Dienstag, 4. Dezember 2012

Vier Fliegen auf grauem Samt

Regie: Dario Argento

Ein Schlagzeuger wird gestalkt...

Dario Argento wird als einer der prägenden Schöpfer des italienischen Giallo angesehen und hat in seinen späteren Werken enomren Einfluß auf den den modernen Horror- und Slasher-Film genommen.
1971 entstand "Vier Fliegen auf grauem Samt", vorher drehte er den thematisch verwandten "Das Geheimnis der schwarzen Handschuh", im Anschluß "Die neunschwänzige Katze" - alle drei Frühwerke werden von seinen Fans als sogenannte Tiertrilogie zusammengefasst.
Alle drei Storys sind auf einem speziellen, titelgebenden Tier aufgebaut, das in allen drei Fällen der verblüffende Schlüssel zur Aufklärung eines Geheimnisses ist.
In "Vier Fliegen auf grauem Samt" ist die Aufdeckung des Mordfalls vor dem Plot besonders raffiniert gelungen.
Alles beginnt harmlos mit Rock aus den frühen 70ern: Experimentell, progressiv und verschnörkelt.
Roberto Tobias (Michael Brandon) ist der Drummer einer Rockband, der sich ärgert, weil eine Fliege ihn beim Spielen im Gesicht attackiert. Er wartet auf den günstigen Augenblick, um das kleine Biest mit dem Instrument zu töten. Irgendwie hat auch Bandkollege Mirko (Fabrizio Moroni) etwas schräg gespielt, genervt verlässt er den Proberaum.
Aber das ist alles nicht der Grund, warum Roberto angespannt wirkt. Seit Tagen verfolgt ihn ein Fremder, doch er verschwindet immer wieder, wenn Roberto auf ihn zugehen will. Was will dieser Mann ?
Auch ein böser Alptraum will ihn nicht mehr loslassen. Das Bild eines Scharfrichters im Orient, der einem zu Tode verurteilten ein Stilett in den Nacken bohrt, damit er beim anschliessenden Enthaupten einen extrem sauberen Schnitt hinbekommt.
Seine Frau Nina (Mimsy Farmer) weiß von alledem nichts. Als Roberto eines Abends wieder von diesem mysteriösen Fremden observiert wird, verfolgt er diesen in ein abgelegenes Theater. Dort kommt es zu Handgreiflichkeitne, plötzlich hat Roberto ein Messer in der Hand, der fremde Mann liegt leblos mit blutender Wunde am Boden. Von der Loge wird Roberto von einer Gestalt mit Maske beobachtet und dabei gefilmt.
Der maskierte Augenzeuge besucht in sogar in der Wohnung, er hat Roberto in der Hand und kündigt ihm auch an, dass er bald an der Reihe ist.
Roberto geht in die Offensive und beschließt gegen den Unbekannten vorzugehen. Er involviert seinen Freund Gottfried (Bud Spencer), der ihm einen exzentrischen, schwulen Privatdetektiv (Jean Pierre Marielle) empfielt.
Die Gattin verlässt aber angstvoll das Haus, immerhin bleibt aber Ninas Cousine Dalia (Francine Racette) bei dem gebeutelten Roberto. In der Badewanne kommt an sich näher...

Das Frühwerk "Vier Fliegen auf grauem Samt" ist in seiner Gesamtheit noch nicht so geschlossen wie die besten Werke von Dario Argento.
Es bietet aber trotz allem sehr gute effektive Szenen, so ist der maskierte Unbekannte gut gelungen und vermittelt Furcht. Auch Robertos Traumsequenzen kommen perfekt zur Geltung, wie auch die geniale Drehbuchidee des neuartigen und revolutionärem Verfahren, das es ermöglicht das letzte zum Todeszeitpunkt gesehene Bild eines Opfers aus dessen Auge sichtbar zu machen. Hier kommen dann unsere kleinen fliegnden Insekten ins Spiel.
"Vier Fliegen auf grauem Samt" strahlt sehr starkes 70er Jahre Kriniflair aus und ist für Filmfans, die für diese Dekade schwärmen, sicherlich einen Blick wert.
Natürlich muss man sich wieder - wie bei den meisten Giallo - auf einen ganz extremen, verwegenen Plot einstellen.
Insgesamt bietet der Film ein gutes, nostalgisches Krimivergnügen. Die Musik stammt von Ennio Morricone, was man sehr schnell erkennt - wie ich finde.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

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