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Mittwoch, 13. Dezember 2017

Der unsichtbare Gast

























Regie: Oriol Paulo

Die Verteidigerin und ihr Klient...

Nachdem er das raffinierte Drehbuch zu Guillem Morales Horrorfilm "Julias Eyes" verfasst hat, entschied sich Oriol Paulo auch als Regisseur zu arbeiten. Sein erster Psychothriller "The Body" glänzte mit interessanten Wendungen und sein neuer Film "Der unsichtbare Gast" ist ihm sogar noch besser, geschlossener und markanter gelungen.
Im Grunde besteht "Der unsichtbare Gast" lediglich aus einem Gespräch zwischen einer versierten und abgebrühten Anwältin mit ihrem neuen Klienten und aus Rückblenden, die den Fall beleuchten. Ein unbedachter Moment könnte den Mann für lange Zeit ins Gefängnis bringen. Denn er wird beschuldigt ein Mörder zu sein.
Adrian Doria (Mario Casas) ist dieser Verdächtige, dessen Anwalt Felix Leiva (Francesc Orella) noch eine Expertin zusätzlich ins Boot nimmt, weil alles gegen seinen gutaussehenden und erfolgreichen Mandanten spricht. Dessen Zukunft steht auf dem Spiel - sein Ehe mit Sonia (San Yelamos) und sein Status als vermögender Geschäftsmann. Wie so oft ist es die Leidenschaft für eine andere Frau, die Adrian in die Bredouille brachten. Er hatte ein heimliches Verhältnis mit der Fotografin Laura Vidal (Barbara Lennie). Die Geliebte ist nun ermordet worden und alle Indizien sprechen eindeutig für Adrian. Es ist nun die Aufgabe der bekannten Anwältin Virginia Goodman (Ana Wagener) noch einmal den Fall von allen Seiten zu beleuchten. Die Frau hat in ihrer aktiven Zeit nie einen Fall verloren und befindet sich seit einigen Tagen im Ruhestand. Sie will auch diesen letzten Fall gewinnen und dazu besucht sie Adrian Doria in seinem Appartment. Dort steht er unter Hausarrest und gleich beim ersten Treffen zwischen Adrian und Mrs. Goodmann macht die Frau ihrem Klienten klar, dass er ihr nichts verschweigen soll, was er bisher geheim hielt und dass er sich an noch so unbedeutende Ereignisse erinnern soll, die mit dem Mord an Laura Vidal zusammenhängen könnten. Widerwillig gibt Adrian Auskunft, doch die Schlinge um den Verdächtigen zieht sich immer mehr zu, denn der Staatsanwalt hat einen Zeugen gefunden, der Adrian schwer belasten kann.  Dann erzählt er Mrs. Goodmann von seiner Affäre und einem Wildunfall an dem auch sein Auto beteiligt war. Der junge Mann im zweiten Auto hieß Daniel Garrido (Inigo Gastesi) hatte nicht soviel Glück, er starb beim Zusammenprall mit dem Hirsch. Anstatt die Polizei zu rufen, entschließt sich Adrian auf Drängen seiner Geliebten das Unglück zu vertuschen. Dies hat ungeahnte Folgen und lässt auch den Vater (Jose Corronado) von Daniel Garrido  tätig werden. Kann es sein, dass hier Rache für den Tod des Sohnes ausgeübt wurde. Jedenfalls wurde das Liebespaar einige Zeit später in ein Hotel gelockt, abseits der Stadt. Dort sollen Laura und Adrian Lösegeld bezahlen. Doch statt der Übergabe wird Laura brutal im Hotelzimmer ermordet...




Dies sind die Grundpfeiler der Geschichte, aber Oriol hat das Ganze hitchcockmässig mit viel Suspence gewürzt und hat eine Menge Wendungen auf Lager. Dem spanischen Regisseur gelingt eine grandioses Filmende mit "Wow" Charakter - die Besetzung ist durchgehend hervorragend. Mario Casas passt perfekt in die Rolle des smarten Geschäftsmannes und Jose Corronado begeistert in der Rolle eines Vaters, der nur noch für das Ziel lebt die Leiche seines toten Sohnes zu finden. Die spanische Schauspielerin Ana Wagener, die bereits für "La voz dormida" im Jahr 2012 den Goya als beste Nebendarstellerin gewinnen konnte, ist hier in einer oscarverdächtigen Rolle zu sehen. Sie ist genial in ihrer Rolle als Verteidigerin, die mit allen Wassern gewaschen ist.




Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Sonntag, 22. Mai 2016

Shrew´s Nest

























Regie: Esteban Roel und Juan Fernando Andres

Spitzmäuse...

Beim Fantasy Filmfest wird sein 2006 der Publikumspreis Fresh Blood Award für das beste Erstlingswerk vergeben. Unter den bisherigen Gewinnern befinden sich "Brick" (Rian Johnson), "ExDrummer" (Koen Mortier), "District 9" (Neil Blomkamp), "Hell" (Tim Fehlbaum) oder "Housebound "Gerard Johnstone). Nach "Blancanieves" von Pablo Berger hat nun mit "Shrew´s Nest" von Esteban Roel und Juan Fernando Andres hat in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal ein spanischer Film den begehrten Award gewonnen. "Shrew´s Nest" ist ein kleines in sich geschlossenes Meisterwerk geworden, das sicherlich auch dem Master of Suspence Alfred Hitchcock sehr gut gefallen hätte. Trotz der zwei Regisseure ein einheitlicher, gut konstruierter Film - lediglich ein paar Logikfehler fallen vielleicht dem aufmerksamen Zuschauer auf, aber die hatte Hitchcock auch oft in seinen Filmen.
Produziert wurde "Shrew´s Nest" (Original: Musaranas) von Alex de Iglesia, der selbst beeindruckende Filme gedreht hat: Mad Circus, La Communidad oder El Dia dela Bestia.
Der Film spielt in den 50er Jahren. Montse (Macarena Gomez) kümmert sich seit ihrer Jugend um die jüngere Schwester Nia (Nadia de Santiago). Die Mutter starb bei der Geburt von Nia und der Vater (Luis Tosar) ließ die Kinder im Stich, zog in den Krieg, von dem er nie wieder heimgekehrt ist. Montse selbst kann keinen Schritt aus der Wohnung setzen, da sie an Agoraphobie leidet. Die einzige Verbindung zur Realität ist Nia, die auch arbeiten geht. Halt gibt die Religion und da Montse eine begabte Schneiderin ist, empfängt sie manchmal Kundschaft (Gracia Olayo) in der kleinen Wohnung. Montse hat immer wieder Erscheinungen von ihrem verschwundenen Vater und behandelt die jüngere Schwester streng. Vor allem jetzt, als sie merkt, dass Nia von einem jungen Mann nach Hause begleitet wird. Als Carlos (Hugo Silva) ein Nachbar vom oberen Stockwerk die Treppe hinunterfällt und genau vor Montses Haustür landet und um Hilfe bittet, schleppt Montse den Verletzten, der ein Beinbruch erlitten hat, in ihre Wohnung und pflegt ihn. Doch anstatt einen Arzt zu rufen, kümmert sie sich selbst um den kranken attraktiven Nachbarn. Der stört sich nicht daran, da er eh auf der Flucht vor seiner Verlobten (Carolina Bang) war und ist froh irgendwo untertauchen zu können, wo man ihn nicht findet. Montse verliebt sich in den Mann, merkt aber zuerst nicht, dass dieser vor allem Augen für die jüngere Nia hat. Eine Katastrophe bahnt sich langsam an...
 


Beie Schwestern werden im Film mit einer Spitzmaus verglichen, daher der Name "Shrew´s Nest". Man merkt dem Film an, dass er eine Vorliebe für Suspence der edlen Art hat, auch wenn auf dem Höhepunkt des Films auch Gorefans auf ihre Kosten kommen. Der Film ist Familiendrama, Kömodie und splatterartiger Horror in einem - die Hauptfigur Montse ist eine religiöse Fanatikerin mit einem schrecklichen seelischen Wunden, die nie verheilen können. Der Zuschauer erkennt die Verbeugung vor einigen Klassikern des Genres, so ist Montse eine nahe Verwandte zur fiesen Krankenschwester Annie Wilkes aus Rob Reiners "Misery". Auch kommen Erinnerungen zu "Was geschah wirklich mit Baby Jane" auf - diesem Robert Aldrich Classic, indem sich zwei Schwestern das Leben zur Hölle machen. Macarena Gomez ist schauspielerisch klasse, sie schafft es trotz ihrer psychopathischen Figur immer wieder Mitgefühl beim Zuschauer zu erzeugen. Langsam wird man an den seelischen Zustand der Frau hingeführt und erkennt warum sie so ist wie sie ist. Eine wahnsinige Frau, die aufgrund ihrer Erlebnisse und ihrer enormen Ängste nicht nur in der eigenen Wohnung gefangen ist.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Freitag, 24. Juli 2015

Das verborgene Gesicht

























Regie: Andres Baiz

Die Gesichter vor und hinter dem Spiegel...

"Das verborgene Gesicht" heißt im Original "La Cara Oculta" und ist eine spanisch-kolumbianische Gemeinschaftsproduktion, inszeniert im Jahr 2011 von von Andres Baiz. Die kolumbianische Regiehoffnung hat auch das Drehbuch mitgeschrieben.
Damit ist ihm in weiten Teilen ein ruhiger und interessanter Thriller gelungen, der erst nach 45 Minuten seinen Plot bekannt gibt und durch diese Wendung immer mehr der Film über zwei Frauen wird, die den selben Mann lieben. Dieser Mann ist der spanische Dirigent Adrian (Quim Gutierrez), der genau weiß wie er auf das andere Geschlecht wirkt. Der Mann, der ein Engagement bei den Philharmonie in Bogota hat, flirtet gerne, so auch mit Cellistin Veronica (Marcela Mar). Dies dürfte vielleicht auch der Grund des Verschwindens seiner Freundin Belen (Clara Lago), die wir zum Beginn des Film in einer Videobotschaft sehen. Sie hat das Haus verlassen, dass das frisch verliebte Paar von der Deutschen Emma (Alexandra Stewart) gemietet hat und nun ist das Glück schon zu Ende, denn vor der Kamera teilt sie ihn mit, dass sie ihn zwar sehr liebt, aber ihn dennoch verlässt.
Nun der attraktive Mann ist nicht lange alleine. Als er sich als Verlassener verzweifelt in einer Bar betrinkt, lernt er die hübsche Kellnerin Fabiana (Martina Garcia) kennen. Sie nimmt ihn nach einer Schlägerei, die er provoziert hat, mit zu sich nach Hause - natürlich knistert es. Währenddessen ermittelt aber die Polizei in Sachen Belen, keiner weiß wo die Frau abgeblieben ist. Fabiana zieht als Ersatz ins riesige Miethaus und hat sofort das Gefühl, dass es im Haus einen Geist gibt. 
Im Badezimmer scheint sie Geräusche wahrzunehmen, es hört sich so an, als würden sie vom Abfluss des Waschbecken herauf ertönen. Auch der Hund Hans, der besonders an Belen hing, benimmt sich eigenartig. Während Fabiana badet, schlägt das Wasser plötzlich Wellen. Was passiert in diesem Haus und was verbirgt sich hinter den geheimnisvollen Spiegeln des Hauses ?


Geschickt setzt Andres Baiz auf gezielten Einsatz von Suspence und erreicht dies interessanterweise durch den Einsatz dieser Spiegel. Dies erzeugt ein spannungs- und facettenreiches Drama um Voyeurismus und Klaustrophobie, denn die Handlung findet abwechselnd von zwei verschiedenen Blickwinkeln statt. Dieser Effekt sorgt für ein geheimnisvolles Vexierspiel zwischen Innen- und Außenwelt. Ein Liebespaar wird beobachtet, denn ein geheimer Raum gewährt durch zwei halbdurchlässige Spiegel Sicht auf das Schlafzimmer und auf das angrenzende Bad. In einem angedachten Versteck, einem Panic Room, von einem Altnazi erbaut, das nun zum Gefängnis geworden ist, agiert der Voyeur. Aber damit ist die Handlung aus den geschickt verschachtelten Erzählsträngen noch nicht zu Ende. Denn die neugierige Fabiana beginnt mit ihrem Geist, den sie im Haus vermutet, zu kommunizieren und der Zuschauer bekommt Einblick in die interessante Frage, welche Kräfte im Menschen stärker und welche schwächer wirken. Zumal die Hilfe, die jemand dringend zum Überleben benötigen würde, mit dem Fortbestehen der Beziehung kollidieren würde. Warum ? Weil die Liebe besser funktioniert ohne lästige Konkurrenz. Die Handlungen der drei Protagonisten sind geprägt von Selbstsucht, Misstrauen und Rücksichtslosigkeit. Am Ende sorgt eine erneute Affäre des Mannes für eine neue Dynamik. Wie sie verlaufen wird, dass überlässt der fähige Regisseur der Gedankenwelt des Zuschauers.

Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Dienstag, 23. Dezember 2014

Proxy

























Regie: Zack Parker

Die Geheimnisse und Beobachtungen der Esther Woodhouse...

"Proxy" von Zack Parker wirbt damit, dass er die Suspence eines Alfred Hitchcocks einsetzt. Das ist leider nur bedingt gelungen, allerdings gibt es eine Szene in der Mitte - es ist die brutalste Sequenz des ansonsten sehr ruhig erzählten Thrillers - und die erinnert ganz, ganz stark an Brian de Palma.  Da "Proxy" ein B-Picture ist und mit einem eher unbekannten Cast aufwartet, wurde ich auch phasenweise an Brian de Palma letztem Film "Passion" erinnert. Steht doch gerade diese Arbeit zwar typisch für seine Arbeit, aber repräsentiert auch durch eine gewisse Farblosigkeit einen viel weniger opulenten und üppigen Bilderrausch mit grandiosen Kamerafahrten. Dies fehlt bei "Proxy" gänglich und der Film muss sich ausschließlich auf seine Figuren konzentrieren. Dabei kam ein ungewöhnliches und interessantes Film-Experiment heraus. Lange, eigentlich sogar die gesamte erste Hälfte, verschleiert der Macher seine Intentionen und kein Zuschauer kann wirklich in die Karten schauen, was für eine Geschichte nun gerade abläuft. Er lässt das Publikum im absoluten Zweifel über seine Absichten und entwickelt sich im 2. Teil zu einem Twist Kino. Viele Kritiker fanden die erste Hälfte toll und die zweite wesentlich schwächer. Ausser mir...ich fand die erste Zeit eher zäh bis zermürbend, denn ich hätte schon ein ganz klein wenig Durchblick gehabt. Es darf ja ganz, ganz vieles mysteriös sein, aber bitteschön doch nicht alles. So hatte ich keinen festen Bezugspunkt, der kam dann erst ab dem zweiten Teil, dort bekam der Film dann doch noch die Kurve. Und mag vielleicht einiges an den Twists unlogisch sein, es brachte doch eine gewisse chaotische Ordnung in das Chaos und man konnte etwas mehr Bezug zu den Figuren bekommen. Am Anfang schwebt alles frei über den Genres. Mal Thriller, mal Drama, mal Horrorfilm. Eine Einordnung gelang wie gesagt nicht, da sich Zack Parker offensichtlich diesem Ansinnen konsequent verweigerte.
Erzählt wird dabei die Geschichte einer sensiblen, ja labilen jungen Frau. Diese Esther Woodhouse (Alexia Rasmussen) ist hochschwanger und freut sich im 9. Monat langsam auf ihr Kind. Doch auf der Straße wird sie von einer unbekannten Person angegriffen und zusammengeschlagen. Während die Frau ohnmächtig auf dem Boden liegt, tritt und schlägt der Angreifer mit voller Wucht auf den Bauch und damit auf das Kind im Mutterleib ein. Esther überlebt schwerverletzt den Angriff, doch sie verliert ihr Kind. Dies wirft die Frau noch stärker aus der Bahn. Depressiv und vereinsamt sucht sie bald den Beistand in einer Selbsthilfegruppe. Dort trifft sie auf die hübsche Melanie Michaels (Alexa Havens), die ihr erzählt, dass auch ihr kleiner Junge Peyton vor längerer Zeit ums Leben kam. Die Frauen freunden sich an. Doch kurz darauf macht Esther eine merkwürdige Entdeckung in einem Einkaufszentrum. Dort beobachtet sie Melanie, die sich verzweifelt an das Wachpersonal wendet und darum bittet sofort nach ihren entlaufenen Sohn Peyton zu suchen. Wenig später beobachtet sie Melanie, wie sie zu ihrem Wagen läuft und dort ein Kind herausholt. Das muss Peyton sein. Aber warum erzählt sie dann vom Tod ihres Kindes ?


 In der Folge der Geschichte taucht auch noch eine alte Bekannte von Esther auf. Diese Anika Barön (Kristina Klebe) ist die Geliebte von Esther und auch Melanie bekommt einen Ehegatten (Joe Swanberg). Mit diesem Quartett startet der Film dann in die  nächste Phase des verwirrenden Spiels. Möglicherweise bearbeitet der Regisseur in seinem Film auch das Münchhausen Stellvertreter Syndrom. Menschen, die unter dieser Krankheit leden, erfinden, übersteigern oder verursachen Symptome bei Dritten, meist Kindern, um anschließend die medizinische Behandlung zu bekommen. Der Wunsch nach größerer Aufmerksamkeit ist wohl die Ursache des Problems.


Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

Montag, 24. Juni 2013

The Vanishing - Spurlos verschwunden



Regie: Georg Sluizer

Einfach weg...

In den 90ern hieß der beste europäische Thriller "Nightwatch" des Dänen Ole Bornedahl. In den 80ern dürfte dieser Preis an den Holländer Georg Sluizer gehen, der mit "Spurlos verschwunden" (im Original: Spoorloos) 1988 einen der schreckenserrendsten Alpträume visualisiert hat. Alles in diesem bedrohlichen Film läuft auf das über alle Maßen grausame Finale hinaus und diese Szene hat es wahrlich in sich. Ich würde sogar behaupten, dass dem Macher eine der horrormässigsten Schlusszenen der Filmgeschichte gelang, ähnlich verstörend wie "Wenn die Gondeln Trauer tragen" von Nicholas Roeg. Dabei war "Spurlos verschwunden" erst in diesem Schlussakkord zum ultimativen Horrorfilm, vorher ist es eine verzweifelte Suche eines Mannes nach seiner verschwundenen Freundin.
Und das passiert im Nu, am hellichten Tag. Rex Hofman (Gene Benvoets) und Saskia Wagter (Johanna ter Steege) sind ein Paar aus Amsterdam, die mit ihrem Auto in Frankreich Ferien machen. Die Räder sind mit dabei. An einer Raststätte in der Nähe von Nimes machen die beiden mal eine Pause. Vorher haben sie sich irgendwie gestritten. Rex tankt den Wagen auf, Saskia willl Getränke besorgen. Doch sie kommt nie zum Auto zurück. Sie ist eine dieser Personen, die einfach scheinbar ohne Grund spurlos verschwinden. Natürlich nimmt die Polizei die Ermittlung auf, doch alles bleibt ergebnislos.
Jahre später sollen sich die Wege von Rex, der zwar wieder neu liiert ist, und einem Mann aus Frankreich kreuzen, der das Schicksal von Saskia kennt. Dieser Familienvater Raymond Lemome (Bernard Pierre Donnadieu) ist ein angesehener Bürger, liebevoller Vater und Eheman, aber darüberhinaus im Geheimen ein Soziopath, der sich selbst die Aufgabe stellt, heimlich ganz schreckliche Taten zu begehen...

 Ein klasse Film, der nachhaltig wirkt. Ausserdem eine sehr gute, erschreckende Geschichte mit sehr guten Darstellerleistungen. Johanna Ter Steege gewann sogar den Europäischen Filmpreis 1988 als beste Nebendarstellerin. Auch Donnadieu als Bösewicht ist großartig, Tatsächlich mal eine Figur, die richtig Angst machen kann.
Aufgrund des großen Erfolgs des Films durfte Sluizer eine amerikanische Fassung drehen. 1993 konnte man sogar mit Jeff Bridges einen großartigen Darsteller verpflichten, leider jedoch ist das Gesamtprodukt im Vergleich zum Original extrem enttäuschend. Aufgrund der Drängen der Produzenten wurde sogar der fiese Schluß entfernt, da dies auf amerikanische Zuschauer zu verstörend gewesen wäre.


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Montag, 10. Dezember 2012

Rosewood Lane



Regie: Victor Salva

Der harmlose Zeitungsbote Derek Barber...

Fast 11 Jahre ist es nun bereits her, das Regisseur und Drehbuchautor Victor Salva mit seinem "Jeepers Creepers" weltweit Erfolge verbuchen und sich zurück in die Liga nennenswerter Horrorfilmregisseure vorkämpfen konnte. Sein neuer Film "Rosewood Lane" ist eher eine mysteriöse Stalker-Geschichte, Leidtragende und Opfer wird die Radio-Moderatorin Sonny Blake (Rose McGowan), deren Vater erst kürzlich gestorben ist. Der Alkoholiker fiel wohl die Kellertreppe herunter. Schon als kleines Mädchen hatte Sonny wegen seiner Brutalität zu leiden.
Inzwischen hat sie sich auch etwas von Lover Barrett Tanner (Sonny Marinelli) distanziert, aber eigentlich nicht so richtig getrennt. Immerhin hilft ihr Barrett, der angebliche Grund ihres Umzugs von der Stadt ins leerstehende Haus ihres Vaters, beim Transport der Möbel auf die idyllische Rosewood Lane des abgelegenen Städtchens.
Der Nachbar warnt sie auch gleich vor dem bösen, verschlagenen Zeitungsjungen Derek Barber (Daniel Ross Owens), der ein gefährlicher Soziopath sein soll und prompt auch bei Sonny klingelt und den Fuß aggressiv in der Tür hat, damit sie ihn nicht so schnell abwimmeln kann. Überhaupt wirkt er sehr aufdringlich, aber damit nicht genug: Der garstige Junge ruft in ihrer Show an und gibt unheimliche Kinderreime von sich, als Sonny nach Hause kommt, bemerkt sie, dass jemand im Haus gewesen sein muss, weil die Figuren auf der Vitrine verstellt wurden.
Zunächst glaubt die Polizei ihr wenig, denn es gibt nun überhaupt keine Beweise gegen den netten Zeitungsjungen, dessen Eltern ihm ein Alibi geben können.
Barrett wird zunehmend genauso aufgebracht, als er die Aufdringlichkeit und vor allem unheimliche Präsenz des Jungen erkennt. Die Situation eskaliert allmählich...

Folgerichtig nähert sich das Grauen in Salvas Film seinen Protagonisten ganz ohne deren Zutun. Erst recht mysteriös und bedrohlich wird es, wenn das Böse dann auch in Form einer scheinbar harmlosen Person wie der des noch nicht mal volljährigen Zeitungsjungen präsentiert wird. Zusätzlich beklemmend wird es, weil Salva dem Aggressor möglicherweise einige übernatürliche Fähigkeiten verleiht. So ist es ihm möglich, mit seinem Rad viel schneller zu sein als Rose mit ihrem viel schnelleren Auto. Dieser Mystery-Effekt hält die Spannungskurve konstant auf einem ganz guten Level.
Salva hinerlässt keinerlei Anhaltspunkte über die Beweggründe des seltsamen Handelns des Nachwuchspsychopathen, und skizziert seinen Bösewicht derart verschroben und eigenartig, dass der Zuschauer mit der Zeit vermutet, dass der Junge mit dem Teufel im Bunde zu stehen scheint.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Inside the Darkness



















Regie: Martin Guigui

Das Geheimnis des Totengräbers...

Ein Mann geht am Abend mit seinem Hund Gassi, als er auf dem dunklen Weg einen Jogger trifft. Die beiden kennen sich und halten ein Schwätzchen, dass abrupt endet, weil der Jogger den Anderen zwingt mit ihm auf den Friedhof zu gehen und dort ein Grab zu schaufeln.
Der Jogger heisst Vaughn Ely (Dennis Quaid), ehemaliger Star-Quarterback der kleinen Gemeinde in Texas und seit Jahren der örtliche Leichenbestatter. Lebendig wird sein Opfer im Sarg von dem Psychopathen begraben, lediglich die kleine Taschenlampe lässt er dem Mann in seinem Grab.
Vaughn Ely ist bei seinen Mitbürgern sehr beliebt, denn seine geliebte Frau Rosemary starb auf tragische Weise. Seither hat sich der Mann zurückgezogen. Travis (Tony Oller) ist ein Junge dieser Stadt, der sich nicht wie seine besten Freunde Brian (Stephen Lundsford) und Danny (Devon Werkheiser) extrem für Football interessiert, aber dafür umso mehr für Cheerleaderin Abby (Aimee Teergarten).
Um sein Taschengeld etwas aufzubessern, mäht er bei Vaughn den Garten. Travis´Mom macht sich Sorgen, weil der Junge immer noch nicht den frühen Tod seiner Schwester überwunden hat.
Als die Vier eines Nachts das Haus vom Leichenbestatter beobachten, machen sie eine seltsame Entdeckung. Aus Neugier bleiben sie am Ball, was sie lieber nicht getan hätten...

"Inside the Darkness" (Original: Beneath the darkness) ist ein kleiner, sehr unterhaltsamer Teenieschocker, der genauso wie "Disturbia" das Thema von Hitchcocks "Rear Window" variiert. Der Voyeur, der vor Neugier in eine ganz üble Geschichte gerät, weil er einen gefährlichen Mann beobachtet.
Dabei darf sich Dennis Quaid mal richtig austoben, er mimt mit Freude den üblen Psychopathen. Hilfreich ist, um die Story voranzutreiben, eine ignorante Polizei, die den Jugendlichen keinen Glauben schenkt, denn schliesslich ist Vaunghn Ely ein beliebter Bürger und echter Texaner.
Ihm gegenüber macht der Youngster Tony Oller eine recht gute Figur.
Der 2012 erschiene Thriller von Martin Guigui beitet kurzweiligen Horror-Thriller Spass, die 98 Minuten vergehen wie im Flug.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Silent House

 



















Regie: Gustavo Herandez

Etwas Böses ist im Haus...

"The Silent House" (Originaltitel: La Casa Muda) ist ein 2010 in Uruguay realisierter Horrorfilm, Regie führte Gustavo Hernández. Der Film wurde nach Angaben der Macher angeblich durch reale Ereignisse inspiriert, die in den 40er Jahren geschahen.
Obwohl eine kleine Low Budget Produktion wurde er jedoch auf einigen Filmfestivals erfolgreich gezeigt und bekam vor allem deshalb ein bisschen Publicity, weil er angeblich ohne Schnitt gedreht wurde.
Zumindest hat es optisch schon ein bisschen den Anschein, dass der lediglich mit einer handelsüblichen Spiegelreflexkamera gedrehte Horrorfilm mit seinen 79 Minuten "gefühlt" schnittfrei wirkt.
Die Handlung ist schnell erzählt: Die junge Laura (Florencia Colucci) und ihr Vater Wilson (Gustavo Alonso) laufen durchs Gras und kommen an einem Haus an, dass sie aufgrund der Bitte des Besitzers (Abel Trimpaldi) ein wenig auf Vordermann bringen sollen. Entrümpelt und renoviert soll das Haus samt dem Garten werden. Da es schon etwas spät ist, ist erstmal Nachtruhe angesagt. Der Vater schläft sehr schnell ein, doch Laura hört von oben seltsame Geräusche. Ihren Vater scheint dies nicht zu interessieren, doch immer mehr wird Laura klar, dass sie nicht alleine im Haus sind. Die Geräusche kommen vom Obergeschoß. Doch dorthin sollen sie eigentlich nicht gehen, weil der Fußboden dort oben recht morsch und beschädigt ist. Der Vater versucht aber seine ängstliche Tochter zu beruhigen und steigt die Treppe hinauf. Wieder sind Geräusche zu hören, nur der Vater antwortet jetzt nicht mehr auf das Rufen von Laura. Eine Nacht des Grauens beginnt...


 "The Silent House" ist sehr dunkel gehalten, nur einige Petroleumlampen lassen den Zuschauer am Geschehen folgen, dabei spielt der Film mit den Urängsten des Zuschauers. Im Dunkel lässt es sich gut fürchten und Gustavo Hernandez schlachtet diese Erkenntnis auch genüsslich aus. Das Problem des Films ist die für die ganz nette Horroridee doch recht lange Laufzeit von 79 Minuten, denn diese wollen erstmal gefüllt werden. So verzettelt sich der Film in der Mitte ein bisschen, was sich allerdings noch im Rahmen hält. Ein bisschen Unlogik im Handeln muss man halt in Kauf nehmen. Um das Interesse nicht abflachen zu lassen, gibts dann auch noch eine überraschende Wendung, die allerdings dem Horrorkenner auch nicht als besonders neu und innovativ vorkommt.
Was bleibt ist ein durchschnittlicher Vertreter seines Genres, lediglich die Handmade Art, die der Film ausstrahlt, bleibt irgendwie im Gedächtnis.
Vor allem der Look in seiner blass-blauen, schärfevariierenden Optik sorgt dann doch in manchen Momenten für eine dunkel aufflackernde Gruselatmosphäre.


Wertung: 5,5 von 10 Punkten.