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Sonntag, 25. November 2012

Tesis


Regie: Alejandro Amenabar

Neugierige Angela...

Warum sind Tod und Gewalt im Film für viele Zuschauer so faszinierend?
Auf diese Frage eine Antwort finden, das will die Studentin Angela (Ana Torrent) im Rahmen ihrer Diplomarbeit.
Während einer U-Bahn Fahrt macht der Zug Halt, weil sich ein Mann auf das Gleis gelegt hat. Er soll laut dem Sicherheitsbeamten in zwei Teilen auf den Schienen liegen, die Passagiere werden gebeten auszusteigen und auf keinen Fall dorthin zu schauen. Doch Angela riskiert einen Blick auf das Grauen...
Mit diesem Gefühl aus Faszination, Ekel und Neugier sichtet sie nicht nur Splatterfilme und Gewaltpornos aus der Sammlung des Kommilitonen Chema (Fele Martinez), der berüchtigt ist für seinen Hang nach expliziten Gewaltdarstellungen, sondern sie sichtet auch Videos aus dem Archiv ihrer Uni.
Um den Zugang zu diesem Archivmaterial hat sie ihren Tutor Prof. Figueroa (Miquel Picazo) gebeten, der so ein Video beschafft und bei der Sichtung im Vorführraum einen Herzinfarkt erleidet. Sein Nachfolger wird der undurchsichtige Castro (Xabier Elloriaga), der die Arbeit weiter betreuen soll.
Angela hat den Toten zuerst entdeckt und die Cassette an sich genommen. Es ist dort eine grauenvolle, bestialische Hinrichtung einer vor 2 Jahren verschwundenen Studentin festgehalten, das Material ist echt. Chema warnt, dass sie sich beide in größte Gefahr begeben haben, denn die Macher des Snuff Videos wollen natürlich nicht entdeckt werden. Als möglicher Verdächtiger ist schnell Bosco (Eduardo Noriega), Schönling der Uni und begeisterter Kameramann, ausgemacht. Doch Angela verguckt sich in den smarten Jungen...


Alejandro Amenábar drehte "Tesis" im Jahr 1996, ein Jahr später folgte "Open your heart", aus dem in den USA "Vanilla Sky" wurde und 2001 zu seinem Durchbruch weltweit mit "The Others" führte. 2004 gabs dann den Oscar für "Das Meer in mir".
Tesis erhielt 7 Goyas, darunter auch den für den besten Film des Jahres. Und tatsächlich begeistert der eher ungewöhnliche Thriller durch seinen doppelten Boden und durch die Ambivalenz der Titelfigur Angela, die die von einem nicht erklärbaren Sog in die Materie gezogen wird.
Dabei lässt der Film auch lange Zeit offen, wer wirklich nun der "Böse" ist, was anfänglich offensichtlich zu sein scheint, wird wieder verworfen, dann doch wieder in Erwägung gezogen usw. usf...immerhin lenkt sich der Verdacht auf mehrere Männer. Auch Yolanda (Rosa Campillo), die eifersüchtige Freundin von Frauenschwarm Bosco scheint irgendwann ein Motiv zu haben.
Der Film ist herrlich unamerikanisch, dh. er ist trotz diesem Thema "Snuff" niemals übertrieben oder auf Effekte aus. Gezeigt wird lediglich die interessierte Schnüfflerin, die bei ihrer Suche auf Helfer und Verdächtige stösst und möglicherweise irgendwann nur noch ihrer Intuition folgen kann.
In dieser Konstellation kann der ruhige Film ungemein viel Suspence aufbauen und bleibt durchgehend spannend.
Ein echter Geheimtipp...
Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Samstag, 24. November 2012

8 mm


























Regie: Joel Schumacher

Verfallene Welten hinter normalen Fassaden...

Tom Welles (Nicholas Cage) hat inzwischen als erfolgreicher Privatdetektiv einen gutes Einkommen. Seine Fälle nehmen ihn allerdings stark in Anspruch, so dass Frau Amy (Catherine Keener) und die kleine Tochter immer etwas zu kurz kommen.
Oft ist er wochenlang nicht zu Hause, denn er arbeitet allein. Der neue Fall führt ihn zu der schwerreichen Milliardärswitwe Christian (Myra Carter), die ihn über ihren Anwalt David Longdale (Anthony Heald) engagiert. Ihr in der Öffentlichkeit sehr angesehener Mann ist vor kurzem verstorben. Beim Öffnen seines persönlichen Safes fand die Frau einen Super 8-Film, der die Folterung und anschliessende Abschlachtung eines Mädchens durch einen maskierten Mann zeigt.


Die verstörte Witwe will herausfinden, warum sich dieser abscheuliche Film im Besitz ihres Mannes befand. Welles soll die Echtheit dieses Films überprüfen, Mrs. Christian hofft, dass sich alles um eine nachgestellte szene handelt. So beginnt er mit sehr wenig Anhaltspunkten die Suche nach den Herstellern. Durch einen gewissen Max California (Joaquin Phönix), der in einem Pornoladen an der Kasse steht und einen guten Einblick in die Szene hat, bekommt er Zutritt zu illegalen Verkaufsräumen, wo vielleicht auch tatsächlich Snuff-Videos angeboten werden könnten.
In dieser Branche verdienen Leute wie der Pornoproduzent Eddie Poole (James Gandolfini), der Regisseur Dino Velvet (Peter Stormare), den man als "Jim Jarmush" der perversen Pornofilme kennt oder auch perverse Maniacs wie Machine (Chris Bauer) kennen....
Der New Yorker Filmemacher Joel Schumacher, der auch immer wieder als Drehbuchautor oder Produzent fungiert, dreht seit Anfang der 80er Jahre sehr unterschiedliche Filme...sowohl was den Inhalt als auch die Qualität der Werke betrifft.
Seine Batman-Versionen sind eigentlich legendär schlecht, Batman and Robin würde ich sogar ohne zu Zögern zu den 50 schlechtesten Filmen aller Zeiten zählen.
Gut gelungen sind dagegen der Kriegsfilm "Tigerland", die Thriller "Nicht auflegen" oder "Die Jury".
Seinen besten Film "Falling down" drehte er 1993 mit Michael Douglas.
"8 MM" kommt dieser Qualität annähernd nahe, was aber erst am Ende des Films für mich klar erkennbar war. Das "unmaskierte" Finale ist psychologisch gesehen eine mulmige Angelegenheit, die sicherlich im Gedächnis bleibt.
Großartig agiert Robert Elswit als Kameramann, der durchweg graue und düstere Bilder inszeniert. Man muss ihn inzwischen durch sein exzellentes Können in Filmen wie "Syriana". "Good Night and Good Luck", "There will be blood", "Boogie Nights", "Am Wilden Fluß" oder "Michael Clayton" zu den ganz grossen seiner Zunft zählen. 
Natürlich ist Nicholas Cage kein Al Pacino, der in "Cruising" sehr glaubhaft und intensiv vermitteln konnte, wie seine Figur der abartigen Faszination der Szene erliegt und dort unterzugehen droht.
Cage wird vom relativ rationalen Routinier zu einer Art Rächer, zumindest wird der Hass auch zu seiner Triebfeder. Dieser Emtion ordnet er auch sein Familienleben unter. Schumacher bleibt konsequent pessimistisch...

Bewertung: 8  von 10 Punkten

Motel


























Regie: Nimrod Antal

Übernachten sie nie in amerikanischen Motels oder slowakischen Hostels

Motel" von Regisseur Nimród Antal soll eine Art Hommage an Alfred Hitchcocks Psycho sein. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf das unnerreichte Vorbild: Das Motel selbst, ja sogar ausgestopfte Vögel auf dem Empfangstresen, heruntergerissener Vorhang im Badezimmer. Auch der graphisch kunstvoll gestaltete Vorspann von Trey Shaffer soll Hitchcock like einstimmen.
David und Amy Fox (Luke Wilson/Kate Beckinsale) verlassen die amerikanischen Highways und fahren mit ihrem Wagen auf Nebenstrassen, die Gegend menschenleer und die für diese Filme wichtige Autopanne (diesmal ist ein Eichhörnchen schuld dran) bleibt nicht aus, so beschliessen sie die Nacht in einem nahegelegenen Motel zu verbringen. Das Paar steht kurz vor der Scheidung, die Laune ist am Siedepunkt. Das Zimmer macht es nicht besser, Kakerlaken, verschmutztes Wasser. Die Videos, die für die Gäste rumliegen sind trashige, schlecht gemachte Splatterhorrorfilme, in denen schreiende Menschen abgeschlachtet werden....aber plötzlich erkkennen die beiden, dass das Gezeigte auf den Videobändern sich in ihrem schäbigen Motelzimmer abspielt..hier produziert der schmierige Hotelmanager mit seinen fiesen mordlustigen Helfern seine eigenen Snuff-Videos. Von einer Sekunde auf die andere gehts ums nackte Überleben...

 Hitchcock-Verweise - sehr löblich,  "Motel" ist richtig spannende Genreware mit B-Movie Charakter und ganz guten Suspence-Momenten.  Die Klasse des Meisters  erreicht der Film zwar nicht, vielleicht deshalb weil das Thema Snuff-Video irgendwie nicht nur eklig, sondern auch unangenehme Gefühle verursacht.
"Motel" provoziert aber nicht mit unnötigen Tabubrüchen, der Film bezieht seine Spannungsmomente in der Konstellation zwischen den Jägern und den Gejagten und dies läuft konventionell nach den gängigen Mustern des Genres ab, die meisten Szenen und Einlagen werden dem Horrorfilmfan bestens bekannt vorkommen.
Bewertung: 7 von 10 Punkten.