Mittwoch, 25. Februar 2015
Katakomben
Regie: John Erick Dowdle
Wie oben, so unten...
John Erick Dowdle hat mit dem Found Footage Beitrag "Katakomben" (Original: As Above, so below) vielleicht seinen bislang besten Horrorfilm gedreht. Der Regisseur ist bekannt durch das Remake von "Quarantäne" und "Devil - Fahrstuhl zur Hölle" (eine Produktion von M. Night Shyamalan, der auch das Drehbuch dazu schrieb.
Der überwiegende Teil der Dreharbeiten wurde vor Ort in den echten Katakomben gedreht - eine Entscheidung, die sich natürlich atmosphärisch sehr günstig auf die Geschichte auswirkt. Es führte dazu die klaustrophobische Stimmung besonders glaubwürdig zu vermitteln.
Der Zuschauer muss dabei aber einige logische Ungereimtheiten schlucken. Jedenfalls ist die renommierte Archäologin Scarlett Marlowe (Perdita Weeks) einem ganz alten Rätsel der Menscheit auf der Spur. Angesteckt wurde sie von dem Ehrgeiz ihres Vater, der viele Jahre seines Lebens widmete, um den sogenannten "Stein der Weisen" zu finden. In den ersten Szenen ist die Heldin zu sehen, wie sie sich auf einer spannenden Reliquienjagd im Iran befindet. Dort findet sich weitere Hinweise auf den Aufenthaltsort des sagenhaften Steines. Das Relikt, so sagten die Alchimisten, könne unedle Metalle in Gold verwandeln und vielleicht sogar tote Materie zu Leben erwecken - es soll sich in den Katakomben von Paris befinden. Gemeinsam mit ihrem Freund George (Ben Feldman) und Kameramann Benji (Edwin Hodge - einer muss ja da sein, der den Found Footage Stil rechtfertigt) will sie nun diesen Schatz bergen. Dazu braucht sie aber einen versierten Führer. Von einem Unbekannten bekommt sie den Tipp einen gewissen Papillon (Francois Civil) zu kontaktieren, der das unterirdische Labyrinth in Paris kennt. Dieser willigt in das gefährliche Unternehmen ein und bringt seine Freundin Siouxie (Marion Lambert) und Kumpel Zed (Ali Marhyar) mit. Er warnt aber - denn sein Freund La Taupe (Cosme Castro) verschwand vor 2 Jahren in den Katakomben. Schon beim Betreten merkt die Crew, dass sie da unten nicht alleine sind. Es finden dort merkwürdige Kulte statt, eine seltsame Frau (Olivia Csiky Trnka), hat sich dort mit ihren Jüngerinnen versammelt und hält eine sonderbare Messe ab. Dann wird der Trip immer gefährlicher - immer wieder tauchen Trugbilder auf. Scarlett sieht ihren toten Vater, der sich erhängt hat. George entdeckt sein altes Klavier aus Kindertagen. Und Papillon steht bald vor einem brennenden Auto. Es wird Opfer geben, aber die Truppe findet auch eine Schatzkammer, vor allem aber ein Tor zur Hölle...
Insgesamt bietet die Artefaktejagt nicht viel neues, die Geschehnisse werden immer unerklärlicher - allerdings wird die schwache Story des Films von der grusligen Atmosphäre zusammengehalten. Immer wieder werden mal aramäische Schriften zu entziffern sein, immer wieder werden die Protagonisten mit den inneren Dämonen konfrontiert. Um dieser Hölle zu entrinnen, braucht es eine gewisse Kentniss des spiegelbildlichen Höhlensystems. Das Ganze ist durchweg unterhaltsam, wenn man sich nicht daran stört, dass man stellenweise - vor allem auf dem Höhepunkt, im Hauptteil der Geschichte - den Eindruck hat, dass die Katakomben zunehmend zu einer Kirmes-Geisterbahnfahrt verkommen, wo in jedem Raum ein neuer Schrecken auf den Besucher wartet.
Dass sich trotzdem überraschend keine Langeweile breitmacht, ist vor allem dieser bereits erwähnten atmosphärischen Dichte zu verdanken, die im Zusammenspiel von Sujet, Location und Machart trotz aller Klischees und Vorhersehbarkeiten erstaunlich gut gelingt. Der Found-Footage-Stil hat sich zwar merklich abgenutzt, aber hier erscheint er dann doch irgendwie sinnvoll, da er die beabsichtigte dokumentarische Wirkung der Bilder unterstützt. Da Scarletts Suchtrupp gleich über mehrere Kameras verfügt, die zum Teil in die Helme eingebaut sind, werden diese Bilder zumeist schlüssig in den Film integriert. Zudem ist die Alchemie-Thematik nicht ganz uninteressant.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.
Dienstag, 17. Februar 2015
Predestination
Regie: Michael und Peter Spierig
Jane und John...
Robert A. Heinlein (1907 bis 1988) zählt neben Ksaac Asimov und Arthur C. Clarke sicherlich zu den bedeutendsten englischsprachigen Science Fiction Schriftsteller. Ihm wurde immer wieder ein Hang zum Militarismus vorgeworfen, besonders kommt dies in seinem berühmten wie berüchtigten Roman "Starship Troopers" zur Geltung, dort werden bürgerliche Rechte nur gewährt, wenn man auch seinen Wehrdienst geleistet hat. Dies verstärkte den Eindruck des faschistischen Gedankenguts des Romans. Der Film wurde erfolgreich von Paul Verhoeven verfilmt und ist für mich der beste Science Fiction Film der 90er Jahre.
Nun haben auch die deutschstämmigen und in Australien lebenden Zwillingsbrüder Michael und Peter Spierig eine Adaption einer Geschichte aus Heinleins "All you zombies" gewählt und sich für die Verfilmung der Kurzstory "The Unpleasant Profession of Jonatha Hoag" entschieden.
Wieder ist Ethan Hawke aus Hauptdarsteller mit von der Partie, er trat bereits im Vorgängerfilm der Spierig Brothers "Daybreak" auf.
Während dieser Vorgänger gutes Mittelmaß im Genreangebot war, so ist Ihnen dieses Mal mit "Predestination" ein kleines Zeitreise-Meisterwerk gelungen und es ist schwer bei soviel Überraschungen, Drehungen und Wendungen, die die Geschichte zu bieten hat, den Überblick zu behalten. Aber die Faszination ist in jeder Sekunde dieser 97 Minuten gegeben. Bereits in den ersten Szenen passiert extrem viel. Nach einer sehr brenzligen Situation mit der Zeitmaschine hat sich das Äussere des Zeitreiseagenten (Ethan Hawke) durch eine schwere Verbrennung sehr stark verändert. Aber da die Zeitebenen wechseln sieht man ihn im Jahr 1970 als Barkeeper in einer New Yorker Bar, wo er Bier zapft und den Gästen ein guter Gesprächspartner und noch besserer Zuhörer ist. Am Tresen sitzt ein Mann (Sarah Snook), der mit dem Barmann eine Wette eingeht. Er bekommt dann eine Flasche Whisky geschenkt, wenn es ihm gelingt die unglaublichste Geschichte aller Zeiten zu erzählen, die Geschichte seines Lebens. In Rückblicken erfährt man von einem Waisenkind Jane, die hochintelligent ist, als Kind extreme Fähigkeiten in Geist und Körper aufweist und der eine Karriere in der Raumfahrt bevorsteht. Doch Schicksalsschläge verändern die junge Frau, sowohl psychisch als auch physisch. Und die Geschichte selbst wird zu einer Achterbahnfahrt, voll mit zunehmend abstruseren Wendungen und Offenbarungen. Eine Geschichte, die sogar den Erzähler und den Zuhörer auf neue Art und Weise zusammenfügen und mit sich selbst konfrontieren...
Ethan Hawke hat im Film lange Zeit den Part des verständnisvollen Kumpeltyps, die australische Jungdarstellerin Sarah Snook muss da weitaus komplexer agieren, denn ihre Figur ist vielschichtig angelegt.
Ihre Rolle verlangt eine außergewöhnliche geschlechtliche Wandelbarkeit, die von Maske und Kostümen zwar unterstützt, nie aber vollständig getragen werden kann. Sie schafft diese Balance aber mühelos und bleibt durchweg glaubwürdig.
Freunde von Zeitreise-Thrillern mit der Öffnung von einem Paralleluniversum wie in "Looper", "Triangle", "Memento", "Donnie Darko", "Butterfly Effect" oder "Inception" werden sich hier freuen, denn den Machern gelingt es, dass der Zuschauer sich einfach in die Geschichte hineinfallen lässt. Optisch erinnert die Ausstattung stark an Zack Snyders "Watchmen".
Auch die Frage ist interessant, wie durch Zeitreisen und die Einflussnahme auf Ereignisse nicht nur Gegenwart, sondern auch Vergangenheit verändert werden kann. Kann der berüchtigte Fizzle Bomber im Jahr 1975 in New York 11.000 Menschen töten ? Am faszinierendsten ist aber das Geflecht aus Sarah, John und dem gemeinsamen Baby.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
The Signal
Regie: William Eubank
Wo bin ich ?
Der 1982 geborene US-Filmemacher William
Eubank begann schon im Alter von 18 Jahren als Regisseur zu arbeiten.
Seinen ersten abendfüllenden Film "Love" war ein vierjähriges Projekt,
in der er die Rollen des Directors, des Drehbuchautors, das Kameramanns
und des Szenenbildners wahrgenommen hat. Nun ist sein zweiter Film "The
Signal" erschienen. Eubank selbst gibt an, dass ein Film ein Verlauf von
Stimmungen und Gefühlen sein sollte. Die Bedeutung der Thematik, all
das würde dann folgerichtig zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
Tatsächlich lässt der Film am Ende doch einige Fragen offen oder die
Erklärung erfolgt ganz einfach etwas zu plump, als dass man sich mit ihr
zufrieden geben wollte. Denn weite Teile des Low Budget Films waren gut
gelungen und es gelang dem Macher die Geschichte, die er erzählt, eine
lange Zeit über sehr mysteriös und geheimnisvoll zu halten. Inhaltlich
weiß "The Signal" dem Genre natürlich nicht viel Neues hinzuzufügen.
Was dann anfänglich als ruhiges Roadmovie beginnt, entwickelt sich nach
einem ebenso kurzen wie wirkungsvollen Gruselabschnitt im
Found-Footage-Stil (da steht ein sonderbares Haus in der Wüstengegend
von Nevada) zu einem Puzzle, das nicht nur das Publikum, sondern auch
Hauptfigur Nic zu lösen versucht. Und dieser wird von dem Jungstar der
Stunde gespielt: Brenton Thwaites macht seine Sache wie schon in
"Octulus" oder in "Hüter der Erinnerung" auch ziemlich gut. Dieser Nic
(Brenton Thwaites) und sein bester Freund Jonah (Beau Knapp) sind
Studenten am weltbekannten Massachusetts Institute of Technology.
Zusammen mit ihrer Freundin Haley (Olivia Cooke), die darüberhinaus mit
Nic liiert ist, sind sie durch den Südwesten der USA unterwegs.
Hauptziel ist eigentlich Haley nach Kalifornien zu fahren, die dort für
ein Jahr studieren will. Aber wie gesagt, erstmal geht es quer durch
die pittoresken Felslandschaften Nevadas. Die Jungs sind Computernerds
und liefern sich auf der Fahrt nebenbei ein Fernduell mit einem Hacker
namens "Nomad", mit dem sie seit einiger Zeit PC-technisch in Konkurrenz
stehen. Nic leidet darüberhinaus an Multipler Sklerose leidet, er ist
auf Gehhilfen angewiesen - eine Tatsache, die ihn sehr belastet. Der
Film greift immer wieder auf Rückblenden zurück, in denen der damals
noch gesunde Nic durch den Wald rennt. Als die Drei ein einsames Haus in
der Wüste erreichen, in dem sie ihren geheimnisvollen Cyber-Widersacher
vermuten, nimmt "The Signal" Anleihen beim Found-Footage-Stil des Blair Witch Project.
Unter mysteriösen Umständen werden die Teenager überwältigt und
auseinandergerissen, und kurz darauf erwacht Nick in einem aseptischen,
vermutlich unterirdischen Forschungslabor., dem hauptsächlichen
Handlungsort des Films. Er weiß nicht mehr, was geschehen ist und seine
Freunde sind verschwunden. Männer mit Schutzanzügen beobachten und
plegen ihn. Ausserdem stellt sich einer dieser Männer als
Regierungsbeamter Dr. Wallace Damon (Laurence Fishborne) vor. Ist Nic
mit Aliens in Berühung gekommen oder mehr noch ...The Signal" punktet
vor allem durch das Setting und die Opik. Die Forschungsstation wirkt
geheimnisvoll und bedrückend. Alles erscheint unheimlich und
unwirklich. Was ist mit den drei Freunden in dem Haus geschehen? Aus
welchem Grund werden sie in einem Forschungslabor festgehalten? Wieso
darf Nic seine Familie nicht anrufen? Und weshalb tragen die
Angestellten allesamt Schutzanzüge?
William Eubanks "The Signal" kann
als gutes B-Picture angesehen werden, leider ist der Schluß nicht ganz
so überzeugend wie der Weg dorthin. Aber man erkennt den talentierten
Handwerker und man wird sicherlich noch weitere Genrearbeiten von ihm
sehen können. Wie die Hauptfigur wird auch der Zuschauer bis zum Schluß
im Unklaren gelassen. Dass der Film qualitativ schwächer wird mit der
Auflösung, beweist natürlich dass ein Mystey Film nur so gut ist, wie
das Mysteriöse an ihm. Für Eubanks ist sein Film nach eigener Aussage
eine Metapher für den Konflikt, Entscheidungen auf rationale und
emotionale Weise zu treffen. Dies ist zumindest phasenweise geglückt.
Sonntag, 15. Februar 2015
Hüter der Erinnerung
Regie: Phillip Noyce
Der Geber...
Nieder mit der Utopie, es leben die Dystopien...zumindest im Kino
unseres Jahrzehnts. Eine Gesellschaft hat sich zum Negativen entwickelt.
Die Autoren dieser Storys zeigen manchmal mit einem pessimistischen
Zukunftsbild auf bedenkliche Entwicklungen der Gegenwart. Dieser Staat
der Zukunft ist dann höchstwahrscheinlich schon eine Diktatur geworden,
geprägt durch den Untergang aus der Vergangenheit, den die Menschheit
selbst verursacht hat. Die Regierung versucht diese neue Gesellschaft
weitestgehend zu kontrollieren, sie am Denken zu hindert und verhindert
die Freiheit von Informationen. Seit dem Megaerfolg von "Die Tribute von
Panem" sprießen diese Filme wie Pilze aus der Erde und der Erfolg gibt
Filmen wie "Die Bestimmung", "Maze Runner" oder "Hüter der Erinnerung"
natürlich auch recht. Man nehme einfach ein paar attraktive Teenies und
platziere sie in einen technisch und visuell stark gemachten
Zukunfts-Themenpark.
Das Genre ist zwar schon uralt - wie
Fritz Langs "Metropolis" aus dem Jahr 1925 beweist und brachte vor der
Hinzunahme besonders jugendlicher Helden auch einige Meisterwerke
hervor: Ich erinnere da an Truffaut "Fahrenheit 451", den düsteren
George Lucas Film "THX 1138", Terry Giliams fiese Vision "Brazil" oder
an "Battle Royale", dem bösartigen Vorbild der Panem-Storys aus Japan .
Warum braucht die Science Fiction, der Dystopien Film nun diese Teenies ?
Vermutlich weil seit dem Siegeszug mit "Twilight" und zwei jugendlichem
Helden im Horrorgenre auch viel mehr Kohle gemacht wird als man
vermutet hat.
Kritiker werden natürlich zu Recht bemerken,
dass damit auch mit dem Genre eine gewisse Weichspülung einhergeht. Der
Vampir verliert dadurch seine bissigen Zähne und erweist sich als
blutleerer Sauger und schlapper Liebhaber. Übertragen heißt das auch für
das Zukunftsszenario: Weniger Intensität, weniger Tiefgang - dafür aber
eine gute Menge Mainstream mit dem ein eher düsteres Thema auch
gewinnbringender verkauft werden kann.
Wie diese Filme in der
Retrospektive eingeordnet werden wird die Zukunft zeigen. Haben sie gar
auch das Zeug zu Klassikern ? Möglich wäre es natürlich. Denn in einigen
Jahren sind sie selbst Kinogeschichte und repräsentieren mit ihrer
Machart auch einen Zeitgeist, der dann Vergangenheit sein wird.
In
"Hüter der Erinnerung" führte der Australier Philpp Noyce Regie, der
bereits 1989 mit "Todesstille" auf sich aufmerksam machen konnte und
sich in der Folge mit "Die Stunde der Patrioten" oder "Das Kartell" auch
in den USA etablieren konnte. Jüngst inszenierte er Angelina Jolie als
weibliche Bourne Ausgabe in "Salt". Die Form von "Hüter der Erinnerung"
ist daher auch überzeugend und hat mit Brenton Thwaites einen der
aufstrebenden Jungstars des zeitgenössischen Kinos an Bord. Der
26jährige Darsteller ist derzeit vollbeschäftigt mit "Oculus",
"Maleficent" oder "The Signal". Bald startet auch "Son of a Gun".
In
"Hüter der Erinnerung" spielt er den 16jährigen Jonas, der in einer
scheinbar schönen neuen Welt lebt. Es gibt keine Kriege mehr, keine
Armut und keine Gewalt. Aber um dieses zu halten sind die Menschen
angehalten nach den Gesetzen der Ältesten (u.a. Meryl Streep) zu leben
und dazu gehört die tägliche Einnahme von Medikamenten am Morgen, um den
Tag zu bestreiten und vor allem um jedwede Gefühle zu ünterdrücken.
Daher ist ein Begriff wie "Liebe" ebenso fremd wie "Hass". Ausserdem
sehen die Menschen keine Farben. Daher ist diese Welt in schwarz-weiß.
Alle tragen identische Kleidung, die Unterkünfte sind identisch.
Kontrolle wird groß geschrieben. Jede Familie darf nur zwei Kinder
haben.
Doch die Mütter und Väter sind nicht die
leiblichen Eltern. Söhne und Töchter werden von Leihmüttern ausgetragen
und einem Paar auf Antrag zugewiesen. Sobald sie ein bestimmtes Alter
erreicht haben, wird die Familie aufgelöst und die jungen Menschen
erhalten eine vorgegebene Aufgabe in der Gesellschaft. Jonas ist
befreundet mit Fiona (Odeya Rush) und Asher (Cameron Monagham). In einer
Zeremonie wird bestimmt, dass Jonas aufgrund seiner Intelligenz,
Rechtschaffenheit die aussergewöhnlichste Aufgabe zugeteilt bekommt.
Denn als Hüter der Erinnerung ist er einzigartig und die Aufgabe ist es
das gesamte Wissen der Menschheit stellvertretend zu verwalten. Nur
dieser Hüter der Erinnerung hat Einblick in alles verloren Geglaubte und
wird auch die Welt kennenlernen, die vor der Einführung der Gleichheit
existent war. Der noch amtierende Hüter (Jeff Bridges) wird zu seinem
Geber, der die Aufgabe hat, sein Wissen an die nächste Generation - also
an Jonas - weiterzugeben. Jonas ist fasziniert von dieser ihm
unbekannten, aber auch gefährlichen Welt voller Liebe und auch Hass. Er
lernt Schmerz und Freude kennen. Und dabei lässt er auch das
morgendliche Medikament weg...
Je mehr Jonas Erkenntnis
gewinnt, desto mehr tauchen die Farben im Film auf. Ein einfacher, aber
auch effektiver Kunstgriff in diesem optisch gut gemachten Science
Fiction Film, der mit seinen 97 Minuten knackig kurz geraten ist und
daher der Gefahr entgeht eine gewisse Trägheit zu erlangen, wie man sie
bereits im 2. Teil der Panem Trilogie bemerkte. Natürlich ist die
Message entwaffend einfach, aber Noyce hat das alles in überzeugende
Bilder getaucht. Die Flucht mit einem kleinen Säugling, der vom System
"getötet" werden soll" ist dann auch gleichzeitig Höhepunkt des Films
und fügt Traum und Wirklichkeit zusammen. Denn Jonas hat von dieser
Schlittenfahrt im Schnee schon einmal geträumt und das Haus, aus dem man
ein Weihnachtslied hört, steht sinnbildlich für das wieder gefundene
Zuhause.
Bewertung: 7 von 10 Punkten.
Freitag, 13. Februar 2015
Lucy
Regie: Luc Besson
Scarlett und 100 Prozent...
Fur Luc Besson ist seiner neuer Film "Lucy" tatsächlich so eine Art Comeback, nachdem seine Filme der letzten 10 Jahren nicht mehr so recht liefen. Die letzte überzeugende Arbeit "Angel A" liegt lange zurück. Seine Meisterwerke sind zweifelsohne "Im Rausch der Tiefe", "Subway" und auch "Leon, der Profi". Aber auch "Subway", "Das fünfte Element" oder "Johanna von Orleans" konnten sich sehen lassen. Immerhin war Luc Besson in den letzten Jahren nicht untätig, obwohl er ja schon mehr als einmal seinen Rückzug aus dem Filmgeschäft angekündigt hat. Als Produzent von kultigen Actionfilmen wie "Transporter", "Ghettogangz" oder "Taxi" hat er gute Kohle verdient. Ausserdem produzierte er "Taken", einen der besten und grimmigsten Actionfilme der letzten Jahre mit einem furios aufspielenden Liam Neeson sowie den Horrorstreifen "Frontiers". Ein Teil des Erfolgs von "Lucy" muss man natürlich der attraktiven Blondine Scarlett Johansson zuschreiben, die schon kurz nach ihrer Galavorstellung in "Unter the Skin" von Jonathan Glazer und ihrer Sprechrolle in "Her" schon wieder in einem Science Fiction Film auftritt und beste Chancen hat zu einer Ikone des Genres zu werden. Tatsächlich steht und fällt "Lucy" mit ihrer Darstellung. Der kurzweilige Film beginnt mit einem Prolog. Ein Vorfahre des Homo Sapiens schöpft aus einem See Wasser zu trinken. Aus dem Off hört der Zuschauer eine weibliche Stimme "Vor einer Milliarde Jahren wurde uns das Leben geschenkt. Was haben wir daraus gemacht ?" Dann Szenenwechsel und die aufmerksame Kamera Thierry Arbogast (Ridicule, Femme Fatale, Schwarze Kate,weißer Kater) zeigt in schnellen und hektischen Schnitten Eindrücke von unserer Welt, die Menschen wirken wie ferngesteuerte Ameisen. Eine 25jährige Amerikanerin namens Lucy (Scarlett Johansson) lebt in Taiwan mit ihrem Freund Richard, den sie erst kürzlich kennengelernt hat. Dieser wenig vertrauenswürdige Kerl schlägt ihr vor, dass sie einen Koffer mit unbekanntem Inhalt beim koreanischen Gangsterboss Mr. Jang (Choi Min-Sik) abliefern soll. Als Lohn winken 500 Dollar. Lucy ist misstrauisch und weigert sich. Der nette Freund fesselt sie daraufhin mit einer Handschelle an den besagten Koffer - unter Zwang betritt die Frau ängstlich das Hochhaus, in dem der Gangsterboss wohnt. Der Koffer beinhaltet eine neuartige Droge, synthetisches CPH4. Lucy wird in Jangs Hotelzimmer verschleppt, wo Ihr und drei Männern ein Paket mit der Droge in den Unterleib implantiert wird. Die Droge soll auf diese Weise in drei Großstädte Europas, Berlin, Paris und Rom geschmuggelt werden. Als sie von der unfreiwilligen Operation erwacht, findet sich angekettet in einem Container wieder, wo ihr einer von Jangs Schergen in den Unterleib tritt, so dass das Paket aufplatzt und die Droge teilweise in ihrem Körper freigesetzt wird. Die Substanz lässt die Leistungsfähigkeit ihres Gehirns rapide steigen. Dadurch nimmt nicht nur ihre Intelligenz immer weiter zu, sondern sie erwirbt auch eine ganze Reihe weiterer übermenschlicher Fähigkeiten. Es ist wahrscheinlich, dass sie in den nächsten Stunden 100 % ihres geistgen Potentials nutzen kann - doch sie wird höchstwahrscheinlich auch bei diesem Prozess sterben müssen. Lucy nimmt Kontakt zum Wissenschaftler Samuel Norman (Morgan Freeman) auf. Am Ende steht eine Zeitreise bis zum Ursprung des Universums, dort trifft sie auf einer Etappe den im Prolog gezeigten Primaten aus dem Tier-Mensch Übergangsfeld...
Und der Zuschauer staunt nach diesem kurzweiligen 89 Minuten Film, der größtenteils auf dem 10% Mythos baiert. Viele Wissenschaftler sind sich sicher, dass der Mensch normalerweise nur einen kleinen Prozentsatz seiner Gehirnkapazität nutzt und den viel größeren Rest brach liegen lässt. Natürlich braucht man für den Film weit weniger als 10 % seiner Gehirnleistung, denn im Grunde ist "Lucy" nichts anderes als sehr modernes Kino mit guter Optik und relativ wenig Inhalt. Immerhin erhielt Luc Bessons Comeback sogar von der deutschen Film und Medienbewertung das begehrte Prädikat "besonders wertvoll". Das weltweite Einspielergebnis von 458 Millionen Dollar toppte sogar "Das fünfte Element", Bessons bisher erfolgreichste Regiearbeit an den Kinokassen.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.
Die Behandlung
Regie: Hans Herbots
Der Troll und weibliche Hormone...
Bereits mit den ersten Bildern bahnt sich ein filmischer Albtraum an: Zwei Jungen spielen an einer Bahntrasse. Der eine hat sich als Indianer verkleidet, der Andere hat ein Cowboy Kostüm gewählt. Dann kjommt ein älterer Mann (Johan van Assche) dazu, der den kleinen Indianer packt und mit sich zieht. Dann erwacht Inspektor Nick Cafmeyer (Geert Van Rampelberg) aus seinem Traum. Es ist ein immer wiederkehrender Traum seit seiner Kindheit, als der Bruder spurlos verschwand und bis heute gibt es kein Lebenszeichen von Ihm. Mit großer Wahrscheinlichkeit wurde Björn Opfer eines grausamen Verbrechens, aber eine Leiche fand man nie. Es gab damals auch Verdachtsmomente gegen Ivan Plettinckx, ein Pädophiler in der unmittelbaren Nachbarschaft und auch der Mann in Nicks Traum, aber es konnte ihm nie etwas nachgewiesen werden. Doch der Verdächtige hat noch ein perfides Spiel mit dem Inspektor laufen, indem er ihn mit Briefen und ständigen Andeutungen quält, er wüsste vielleicht doch die Wahrheit über seinen Bruder. Während ihn sein persönliches Trauma nicht loslässt, wird Nick im Rahmen seiner Arbeit mit einem grausamen Fall konfrontiert. Eine Familie wurde brutal angegriffen, tagelang in Gefangenschaft gehalten, während der kleine Sohn der Familie missbraucht und entführt wurde. Einige Tage später wird die Leiche des Jungen gefunden, doch es wird schnell klar, dass der kranke Mörder nicht aufhören wird, aber wer ist dieser unheimliche "Troll" auch "Beißer" genannt, vor dem sich die Kinder in der Umgebung fürchten. Immer mehr zeigt sich sogar eine Verbindung zu früheren Fällen und nicht zuleztt sogar zum Verschwinden seines Bruders.. Die Ermittlungen bringen Cafmeyer – selbst traumatisiert durch ein lange zurückliegendes, persönliches Schicksal – an seine emotionalen Grenzen. Doch der Albtraum hat gerade erst begonnen, denn abseits der Ermittlungen hat der kranke Verbrecher bereits eine neue Familie als Opfer auserkoren...
"Die Behandlung" ist ein fieser belgischer Thriller aus dem Jahr 2014, der Regisseur heißt Hans Herbots. Die Thematik ist allerdings nichts für schwache Nerven, denn kaum ein Verbrechen ist so schlimm und perverrs wie der sexuelle Mißbrauch von Kindern. Der Film basiert auf dem Roman "Die Behandlung" von Mo Hayder. Die Handlung wurde im Film aber von England nach Belgien verlegt. Angesichts des Falls von Marc Dutroux und des Verdachts eines größeren Kinderpornografierings im Land, erhält der Film natürlich noch zusätzlich eine besonders glaubwürdige Note. Ansonsten ist das große Vorbild sehr schnell gefunden. Hans Herbots möchte mit seinem düsteren, auswegslosen Thriller in die Fußstapfen von Georg Sluizers großem Meisterwerk "Spurlos" treten. Und die Voraussetzungen dafür sind sehr gut, auch wenn man vielleicht nach dem Film doch auf den Gedanken kommt, dass der Täter vielleicht etwas zu überzeichnet dargestellt wurde. Das Ritual, dass der Täter wählt, ist irre krank und weckt sogar leichte Erinnerungen an die Geschmacklosigkeit aus "A Serbian Film". Inmitten von Dreck und Pisse müssen die Opfer ein perfides Spiel mitmachen. Und Herbots weiß warum das Original von "Spurlos" so gut funktioniert hat und das US-Remake trotz Jeff Bridges so schlecht war - daher verweigert der belgische Regisseur dem Zuschauer das Happy End im allerletzten Augenblick. Der Film ist erschütternd, tiefgründig und hochkomplex. Er zeigt auch die Polizeiarbeit realistisch und hat mit Geert van Rampelberg einen sehr guten Hauptdarsteller.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
Dienstag, 10. Februar 2015
Stonehearst Asylum
Regie: Brad Anderson
Ein sonderbares Irrenhaus...
Brad Anderson auf den Spuren von Edgar Allan Poe. Mit "Stonehearst
Asylum" wird der Zuschauer ins Jahr 1899 entführt. Dabei gibt die erste
Szene an der Universität in Oxford einen Einblick in die medizinischen
Lehren über die weibliche Hysterie. Zu diesem Zweck hat der Dozent und
Nervenarzt (Brendan Gleeson) für die Studenten mit der verwirrten Eliza
Graves (Kate Beckinsale) eine überaus attraktive Testperson für seine
lehrbegierigen Studenten. Die zweite Szene des Films zeigt den jungen
Londoner Arzt Dr. Edward Newgate (Jim Sturgess) auf dem Weg zu seinem
neuen Arbeitsplatz. Am Weihnachtsabend 1899 trifft er dort in
Stonehearst Asylum ein. Diese Nervenanstalt ist berühmt. Alle mental
verwirrten Menschen sind aus gutem Hause - ausgestoßen von den
jeweiligen Familien, die sich ihrer kranken Angehörigen schämen. Dort
praktiziert ein gewisser Dr. Silas Lamb (Ben Kingsley) mit sehr
eigenwilligen, für die damalige Zeit geradezu revolutonären Methoden.
Mit dem Wissen der gelernten Schulmedizin kommt der Youngster dort
sicherlich nicht weiter - er muss sich auf die progressiven Behandlungen
seinen Vorgesetzten einstellen, der nicht gleich mit Medikamenten ruhig
stellt und wo Personal und Patient ziemlich nahe im Stationsalltag
zusammen sind.
Obschon Newgate überrascht ist, neigt er
dazu, dem vertrauenswürdigen Lamb Glauben zu schenken. Bis er des Nachts
durch Geräusche in den Keller gelockt wird und über eingekerkerte
Menschen stolpert. Unter ihnen Dr. Benjamin Salt (Michael Caine), der
eine ganz eigene Geschichte zu Lamb und dessen Methode zu erzählen hat.
Ausserdem ist dort auch Eliza Graves Patientin...
Sehr
gelungen ist die Ausstattung des Films, der auf der Kurzgeschichte "The
System of Doctor Tarr and Professor Fether" von Edgar Allan Poe basiert.
Dabei ist das Setting meistens sehr düster und gefällt mit einem
gelungenen Zeitkolorit.
Es ist sogar der zweite Psychatrie Besuch des Regisseurs. Bereits sein 2001 realisierter und sein vielleicht bis dato bester Film "Session 9" schildert die horrormässigen Sanierungsarbeiten eines Teams in einem seit den 80er Jahren leerstehenden Psychiatriekomplexes. Es folgte "The Machinist" - einer dieser vielen Nachahmer von "Sixth Sense", also Geschichten, die bis zum Schlussakkord eine bedrohliche, geheimnisvolle, mystische, verschachtelte Geschichte aufbauen, der Zuschauer bleibt dabei die ganze Zeit im Dunkel - bis dann am Ende mit Karacho der Plot aufgelöst wird und mehr oder weniger einen Sinn ergibt. Seine Arbeit sicherlich eine der besseren in diesem Genre. Mit "Transiberian" gelang ihm ein äusserst spanender Eisenbahnthriller. "Die Herrschaft der Schatten" hatte es schon schwerer, weil diese postapokalyptische Geschichte über die letzten Lichtquellen recht sonderbar war. "The Call" war da wieder um einiges konventioneller und spannender - um bescherte auch mal Halle Berry wieder einen guten Erfolg, der mal nicht für die Goldene Himbeere nominiert wurde. Nun also ein Kostümfilm mit leichten Gruselmomenten, einigen geglückten Momenten und einem eher starken Ende.
Es ist sogar der zweite Psychatrie Besuch des Regisseurs. Bereits sein 2001 realisierter und sein vielleicht bis dato bester Film "Session 9" schildert die horrormässigen Sanierungsarbeiten eines Teams in einem seit den 80er Jahren leerstehenden Psychiatriekomplexes. Es folgte "The Machinist" - einer dieser vielen Nachahmer von "Sixth Sense", also Geschichten, die bis zum Schlussakkord eine bedrohliche, geheimnisvolle, mystische, verschachtelte Geschichte aufbauen, der Zuschauer bleibt dabei die ganze Zeit im Dunkel - bis dann am Ende mit Karacho der Plot aufgelöst wird und mehr oder weniger einen Sinn ergibt. Seine Arbeit sicherlich eine der besseren in diesem Genre. Mit "Transiberian" gelang ihm ein äusserst spanender Eisenbahnthriller. "Die Herrschaft der Schatten" hatte es schon schwerer, weil diese postapokalyptische Geschichte über die letzten Lichtquellen recht sonderbar war. "The Call" war da wieder um einiges konventioneller und spannender - um bescherte auch mal Halle Berry wieder einen guten Erfolg, der mal nicht für die Goldene Himbeere nominiert wurde. Nun also ein Kostümfilm mit leichten Gruselmomenten, einigen geglückten Momenten und einem eher starken Ende.
Ansonsten gehört "Stonehearst
Asylum" eher zum guten Durchschnitt - also nicht schlecht, recht
unterhaltsam, aber dennoch wenig Potential für einen späteren Klassiker.
Selbst die Starbesetzung reißt es nicht heraus. Ein bisschen errinert
das Ganze - nicht nur wegen Ben Kingsley - an den wesentlich besseren
Scorsese Film "Shutter Island". Interessant gestaltet ist aber die
Frage, die die Geschichte aufwirft. Wie human sind die Methoden der
Ärzte ? Der Film kommt jedenfalls zum guten Schluß, dass das
humanistische Heilverfahren dann beginnt, wenn man mit dem Patienten die
Therapie gestaltet und nicht über seinen Kopf hinweg...damals gar mit
barbarischen Foltermethoden. So kommt auch der Moment, in dem man weiß,
dass nicht nur Unschuldige im Keller eingesperrt sind.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.
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