Donnerstag, 29. Dezember 2016

Krieg der Sterne (Episode 4 - Eine neue Hoffnung)


























Regie: George Lucas

Der Todesstern...

"Hollywood hat mit "Star Wars" die Büchse der Pandora aufgemacht" so hat sich Woody Allen im Jahr 1985 über dieses Kinophänomen geäussert und er hat Recht behalten.  Der Film von George Lucas kostete damals 11 Millionen Dollar - das Einspielergebnis von 503 Millionen Dollar war phänomenal und katapultierte "Star Wars" sechs lange Jahre auf Platz 1 der weltweit finanziell erfolgreichsten Filme. Erst 1982 wurde er von Spielbergs "E.T." abgelöst.
"Star Wars" hat dabei auch den Fortsetzungsfilm etabliert - denn 1980 folgte "Das Imperium schlägt zurück" und 1983 "Die Rückkehr der Jedi Ritter" - beide Filme waren gleich hinter "E.T." die erfolgreichsten Blockbuster der 80er Jahre. Erst 16 Jahre später besann sich Hollywood auf das kommerzielle Zugpferd und ließ die Episoden 1 bis 3 (Vorgeschichte) realisieren. Neuer Höhepunkt im Star Wars Kosmos war "Star Wars´. The Force Awakens" - der 7. Star Wars Film, der weltweit 2,068 Milliarden Dollar einspielte und sich gleich nach "Avatar" und "Titanic" auf Platz 3 der All Time Charts der erfolgreichsten Kinohits befindet.
Ich bin zwar kein Fan der Star Wars Reihe, aber unbedingt ein Fan des ersten Films "Krieg der Sterne" , den George Lucas, inspiriert von Akira Kurosawas 50er Jahre Samurai Epos "Die verborgene Festung" mit reichlich naivem Charme zum Riesenerfolg führte.
"Star Wars" hat auch die Helden des Kinos verändert - sie wurden ab diesem Zeitpunkt wesentlich jünger. Denn das junge Publikum konnte sich vor allem gut mit dem jungen tapferen Jedi-Ritter Luke Skywalker, gespielt vom attraktiven Mark Hamill, identifizieren...aber auch mit der mutigen Prinzessin Laia (Carrie Fisher). Harrison Ford als Han Solo eroberte auch die Herzen der Zuschauerinnen, er war zu diesen Zeit gerade mal Anfang Dreißig und Lucas besetzte den tatlentierten Jungstar schon in seinem hochgelobten Jugendfilm "American Graffiti".
Die Handlung ist extrem einfach, wichtig sind vor allem die Figuren der Geschichte: Das böse Imperium will das gesamte Weltall unterjochen. Es sind dunkle Zeiten angebrochen. Mutigen Rebellen auf dem Planeten Alderan gelingt es aber, die Konstruktionspläne des zerstörerischischen Todessterns zu entwenden. Doch das Raumschiff mit der schönen Prinzessin Leia (Carrie Fisher) an Bord ist dem Bösewicht Grand Moff Tarkin (Peter Cushing) und dessen fiesem Adjudanten Darth Vader (David Prowse) in die Hände gefallen. Sie kann aber die Pläne und eine Nachricht noch in den Droiden R2-D2 speichern. Gemeinsam mit einem weiteren Droiden C3P0 gelingt ihm die Flucht auf den Planeten Tatooine. Dort lebt eher unglücklich der junge Luke Skywalker bei Onkel Owen (Phil Brown) und Tante Beru (Shelagh Fraser). Er würde gerne auf die Akademie gehen, doch der strenge Onkel braucht ihn für die Erntearbeiten. Als sie die beiden Droiden auf dem Schrottplatz kaufen, hört auch Luke den Hilferuf der Prinzessin an einen Obiwan Kenobi (Alec Guiness). Wenn da nicht der alte Einsiedler Ben gemeint ist ? Er versucht dies herauszufinden, bekommt aber Ärger mit den Sandleuten. Es kommt noch schlimmer. Als er nach Hause zurückkehrt, findet er das Haus von Tante und Onkel völlig zerstört vor. Beide wurden von den Imperialen Truppen ermordet. Nun hält ihn nichts mehr. Er will Jedi Ritter wie sein Vater werden und im Weltraumhafen Mos Eisley können sie mit Han solo (Harrison Ford) und Chewbacca (Peter Mayhew) zwei versierte Piloten gewinnen die sie nach Alderan bringen sollen. Doch es erwartet sie eine böse Überraschung...





Damals als "Krieg der Sterne" in die Kinos kam, habe ich ihn fünfmal hintereinander angeschaut. Meine Schwester auch...und die war ganz vernarrt in Mark Hamill. Und auch heute noch wirkt der Film extrem cool und modern. Das liegt vielleicht auch daran, dass sich George Lucas immer aufs Wesentliche konzentrierte und die Figuren nie aus den Augen verloren hat. Sie sind immer präsent und sie wirken echt. Die Grundstruktur der Geschichte hat auch etwas märchenhaftes. Einerseits begeistert die technische Rafinesse, andererseits haben die Figuren eine markante Färbung. Vom zottigen Chewbacca, zu den beiden Droiden, die ein bisschen in Stan Laurel/Oliver Hardy Manier durch die Geschichte wackeln. "Star Wars" wartet sogar mit zwei überzeugenden Bösewichtern auf. Peter Cushing hat sichtlich Spass an der Schurkenrolle und Darth Vader steht in der American Film Institute Liste der fiesesten Filmschurken aller Zeiten auf Platz 3.
Bei der Oscarverleihung 1976 triumphierte zwar Woody Allen mit "Annie Hall" als bester Film des Jahres. Die meisten Trophäen gingen aber an George Lucas Weltraummärchen: Schnitt, Ton, visuelle Effekte, Filmmusik, Szenenbild und Kostümdesign. Ausserdem kam noch ein sonderoscar für die besten Toneffekte dazu. Regisseur George Lucas wurde für die beste Regie, den besten Film und das beste Drehbuch nominiert - aber in diesen Kategorien war "Star Wars" kein Sieger. Alec Guinness konnte als bester Nebendarsteller nominiert werden - er verlor aber gegen Jason Robards in Fred Zinnemanns "Julia".






Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Dienstag, 27. Dezember 2016

The Shallows

























Regie: Jaume Collet-Sera

Im Wasser lauert die Bestie...

Vergiß den riesigen weißen Hai - der wahre Star von Jaume Collet-Seras neuesten Film "The Shallow" ist die kleine verletzte Möwe, die am Ende auch überlebt. Dank der Hilfe der blonden Surferin Nancy Adams, gespielt von Blake Lively (The Town, Green Lantern).
Damit kehrt der spanische Filmregisseur nach drei Thrillern mit Liam Neeson (Unknown Identity, Non-stop, Run all Night) wieder zum Horrorgenre zurück, mit dem er seine ersten Erfolge feiern konnte. Sein Debüt "House of Wax" war mit 68 Millionen Dollar weltweit ein echter Hit in Sachen Horrorfilm. Der Nachfolger "Orphan" war mit 76 Millionen Dollar Einspielergebnis sogar noch etwas erfolgreicher.
Auch "The Shallows" muss man kommerziell als großen Erfolg werten. Das Budget betrug 17 Millionen Dollar - inzwischen hat der Hai-Schocker beträchtliche 110 Millionen Dollar weltweit einspielt.
Natürlich kann Steven Spielbergs genialer Schocker "Der weiße Hai" nie getoppt werden - daher darf man die Meßlatte beim Haifilm nicht allzu hoch legen. Aber aufgrund der sehr atmosphärischen Location und einem langsam sich steigernden Spannungsaufbau kann "The Shallows" phasenweise ganz gut überzeugen. Er erinnert streckenweise an den australischen Krokodil-Schocker "Black Water" von David Nerlich und Andrew Traucki, der ebenfalls auf den Schrecken setzte, was da im Wasser lauern könnte.
Alles dreht sich dabei um die junge Medizinstudentin Nancy Adams (Blake Lively), die kurz nach dem Tod ihrer Mom zu einem einsamen Strand in Mexiko reist, den auch die Mutter schon kannte. Der einheimische Carlos (Oscar Jaenada) fährt sie in diese wunderbare, aber kaum von Menschen besuchte Idylle. Aber immerhin sind zwei Surfer (Angelo Jose Lozano Corzo, Jose Manuel Trujilo Salas) draussen und gemeinsam genießen sie das Surfen. Während einer kleinen Pause am Strand telefoniert sie noch mit ihrem Dad (Brett Cullen) und der kleinen Schwester Chloe (Sedona Legga). Ein letztes Mal will sie noch Surfen. Die beiden anderen Surfer schwimmen an den Strand zurück. Sie bemerkt dort draussen einen großen toten Buckelwal. Als sie die letzte große Welle zum Strand reitet, wird sie von einem großen Hai vom Surfbrett gestoßen. Das Tier verletzt die junge Frau am Bein. Zum Glück kann sie es zu einem isolierten Felsen im Wasser schaffen. Dort benutzt sie ihre Surfbrettriemen, um die Blutung auf ihrem Bein zu verlangsamen. Sie weiß, dass sie sehr bald medizinische Hilfe braucht - doch es bleibt ihr nichts anderes übrig als die Nacht auf dem Felsen zu verbringen. Eine verwundete Möwe leistet ihr dabei Gesellschaft.
Neuer Tag, neues Glück: Ein betrunkener Einheimischer hört ihre Hilferufe. Doch er ist eher an Nancys Gepäck interessiert. Das im Wasser liegende Surfbrett wird dem Mann aber zum Verhängnis, denn der weiße Hai hat Hunger. Und er bleibt nicht das einzige Opfer...




Eine auswegslose Situation - obwohl die Frau ja nur einige hundert Meter weg vom rettenden Strand ist. Aber im wunderbar kristallklaren und blauen Wasser lauert die Bestie. Auch Feuerquallen kommen noch als "Zückerle" dazu - phasenweise ein geglücktes Fest für Tierhorrorfans. Leider wirkt der Showdown zwischen Blondine und weißer Bestie dann doch arg unlogisch und uninspieriert, dafür gibts ein bisschen Abzug. Denn das hätte man plausibler und authentischer enden lassen können. Aber alles in allem hat mich "The Shallows" doch ganz gut und spannend unterhalten.




Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Montag, 5. Dezember 2016

Star Trek Beyond

























Regie: Justin Lin

Was uns hinter dem Nebel erwartet.....

Die drei bisherigen neuen "Star Trek" Filme (Star Trek 2009, Star Trek Into Darkness 2013 und Star Trek Beyond 2016) werden als "Reboots" der legendären TV-Serie "Raumschiff Enterprise" und der bisherigen Star Trek Filme von 1979 bis 2002 bezeichnet. Tatsächlich sind diese drei Weltraumabenteuer, die auch die Vorgeschichte von Captain Tiberius Kirk und seine Crew beleuchten soll, als kassenträchtige Blockbuster konzipiert worden, nachdem die Star Trek Next Generation Movies im Kino eher untergingen. So spielte "Star Trek" 385 Millionen Dollar weltweit ein, der Nachfolger "Into Darkness" mit einem attraktiven Bösewicht (Benedict Cumberbatch) brachte es gar auf 467 Millionen Dollar. "Beyond" hat da mit bisherigen 343 Millionen Dollar Einspielergebnis das Nachsehen.
Qualitativ hinkt er wirklich dem Vorgänger etwas hinterher, denn es wurde m. E. an einigen Stellen des Films zuviel Wert auf technische Schauwerte und eine Masse an CGI Trick gelegt, die die Story dann auch leider etwas nebensächlich behandelt und phasenweise fast ins Aus drängt. Es gibt aber auch eine Menge positiver Aspekte: Simon Pegg wächst immer mehr in die Rolle von Scotty hinein. Im Duo funktionieren Spock (Zachary Quinto) und PilleMcCoy (Karl Urban) bestens. Spock darf weiterhin in Uhura (Zoe Saldana) verliebt sein, die endlich auch einen markanteren Part bekommen hat als good old Nichelle Nichols. Der Zuschauer erfährt auch etwas über die sexuelle Orientierung der Crew. Während Scotty auf Amazonen im All (Sofia Boutella) abfährt, hat Sulu einen Boyfriend zuhause, sie haben gemeinsam ein glückliches Adoptivkind. Schön, dass auch schwule Lebensgemeinschaften ganz normal geworden sind im Weltraum, in den unendlichen Weiten.  Wir schreiben das Jahr 2284. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Und beim Abspann erklingt sogar die Enterprise TV-Melodie, eine der schönsten Szenen des gesamten Films. Und das meine ich nicht böse.
Die Crew der Enterprise ist bereits 3 Jahre im Auftrag der Vereinten Föderation der Planeten auf Erkundung des Weltalls. Eine kleine Pause dürfen sich die Crewmitglieder auf der riesigen Raumstation Yorktown ein Päuschen gönnen. Kirk (Chris Pine) soll zum Admiral ernannt werden, was aber das Ende seiner Raumfahrtenleidenschaft bedeuten würde und Spock erfährt, dass sein Vater verstorben ist und denkt daran auf seinen Heimatplaneten Vulkan zurückzukehren und kleine Spocks zu zeugen.  Doch vorher hat die Enterprise noch eine Rettungsmission zu leisten. Die einzig überlebende Kalara (Lydia Wilson) gibt an, dass ihr Schiff auf Altamid, einem Planeten innerhalb der großen Nebelzonen, gestrandet ist. Die Enterprise bereit sich auf eine Rettung vor, doch sie wird in einen Hinterhalt gelockt. Teile der Enterprise werden von einem riesigen Schwarm kleiner Schiffe zerissen. Der Bösewicht, der diesen Bienenschwarm an Angriffsschiffen befehligt, heißt Krall (Idris Elba), eine mächtige mutierte Alienkreatur. Er will unbedingt in den Besitz der Reliquie Abronath gelangen, die sich in Kirks Besitz  befindet. Dien Enterprise verliert die Schlacht im All. Wichtige Teile werden vom Schiffskörper abgetrennt, die Untertassensektion ist funktionsunfähig und liegt auf einem fremden Planeten. Dort nimmt Krall den größten Teil der Enterprise Besatzung gefangen. Lediglich Kirk und Chekow sowie Spock und Pille landen mit ihren Rettungskapseln irgendwo auf dem Planeten. Auch Scottie hatte Glück. Er trifft sogar auf die Kriegerin Jaylah, die sich bald als gute Hilfe im Kampf gegen Krall herausstellt...


An der technischen Machart gibts nichts auszusetzen, das ist gewohnt auf hohem Niveau gemacht worden. Auch wenn die Schnitte dann bei den Weltraumkämpfen sehr schnell und etwas hektisch präsentiert werden. Ich mag die Star Trek Filme und ich würde "Beyond" irgendwo im Mittelfeld einordnen. Der Film ist nicht schlecht, aber richtig gut ist er auch nicht geworden. Es fehlt dann doch am Charme der alten Fernsehserie, den einige der alten Star Trek Filme auch vermitteln konnten. Gegenüber "Into Darkness" ist das Drehbuch von Simon Pegg dann doch "nur" solide, obwohl einige Neuerungen auf alle Fälle gut integriert wurden.  Regie führte Justin Lin, der einige der"Fast and Furious" Filme inszenierte. Ein Garant für effektive visuelle Effekte. Darstellerisch gefällt mir Zoe Saldana am besten, dicht gefolgt von Pille Karl Urban,



Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Samstag, 26. November 2016

10 Cloverfield Lane

























Regie: Dan Trachtenberg

Bunker oder Gefängnis ?

Matt Reeves "Cloverfield" aus dem Jahr 2008 ist mit einem Einspielergebnis von 170 Millionen Dollar weltweit der bislang fünfterfolgreichste Found Footage Film überhaupt. Mehr Kasse machten nur der inzwischen schon legendäre "Blair Witch Project" und die drei ersten Teile von "Paranormal Acitifty". Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Produzent J. J. Abrams (auch Regisseur von "Super 8" oder einigen der neuen "Star Trek" Filme) nun eine Art Blutverwandten zu "Cloverfield" realisierte. Regie in "10 Cloverfield Lane" führt der Debütant Dan Trachtenberg.
Diesmal ist aber nicht der Angriff der ausserirdsichen Riesenmonster in New York das Thema, sondern der Horror kristallisiert sich auf engstem Raum in einem Bunker. Aber zuvor verlässt die junge Michelle (Mary Elisabeth Winstead) mit ihrem Auto ihren Boyfriend Ben (im Original leiht Bradley Cooper die Stimme) und kehrt New Orleans den Rücken. Ihr Ziel: Louisiana. Währenddessen hört sie im Radio von einigen seltsamen Stromausfällen. Sie wird abgelenkt, weil Ben mehrmals versucht ihr anzurufen. Plötzlich wird sie von einem Auto von der Straße abgedrängt und samt dem Wagen stürzt sie einen Abhang hinunter. Nach ihrer Ohnmacht wacht sie in einem Kellerraum auf, der sich schnell als Bunker herausstellt. Denn der sonderbare und etwas wortkarge Howard (John Goodman) stellt sich der jungen Frau als ihr Retter vor.  Natürlich will die Frau so schnell wie möglich wieder nach Hause, doch Howard gibt ihr zu verstehen, dass während ihrer Ohnmacht ein chemischer oder atomarer Angriff - möglicherweise von Ausserirdischen - stattfand und draussen alles verseucht ist. Michelle und Howard sind auch nicht allein in diesem sicheren Bunker, der einige Annehmlichkeiten bietet - der Arbeiter Emmett (John Gallagher Jr.) konnte sich ebenfalls vor der Katastrophe retten. Emmett half dem exzentrischen Verschwörungstheoretiker Howard beim Bau dieser sehr teuren Zuflucht. Michelle ist aber von Anfang an misstrauisch. Sie glaubt, dass es andere Gründe gibt, warum Howard sie im Bunker festhält, obwohl es doch glaubhafte Indizien für eine Verseuchung draussen gibt, die ein Leben dort für mehrere Monate unmöglich zu machen scheint. Während Howard das Szenario draussen fürchtet, wird für Michelle immer mehr die gefühlte Gefangenschaft unerträglich. Sie versucht gemeinsam mit Emmett einen Plan zu schmieden, um aus der Zwangswohngemeinschaft auszubrechen...



Und dies geht nicht ohne ein bisschen Langeweile, zumindest in der Mitte des Films hat man das Gefühl, dass dem Szenario und den Dialogen die Puste ausgeht, weil sich die drei Protagonisten immer wiederholen. Dann aber dreht Dan Trachtenberg merklich am Spannungsschalter und Schritt für Schritt gehts dann tatsächlich in Richtung Hochspannung. Im Schlußteil des Films darf sich Michelle ein bisschen wie Sigourney Weavers Ripley in "Alien" fühlen - ein aus einem Badevorhang zusammengeflickter Schutzanzug macht es möglich. Entsetzen sorgt auch ein Faß von Perchlorsäure. Ingesamt ist den Machern ein guter und klaustophobischer Genrebeitrag gelungen. Auch an der Kinokasse war "10 Cloverfield Lane" mit 108 Millionen Dollar weltweit ein guter Erfolg beschieden.





Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Freitag, 25. November 2016

Neon Demon

























Regie: Nicolas Winding Refn

Frisches Blut für den Jungbrunnen...

Seit "Walhalla Rising" bin ich ein Fan des dänischen Regisseurs Nicolas Winding Refn. Dieser Historienfilm war sehr karg inszeniert und der Wikinger-Abgesang wurde sehr polarisierend aufgenommen. Sein Neo-Noir "Drive" mit Ryan Gosling war da schon eher was fürs Massenpublikum - trotz düsterer Note spielte der Film weltweit 76 Millionen Dollar ein. Da war "Only god forgives" wieder viel sperriger - ein verstörender Bankok-Thriller - ebenfalls mit Ryan Gosling in der Hauptrolle - der sehr stark auf eine beeindruckende Bildsprache (Kameramann: Larry Smith) setzte und mit dieser stylishen Kulisse einen merkwürdigen Gegensatz zu dem verdreckten und verdorbenen Hintergrund setzte. Genau dasselbe Motiv ist auch in seinem neuen Werk "Neon Demon" dominierend, der Film wird von den meisten Kritikern als Horror-Thriller angesehen. Vermutlich auch wegen einiger drastischer Szenen aus dem Bereich des Bodyhorrors. Dabei ist der Bilderrausch, den der Däne auf den Zuschauer loslässt, noch drastischer gestaltet als beim Vorgänger. Die Argentinierin Natasha Braier war für diese exzellente Kameraarbeit verantwortlich. Aber auch Kostüme, Ausstattung und visuelle Effekte sind grandios und gehören mit zum besten was man im Kino dieses Jahr zu sehen bekam.
Hauptfigur ist die sechzehnjährige Jesse (Elle Fanning). Ein richtiges schönes Mädchen und dabei wirkt das junge Girl sogar total natürlich. Ihrer Kleinstadt irgendwo in Georgia hat sie den Rücken gekehrt und versucht in Los Angeles als Model Fuß zu fassen. Sie macht ein Fotoshooting mit dem jungen Dean (Karl Glusman), dem das Mädchen ausserordentlich gut gefällt. Dabei hat Jesse angegeben, sie wäre bereits 18 Jahre alt. Sie stellt sich in einer rennomierten Modelagentur vor und hat gleich den durchschlagenden Erfolg bei der Agentin, die ihr ein gleich ein Treffen mit dem angesagten Fotografen Jack (Desmond Harrington) besorgt. Mit der Maskenbilderin Ruby (Jena Malone) kommt sie schnell in Kontakt. Diese nimmt sie auf eine angesagte und schräge Party mit. Dort lernt sie die beiden schon etwas älteren und erfolgreichen Models Sarah (Abbey Lee) und Gigi (Bella Heathcote) kennen. Beide sind ebenfalls mehr als beeindruckt von der natürlichen Schönheit des jungen Mädels und fragen sie über ihr Sexleben aus. Jesse hat sich vorübergehend in einem Motel einquartiert. Nach einem eher schüchternen Date mit Dean geht sie in ihr Motelzimmer zurück, wo ein Puma durchs Fenster kam und dort ein Chaos hinterließ. Der Manager (Keanu Reeves) verlangt, dass sie den Schaden bezahlen muss. Den begleicht Dean, der sich in Jesse verliebt hat. Doch für die Liebe hat Jesse wenig Zeit. Sie macht ein Casting beim Modedesigner Robert Sarno (Allesandro Nivola), der ebenfalls von ihrer Attraktivität verzaubert wird. "Sie hat das gewisse Etwas" und sogar ohne das der Schönheitschirurg an den Problemstellen nachgeholfen hätte. Dies fördert die Eifersucht von Sarah und Gigi. Auch Jesses neue Freundin Ruby hat so ihre heimlichen Obsessionen, wie der Zuschauer bald bemerkt. In ihrem zweiten Job im Leichenschauhaus vergeht sie sich an einer Toten...




Je länger der Film läuft, desto mehr streut Nicolas Winding Refn surreale Komponenten in die Handlung, die den Film in gewisser Weise rätselhaft machen. Eine Menge von Symbolik deutet sich bei einer Szene an, als sich Jesse auf einer Toilette verletzt und Sarah gierig versucht - statt zu helfen - das Blut der jungen und schöneren Konkurrentin zu trinken. Diese Szene wird am Schluß noch einmal in einem weitaus exzessiveren Rahmen wiederholt und bestätigt. Die provokanten Themen wie Nekrophilie, sexuellen Mißbauch und Kannibalismus werden stellenweise mit kunstvoll erhöhten Bildern präsentiert. Diese stilisierte Machart sorgt für eine gewisse Distanz zum Gezeigten Horror. In diesen Szenen ist die Einordnung in die Horrorsparte sicher gerechtfertigt - allerdings finde ich eher, dass "Neon Demon" zeigt, dass hinter einer schönen Fassade der fieseste Abgrund lauert. So gesehen ist eine Verwandtschaft mit David Lynchs Filmthemen gegeben. Man wird erinnert an die Idylle der amerikanischen Kleinstadt aus "Blue Velvet", auch dort lauert bei näherer Betrachtung Gewalt, Sadomasochismus und Perversion.
Mir ist zwar der Schluß von "Neon Demon" etwas zu symbolisch überfrachtet, aber insgesamt ist der Film wie seine drei Vorgänger ein klasse Film mit viel Faszination. Klasse auch Elle Fanning als Jesse und Jenna Malone als "Freundin" Ruby.





Bewertung: 8 von 10 Punkten.