Donnerstag, 18. September 2014

Her

























Regie: Spike Jonze

Verliebt in die Computerstimme....

 "Her" von Spike Jonze nimmt man erst auf den zweiten Blick als Science Fiction Film wahr, denn die Geschichte, die in einer sehr nahen Zukunft in San Francisco spielt, wirkt doch erschreckend zeitgemäß und real.
In dieser Zukunft ersetzt der Macher von "Beeing John Malkovich" oder "Adaptation" das heute allgegenwärtige Smartphone durch einen kleinen Knopf im Ohr, der über eine künstliche Intelligenz verfügt. Die Menschen gehen genauso gemeinsam wie mit ihrem Handy oder Smartphone durch die Straßen und reden ununterbrochen mit sich selbst und mit dem modernen Artefakt als ständiger Begleiter. Ein gar nicht mehr so ungewöhnlicher Anblick, denn man sieht seine Mitmenschen ja heute schon ständig in Kommunikation mit der Maschine. Auf diesem Weg setzt sich Jonze zusammen mit seinem Publikum kritisch - aber nie pessimistisch - mit der immer schneller voranschreitenden technologischen Entwicklung auseinander.
Möglich sogar, dass für viele Menschen das Mobiltelefon schon lange zur Verlängerung ihres eigenen Körpers und Geistes geworden ist, unverzichtbar und schmerzhaft vermisst, wenn es einmal vergessen wird. Aufbauend auf dieser gesellschaftlichen Entwicklung und den technologischen Fortschritten erzählt der Filmh die Geschichte eines Mannes, der sich in sein Betriebssystem verliebt. In dieser nicht allzu fernen Zukunft wird das individualisierte System "OS 1" eingeführt, das den Nutzer die Möglichkeit gibt, sein Operation System entweder mit männlicher oder weiblicher Stimme zu wählent, Der absolute Knaller ist aber, dass sich der künstlich geschaffene Partner auch über eine sich fortwährend entwickelnde Persönlichkeit auszeichnet. Samantha (im Original gesprochen von Scarlett Johansson) kann genauso wie ein Mensch Freude, Liebe und Eifersucht empfinden, ausserdem zeichnet sie sich als sehr kreativ, intelligent und witzig aus.
Nach seiner gescheiterten Ehe mit Catherine (Rooney Mara) ist der einsame Theodore (Joaquin Phoenix) in einem latent depressivem Zustand. Der Mann verdient senen Lebensunterhalt damit, Briefe zu schreiben. Nicht seine eigenen, sondern er schreibt gemäß Auftrag Briefe für Andere. Theodore ist mit einem großartigen Gespür für die Gefühlswelt anderer ausgestattet, er kann sich in deren Emotionen gut hineinversetzen und bringt diese Gefühle für seine Auftraggeber auf Papier.
Es sind Liebesbekundungen, Geburtstagsgrüße oder Dankeskarten. Die Handschrift seiner Kunden wird durch den Computer virtuell kopiert und beigefüft, der Brief zwar mündlich eingesprochen, jedoch am Ende ganz klassisch ausgedruckt und per Post zu seinem Adressaten geliefert. Damit tauchen schon bei seiner Tätigkeit Fragen der Zukunft auf, denn was ist Wahrheit und Lüge, Authentizität und Illusionf. Theodores Briefe sind zwar gefühlvoll und berührend, aber da sie nicht vom Auftraggeber selbst geschrieben wurden, fehlt da auch diese Echtheit. Und damit gelangt man zum Thema des Films, denn die zunehmend intimer werdende Beziehung zu Samantha gibt ihm zwar die menschlichen Freuden der Gemeinsamkeit zurück, aber hat diese Liebe zwischen Mensch und Computer tatsächlich eine Zukunft. Die besten Szenen des Films zeigen diese Integration der OS in die moderne Welt des Menschen. Theodores Bekannte Amy (Amy Adams), die sich auch von ihrem Mann (Matt Letscher) getrennt hat, hat in der Folgezeit ebenfalls eine virtuelle Freundin. Und Theodores Arbeitskollege Paul (Chris Pratt) sowie dessen Freundin laden Theodore samt OS zu einem Picknick am Wochenende ein. Dieser stellt natürlich die Beziehung immer mehr in Frage, aber die realen Dates (Olivia Wilde) erweisen sich trotz guter Attraktivität und köperlicher Anziehung als Mißerfolg auf ganzer Linie.


"Her" ist tatsächlich ein sehr interessanter "Jetzt schon Klassiker" des Genres. Denn als Glücksgriff erweist sich die Dynamik der Lovestory, die nach überschwänglicher Verliebtheit - ganz wie in den normalen Beziehungen - in eine Krise und schliesslich in die Entfremdung mündet. Dies alles hat Spike Jonze meisterhaft dargeboten.
Es geht dabei um die Beschaffenheit unserer Gefühle, die stellt der Filmemacher auf den Prüfstand. Was sind wahre Emotionen. Was macht eine Beziehung aus ? Was ist das...Liebe ?
Wenn ich die diesjährige Oscarverleihung und die nominierten Kandidaten so ansehe, dann imponierte mir neben Alexander Paynes "Nebraska" diese kleine Zukunftsschau am meisten. Honoriert wurde dann das Beste Originaldrehbuch, das Jonze selbst schrieb. Ebenso gabs Nominierungen als Bester Film, Bestes Szenebild, Beste Filmmusik und den besten Filmsong. "Her" ist anspruchsvolle Unterhaltung mit Tiefgang und guten Darstellerleistungen.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Montag, 15. September 2014

Splice

























Regie: Vincenzo Natali

Die Kreatur, die wir schufen...

Vincenzo Natali ist ein interessanter Regisseur des Horrorgenres. Seinen Durchbruch schaffte er mit dem bereits zum Klassiker avancierten "Cube", es folgte der vielschichte "Cypher", der Horrrorelemente mit dem Agententhriller verband. Sein neuer Film heißt "Haunter" und bringt neue Facetten in das Geisterhaus-Genre. 2009 drehte er mit "Splice" eine fulminante und auch tragische B-Picture Version über das (über)lebende Produkt von zwei Gentechniker.
"Splice" erzählt die Geschichte des Wissenschaftlerduos Clive Nicoli (Adrien Brody) und Elsa Kast (Sarah Polley), die auch privat ein Paar sind, Die beiden hoffen darauf durch das Spleißen von tierischen Erbgut neue Lebewesen zu schaffen
. Tatsächlich können zwei überdomensionale Würmer am Leben erhalten werden. Der Arbeitgeber, ein Pharmakonzern, erhofft sich von den Ergebnissen ihrer Arbeit großen Nutzen für die medizinische Forschung und natürlich ne Menge Geld. Gleichzeitig erzeugen die beiden Wissenschaftler heimlich, vor allem Elsa, in den Labors des Konzerns ein Mischwesen aus menschlicher und tierischer DNa, um durch die neue DNA eine Vielzahl von Krankheiten heilen zu können.
Doch das Leben der Kreatur hängt von Anfang an an einem seidenen Faden, zumal Schöpfer Clive das Wesen am liebsten wieder töten will. Doch unter Elsas Schutz und Mutterinstikt wächst die Kreatur, die weiblich ist, versteckt von der Aussenwelt im Keller des Instituts auf. Als dieses Domizil zu eng und gefärhlich wird, zieht das Paar mit der inzwischen pubertierenden Dren (Delphine Chanéac) auf eine Farm, die Elsas verstorbenener Mutter gehörte. Das Wesen entwickelt sich rasend schnell und sieht nach kurzer Zeit einer erwachsenen menschlichen Frau sehr ähnlich, hat aber auch Giftdrüsen, einen Schwanz mit Stachel an der Spitze, Flügel und amphibische Lungen und vor allem Launen und Gefühle...



 Natali orientiert sich sehr stark an den Klassikern dieser Sparte und es geling ihm sehr schnell für seine Kreatur Mitleid zu schaffen, die möglicherweise auch deshalb so unberechenbar wurde, weil sie seit ihrer Geburt von den Launen ihrer Macher, dem Menschen, abhängig war. Mehrfach wurde versucht ihr das Licht auszublasen - alles keine guten Voraussetzungen für eine gemeinsame Zukunft zwischen Mischwesen und Mensch. Die Geschichte ist natürlich alles andere als Neu, aber Natalis Neuinterpretation des alten Gruselstoffes über experimentierende Wissenschaftler, die keine Grenzen kennen, macht Spass und hat den gewissen Cronenberg-Touch, also viel Bodyhorror gibts zu Bestaunen. Der Showdown ist vielleicht zu ausufernd, aber insgesamt ein guter Genrevertreter.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Die unglaubliche Geschichte des Mr. C




















Regie: Jack Arnold

Mein Leben als Däumling...

Jack Arnold hat einige wichtige Kultfilme im Horror und Science Fiction Bereich gedreht. Er präsentierte dem Zuschauer mutierte Riesenspinnen in "Tarantula", Kiemenmonster in "Der Schrecken vom Amazonas", Fliegende Untertassen in "Gefahr aus dem Weltall" und Mad Scientists in "Der Schrecken schleicht durch die Nacht".
Sein vielleicht bester Film ist aber der 1957 entstandene "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" - eine Geschichte über einen Mann, der langsam schrumpft und immer kleiner und kleiner wird. Dieser Mann heißt Scott Carey (Förder Williams),  ist ein junger erfolgreicher Geschäftsmann, der mit seiner Frau Louise (Randy Stuart) auf einem Boot vor der Küste von Kalifornien seinen Kurzurlaub genießt. Wenn er Louise nicht dazu überredet hätte ihm ein Bier zu holen und die kurzfristig unter Deck geht, dann wäre sie es vermutlich gewesen, die diese große, seltsame Wolke am Horizont gesehen hätte. Diese Wolke kommt nun aber immer näher auf Scott zu und wandert dann weiter. Als Louise wieder hoch kommt, ist der Spuk schon vorüber - lediglich hat sich auf Scotts Haut etwas Staub der Wolke abgesetzt. Louise ist zwar etwas beunruhigt, aber im Alltag vergisst das junge Paar das seltsame Erlebnis auch schnell wieder. Erst ca. 1/2 Jahr später bemerkt Scott, der normalerweise 1,85 cm groß und 190 Pfund schwer ist, dass er abgenommen hat und vor allen Dingen kleiner geworden ist. Aber noch sieht sein Arzt Dr. Bramson (William Schallert) bei 4 verlorenen Zentimetern keinen Handlungsbedarf.
Der einzige der besorgt bleibt ist Scott selbst. Er geht auch weiterhin zum Arzt und nach mehreren Ergebnissen kommt man durch die Röntgen-Aufnahmen tatsächlich zum Schluß, dass Scott immer kleiner wird. Es wird aber kein Grund dafür gefunden. Erst da fällt Scott die Begegnung mit dieser Wolke wieder ein.
Nach einem anfänglichen Hoffnungsschimmer gehts rapide bergab. Mit seiner Statur schrumpft auch sein Selbstbewusstsein und seine emotionale Ausgeglichenheit, in der Ehe häufen sich die Anspannungen. So gut es geht schreibt Scott an seiner Autobiographie, während sein Haus von Reportern belagert wird. Nur kurz kann ihn die Liliputanerin Clarisse (April Kent) etwas aufbauen und ihm neuen Lebensmut einflößen. Bald jedoch ist Scott kaum noch größer als ein Spielzeug. Ein Puppenhaus wird seine neue Heimat.  Er kann nur noch schreiend mit Louise kommunizieren und verfällt zunehmend in Agonie. Als Louise eines Tages das Haus verlässt, kommt es zu einer für Scott fast tödlichen Verfolgung durch seine geliebte Katze, für die er inzwischen zu einem nahrhaften Happen wie eine Maus geworden ist. Scott stürzt auf der Flucht die Kellertreppe herab und bleibt für seine Frau fortan verschollen. Während Louise glaubt, dass Scott von der Katze gefressen wurde, richtet der Zwerg im Keller ein neues Leben ein. Doch der Hunger plagt ihn und es lauert da unten auch ein Feind. Eine Spinne, die ebenfalls auf der Suche nach Nahrung ist...


 Besonders die Sequenzen im Keller sind sehr gut gelungen. Da wird eine Mausefalle zur echten Gefahr und Herausforderung. Eine Streichholzschachtel zum neuen Dominzil, dass etwas Sicherheit in einer feindlichen Umgebung bietet. Nadeln und Bleistifte werden zu Waffen, aber die Gefahren lauern überall und bald muss sich Scott seinem Kampf des Lebens stellen, um in dieser Umgebung überleben zu können. Am Ende steht eine Veränderung seiner Sichtweise und er verzweifelt nicht mehr an seiner aussichtslosen Lage, sondern erkennt auch einen tieferen Sinn in seiner neuen Daseinsform. Am Ende von Jack Arnolds famosem Klassiker, der ein optimaler Mitternachts-Grusler der alten Schule ist, steht die Vielfalt der Schöpfung im Mittelpunkt und der Verweis seine Position auch einmal zu verändern, weil jedes Leben Wert besitzt. Auch das Leben im Mikrokosmos.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Sonntag, 14. September 2014

The Quiet Ones


























Regie: John Pogue

Das paranormale Experiment...

Hurra, es lebe der "Hammer Horror". Nach "Wake Wood", "The Resident", "Let me in", "Die Frau in Schwarz" kommt mit "The Quiet Ones" der fünfte neue Horrorfilm aus der legendären britischen Horrorschmiede der Hammer Film Productions. Und das Versprechen Filme herauszubringen, die sowohl das Genre mit "old School" vertreten, als auch anspruchsvollen Stoffen eine Chance zu geben, wurde mit diesem Retro Parapsychologen-Grusler wieder eingehalten. Inspiriert wurde die Geschichte, die im England der frühen 70er Jahre spielt vom Philip-Experiment, dass 1972 in Toronto stattfand. Gedreht wurde der Poltergeist-Schocker von John Pogue, der bereits "Quarantäne 2" realisierte und jetzt aber einen bedeutend besseren Film gemacht hat. Die Geschichte beginnt in England, Mitte der 70er Jahre. Auch an den Universitäten des Landes sind die Themen "Parapsychologie" oder "Telekinese" gerade im Trend, so auch im altehrwürdigen Oxford. Dort sorgt der charismatische Professor Joseph Coupland (Jared Harris) mit seinen ausgefallenen Theorien zu Geisteskrankheiten und paranormalen Aktivitäten für Furore unter den Kollegen und Studenten. Er vertritt dabei vehement den Standpunkt, dass alles Übernatürliche nur eine Manifestation des Geistes des entsprechenden Patienten ist. Seiner Meinung nach ist es auch möglich, diese geistige Störung in eine Körperliche Form umzuwandeln und aus dem Patienten zu entfernen. Der unorthodoxe Coupland, der bereits den kleinen kranken Jungen David Q (Max Pirkis) behandelt hat, der glaubte, dass eine von ihm erfundene imaginäre Figur für die telekinetischen Verwüstungen verantworlich sein,  nutzt geheimnisvolle und kontroverse Methoden, um mit seinen besten Studenten Kristina Dalton (Erin Richards) und Harry Abrams (Rory Fleck-Byrne) ein gefährliches Experiment durchzuführen.  Die Erschaffung eines echten Poltergeistes, denn nach seiner Theorie nach basieren ja die paranormalen Aktivitäten auf der Grundlage negativer menschlicher Energie. Ganz wichtiger Mann im Team ist der junge Kameramann Brian McNeil (Sam Clavlin), der das Experiment festhalten soll. Das zentrale Forschungsobjekt ist Jane Harper (Olivia Cook), ein junges Mädchen, dessen Seele von einem Geist in Besitz genommen worden zu sein scheint. Nachdem die Probantin in der Anfangsphase des Projekts sehr oft herumschreit, verlegt man das Experiment von der Stadt aufs Land. Dort in der ruhigen Idylle lässt sich viel besser ein Poltergeist schaffen...


oder was auch immer beim Experiment herauskommt. In John Pogues Film stellt sich also die Frage, ob Janes erschaffene Figur Evey ein eigener Gedankenhorror des kranken Menschen ist (wie der rational agierende Wissenschaftler vermutet) oder ob es tatsächlich Geister gibt, die von aussen nach innen dringen. Eine interessante Fragestellung, die in einem recht ruhigen, aber durchaus interessanten Horrorbeitrag aufkommt. Wer durch die schnellen Schnitte und blutigen Exzesse des modernen Horrorfilms noch nicht ganz abgestumpft ist, der könnte durchaus Gefallen finden an diesem bedächtigen und psychologisch interessanten Grusler der alten Schule. Passend dazu natürlich der Retrolook der 70er Jahre mit Songs von Slade oder T. Rex. Zum Teil verwendete der Macher auch Found Footage Elemente, was aber hier gut passt, denn Student Brian filmt ja mit. Insgesamt ein feiner kleiner Gruselschocker, der Lust auf wietere Hammer Movies macht.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Der Fluch der Mumie

























Regie: John Gilling

Prem, der Beschützer...

Nach dem klassischen und grandios fotografierten "Die Rache der Pharaonen" von 1959 (Regie: Terence Fisher) und seinem Nachfolger "Die Rache des Pharao" von 1964 (Regie: Michael Carreras) ist der 1967 realisierte "Der Fluch der Mumie" der dritte Film in Hammers "Mullbinden-Quartett". 1971 folgte noch "Das Grab der blutigen Mumie" (Regie: Seth Holt, Michael Carreras), der es allerdings nicht mehr in die deutschen Lichtspielhäuser schaffte und seine Erstaufführung hierzulande im Fernsehen erlebte.
"Der Fluch der Mumie" ist ein Film von John Gilling, der vor allem durch das Design der Mumie etwas aus dem Rahmen fällt. Man oriertierte sich dabei an den Austellungsstücken im berühmten "Raum 60" der ägyptischen Abteilung des britischen Museums. Es war der 7. Film von John Gilling für die Hammer Studios, seine bekanntesten dürften wohl "Nächte des Grauens" und "Das schwarze Reptil" sein. Die Morde, die die Mumie begeht, sind zwar phantasievoll gestaltet, doch reichlich harmlos und auch wenig gruselig. So liegt die Stärke des Films vor allem im optischen Bereich und Michael Ripper, der in insgesamt 34 Hammer Filmen mitspielte, ist hier in der Rolle des unterwürfigen Sekretärs Longbarrow zu sehen.
Im Film geht es um die Entdeckung des Grabes des Kindkönigs Kah-To Bey (Tootise Persaud), der sowohl seine Mutter (Toni Gilpin) als auch seinen Vater, den Pharao (Bruno Barnabe) durch das Komplott des Onkels verliert und mit seinem treuen Wächter Prem (Dickie Owen) in die Wüste flieht. Dort stirbt er auch, etwas später verliert auch Prem sein Leben. Während der mumifizierte Leichnam von Prem (Eddie Powell) bereits seit Jahren in einem Museum in Kairo zu bewundern ist, fehlte jedoch bisher jede Spur vom Körper des jungen Pharao. 1920 entdeckt die archäologische Expedition von Sir Basil Walden (Andre Morell) das wahre Grab. Es herrscht große Vorfreude - doch wie in jedem guten Mumienfilm werden die Expeditionsteilnehmer vor dem Öffnen der Grabkammer von einem Einheimischen (in unserem Fall von Hasmid, gespielt von Roger Delgado) gewarnt, weil das Öffnen des Grabs für den fremden Eindringling meist Tod und Verderben bedeutet. Und das geht dann auch schon an der Grabkammer los, indem Sir Basil von einer Schlage gebissen wird. In Gefahr sind nun der arrogante Stanley Preston (John Phillpps), dessen Sohn Paul (David Buck) sowie die Expeditionsmitglieder Claire de Sangre (Maggie Kimberley) oder Harry Newton (Tim Barrett). Als das Leichentuch verschwindet, auf dem magische Beschwörungsformeln stehen, passieren auch schon die ersten Morde. Inspektor Barrani (Richare Warner) hat es mit einem kniffligen Fall zu tun, denn auch die Mumie von Prem verschwindet aus dem Museum....



 "Der Fluch der Mumie" war der letzte Hammerfilm, der in den Bray Studios hergestellt wurde. Spätere Filme wurden in den Elstree Studios oder in den Pinewood Studios gedreht. Optisch wie immer sehr hübsch gemacht und als nostalgischer Happen eine gute Wahl für einen gemütilichen Horrorfilmabend, bei dem auch jüngere Zuschauer zuschauen könnten.
Storytechnisch unterscheiden sich die vier Hammer Filme über Mumien nicht sehr stark voneinander, steht doch immer das Öffnen einer alten Grabkammer und die Erfüllung eines damit verbundenen Fluches im Mittelpunkt. Darüberhinaus ist auch die Figur des Stanley Preston interessant, der Geld und Macht inne hat, aber auch über Leichen geht und um dessen Ehe mit seiner Frau (Elzabeth Sellars) es eher schlecht steht, weil man sich nach 26 Jahren nicht mehr viel zu sagen hat.



Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

Montag, 8. September 2014

Witching & Bitching

























Regie: Alex de la Iglesia

Die Hexen von Zugarramurdi...

Alex de la Iglesia stammt aus Bilbao und gilt zu Recht als Spaniens schrillster Regisseur. Auf sein Konto gehen skurrile Werke wie "El Dia de la Bestia" und "La Comuniadad". In letzterem Film spielt Carmen Maura, die durch die 80er Jahre Werke von Pedro Almodovar bekannt wurde, eine Maklerin die eine Menge Schotter in einer Wohnung findet. Der schwarzhumorige Thriller wurde mit großen Vorbildern von Polanski und Hitchcock verglichen. Es folgten "Ein ferpektes Verbrechen" und "The Oxford Murders". Mit "Mad Circus" entstand 2010 sein bislang ambitioniertester Film um zwei sich bis in den Tod bekämpfende Clowns. Der Film, dessen Geschichte von 1973 bis weit in die 70er Jahre reicht, wird zu seinem Ende hin reichlich maßlos, was aber auch seinen einzigartigen Reiz ausmacht. Das Werk wurde mit den Filmen von Rodriquez und Tarantino verglichen. Die zum Finale hin immer stärkere Energie und überzeichnete Szenerie ist auch in seinem neuen Film "Witching & Bitching" Programm. Dadurch wird diese Horrorkomödie zu einem ultimativen Partyfilm, rein oberflächlich könnte man von einer sehr europäischen Variante des Klassikers "From Dusk til Dawn" sprechen. Im Original heißt der Streifen "Las Brujas de Zugarramurdi" und nimmt damit auch schon Bezug auf den Ort, in dem der Hauptpart des Films spielt. 
Aufgrund der geschichtlichen Umstände wird der kleine Ort im westlichen Teil der Pyrenäen, oberhalb vom Baztan Tal und nahe der französischen Grenze als Hexendorf bezeichnet. Das Dorf wird dabei mit dem Prozess der Inquisitio  in Verbindung gebracht, demzufolge im Mittelalter rund dreißig Anwohner des Ortes hingerichtet oder erbarmungslos bestraft wurden. Zum einen begünstigte die isolierte Lage im Norden Navarras die Theorien der Teufelanbetung und die Nutzung von Naturheilmitteln, die immer auch als Hexerei interpretiert wurden. Und hier in Iglesias Film leben dort auch Hexen. Die Oberhexen sind Oma Martitxu (Terele Pavez), Mutti  Graciana Barrenetxea(Carmen Maura) und Töchterchen Eva (Carolina Bang). Aber natürlich brauchen sie für ein wahnwitziges Ritual, bei dem die Mutter aller Hexen (also Gott höchstpersönlich)  zum Leben erweckt werden soll. Dazu brauchen sie aber ein paar männliche Touristentrottel und die kommen auch. Aber zuerst muss Jose (Hugo Silva) ein von Silvia (Macarena Gomez) geschiedener Vater eine Bank ausrauben. Dies tut er nur, damit er weiterhin mit seinem geliebten Sohn Sergio (Gabriel Delgado) zusammen sein kann und auch mal mit ihm nach Disneyland Paris fahren kann, so wie er es als guter Vater auch versprochen hat. Kumpane ist Tony (Mario Casas), auf den ersten Blick ein Frauenheld, der aber Angst hat vor dem starken weiblichen Geschlecht. Beide haben etwas gemeinsam: Sie sind derzeit arbeitslos und was liegt als näher als die derzeit wirtschaftlichen Probleme damit zu lösen ein Ding zu drehen. So überfallen sie mit einigen Handlangern als Straßenkünstler getarnt einen Juwelier in Madrid. As Jesus, als Soldat, als Spongebob, als Minnie Mouse und als Unsichtbarer erbeuten sie dabei 25.000 Goldringe. Ausser Jesus, dem Soldaten und dem Kind, dass mitgemacht hat (der kleine Sergio) werden alle geschnappt, während die Flüchtenden in einem Taxi von Tony (Jaime Ordonez) in Richtung Norden unterwegs sind. Dicht auf ihren Fersen die beiden etwas tölpelhaft agierenden Bullen Pacheco (Secun de la Rosa) und Calvo (Ppon Nieto), die dem Wagen der aufgebrachten Mutter Silva folgen. Alle Wegen führen da natürlich ins Verderben, in das idyllische Hexenörtchen Zugaramurdi...



Iglesias startet mit dem Überfall richtig fulminant und die ersten Minuten begeistern durch volles Tempo. Danach wird es etwas ruhiger und die männlichen Figuren im Taxi werden besser vorgestellt. Als Zwischenstopp kommen sie kurz vor dem Hexenort an einem fiesen Gasthaus vorbei, dort ist nicht nur die Toilette schrecklich. Bis es mit voller Frauenpower dem schwachen Männergeschlecht an den Kragen geht. Carmen Maura hat sichtlich Spass an der Rolle als Oberhexe. Es ist aber vor allem der riesige Einfallsreichtum des Filmemachers, der diesen Film zu etwas ganz Speziellem macht. Die Detailfreude und die kleinen fiesen Widerhaken, die er in seinen Bildern setzt. Ein Woweffekt der ganz besonderen Art ist dabei die Gottheit, die erweckt wird. Eine ekligere Hexe hat man selten gesehen. Es kommt auch in dem Hexenszenario ab und zu eine Erinnerung an Nicholas Roegs "Hexen hexen" auf, der ebenfalls von einem üppigen Hexenbankett erzählt.
Natürlich ist dieser schrille Genremix nicht jedermanns Sache. Denn vor allem der Höhepunkt, der an eine Inquisition erinnert, wird so genüsslich zelebriert, dass er irgendwie dann doch zu überzogen in Richtung Trashgranate abdriftet. Dennoch ist das Feuerwerk der aberwitzigen Ideen, die Iglesias vorher bot, so stilvoll dargeboten, dass beste Unterhaltung bestehen bleibt. Der Film endet mit einem Augenzwinkern, rückblickend auf eine sehr temporeiche Achterbahnfahrt. Am Ende ist man sogar etwas an "Delicatessen" erinnert, aber auch die schrille "Adams Family" kommt in den Sinn. Kein Wunder bei diesen wilden Horror Cocktail, der da mit schrillen Ideen und sonderbaren Figuren geboten wurde.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.