach Einbruch der Nacht herum. Die Dorfbewohner haben sich längst schon in den Häusern eingeschlossen oder sitzen gemeinsam in der einzigen Dorfkneipe und brüten vor sich hin. Insgesamt bietet die Geschichte zwar wenig Neues, doch der Stil des Films ist wie so oft bei Mario Bava einfach umwerfend gut gelungen.






Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Samstag, 21. Oktober 2017

Sieben Minuten nach Mitternacht




















Regie: Juan Antonio Bayona

Das Monster kommt....

Der neue Film des spanischen Regisseurs Juan Antonio Bayona (Das Waisenhaus, The Impossible) heißt "Sieben Minuten nach Mitternach" (Original: A Monster Calls) und ist ein würdiger Nachfolger für Guillermo del Toros frühe Meisterwerke "The Devils Backbone" und "Pans Labyrinth". Dabei behandelt der Fantasyfilm schwere Themen wie Trauer, Abschied und Albtäume, vor allem die kindlichen Albträume eines 12jährigen Jungen. Sterben und Trauerarbeit - man erinnert sich an Darren Aronofskys "The Fountain" aber auch an "The Big Fish" von Tim Burton. Beiden Filmen ist Bayonas Werk überlegen, vor allem wegen der einfallsreichen visuellen Gestaltung und den wunderbaren Animationen, die der Geschichte eine düstere Magie verleihen. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Jugendbuch des amerikanischen Schriftsteller Patrick Ness und handelt von 4 Träumen, dem Jungen Conor O´Malley und einer großen Eibe, die sich in ein knorriges Monster verwandeln kann.
Conor (Lewis MacDougal) lebt bei seiner an Krebs erkrankten Mom (Felicity Jones). Seinen Vater (Toby Kebbell) sieht er nicht oft. Seit der Trennung der Eltern hat der Vater wieder eine neue Frau gefunden und lebt in den USA. Mit der Großmutter (Sigourney Weaver) hat der Junge keinen so guten Draht, denn sie wirkt auf den Jungen sehr streng und pingelig. Conor hat große Hoffnung, dass seine Mutter wieder gesund wird, aber im Krankheitsverlauf gibt es immer wieder herbe Rückschläge zu verzeichnen. In der Schule wird er von dem größeren Harry (James Melville) und dessen Freunden gemobbt und geschlagen, weil er ein Aussenseiter ist. Der Junge wird immer wieder von einem Albtraum geplagt. Die alte Kirche draußen stürzt ein und ein riesiges Loch tut sich auf - dort könnte jemand in die Tiefe stürzen und Conor bemüht sich die Person festzuhalten, so gut es geht. Dann scheinen die Träume real zu werden. Als er 7 Minuten nach Mitternacht erwacht ist die alte Eibe auf dem Friedhofshügel plötzlich zum Leben erwacht und als Monster ist der Baum gekommen, um dem Jungen drei Geschichten zu erzählen. Dafür verlangt der knorrige Riesenbaum aber auch, dass Conor eine 4. Geschichte am Ende beisteuert....




Bayona gelingt es vortrefflich den Fantasyanteil mit den drei Märchengeschichten in die reale Welt des 12jährigen zu verweben. Dabei geht die Geschichte so weit, dass sich der Junge seinem größten Albtraum selbst stellt und dabei am Ende die Wahrheit menschlich und wahrhaftig deuten kann. Das Ende ist auch noch sehr stimmungs- und geheimnisvoll mystisch, denn ein Buch mit den Zeichnungen seiner Mom verleihen dem Monster, das aus den eigenen Gedanken stammt, noch eine zusätzlich bedeutungsvollere Note. Etwas, dass vielleicht über uns schwebt und etwas, dass wir nicht erkennen - nur vielleicht manchmal erahnen können.
Großen Anteil am Gelingen des Films hat auch der junge Lewis MacDougall, der hier eine große Vorstellung gibt. Auch der Kameramann Oscar Faura mit einer beachtlichen Leistung.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.