Mittwoch, 24. Juli 2019

Der schwarze Engel

























Regie: Luis Ortega

Carlitos Way...

2019 scheint ein Kinojahr zu sein, dass sich für berühmte Serienkiller oder Mehrfachmörder interessiert. Fast zeitgleich mit Zac Efrons Ted Bundy Film hat sich der argentinische Filmregisseur Luis Ortega den Untaten des Carlos Eduardo Robledo Puch angenommen. "Der schwarze Engel" oder "Todesengel", wie er damals genannt wurde, verübte ab 1971 mehr als ein Dutzend Morde und diverse Raubüberfälle. Er war zum Zeitpunkt der Taten noch nicht mal zwanzig und ein Jahr später wurde er auch schon festgenommen. Nach einem Fluchtversuch wurde er erneut gefasst und zu lebenslanger Haft verurteilt. Der junge Lorenzo Ferro spielt diesen Killer und liefert damit eine der besten Darstellungen dieses Jahres ab. Er passt hervorragend in die Rolle des jungen Carlitos, diesem jungen Teenager mit dem Engelsgesicht, der alle um den Finger wickeln kann.
Mit Marisol (Malena Villa), die noch eine Zwillingsschwester (ebenfalls Malena Villa) hat, ist er junge Boy befreundet und trotz seines harmlosen Aussehens war er schon im Jugendknast. Seine Eltern (Cecila Roth und Luis Gnecc) machen sich deshalb etwas Sorgen um die Zukunft ihres Sprösslings, der nun die High School besucht. Dort lernt er Ramon Peralta (Chino Darin), einen Mitschüler kennen. Die Kontaktaufnahme stellt er aggressiv her und macht sich damit sofort bei seinem Gegenüber interessant. Ramon stellt Carlitos seinen Eltern (Mercedes Moran und Daniel Fanego) vor. Ramons Vater dreht krumme Dinger, Einbrüche sind sein Metier. Doch es soll alles sicher und souverän ablaufen, er will nicht mehr ins Gefängnis. Er erkennt auch sofort das Potential vom Freund seines Sohnes, der hat auch schon mit seinen diversen Diebstählen herumgeprahlt. Zu dritt beschließt man in ein Waffengeschäft einzubrechen. Dort werden Ramon und sein Vater Zeuge von Carlitos Talent, es ist aber ersichtlich, dass der junge Mann immer volles Risiko eingeht. Sogar mit einer Menge Lust und Genuss. Bei einem weiteren Einbruch erschießt Carlito den Hausbewohner ohne Skrupel und er findet auch Gefallen am schnellen Morden. Und zwischen Carlitos und Ramon entwickelt sich eine homoerotische Zuneigung, die sie aber nicht ausleben...





Carlos ist erst 17 und steigt in Häuser, weil er Nervenkitzel braucht und mit dem dominant wirkenden Ramon scheint sich ein ungewöhnliches Verbrecher-Duo gefunden zu haben. Unter der Produktion von Pedro Almodovar inszenierte Ortega rein oberflächlich einen eher altmodischen Krimi, der den Fokus total auf das attraktive Aussehen des Killers legt. Der fühlt sich auch sexy und will das Leben in vollen Zügen auskosten. Ein Unrechtsbewusstsein ist ihm fremd, was sehr eindrücklich in einer der Tötungsszenen geschildert wird, er fragt den sterbenden alten Mann, dem er gerade eine Kugel in die Brust gejagt hat, ob alles in Ordnung wäre. Durch die üble Kaltschnäuzigkeit des Killers geht dieser Serienkillerfilm manchmal in eine horrorartige Richtung. Man hat das Gefühl, der Teufel steckt in diesem engelhaften Jungen. Die erotische Aufladung der Story macht diesen argentinischen Krimi zu etwas sehr besonderem. 





Bewertung: 9 von 10 Punkten.

The Prodigy

























Regie: Nicholas McCarthy

Miles hat Besuch...

Mit "The Pact" (2012) und "At the Devils Door" konnte sich Horror-Regisseur Nicholas McCarthy bereits eine Fangemeinde im Genre aufbauen. Sein dritter Film "The Prodigy" ist mit einem Einspielergebnis von ca. 20 Millionen Dollar seine bisher erfolgreichste Arbeit.
Dabei erfindet McCarthy mit "The Prodigy" sicherlich das Rad nicht neu, aber er schafft eine Bereicherung in der Sparte böser oder besessener Kinder. Kleine Satansbraten im Kino sind nicht neu, bereits in den 50er Jahren durfte man sich an der Bosheit der 10jährigen Rhoda Penmark in Mervyn LeRoys "Böse Saat" erfreuen. Dann kamen Miles und Flora im "Schloß des Schreckens". In den 60ern kamen die bösen Kinder sogar im Rudel - in Wolf Rillas "Dorf der Verdammten". 1968 wurde mit "Rosemarys Baby" der Teufel geboren und ein paar Jahre später sah der Kinogänger dieses Monster in "Das Omen". Vorher aber schlüpfte er noch in den Körper des Teenagers Regan - da konnte nur noch "Der Exorzist" helfen.
Wir erinnern uns an den kleinen Toshido mit seinem kranken Gurgeln in "The Grudge". Auch "Das Waisenhaus" irgendwo in Spanien brachte nicht nur nette Kids zum Vorschein. Mehr böse Kinder gabs in "Ein Kind zu töten" - auf einer spanischen Ferieninsel. In den letzten Jahr versetzte uns der "Fall 39" oder "Orphan" in Aufregung - und als "The Prodigy" präsentiert Regisseur McCarthy den kleinen Miles, der mit Jackson Robert Scott perfekt besetzt wurde.
Der kanadisch-amerikanische Film fängt mit einer Szene im ländlichen Ohio an. Dort hat sich ein Serienkiller (Paul Fauteux) am Abend des 22. August 2010 in einem Haus verschanzt, dass von Polizisten umstellt wird. Im Laufe der Erstürmung des Hauses durch diese Spezialeinheit wird der Killer gezielt erschossen und im gleichen Augenblick wird in Pennsylvania ein kleiner Junge geboren. Die Eltern (Taylor Schilling und Peter Mooney) sind irre stolz auf den kleinen Miles. Schon bald bemerken die Eltern, dass das Kleinkind hochbegabt ist. Er lernt viel schneller als andere Gleichaltrige, findet aber keinen Zugang zu anderen Kindern. Und er tickt auch ein bisschen anders. Sehr merkwürdig finden die Eltern die schwere Verletzung die sich Babysitterin Zoe (Elisa Moolecherry) zuzog, als sie auf Miles aufpasste und eigentlich kann nur Miles selbst diesen fiesen Streich gemacht haben, aber der kann sich an nichts erinnern. Nach der Konsultierung mit der Psychologin Dr. Strasser (Paula Bodreau) und Arthur Jacobsen (Colm Feore), einem Experten für Wiedergeburt und Reinkarnation ist zumindest für die Experten klar, dass eine zweite Persönlichkeit im Körper von Miles eingezogen ist und der will dort bleiben, weil er noch etwas auf der Erde erledigen will. Der Vater hält dies für einen völligen Schwachsinn, die Mutter hadert - doch dann verschwindet der von der ganzen Familie geliebte Hund Talulah spurlos...




Leider gibts bei mir immer einen Abzug für die Filme, in denen Tiere ein Leid geschieht. Natürlich nicht in Wirklichkeit, sondern es gehört zur Dramaturgie und es ist nur ein Film, aber ich rege mich dann so auf, dass ich am liebsten abschalten will. Die Szene hat es wirklich in sich und nun ist der Film auch bereits auf seinem Höhepunkt angelangt. Es geht darum den kleinen Miles von seinem ungebetenen Gast zu erlösen. Und dafür tut seine Mom alles, sie ist sogar bereit für....McCarthy hat es sich nicht nehmen lassen am Ende noch einen ganz fiesen Schlußpunkt zu setzen. Wie es dazu kommt ist zwar etwas absonderlich, denn vor dieser geglückten Endszene kämpft "The Prodigy" bei der Begegnung mit "Margaret" (wird von Brittany Allen gespielt)  für mch ein bisschen um seine Glaubwürdigkeit. Aber in der Gesamtschau ist "The Prodigy" auf alle Fälle ein ganz gut gemachter Horrorfilm mit einem klasse Kinderstar.




Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Extremly wicked, shockingly evil and

























Regie: Joe Berlinger

Ted Bundy...

Erst am Tag vor seiner Hinrichtung am 24. Januar 1989 gestand der Serienkiller Ted Bundy bei Vernehmungen durch die Polizei die meisten seiner Morde. Vorher plädierte er immer noch auf "unschuldig". Seine Taten beging er in den Jahren 1974 bis 1978, dort sind  mindestens 30 junge Frauen in den Bundesstaaten Washington, Utah, Colorado, Oregon, Idaho und Florida von ihm ermordet worden. Er wurde zu einem der bekanntesten Serienmörder in der Geschichte der USA und er hielt sogar Einzug in die Popkultur als Inbegriff des Wahnsinns. Diese unrühmliche Popularität teilt er mit anderen Serienkillern wie John Wayne Gacy oder Jeffrey Dahmer.
Der Killer hatte einen entscheidenden Vorteil und das war sein Aussehen. Mit dieser Attraktivität gelang es ihm spielend Frauen für sich enzunehmen und sie sogar zu überreden mit ihm an abgelegene Orte zu gehen. Dort zeigt er sein wahres Gesicht, nachdem er sich vorher sehr oft als Polizist ausgab, und schlug oder würge seine Opfer bis zur Bewusstlosigkeit, danach vergewaltigte er die wehrlosen Frauen. Er zerstückelte die Leichen und verteilte sie an mehreren Orten, so konnte er Spuren verwischen.
Verfilmungen gab es schon häufiger, aber Joe Berlinger ging mit "Extremly wicked, shockingly evil and vile" einen etwas anderen Weg. Der eher auf Dokumentarfilme spezialisierte Regisseur ist dem Horrorgenre-Publikum wahrscheinlich durch seinen 2000 realsierten "Blair Witch 2" bekannt. Diese Ausflug ins Kinofach war nicht sonderlich erfolgreich und diese Fortsetzung wurde mehrheitlich verissen. Es gab dafür sogar eine Nominierung für die Goldene Himbeere. Dieses "Glück" wird er mit seinem ungewöhnlichen Serienkillerportrait nicht haben - denn der Film ist überraschend gut gelungen. Selbst Zac Efron, dem man eine solche differenzierte Rolle kaum zugetraut hat, lieferte eine sehr überzeugende Darstellung eines Mannes, dessen Seele dunkel ist.
In einer Szene des Films wird er vor seiner Verhaftung durchschaut - und zwar von einem Hund aus dem Tierheim, den er gerne mit nach Hause genommen hätte. Ted Bundy (Zac Efron) ist zu dieser Zeit mit der hübschen Elizabeth Kloepfer (Lily Collins) zusammen. Seine Freundin liebt ihn, doch der Hund fängt fürchterlich an zu bellen als Ted Bundy ihn fixiert. So sehr, dass es nichts wird mit dem Hund und dem verliebten Paar.
Joe Berlinger verzichtet total auf die Schilderung der Morde, denn sein Augenmerk gilt der Schilderung einer an sich intakten Beziehung, die dann in die Krise gerät als Ted wegen einem Verkehrsdelikt verhaftet wird. In diesem Zusammenhang wird er überprüft und nun kommt eins zum anderen. Sein Name wurde schon einmal im Zusammenhang mit den Morden genannt. Eine anonyme Anruferin meinte das veröffentlichte Phantombild gleiche einem Ted Bundy und ausserdem würde der einen VW Käfer fahren. Was auf den gesuchten Killer passen würde. Und immer mehr passt dieser verhaftete Mann ins Bild des gesuchten Mörders. Und seine Freundin bekommt keine Antworten auf ihre Fragen, die Beziehung zerbricht. Bundy bleibt aber nicht alleine. Seine frühere Bekannte Carol Ann Boone (Kaya Scodelario) nimmt irgendwann den Platz von Liz ein....




Der teuflische Mörder mit dem vertrauenswürdigen Aussehen macht nachdenklich und dies war auch sicherlich die Absicht des Regisseurs, der nach der Schilderung der Beziehung vor allem den Gerichtsverhandlungen breiten Raum lässt. In der Rolle von Judge Edward Coward ist John Malkovich zu sehen, der diese Nebenrolle mit Bravour bewätigt. Auch Metallica Frontman James Hetfield komplettiert die ungewöhnliche Besetzung des Films. Der Rockmusiker spielt den Officer Bob Hayward. Haley Joel Osment spielt ebenfalls mit.




Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Dienstag, 16. Juli 2019

The House that Jack built

























Regie: Lars von Trier

Gefühlloser Killer...

"The House that Jack Built" ist kein normales Haus. Irgendwann in Lars von Triers neuem schockierenden Film wird dieses Haus als Turm voller Leichen dargestellt. Leichen von Menschen, die der Serienkiller Jack (als Erwachsener: Matt Dillon, als Junge: Emil Tholstrup) im Laufe seiner Karriere als Mörder auf dem Gewissen hat. Ein eher unscheinbarer Typ, dem man sowas gar nicht zutraut - doch er hat schon als Kind angefangen Tiere zu quälen. Und hat null Empathie für seine Opfer, es gibt auch keine Erklärung, warum er so wurde wie er ist und filmisch ist dieser Jack ein ganz enger Verwandter von Jack Ketchums Serienkiller Ray Pye, der als "The Lost" von Chris Sivertson vor einigen Jahren verfilmt wurde. Marc Senter spielte damals den attraktiven Psychopathen und dennoch armes Würstchen mit einem Höchstmaß an Minderwertigkeitskomplexen. Diese hat vermutlich auch unser Jack in reichlicher Zahl, denn die erste Schilderung eines Mordes kommt eher zögerlich zustande. Eine gut aussehende Lady (Uma Thurman), deren Wagen im Wald eine Autopanne hat, braucht Hilfe und zufällig kommt Jack mit seinem PickupTruck vorbei. Bei PickupTrucks muss man immer darauf gefasst sein, dass der Halter in seiner Freizeit mordet. Das weiß auch die Frau, die das Thema "Serienkiller" anschneidet und man merkt, dass Jack dieses Geschwafel äusserst unangenehm ist. Heute will er nicht töten und er schlägt erst zu als sich die Frau den Spruch erlaubt, der seine Eitelkeit und Männlichkeit verletzt. Mit dem Reifenheber erschlägt er die Ahnungslose. Diese Geschichte erzählt er einem gewissen Verge (Bruno Ganz), der Zuschauer geht davon aus, dass der Psychopath mit seinem Zweiten Ich kommuniziert. Die zweite Frau (Siobhan Fallon Hogan) wird in ihrem eigenen Haus kaltgemacht. Er gibt an der Tür an, dass er Polizist sei, doch die Frau will die Polizeimarke sehen. Er redet aber ohne Unterlass weiter und irgendwann gibt er sich als Versicherungsvertreter an, der ihre Rente aufstocken will. Der Zugewinn an Geld lässt die Vorsicht saußen, wenig später erstickt die Frau auf ihrem Fußboden. Ab diesem Zeitpunkt nennt sich unser Jack "Mr. Sophisticated" und wird ein gesuchter Serienkiller. Die dritte Frau (Sofie Grabol) hat zwei kleine Jungs Crumpy und George (Rocco und Cohen Day). Zu viert gehts zu einem Picknick mit Jagd in den Wald. Dabei vermittelt jack den Jungs, dass die Jagd etwas völlig widerwärtiges sei. Ein paar Minuten später zielt er mit scharfer Munition auf seine drei Opfer. In diesen 12 Jahren, von denen er Auszüge diesem Verge erzählt ist sogar eine Liebesbeziehung zu einer Frau dabei, die er Simple (Riley Keough) nennt. Auch sie entkommt seinen Mordgelüsten nicht. Ihr erzählt er, dass er bereits 60 Menschen auf dem Gewissen hätte und sie wäre nun die Nummer 61. Sein Durst nach Morden ist damit noch lange nicht gestillt, bei seinem letzten Unternehmen hat er fünf Männer festgenommen und sie an einem provisorischen gebunden, wobei sie ihre Köpfe in einer Reihe aufgereiht haben. Das Ziel heißt: Mit nur einer Kugel alle zu töten. Damit erinnert er sich an Nazimethoden des 2. Weltkrieges, deren Scharfschützen mit nur einer Vollmetallmantelkugel mehrere Opfer liquidieren konnten. Dann erfolgt aber der Zugriff der Polizei und Jack flüchtet mit Verge in untere Regionen. Die Kugel hat jack getroffen und er befindet sich auf dem Weg in die Hölle. Obwohl er versucht dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen durch gute Kletterkünste fällt der Killer am Ende in den feurigen Abgrund...




Am Ende setzt Lars von Trier auf totale Symbolik, nicht nur mit dem Verweis auf Dantes "Inferno". Dies fügt dem Film eine sehr besondere Note bei, denn bis zu diesen Zeitpunkt präsentierte der Filmemacher, der gerne provoziert, ein brutales Serienkiller-Szenario ohne Erbarmen. Sein Jack ist auch kein charismatischer Serienkiller wie Hannibal Lecter und hat vordergründig auch keine psychischen Nöte wie ein Norman Bates, der auch als Erwachsener und lange nach dem Tod seiner Mutter noch unter deren Fuchtel steht. Bei Jack fehlen diese markanten Anteile. Es ist aber sichtbar, dass das Morden den eher unscheinbaren Mann auch optisch verändert haben. Bei der Jagdszene und der Szene mit seiner Freundin sieht er viel maskuliner und machohafter aus. So nur ein Eindruck von sehr vielen, der Film gibt ein paar Rätsel auf und ist bewusst schwammig, damit sowohl Geschichte als auch Person nicht greifbar wird. Der Filmtitel ist eine Anspielung auf ein gleichnamiges bekanntes Kinderlied. Natürlich hat der Film wieder Empörung ausgelöst. Und umstritten ist die Qualität dieses sonderbaren Serienkillermovies sowieso. Künstlerisch stehen Lars von Triers vier letzte Filme aber als echte Einheit da: Antichrist, Melancholia, Nymphomaniac und Jack sind ein nicht voneinander trennbares Quartett.





Bewertung: 7,5 von 10 Punkten. 

Hinter den Mauern des Grauens




















Regie: Joseph Pevney

Der Racheplan des Sire de Maltroit...

"The Strange Door" bekam den deutschen Verleihtitel "Hinter den Mauern des Grauens" und wurde von Joseph Pevney gedreht. Der 1911 in New York geborene Schauspieler und Filmregisseur drehte 1960 den hervorragenden B-Western "Die Plünderer", arbeitete danach aber vornehmlich für das Fernsehen.
Mit "Hinter den Mauern des Grauens" brachte die Universal den großen Charles Laughton erneut mit Boris Karloff zusammen. Beide standen bereits 1932 im James Whale Klassiker "Das Haus des Grauens" gemeinsam vor der Kamera. Damals hatte Laughton eine Nebenrolle und Karloff die Hauptrolle. Nun wars umgekehrt: Laughton war der prägende Darsteller in der Verfilmung von Robert Louis Stevensons Kurzgeschichte "The Sire de Maletroit´s Door" und Karloff erhielt die Schlüsselrolle.
Aus heutiger Sicht ist dieser Gothic-Thriller, der in der Optik auch Noir Anteile aufweist, insgesamt etwas zu harmlos. Aber für ein unterhaltsames Mitternachtskino ist Pevneys Horrorbeitrag durchaus geeignet.
Dieser Sire Alain de Maltroit (Charles Laughton) hat einen teuflischen Plan im Sinn, der inzwischen 20 Jahre andauert. Soviel Hass hegt er gegen seinen jüngeren Bruder Edmond (Paul Cavanagh), der ihm damals seine große Liebe vor der Nase wegschnappte. Bei der Geburt von Tochter Blanche (Sally Forrest) ist die Frau verstorben und seit dieser Zeit hält de Maletroit - unterstützt von willigen Dienern (Michael Pate, Morgan Farley, William Cotrell) - seinen Bruder in einem Kerker in den untersten Verließen seines Schlosses gefangen. Keiner ahnt etwas davon, auch nicht die Tochter, die glaubt, dass ihr Vater ebenfalls verstorben ist.
Nun will der Sire zum fiesesten Höhepunkt seiner langjährigen Folter kommen, indem er die schöne Blanche mit einem richtig miesen Halunken verheiratet, ihren Verehrer hat er bereits heimlich um die Ecke gebracht. Um den Plan zu realisieren, hat er seit längerem schon die verruchten Spelunken im Ort besucht, um einen solchen Kerl, der keine Skrupel hat, zu finden. Und tatsächlich glaubt er in dem attraktiven Säufer, Schläger und Weiberhelden Denis (Richard Wyler) den idealen Mann fürs Grobe gefunden zu haben. Mit einem üblen Trick lockt er den ins Schloß und macht ihm den Vorschlag in seine Familie einheiraten zu können. Müsste doch verlockend sein, doch seine "Marionette" merkt, dass diese Offerte mit Hintergedanken und möglichen Nachteilen einhergeht. Der gefangene Bruder spielt verrückt, damit hat er seinen vom Bruder bestimmten Tod hinausgezögert. Er hat aber einen geheimen Verbündeten: Den alten Diener Voltan (Boris Karloff)....



Der russisch-polnisch stämmige Kameramann Irving Glassberg hat sich ein bisschen am deutschen Expressionismus der Weimer Republik orientiert und gemeinsam mit einer edlen Ausstattung und schönen Szenenbildern gibt das eine gute Optik. Auch Laughton ist im Element. Er ist sehr oft in Nahaufnahme zu sehen und man kann buchstäblich den grenzenlosen Hass und den Sadismus erkennen, mit dem er seinen Plan verwirklichen will. Doch auch er zeigt irgendwann eine an ihm unbekannte und längst zugegrabene Facette: Die Liebe. Als er seine Feindbilder im Kerker durch einen sich bewegenden ausgeklügelten Mechanismus zerquetschen will, sieht er in Blanche seine große Liebe wieder. Er wird kurz wankelmütig, dies könnte noch eine letzte Chance für die Todgeweihten bedeuten. Insgesamt ein netter, romantischer Grusler der alten Schule. 



Bewertung: 7 von 10 Punkten.