Dienstag, 16. April 2019
Suspiria (2018)
Regie: Luca Guadagnino
Hexentanz....
Dario Argentos Müttertrilogie (Suspiria, Inferno, Mother of Tears) handelt von drei Hexengeschwistern, die aus alten Gebäuden (Freiburg, New York, Rom) heraus Morde dirigieren und Schrecken verbreiten. Es sind die drei Mütter Mater Suspiriorum, Mater Tenebrarum sowie Mater Lachrymarum, die im frühen Mittelalter gemeinsam wirkten und später jeweils ihr eigenes Herrschaftsgebiet besitzen.
Mit "Suspiria" gelang ihm 1977 eines der größten Meisterwerke im Horrorgenre, auch der Nachfolger "Horror Infernal" (Inferno) im Jahr 1980 war grandios inzeniert - beide Filme glänzen mit unvergessenen Szenen und einer grandiosen Bildsprache.
Umso schwieriger dürfte es für Luca Guadagnino diese hohe Meßlatte mit seinem "Suspiria" Remake zu erfüllen. Doch der Regisseur des Überraschungshits "Call me by your name" hat alles richtig gemacht, auch wenn seine Version nicht ganz an den Argento Klassiker heranreicht. Aber insgesamt belebt dieser Hexentanz in Berlin das Horrorgenre sehr willkommen mit guter Qualität und einer großartigen Tilda Swinton.
Die glänzt nämlich nicht nur in der Rolle der Madame Blanc, Balletmeisterin und Leiterin dieser Schule in Berlin. Dabei ließ sich die Schauspielerin von Vorbildern wie Pina Bausch und Martha Graham inspirieren. Sie übernahm noch zwei weitere Rollen, in denen sie im Laufe des gesamten Films nicht zu erkennen ist. Erst im Nachhinein wurde ich auf die Kunst dieser Dreifachrolle aufmerksam. Swinton spielt auch die alterschwache Hexenmatrone Helena Markos, die in den Körper eines der tanzenden Mädchens schlüpfen will und sie hat auch die Rolle des alternden Psychologen Dr. Josef Klemperer übernommen - im Cast erscheint aber der Name Lutz Ebersdorf. Es gibt natürlich keinen Lutz Ebersdorf, sondern der alte Mann wird von Tilda Swinton verkörpert. Wow...kann man da nur sagen.
Die Geschichte selbst hat Guadagnino von Freiburg im Breisgau (Original) nach Berlin verlegt. Im Jahr 1977, in der die Geschichte spielt, ist die Hauptstadt natürlich noch geteilt - der deutsche Herbst hat seinen Höhepunkt erreicht und der Psychologe Dr. Josef Klemperer betreut die junge Patientin Patricia Hingle (Chloe Grace Moretz), die in dieser ominösen Academy tanzt und ganz nebenbei noch mit der Baader-Meinhof Gruppe sympathisiert. Sie erzählt seltsame Geschichten, die in der Tanzakademie vorgehen sollen. Hexen sollen sie sein, diese Lehrerinnen und irgendwas würde mit den Schülerinnen passieren. Sie hätten alle seltsame und mysteriöse Träume. Dann verschindet Patricia - in der Schule selbst wirft dies Fragen auf. Und die junge Olga Ivanova (Elena Fokina), die beste Freundin von Patricia, ahnt auch, dass die Schülerin dort manipuliert werden. Die junge Amerikanerin Susie Bannion (Dakota Johnson) kommt wie gerufen, denn die schule braucht Ersatz für die Vermisste. Das Vortanzen entzückt nicht nur die gestrengen Lehrerinnen (u.a. Angela Winkler, Sylvie Testud, Ingrid Caven, Renee Soudendijk), sondern auch Susies großes Vorbild Madame Blanc. Susie freundet sich bald mit Sara Simms (Mia Goth) an. Die bemerkt bald, dass es in der Academy versteckte Räume gibt, in denen schreckliche Dinge geschehen...
Als die Jahrzehnte lang vermisste Ehefrau von Dr. Klemperer ist Jessica Harper zu sehen, die im 1977er Originalfilm die Susie Bannion spielte. Ein Geheimnis verbirgt auch Suzies sterbende Mutter in einer Rückblende, gespielt von Magosia Bela. Die Musik von Thom Yorke wirkt sehr atmosphärisch und passt perfekt zu diesem rätselhaften Horrortrip. Der thailändische Kameramann Sayombhu Mukdeeprom hat tolle Bilder geschaffen, er wurde bekannt durch seine Zusammenarbeit mit dem Regisseur Apichatpong Weerasethakul (Uncle Boonmee erinnert sich an sein früheres Leben). Mit 152 Minuten hat "Suspiria" für einen Horrorfilm fast schon monumentale Züge, aber zu keiner Sekunde kommt hier Langeweile auf. Schade, dass der Film seine hohen Kosten bisher nicht wieder einspielen konnte. Es ist ein sehr gelungenes Remake eines unsterblichen Klassikers des Genres.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
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Montag, 18. März 2019
Auslöschung
Regie: Alex Garland
Die Reise in die Area X...
Für das
Drehbuch seines von ihm auch inszenierten Films "Ex Machina" bekam Alex
Garland 2016 eine Oscar-Nominierung. Diese Wertschätzung ermöglichte ihm
ein höheres Budget für seinen nachfolgenden Film. Doch "Annihilation"
(Deutscher Titel: Auslöschung) wurde im letzten Jahr zu einem echten
Filmflop. Bei Produktionskosten von ca. 50 Millionen Dollar wurden
lediglich 43 Millionen Dollar an der Kasse wieder eingespielt. Die
deutschsprachige Premiere gabs nicht im Kino, sondern beim Streaming
Anbieter Neflix.
Der Film
basiert auf einem Roman von Jeff VanderMeer und handelt von einer
geheimnisvollen Quarantänezone aus Pflanzen und Tieren. Gekonnt hält
Alex Garland bis zum Schluß eine sehr düstere, pessimistische Stimmung
aufrecht - ein zentrales Thema der Geschichte ist der Hang des Menschen
zur Selbstzerstörung. Der Zuschauer darf sich anhand eines
Himmelfahrtskommandos für die Wissenschaft und den Träumen der
Protagonisen ein gewisses Puzzle zusammenbasteln - der ehemalige
US-Präsident nannte "Annihilation" als einen seiner Lieblingsfilme des
letzten Jahres.
Lena (Natalie Portman) ist eine Molekularbiologin mit einer
tragischen Geschichte. Denn ihr Mann Kane (Oscar Isaac) , ein Soldat,
der gelegentlich geheime Aufträge erhält, ist seit einem Jahr
verschwunden. Und Lena hat auch keine Anlaufstelle, wo sie sich
erkundigen könnte - denn es war alles Top Secret. So muss sie wohl oder
übel damit leben, dass ihr Mann einfach weg ist. Lenas Kollege Daniel
(Davied Gyasi) versucht die Frau durch eine Einladung zum Grllen wieder
aufzubauen, doch er bekommt von ihr eine Absage. Dann taucht eines
Abends wie aus dem Nichts ihr Mann wieder auf, er ist aber merkwürdig
verändert und scheint schwer krank zu sein. Sie ruft den Notarzt, doch
auf dem Weg ins Hospital wird der Krankenwagen vom Militär gestoppt.
Später wacht Lena wieder auf...sie bekam eine Betäubung und befindet
sich in einem Forschungszentrum, die der geheimen Organisation "Southern
Reach" gehört. Dort wird die "Area X" untersucht - seit 3 Jahren
überwuchert in einem größeren Gebiet ein "Schimmer" ähnliches Schild das
gesamte Gebiet. Diese fremde Natur verändert alles und schafft
Mutationen. Sie breitet sich auch ständig aus. Kane - so erfährt Lena -
war der erste Überlebende von insgesamt 11 Expeditionsteams, die sich in
diese Area X wagten. Nun steht das 12. Team in den Startlöchern und
diesmal sind es ausschließlich Frauen, die alle aus ganz
unterschiedlichen Gründen, dieses lebensgefährliche Wagnis auf sich
nehmen.
Die Psychologin Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh) leitet die
Crew. Mit dabei die Rettungssanitäterin Anya (Gina Rodriguez(, die
Geomorphologin Cassie (Tuva Novotny) und die Physikerin Josie (Tessa
Thompson). Weil Lena Antworten haben will, warum ihr Mann auf der
Intensivstation liegt und wahrscheinlich sterben wird, entscheidet sie
sich mitzugehen....
Die Mission wird natürlich zum gefährlichen Abenteuer und die fünf
Frauen werden nicht nur fiesen Tiermutationen begegnen, sondern sie
haben das Gefühl, dass sie sich verändern. Sie verlieren das Zeitgefühl
und bald haben sie den Eindruck, dass sich eine fremde Macht ihres
Körpers und Geistes bemächtigt hat. Für das Zentrum von Area X haben die
Macher einen Leuchtturm an der Küste gewählt. Dort werden vielleicht
die Fragen, die man hat, beantwortet. Aber zu welchem Preis wird dies
passieren ? "Annihilation" erweist sich als starker Science Fiction
Beitrag mit vielen interessanten Konstellation, die dieser Schimmer
bietet und "Doppelgänger" und "Krebszellen" hervorbringt.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
Freitag, 1. März 2019
The Nun
Regie: Corin Hardy
Es war einmal ein Kloster in Rumänien...
Durch den Erfolg von "Conjuring" von James Wan aus dem Jahr 2013
ergab sich drei Jahre später eine Fortsetzung "Conjuring 2" und zwei
Spin offs, die sich mit der Puppe "geheimnisvollen Geisterpuppe
"Anabelle" beschäftigen. Der fünfte Film aus dem Conjuring Kosmos heißt
"The Nun" und führt den Zuschauer ins Jahr 1952 zurück.
Mit 365 Millionen Dollar Einspielergebnis wurde "The Nun" natürlich
ein großer Erfolg, auch wenn der Film eher gemischte Kritiken bekam.
James Wan wirkte diesmal nur am Drehbuch mit, die Regie selbst übernahm
mit Corin Hardy ein recht neuer Name.
Sehr gut gelungen ist auf jeden Fall diie Kameraarbeit von Maxime
Alexandre, der in der Vergangenheit schon oft mit Alexandre Aja
zusammenarbeitete. Auch die Szenenbilder des Film sind atmosphärisch und
tragen viel zum Gelingen der Geschichte bei. Das Drehbuch selbst ist
leider etwas dürftig.
In der ersten Szene werden zwei Nonnen des rumänischen Klosters St.
Carta im Keller von einem fiesen Dämen bedroht und angegriffen. Dies
geschieht im Jahr 1952 und Schwester Victoria (Charlotte Hope) bekommt
von der Mitschwester einen sehr wichtigen Schlüssel in die Hand
gedrückt, das Schicksal des gesamten Klosters liege jetzt bei ihr. Die
Nonne wird von der bösen Macht in das Dunkel des kellers gerissen, dort
wo Gott nicht mehr lebt. Schwester Victoria flieht mit dem Schlüssel -
doch der Dämon lässt nicht locker. In ihrer Verzweiflung erhängt sich
die Ordensfrau und wird einige Tage später von dem jungen Dorfbewohner
Frenchie (Jonas Bloquet) gefunden, der den Schwestern im Kloster
Nahrungsmittel vorbei bringen wollte.
Danach beschäftigt sich der Vatikan mit dem Fall und mit diesen
bösen Ereignissen des Klosters, wo die Nonnen ohne Pause beten müssen,
dass der Teufel fern bleibt. Sie entsendet den auf diese Themen
spezialisierten Pater Burke (Demian Bichir) dorthin, um diese Vorfälle
zu untersuchen. Die Novizin Irene (Taissa Farmiga), die als Kind bereits
Visionen hatte, soll ihn als Unterstützung begleiten. Sie reisen nach
Rumänien und Frenchie führt sie zur Abtei. Die anderen Dorfbewohner
meiden inzwischen das Kloster wie der Teufel das Weihwasser. Als sie die
tote Schwester untersuchen, finden sie auch diesen seltsamen Schlüssel.
Die Äbtissin verhält sich sonderbar und auch die anderen Schwestern
scheinen nicht gerade erfreut über den Besuch. So bleibt dem Besuch
nichts anderes übrig als im Kloster zu übernachten. Seltsame Dinge
passieren, sie treffen am anderen Tag auf Schwester Oana (Ingrid Bisu),
die berichtet, dass der Konvent die ewige Anbetung pflegt. Nur so lässt
sich das Böse noch zurückhalten....
Das Gespann eines erfahrenen Priesters und einer sensiblen Novizin
erweist sich als gute Idee, die beiden Darsteller Demian Bichir und
Taissa Farmiga spielen überzeugend. Darüberhinaus kann der Film mit
einigen sehr effektiven Szenen punkten, die dennoch nicht grobschlächtig
und plump daherkommen. Den Machern lag auch viel an einer gewissen
Atmosphäre. So sind die Szenen im Kloster durchaus unheimlich und
bedrückend. Und immer wieder taucht eine Nonne auf, die "Valak" sein
könnte. Gruslig ist auch die Präsenz der Äbtissin, die die besucher in
Kryptartigen Vestibül des Klosters in Empfang nimmt.
Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.
Halloween (2018)
Regie: David Gordon Green
40 Jahre, eine verdammt lange Zeit...
John Carpenters
Horrorfilm "Halloween" entstand 1978 und brachte es im Laufe der Zeit
auf 9 Fortsetzungen. Damit zählt sie zu den ganz wenigen Filmreihen, die
generationsübergreifend bis heute funktionieren. Regisseur David Gordon
Green hat beim 11. Teil aber beschlossen alle bisherigen Fortsetzungen
außer Acht zu lassen. Somit war Laurie Strode, die Heldin aus dem
Originalfilm, nie die Schwester von Serienkiller Michael Myers. Er lebte
auch bis zuletzt ununterbrochen in der Psychiatrie, wurde von Dr.
Loomis betreut und nach dessen Tod hat sich mit Dr. Ranbin Sartain
(Haluk Bilginer) ein adäquater Nachfolger gefunden, der den Mörder, der
seither nie mehr gesprochen hat, betreut und studiert.
Was ist aber aus Laurie geworden ? Vierzig Jahre nach dem
katastrophalen Ereignissen an Halloween ist sie natürlich schon
Großmutter. Und sie hat das Trauma von damals nie richtig überwunden.
Daher hat das Verhältnis zu ihrer Tochter Karen (Judy Greer) schon immer
etwas gelitten. Die hat selbst bereits eine beinahe erwachsene Tochter
(Andi Matichak), die Ally heißt und sich auf die Halloween Party freut.
Denn mit ihrem neuen Freund Cameron Elam (Dylan Arnold) hat sie sich die
Verkleidung als Bonnie and Clyde ausgedacht.
Mythos Michael Myers hat aber auch die beiden Podcasters Aaron
Corey (Jefferson Hall) und Dana Haines (Rhian Rees) auf den Plan gerufen
den Serienkiller in der Anstalt aufzusuchen und ihm ein Interview zu
entlocken. Doch der bleibt stur und still, auch in dem Moment als Corey
Michaels Maske aus der Tasche holt und mit ihr vor seinen Augen
herumschwenkt.
Es dauert noch ne Weile bis Michael zuschlägt, denn zuerst muss
eine Busfahrt organisiert werden, der die Insassen in eine andere
Einrichtung verlegen soll. Natürlich lässt es sich Dr. Sartain nicht
nehmen, seinen berühmten Patienten selbst zu begleiten - sicher ist
sicher. Doch wie es zu erwarten war, gelingt es Michael den Bus in einen
Unfall zu verwickeln und dann macht er sich auf den Weg nach
Haddonfield. Dort wo Laurie Strode schon wehrhaft für den Tag gerüstet
hat, an dem Michael zurückkehrt. Sie schießt ausgezeichnet und hat in
ihrem Haus einige Vorkehrungen in Sachen Sicherheit gemacht. So wurde
der Keller beinahe schon in einen Art Panicroom umfunktioniert. Michael
macht noch eine kleine Stippvisite an einer Tankstelle. Dort halten sich
auch Aaron und Dana auf. Bedauerlich, aber es ist so. Dann
Kameraschwenk auf das nächtliche Halloween Treiben in der beliebten
Kleinstadt Haddonfield. Eine Gestalt, die Michaels Maske trägt, läuft
zielsicher durch die Straßen...
Natürlich gabs in den vielen Fortsetzungen um Michael Myers
reichlich absurde Drehbucheinfälle, also Grund genug, die einfach mal zu
entfernen und dort weitermachen, wo es vor 40 Jahren aufhörte. Dennoch
haben die Drehbuchautoren von "Halloween 2018" eine ganze Menge
sonderbarer Nebenschaupätze eingebaut. So scheint der neue Psychiater
von Michael alles andere als ein Dr. Loomis zu sein, der in Michael
stets das unwiderruflich Böse sah, dass man vernichten müsse. Auch
Laurie ist mit einer Überdosis Paranoia ausgestattet, aber immerhin ist
es Jamie Lee Curtiz, die das spielen darf - die zweite Ikone der
beliebten Slasher Reihe. Und sie ist es auch, die aus ihrem angeblichen
Gefängnis daheim, die eigentliche Struktur offenlegt: Eine Falle für
Peiniger.
Regie führte David Gordon Green, der bereits für seinen Film "Prince Avalanche" den silberen Bären für die beste Regie gewann.
Bewertung: 6 von 10 Punkten.
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