Donnerstag, 22. November 2012

Gruft der Vampire




Regie: Roy Ward Baker

Die sonderbaren Karnsteins...

1970 hatten die Hammer Studios ihre goldenen Jahre schon hinter sich, in einem immer mehr eher progressiv ausgerichteten 70er Jahre Kino schien der plüschige, wohlig gruslige und gothische Hammer Horror langsam aber sicherlich etwas antiquiert für ein effektives Mitternachts-Movie Publikum zu sein. Darüberhinaus florierte zu dieser Zeit auch der Soft-Erotikfilm.
Grund genug für Hammer ihre Stoffe mit reichlich Freizügigkeit und viel weiblicher Haut zu garnieren. Dies bescherte der "Gruft der Vampire" dann doch ausserordentlich respektable Einspielergebnisse.
1970 war auch das Publikum stark daran interessiert blutjungen Schönheiten bei lesbischen Spielen zuzuschauen...und erste Erfahrungen auf diesem bis dato eher Tabugebiet machen nacheinander die beiden Freundinnnen Laura Spielsdorf (Pippa Steele) und danach Emma Morton (Madeline Smith). Objekt der Begierde ist in beiden Fällen die schöne und geheimnisvolle Marcilla (Ingrid Pitt), die sich schon nach kurzer Zeit zur unentbehrlichen Freundin entwickelt, ihren Namen in Camilla ändert, in Wahrheit aber Mircalla heisst und eigentlich schon längst gestorben sein müsste. Eine Untote...eine verführerische Vampirella, die auf das Blut jünger Mädchen abfährt.
Dieses Rezept gelang kommerziell so gut, dass zwei weitere Filme rund um den Kosmos Karnstein folgten. Teil 2 heisst "Nur Vampire küssen blutig" und ist nur in der Hammer-Box, jedoch nicht als Einzel-DVD erhältlich. Abschluss der Trilogie bildet "Draculas Hexenjagd" mit einem Peter Cushing als entfesselter Hexenjäger.
Inzwischen gilt die Karnstein Saga als Kult und hat bei den Fans einen ausgezeichneten Ruf. Diese Filmen gelten zu Recht als mit die gelungensten Spätwerke des legendären Filmstudios.
Trotz bescheidenen Budget - man musste sogar mit dem amerikanischen Independent Studio AIP zusammenarbeiten, das auch die Edgar Allen Poe Verfilmungen von Corman realisierte.
Für Hammerverhältnisse ist "Gruft der vampire" sogar ein Starfilm geworden. Ikone Ingrid Pitt in der Hauptrolle, auch Peter Cushing konnte für eine wichtige Nebenrolle gewonnen werden. Ausserdem taucht Ferdy Mayne, der Graf Krolock aus "Tanz der Vampire" auf. Dawn Addams als Mutter der Pitt ist dabei. Nicht zuletzt gibt Jon Finch sein Film-Debüt. Einige Monate später spielt er bereits die Hauptrolle in Hitchcocks "Frenzy".


"Gruft der Vampire" ist ein etwas sonderbarer Vampirfilm, der im frühen 19. Jahrhundert in der Steiermark spielt und der vielleicht erst in einem zweiten Anlauf seine Stärke preisgibt. Rein oberflächlich überwiegt da zuerst einmal das Kalkül an der Kinokasse Horror mit Erotik ganz bewusst kombiniert zu haben.
Beim genaueren Betrachten entpuppt sich der Film aber als ein feine kleine Perle, angereichert mit vielen verwinkelten Handlungssträgen und weiteren Schlüssel-Figuren in der Geschichte, wie dem Baron von Hartog (Douglas Wilmer, der in der Anfangssequenz einen weiblichen Vampir (Kirsten Lindblom) köpfen muss oder auch Emmas Lehrerin Madame Perrodot (Kate OMara). Nicht zuletzt taucht immer wieder ein reitender, düster wirkender Mann in Schwarz (John Forbes Robertson) auf...
Tja, entweder liebt man die Hammer Filme oder man kann rein gar nichts mit Ihnen anfangen...ich gehöre da sicherlich zur ersten Gruppe.


Bewertung: 7 von 10 Punkten

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