Montag, 3. August 2026

Night Ripper - Das Monster von Florenz















Regie: Cesare Ferrario

In der Psyche des Killers..

Mit dem Schlagwort "Monster von Florenz" ist die von den italienischen Medien geprägte Bezeichnung für einen oder mehrere Täter, die für eine Serie von insgesamt 8 Doppelmorden in der Provinz Florenz zwischen 1968 und 1985 verantwortlich gemacht werden. Als Hauptverdächtiger der Serienmorde galt ein gewisser Pietro Pacciiani (1925  bis 1998). Er wurde zunächst für schuldig befunden, aber in einem Berufungsverfahren freigesprochen. Der Oberste Gerichtshof Italien annullierte den umstrittenen Freispruch und forderte ein erneutes Verfahren, zu dem es jedoch nicht mehr kam, da Pacciani 1998 an einem Herzversagen verstarb. Im Jahr 2025 brachte Netflix eine Miniserie in vier Teilen von Leonardo Fasoli und Stefano Sollima heraus. Aber bereits 1986 bezog sich der italienische Giallo "Night Ripper - Monster von Florenz" von Cesare Ferrario auf diese Fälle. Allerdings war der Fall damals noch nicht vollständig aufgeklärt und heute noch hält sich die kollektive Meinung, dass einflussreiche Menschen von Teilen der Justiz geschützt wurden. Im Zusammenhang mit den Fahndungen kam es zu drei Suiziden und sieben weiteren Morden. Mögliche Spuren am Tatort waren durch Fahrlässigkeit der Polizei nicht gesichert oder verdorben worden; Akten verschwanden, die Justiz und die rivalisierenden Polizeiorgane lähmten sich gegenseitig.Toscana im Scopeti-Gebiet wird ein junges französisches Paar in seinem Zelt brutal ermordet. Ein mysteriöser Wahnsinniger, der zuvor bereits sieben andere Paare getötet und die gesamte Provinz Florenz seit fast zwanzig Jahren terrorisiert hat, wird von den Medien als das Monster von Florenz bezeichnet. Giulia (Bettina Giovanni), eine junge Journalistin, die seit vier Jahren für ihre Zeitung über diesen schrecklichen Fall berichtet, ist mit Andreas Ackermann (Leonard Mann) verlobt, einem Schriftsteller, der einen Roman über diesen makabren und mysteriösen Mörder schreibt und versucht, dessen Persönlichkeit und die Motive für seine grausamen Verbrechen zu rekonstruieren.  Für Andreas, der eines Tages auch die Mutter eines der Opfer des Serienmörders trifft, ist die Suche nach der Identität des Monsters zu einer solchen Obsession geworden, dass er, ausgehend von der Rekonstruktion des ersten Verbrechens (das sich 1968 in Signa ereignete), sein eigenes psychophysisches Profil des Mörders erstellt hat: ein ahnungsloser Mann aus wohlhabender Familie, überdurchschnittlich intelligent, getrieben vom Morden durch seine eigene sexuelle Impotenz, die mit einem Kindheitstrauma aufgrund der Perversionen seiner Eltern zusammenhängt. Was Andreas für bloße Fantasien hält, ein Produkt seiner schriftstellerischen Vorstellungskraft, scheint jedoch allmählich Realität zu werden: Er beginnt, den Mörder  (Federico Pacifici) und seine imaginäre Mutter (Lydia Mancinelli) in verschiedenen realen Situationen zu sehen: im Theater während einer Aufführung der Oper Othello, in einem Restaurant beim Abendessen mit Freunden und schließlich in einem Wald, dem Ort eines der Morde des Monsters. Der Autor malt sich den Tag aus, an dem der Mann vor Gericht gestellt wird, doch er weiß, dass man tief in seine Kindheit eintauchen muss, um zu verstehen, was ihn zum Monster von Florenz werden ließ.Andreas hat sich damit abgefunden, dass der Mörder wohl nie gefasst wird, und wird zunehmend von Halluzinationen geplagt, die auch er für solche hält. Doch als er seinen Mörder in einer Bar in Florenz entdeckt, verfolgt er ihn und stellt ihn. Angesichts des Mannes weiß Andreas weder, was er sagen noch wie er sich verhalten soll, und lässt ihn gehen. Der Mörder geht daraufhin davon und schlendert ruhig durch die Straßen der Altstadt....







Die Dreharbeiten begannen am 19. November 1985 und endeten im Januar 1986. Die Außenaufnahmen entstanden in Florenz, die Innenaufnahmen in Rom] Der Brunnen im Wald, an dem sich das „Monster“ nach dem Mord an den französischen Liebenden wäscht, ist der Testa di Bove-Brunnen im Wald Macchia Grande in Manziana; das Haus, in dem das „Monster“ als Junge lebte, liegt an der Piazza della Rocca in Ostia Antica; das Kino, in dem sich die Mutter des „Monsters“ in der Nacht ihres Mordes durch ihren Mann aufhielt, ist der ehemalige Bischofspalast; die Treppe, auf der Andreas dem Kommissar, der die Fälle der dem „Monster“ zugeschriebenen mysteriösen Verbrechen untersucht, seine Eindrücke mitteilt, befindet sich in der Festung Forte Belvedere an der Via di San Leonardo.Der Film kam am 12. April 1986 in die italienischen Kinos, wenige Monate nach dem späteren letzten Mord an dem mysteriösen Serienmörder, der die Provinz Florenz fast zwanzig Jahre lang terrorisiert hatte. Man wollte die emotionale Wirkung des Verbrechens auf die Öffentlichkeit nutzen. In Deutschland lief der Film unter den Titeln „Night Killer“ und „Das Monster von Florenz“; in Großbritannien, den USA, Australien und Neuseeland unter dem Titel „The Monster of Florence“. Der von Goffredo Lombardos Titanus vertriebene Film war ein großer Kassenerfolg (Einspielergebnis über eine Milliarde Lire), obwohl er nach seiner Veröffentlichung auf einige Probleme stieß. Diese betrafen sowohl die Justiz aufgrund der Rekonstruktion der Geschichte und der Hypothesen zur Persönlichkeit des Monsters (die Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden stagnierten zum Zeitpunkt der Filmveröffentlichung) als auch einige Angehörige der Opfer des Serienmörders, die Spekulationen über dieses tragische Ereignis ablehnten.Wenige Tage nach der Veröffentlichung ordnete die Justiz die Beschlagnahme des Films an und verbot seine Vorführung in allen italienischen Kinos. Nach einem Einspruch von Titanus wurde der Film veröffentlicht und erneut veröffentlicht, das Vorführungsverbot blieb jedoch bestehen, allerdings nur noch für Kinos in der Toskana. "Night Ripper" ist ein True Crime-Giallo, der natürlich spekulative Theorien über das "Monster von Florenz" aufstellt und der sehr verschachtelt - u.a. auch mit Zeitsprüngen und Visionen- erzählt wird, was ich allerdings nicht als einen Nachteil empfinde. Man hat stellenweise das Gefühl, dass der unbekannte Mörder immer mehr in die Psyche des Autors eindringt - manchmal entsteht sogar die Vermutung, dass Autor und Killer ein und dieselbe Person ist.









Bewertung: 7 von 10 Punkten.

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