Dienstag, 18. Juni 2013

Maniac



Regie: Franck Khalfoun

Der Skalpierer der Großstadt...

William Lustigs 1980 entstandener Serienkillerfilm "Maniac" wurde seinerzeit als primitive Gewaltorgie von den meisten Kritikern bezeichnet, im Laufe der Jahre wurde aber sein Blick in die Abgründe eines perversen und kranken Menschen immer mehr geschätzt, heute ist "Maniac" ein Kultfilm seiner Gattung. Es war daher nur eine Frage der Zeit bis das dazugehörige Remake die neue Kinogeneration beglücken konnte. Kein Geringerer als Alexandre Aja (Regisseur von "High Tension, Mirrors, The Hills have eyes, Piranha) wurde als Produzent gewonnen, schrieb am Drehbuch mit und überließ seinem Freund und Kollegen Franck Khalfoun (P2) den Regiestuhl.
Die Handlung wurde von New York nach Los Angeles verlagert. Der Name des Killers blieb Frank Zito (Elijah Wood), der aufgrund seiner nymphoman verlangten Mutter (Amerika Olivo) und einer kaputten Kindheit ein sehr gestörtes Verhältnis zu Frauen hat. Im normalen Leben ist der schüchterne junge Mann eher unauffällig und wirkt schüchtern. Er arbeitet als Restaurateur von Schaufensterpuppen, doch manchmal nachts wandert er zielgerichtet durch die dunklen Straßen von Los Angeles, auf der Suche nach weiblichen Zufallsbekanntschaften, die er zuerst abschleppt, dann tötet und zum Schluß skalpiert. Die Haare braucht er später wieder in der Werkstatt, er drapiert damit seine Puppen und kommuniziert mit Ihnen. Eines Morgens bemerkt er wie eine junge Frau das Schaufenster seines Ladens fotografiert. Mit dieser Anna (Nora Arnezeder) freundet er sich schnell an. Mehr noch, denn er scheint Gefühle für die Frau zu entwickeln, was seine Gefühlswelt völlig auf den Kopf stellt ...

Also richtig spannend ist dieses Remake nicht. Auch ist der vom Macher gewählte "Blickwinkel des Täters" meines Erachtens sehr gewöhnungsbedürftig, so richtig klasse funktioniert hat das nur in "Das unbekannte Gesicht" von Delmer Daves, als man auf das Gesicht von Humphrey Bogart beinahe eine Stunde warten musste. Man sieht in "Maniac" lediglich die Figur, wenn zufällig ein Spiegel in der Nähe ist, erst im Laufe des Films wird dieses Stilmittel etwas aufgegeben - ein Glück, denn ich finde es raubt dem Großstadtthriller merklich die Dynamik. Was gut gelungen ist: Das Setting mit den Puppen, was ja schon im Original so gut funktionierte und eine äusserst morbide Stimmung hinterlässt. Und diese Stimmung kann Franck Khalfoun die ganzen 88 Minuten aufrechterhalten. So ist "Maniac" weit weniger ein unterhaltsamer Vertreter der Gattung Serienkiller, vielmehr ein hoffnungsloses Portrait über Einsamkeit, Verzweiflung und Todessehnsucht. Am Ende entlässt uns der Film mit einem unangenehmen Gefühl von Kälte und Dreck.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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