Dienstag, 29. Dezember 2015

Spring

























Regie: Justin Benson & Aaron Moorehead

Meine Freundin, das Monster...

Seit dem riiesigen Erfolg des romantischen Vampirfilms "So finster die Nacht" von Tomas Alfredson haben sich die Horrorfilme über Verwandlungen irgendwie verändert und zwar in poetischer Richtung. Damit erhält die klassische Variante von Dracula oder Werwolf eine neue Ausrichtung. Weg von der Furcht vor dem Monster, hin zu dem Inneren dieses Geschöpfes, dass sich verwandelt. Und dies kann man wohl am besten, wenn sich der Mensch dann auch verliebt, ohne zu wissen, dass die neue Bekanntschaft ein schreckliches Geheimnis hütet. In diesem Jahr gab es gleich zwei dieser tragischen Horrorliebesfilme, in dem sich ein Typ in eine schöne Frau mit sprichwörtlich zwei Gesichtern verliebt. Einmal der feministische Vampirstreifen der Iranerin "A Girl walks home alone at night", der atmosphärisch dicht in schwarz weiß gedreht wurde und in der fiktiven Stadt Bad City im Iran spielt. Dabei trifft der Held der Geschichte, ein James Dean Typ, nachts eine geheimnisvolle Frau Tschador. Im US-Independent Film "Spring" von Justin Benson und Aaron Moorehead ist lange nicht klar in was für ein Monster sich die attraktive Reisebekanntschaft da verwandelt. Einmal wirkt es so als würde sie zum Vampir werden, dann wieder sprechen die weiteren Indizien für eine Werwolf. Aber auch ein Alien ist da irgendwann nicht mehr ausgeschlossen. Jedenfalls haben sich die beiden Filmemacher bei der Optik des Monsters von dem genialen Berlin-Horrorfilm "Possession" des polnischen Regisseurs Andrzej Żuławski inspirieren lassen. Zumindest wird man an diese schleimige, tentakelartige Kreatur erinnert. 
Und mit diesem gefährlichen Wesen wird der junge Rucksacktourist Evan (Lou Taylor Pucci) im Süden von Italien zusammentreffen. Dabei fühlt sich der junge Mann gleich von Louise (Nadia Hilker) sexuell angezogen,  dieser unbekannten Schönheit, die ihn am Strand ziemlich direkt angemacht hat. Es beginnt eine romantische Liebesgeschichte, die schöne Sonnenwetter beflügelt die Hormone. Dabei ging es dem jungen Evan in den letzten Wochen und Monaten überhaupt nicht gut. Er verlor seinen Vater durch einen Herzinfarkt und wenig später wurde auch bei seiner Mutter eine unheilbare Krebskrankheit diagonistiziert. Daher gab er das Studium auf, jobbte in einer Kneipe als Koch und saß bei seiner Mom bis zuletzt auf dem Sterbebett. Danach Trauer, Frust und Aggression. Seinen Job verliert er auch noch, weil er mit einem Gast eine Schlägerei hatte. Freund Tommy (Jeremy Gardner) rät ihm zu einer Auszeit. Die führt in nach Italien, er reist zuerst mit zwei Briten (Vinny Curran/Augie Duke), die dann nach Amstersam weiterreisen. Er nimmt eine Arbeit auf dem Bauernhof des alten Angelo (Francesco Carnelutti) an und trifft in der Stadt erneut auf die flüchtige Bekanntschaft am Strand. Damit beginnt sehr spontan eine Romanze, sehr bald findet Evan, dass er vielleicht die Liebe seines Lebens gefunden hat.  In dem verschlafenen Städtchen häufen sich jedoch bizarre Zwischenfälle.Auch Louise beginnt, sich immer merkwürdiger zu verhalten. Je intensiver die Lovestory werden könnte, desto mehr versucht sie auch dagegen anzukämpfen....


 Langsam häufen sich dann in "Spring"  die Szenen, in denen Schlangen und Würmer das Bild besiedeln, verwesende Tierkadaver in der Landschaft verstreut liegen, Blut an den alten Gemäuern der Stadt klebt – und es kommt vermehrt zu schlagartigen Fluchten Louises bei den gemeinsanen Dates. Was er lange nicht weiß ist, dass ihr Körper zu verfaulen beginnt, sich monströs verwandelt und nach Opfern giert. Aber auch diese Szenen werden eher im Arthaus-Style, etwas verwandt mit "Before the Sunrise" von Richard Linklater,  von den Machern präsentiert, aber durch die Story  fühlt man sich manchmal sogar an den großen Klassiker von Jacques Tourneur "Cat People" erinnert, der vielleicht - entstanden in den 40er Jahren - die Mutter aller romantischen Horrorverwandlungsfilmen ist.
Somit dürfte vielleicht "Spring" für Leute mit Actionfaible eine Entäuschung sein, denn die Liebesgeschichte steht im Vordergrund. In den besten Momenten gelingt den Machern eine sehr gelungene Symbiose zwischen den beiden Genres, Horror und Liebe verschmelzen zu einer tragisch-schaurigen Einheit. Was als Selbstfindungstrip eines jungen Kerls beginnt, endet in den Ruinen von Pompei. Ob es für die Liebenden zum Happyend oder zur tödlichen Katastrophe wird, dieses Geheimnis gibt der Film ganz am Ende preis in einer beeindruckenden Einstellung.
Außerdem spielen das Leben, der Tod, das Klammern an das Leben, das Vergängliche, der Verfall, die Trauer und die Einsamkeit durchaus große Rollen in diesem Film. Die Beziehung zwischen Louise und Evan ist dabei sehr real dargestellt, immer wieder legt sich eine morbide Aura in die Vitalität der immer intensiveren Liebesgeschichte.  Gelegentlich gestalten sich die Gespräche, die die beiden führen etwas arg ausufernd, aber dies braucht es vielleicht auch, damit man den Motiven von Evan und Louise folgen kann.
Lou Taylor Pucci dürfte bei den Horrorfans kein Unbekannter sein, er war bereits in "Horsemen", der Neuverfilmung von "Evil Dead" oder "Carriers" zu sehen. Für die deutsche Schauspielerin Nadja Hilker war es die erste große internationale Rolle.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen