Regie: Giulio Questi
Der Tod legt das Ei...
"La morte ha fatto l’uovo" (Der Tod legt das Ei) aus dem Jahr 1968 hatte seine deutsche Erstaufführung erst im Dezember 1971 und erhielt den eher nichtssagenden Verleihtitel "Die Falle", der nicht annähernd die bizarre Machart von Giulio Questis aussergewöhnlichem Giallo beschreibt. Der Gedanke an einem Körper, der in einer Mahlmaschine püriert wird, um als Hühnerfutter ausgespuckt zu werden (obwohl dies nur auf elliptische Weise angedeutet wird) bleibt beim Betrachter haften. Denn das menschliche Gehirn liefert dann die Bilder, die man nicht gezeigt bekommt. Vieles spielt sich in diesem psychologischen Thriller in einer Hühnerfabrik ab, dort überlegen sich die Besitzer Anna (Gina Lollobrigida) und Marco (Jean Louis Trintignant) wie man die Produktion noch steigern kann. Die Hühner haben in den Stallungen kaum Platz, alles ist ausschließlich auf den Umsatz bedacht. Tierwohl ist hier ein Fremdwort. Die gesamte Branche ist besorgt über den Gewinneinbruch bei der Hühnerproduktion. Da wird auch ein Chemiker (Biagio Pelligra) eingestellt, der Experimente am Tier vornehmen soll. Ziel ist ein megafettes Hühnertier ohne Knochen, das könnte man noch viel besser vermarkten. Die Firma gehört Anna und Marco ist darüber so frustriert, dass er in seiner Freizeit Prostituierte quält und aufschlitzt. Für dieses Hobby hat er extra ein Hotelzimmer gemietet und empfängt bequem seine Opfer. Die Ankunft von Gabri (Ewa Aulin), Annas Cousine, stürzt das ohnehin schon fragile Leben des Paares ins Wanken. Marco und Gabri beginnen eine Beziehung und planen, gemeinsam zu fliehen. Marco ahnt jedoch nicht, dass Gabri ein Komplizin des aalglatten Herrn Mondaini (Jean Sobiski) ist, einem Werbeberater und Marcos Kollegen. Mondaini hat Marcos sadistische Neigungen entdeckt und beschließt, in Absprache mit Gabri, Anna zu beseitigen, um die Schuld auf Marco abzuwälzen. Ihr Mann gerät unter Verdacht, nachdem seine Obsessionen durch eine anonyme Anzeige ans Licht kommen. Gabri und Herr Mondaini ahnen jedoch nicht, dass Marco nie jemanden getötet hat: Er inszenierte eine Art Schauspiel mit den Prostituierten und bezahlte anschließend diejenige großzügig, die seinen Mord vortäuschte. Nachdem die Polizei die Wahrheit herausgefunden hat, gerät Gabri, der als Einziger aus Erbschaftsgründen ein Interesse an Annas Tod hat, in Verdacht. Die Wahrheit kommt bald ans Licht, und Gabri und Mondaini werden verhaftet. Marco rutscht unterdessen von einem Gerüst - wie vor ihm sein Hund - und fällt in einen Fleischwolf, der zur Herstellung von Hühnerfutter dient. Nachdem Gabri und Mondaini verhaftet wurden, laben sich die Hühner an Marcos Leiche...
"Die Falle" ist ein bizarrer und grotesker Vertreter des Giallo, auch wenn der Film in der Gesamtheit genauso verwirrend wie schwierig zu kategorisieren ist. Das Genre "Giallo" - eine blutigere Weiterentwicklung der Edgar Wallace Filme. Dieses typisch italienisches Filmgenre der späten 60-er bis 90-er Jahre, in dem reihenweise schöne nackte Frauen blutigst ermordet werden. Weitere „herausstechende“ Merkmale: Der Mörder trägt schwarze Handschuhe, die Löcher in der Logik sind mindestens so groß wie das italienische Haushaltdefizit und die Auflösung ist immer verwirrend. Der Film stellt so etwas wie eine Satire auf die Werbewirtschaft dar, dessen Protagonisten versuchen ihr Geschäft mit Hühnern anzukurbeln, indem sie die Öffentlichkeit davon überzeugen wollen, dass Geflügel ein unverzichtbarer Teil des gesellschaftlichen Lebens ist. Innerhalb dieses satirischen Rahmens bewegt sich die Story um die Dreier- bzw. Viererbeziehung der Figuren und überall lauert der doppelte Boden.




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