Donnerstag, 27. Dezember 2018

Raw



















Regie: Julia Ducurnau

Lust auf Fleisch...

"Somos lo que hay" ist spanisch und heißt übersetzt "Wir sind was wir sind". Das Filmdebüt von Jorge Michel Grau erzählt die Geschichte einer Familie, die Menschenfleisch zum Überleben braucht. Es ist auch der erste nennenswerte Horrorbeitrag, der tiefer in die Welt der Menschenfresser eindringt und sich auch psychologisch diesem Zwiespalt dieser zerstörerischen Sucht der Protagonisten widmet. "Wir sind was wir sind" hatte beinahe schon eine poetische Note und Jim Mickles Remake für den US-Markt "We are what we are" tat es ihm gleich. So hatten beide Filme eine gewisse Verwandtschaft zum schwedischen Vampirfilm "So finster die Nacht", der auch ins Innenleben eines kleinen Vampirmädchen blickt und ihr einen introvertierten Jungen als Partner zur Seite stellt, damit sich die beiden anfreunden können. Erwähnenswert in dieser Genreschau ist natürlich auch Antonia Birds "Ravenous" und S. Craig Zahlers "Bone Tomahawk" - beide Arbeiten erzählen von Kannibalen im Wilden Westen. Frank Marshalls "Überleben" hatte das Flugzeugunglück vom 13. Oktober 1972 zum Thema. Die Maschine mit einer Gruppe junger Rugbyspieler stürzte in den Anden ab. Um zu überleben ernährten sie sich irgendwann vom Fleisch ihrer verstorbenen Kameraden.
Tatsächlich hat aber des Kinos Lieblingskannibale Hannibal Lecter deren Sicht auf die Menschenfresser verändert. Ein Feingeist, ein Psychiater mit der dunklen Leidenschaft als kannibalistischer Serienkiller und dessen Speiseempfehlung Kinogeschichte schrieb "Einer dieser Meinungsforscher wollte mich testen. Ich genoss seine Leber mit ein paar Fava-Bohnen, dazu einen ausgezeichneten Chianti".
In den 70ern hatte der Kannibalenfilm Hochkonjunktur mit "Mondo Cannibale" von Umberto Lenzi, "Der Vogelmensch" und vor allem durch "Cannibal Holocaust - Nackt und zerfleischt" von Ruggero Deodato. Diese Filme lösten eine Welle aus, alle sehr billig heruntergekurbelt und leider auch sehr oft mit widerlichen Tier Snuff Szenen angereichert.
Der französisch-belgische Film "Raw" (Original: Grave)  geht da natürlich die Wege, die bereits mit "Wir sind was wir sind" eingeschlagen wurden und hat durch die noch sehr junge Protagonistin (eine Studentin der Tiermedizin) noch zusätzlich eine Coming of Age Variante. Die Regisseurin Julia Ducournau arbeitete mit einer tiefen Symbolik und destruktiver Atmosphäre. Die junge Studentin, noch ein Teenager, wird mit ihrer gewaltvollen, aggressiven und sexuellen Wildheit konfrontiert. Kritiker sehen die Nähe zu "So finster die Nacht" aufgrund des poetischen Einschlags und andere erkannten eine Mischung aus "Suspiria" und "Ginger snaps". Möglicherweise eine erotische Meditation über den Urhunger aller Art, nicht zuletzt über das Tier im Menschen.
In ihrem ersten Spielfilm versucht die Filmemacherin die Veränderungen eines Teenagers zu ergründen, die durch innere Einflüsse zur Erwachsenen Frau heranreift. Doch dieser Reifeprozess gestaltet sich als enorm schwierig. Justine (Garance Marillier) wird von ihren Eltern (Laurent Lucas/Joanna Preis) auf den Campus der Uni gefahren. Sie wird dort wie ihre ältere Schwester Alexia (Ella Rumpf) ihr Studium an einem Institut für Tiermedizin beginnen. Sie soll mit einer anderen Studentin ein Zimmer teilen, doch zu ihrer Überraschung wird der offen schwul lebende Adrien (Rabah Nait Oufella) ihr Zimmergenosse. Die Familie von Justine hat bisher streng vegetarisch gelebt, doch bereits das Aufnahmeritual an der Uni zwingt die junge Frau eingelegte Hasennieren zu essen. Vor allem ihre ältere Schwester drängt als ältere Kommilitonin die Neulinge zu diesem Ritual. Ein paar Tage später bekommt Justine einen Ausschlag. Kommt dieser Ausschlag, der sich an mehreren Stellen des Körpers ausbreitet, vom Fleischessen ? Sollte eigentlich mit einer Salbe in ein paar Tagen wieder gut sein, doch mental hat es was ausgelöst. In Justine kommt plötzlich eine Lust auf Fleisch zu essen. Mit ungeahnten Folgen und mit immer größerer Gier...




Ein ungewöhnlicher Horrorfilm mit einigen Szenen, ganz nah am Tabubruch. "Raw" ist die Geschichte einer introvertierten Aussenseiterin, die kannibalistische Neigungen bei sich entdeckt. Doch dieser Kannibalismus fungiert dabei auch als Metapher und symbolisiert die unterdrückte und unkontrollierte Sexualität, die allmählich in der jungen Frau erwacht und sie dabei den Boden unter den Füßen verliert. Es herrscht Chaos und sie verliert bei der Entdeckung dieser Neigung zunehmend die Kontrolle. Am Ende setzt die Regisseurin mit einem obskuren und auch zynischen Sahnehäubchen noch einen interessanten Plot. Natürlich erinnert dieser Bodyhorror auch an DAvid Cronenberg,  den Meister dieser Sparte. Diie jungen Darsteller spielen klasse.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.
 

Mandy

























Regie: Panos Cosmatos

Der Rächer und die Teufelssekte...

Von einigen Kritikern wurde der Horrorfilm "Mandy" des kanadischen Filmemachers Panos Cosmatos (der Sohn des griechischen Regisseurs George Pan Cosmatos, der 2005 verstarb und in den 80er Jahren Erfolge mit "City Cobra", "Leviathan" oder "Tombstone" hatte) hochgelobt und die Machart des Films in die Nähe von Kubrick und Lynch gesetzt. Dieser Vergleich ist zwar zu hoch gegriffen, aber sein Rache-Movie ist sehr eigenwillig konzipiert und hat das Zeug zu einem Kultfilm.
"Mandy" wurde von keinem Geringerem als Elijah Wood und seiner auf Horrorfilme spezialisierten Produktionsfirma SpectreVision  mitproduziert.  Spectrevision scheint auch wohl auf eigenwillige Horrorbeiträge zu stehen, denn sie haben auch dem feministischen Vampirfilm der Iranerin Ana Lily Amirpour finanziell auf die Beine geholfen.
"Mandy" überzeugt mit seinen visuellen Einfällen. Der Film wurde im anamorphotischen Verfahren gedreht. Da der Film in den80ern spielt, wurde ein Song von King Crimson aus dem Jahr 1974 als Titellied gewählt. Es hat einen melancholischen Charakter - ähnlich wie ein dramaturgisch wichtiger Song, der in der Mitte des Songs vom Sektenführer Jeremiah Sand gesungen wird. Zu diesem Zeitpunkt ist auch endgültig die Verwandtschaft dieses widerlichen Schurken mit Charles Manson gegeben, der seine Jünger zu einer rassistischen und sektenähnlich strukturierten Hippie-Kommune formte und durch die bestialischen Morde u.a. auf Schauspielerin Sharon Tate in die Kriminalgeschichte einging.
Dramaturgisch wichtiger Bestandteil für die Atmosphäre des Films ist nicht nur die exzellente Kameraarbeit von Benjamin Loeb. Auch der Soundtrack des Isländers Johan Johannson setzt bedrückende und geheimnisvolle Akzente. Der Musiker verstarb leider am 9. Februar dieses Jahres durch eine Überdosis Kokain und Medikamenten in Berlin.
Als Hauptdarsteller wurde Nicolas Cage verpflichtet, der schon in vielen guten Filmen mitmachte (8mm, Spiel auf Zeit, Birdy, Im Körper meines Feindes, Wild at Heart, Leaving Las Vegas, Bringing out the Dead) aber sicherlich in doppelt so vielen Filmgurken.
In der Nähe der Shadow Mountains und des Crystal Lakes lebt der Holzfäller Red Miller (Nicolas Cage) mit seiner Freundin Mandy Bloom (Andrea Riseborough), einer Künstlerin. Mandy arbeitet gelegentlich an einer nahe gelegenen Tankstelle im Wald. Möglicherweise ahnt sie das kommende Unheil, denn sie gesteht Red, dass sie gerne dort hinziehen würde wo mehr Zivilisation gegeben ist. Die Idylle im Wald erzeugt vielleicht auch eine gewisse Depression und Angst. Die Gespräche des Paares sind sehr innig, man merkt, dass beide eine schwierige Erfahrung hinter sich ließen und ihre Stärke aus der Gemeinsamkeit beziehen.
Auf dem Weg zur Arbeit geht Mandy durch den Wald. In dem Moment fährt auch der Lieferwagen der "Children of the New Dawn" vorbei. Sektenmitglieder, die von Jeremiah Sand (Linus Roache) angeführt werden. Seine rechte Hand ist Brother Swan (Ned Dennehey). Mit Mother Marlene (Olwen Fouere) und Sister Lucy (Line Pillet) sind auch zwei Frauen dabei, die dem Sektenführer und seinen männlichen Jüngern auch sexuell gefällig sein müssen und wollen. In dem Moment als Jeremiah Mandy dort laufen sieht, hat er eine Erleuchtung, dass sie die Frau ist, die wie geschaffen ist seine Gefährtin zu sein. Sie entführen mit Hilfe von vier Motorradmutanten, die aus der Hölle entstammen könnten, die Frau und versuchen sie mit bewusstseinserweiterten Drogen gefügig für ein Leben als Sektenmitglied zu machen. Er präsentiert sich Bloom nackt, woraufhin er von dieser ausgelacht wird. Sand lässt sie daraufhin vor Millers Augen lebendig verbrennen und lässt letzteren gefesselt auf seinem Grundstück zurück. Der schwört natürlich Rache...




Der erste Teil des Films dauert etwa eine Stunde und endet mit dem Tod von Mandy. Diese sehr ausufernde Einleitung ist aber extrem gut gemacht und leider fällt der Rachefeldzug - also der Höhepunkt des Films - nicht ganz so stark aus. Wobei die fiese Geschichte am Ende noch einmal alle Register zieht und einige sehr effektive Szenen für den Zuschauer bereit hält. Zuschauer mit schwachen Nerven werden da nicht geschont. Der Film ist als Old School Movie konzipiert, in einigen Szenen erinnert man sich an die schöne Zeit, als man sich noch in der Videothek des Vertrauens fürs Wochenende ein paar B-Horrorfilme aussuchte. Cosmatos arbeitet sichtlich gerne mit Rotlicht, Filmnebel und Farbfilter. Dies gibt dem Film auch eine lockere Verspieltheit, die eigentlich dem schrecklichen Szenario zunächst nicht angemessen scheint. Doch diese Gegensätze ziehen sich irgendwie an, genauso wie die beiden sehr unterschiedlichen Filmhälften.




Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

Dienstag, 25. Dezember 2018

Summer of 84

























Regie: Francois Simard, Anouk Whissell and Yoann Karl Whissell

Es war einmal vor langer Zeit im Sommer...

"Summer of 84" ist ein kanadischer Film des Regie Kollektivs RKSS: Francois Simard, Anouk Whissell und Yoann Karl Whissell. Der Film ist ein naher Verwandter von Filmen wie "Disturbia" von D. J. Caruso, den 80er Horrorbeiträgen "Die rabenschwarze Nacht" von Tom Holland, seinem Nachfolger "Mein Nachbar, der Vampir" von Tommy Lee Wallace oder dem 2011er Remake "Fright Night" von Craig Gillespie. Es ist sicherlich fast unnötig darauf hinzuweisen, dass diese Filme mit der neugierigen Hauptfigur, die den Nachbarn ausspioniert, alle irgendwie inspiriert sind von Hitchcocks "Fenster zum Hof". Dort hat der Fotojournalist Jeff Jeffries aufgrund seines Gipsbeines gerade mal sehr viel Zeit von seinem Fenster aus in die anderen Fenster seiner Nachbarn zu schauen. Natürlich entdeckt er dabei etwas, was ihn bald in Lebensgefahr bringen wird - er hat einen Mörder entdeckt. Ob Mörder, Vampir, Serienkiller...immer wenn man seine Nase zu sehr in fremde Angelegenheiten steckt, kann sich dies mehr als verhängnisvoll auswirken.
So auch in "Summer of 84" - aber dort wird auch noch eine Liebeserklärung an die 80er Jahre Filme wie "Die Goonies", "Fright Night", "Explorers" oder "Stand by me" sichtbar.
Die Geschichte spielt im Sommer 1984 in der Kleinstadt Cape May in Oregon. Die Stadt ist in Angst wegen einem Serienmörder, den man den "Cape May Slayer"nennt, schon 13 Jungen sind in den letzten Jahren einfach verschwunden. Aber auch Erwachsene Todesopfer rechnet man dem fiesen Killer zu.
Dort lebt auch der fünfzehnjährige Davey Armstrong (Graham Verhere), der mitten in der Pubertät steckt und Sohn eines Journalisten (Jason Gray Stanford) ist. Seine Freunde könnten unterschiedlicher nicht sein und entstammen natürlich den beliebten Besetzungsklischees der damaligen Zeit. Tommy "Eats" Eaton (Judah Lewis) ist der Draufgänger, Dale "Woody" Woodworth (Caleb Emery) ist der gutmütige dicke Boy und natürlich darf auch nicht der bebrillte Schlaumeier fehlen. Diesen Part deckt Cory Cruter-Andrew in der Rolle des intelligenten Curtis Farraday ab. Ein perfekt harmonierendes Quartett und alle Jungs schwärmen irgendwie für die hübsche gleichaltrige Nikki Kaszuba (Tiera Skovbye). Im Lauf der Handlung hat aber Davey dann doch die besten Chancen bei dem Mädchen. Doch viel Zeit zum Flirten erlaubt die gefährliche Verbrecherjagd nicht, die die vier Jungs irgendwann starten. Urheber ist natürlich Davey, der die Freunde zuerst mal überzeugen muss, dass er diesmal nicht einer kruden Verschwörungstherorie anheim gefallen ist. Davey ist sich nämlich sicher, dass der Nachbar - der ledige Polizist Wayne Mackay (Rich Sommer) ein Doppelleben als Serienkiller führt. Die Indizien sind zwar am Anfang etwas dürftig und im Laufe der Ermittlungen der Jungen gibts zwar Rückschläge, aber irgendwie verdichtet sich der Verdacht dann doch. Und nicht nur deshalb, weil schon wieder ein Junge (Harrison Houde) veschwindet...




Das Regiegespann hat gut daran getan, dass es sich viel Zeit genommen hat bei der Vorstellung ihrer Figuren. Alles wirkt dabei echt und erzählerisch stimmungsvoll. Auch wenn die vier Freunde auf den ersten Blick die absoluten Stereotypen abdecken, schaffen es die vier Jungschauspieler dennoch den Eindruck zu erwecken, dass sie echt sind. Echte Freunde, die dann auch bis zum Schluß zusammenhalten werden. Allerdings mussten ein, zwei Widerhaken her, damit die Zuschauer dem Sommer von 84 im Gedächtnis behalten werden. Und so geht das Regietrio am Ende ungewohnte, aber unvermeidbare Wege und gehen das Risiko von waghalsigen Wendungen ein. Dies glückt - denn bis dahin haben die Macher bereits ihre Zuschauer mit einer perfekten 80er Inszenierung gemütlich eingelullt, doch der finale Akt schaufelt ein dunkles Loch frei.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

The Girl with all the Gifts

























Regie: Colm McCarthy

Das hybride Mädchen der zweiten Generation...

Allein schon wegen seinem überraschenden wie verstörendem Ende ist "The Girl with all the gifts" von Colm McCarthy einer der besten Zombiefilme, die nach den großen Klassikern von George A. Romero entstanden. Ein Horrorbeitrag aus dem Vereinigten Königreich, genauso wie Danny Boyles "28 Days later", dem vielleicht besten Zombiefilm der letzten Jahrzehnte.
Hauptfigur dieser düsteren, fast auswegslosen Dystopie in einer postapokalyptischen Welt ist das Mädchen Melanie, klasse gespielt von der jungen Sennia Annua, die unterstützt von einem sehr guten Ensemble, den Film beinahe mühelos allein trägt.
In einer nahen Zukunft wurde der große Teil der Menschheit von einer mysteriösen Pilzkrankheit (einer Mutation von Ophiocordyceps unilateralis) heimgesucht. Dabei verwandeln sich die Menschen in schnelle, geistlose Fleischfresser - Filmkenner wissen sofort, dass es sich um die good old Zomibies handelt - die von den letzten überlebenden Menschen als "Hungries" bezeichnet werden. Immerhin arbeitet aber die angesehene Wissenschaftlerin Dr. Caroline Caldwell (Glenn Glose) an einem wirksamen Impstoff und sie glaubt, dass sie nahe dran ist an einem Durchbruch. Auf einer Militärbasis betreibt sie ihre Forschungen, dort sind auch hybride Kinder der zweiten Generation untergebracht. Kinder, die ebenso süchtig nach Menschenfleisch sind, aber noch eine Fähigkeit zum Denken und Lernen haben. Eine Gruppe von Soldaten unter der Leitung von Sergeant Eddie Parks (Paddy Considine) sichert ab, dass die in Zellen eingesperrten Kinder nicht entkommen und auch am Rollstuhl angekettet, Sicherheitsvorrichtungen im Gesicht zum Unterricht der Lehrerin Helen Justineau (Gemma Atherton) gefahren werden. Interessanterweise hat diese Pilzinfektion das Gehirn der Kinder nicht zerstört, sondern es hat deren Intelligenz verstärkt. Sämtliche Kinder entstammen von schwangeren Frauen, die infiziert wurden - im Mutterleib mutierten sie und fraßen sich von innen nach außen. Für die Wissenschaft sind diese Kinder die einzige Möglichkeit die Menschheit zu retten. Denn man hat schon die nächste Entwicklungsstufe der Hungries entdeckt. Der Pilz hat sich inzwischen so weit ausgeprägt, dass sich der Wirt mit anderen Wirten kollektiv vereinigt in Form einer riesigen Pflanzen mit tausenden von Sporen. Sollte sich diese Art durch Luftübertragung entfalten können, was sehr wahrscheinlich ist, dann bedeutet dies das Ende der Spezies Mensch.
Für die Wissenschaftlerin ist die kleine Melanie (Senna Manua) das optimale Wesen für ihre Experimente. Doch in dem Moment als sie das kleine Mädchen für den Impfstoff opfern will, wird die Militärbasis von den Zombies überrannt. Die Assistenzärztin (Anamaria Marinca) wird gebissen und wird zum Zombie. Auch die Soldatin Devani (Dominique Tipper) wird Opfer der Invasion. Nur die Lehrerin, die Wissenschaftlerin, der Sergeant, Melanie (mit Beißschutzmaske) und Private Kieran (Fisayo Akinade) können entkommen. Sie müssen sich mit einem fast tankleeren Wagen nach London durchschlagen. Dort ist die Chance gegeben auf eine weitere Menschenfestung zu stossen. Aber dort gibt es auch tausende von Untoten...





Mit sehr viel Gespür für eine auswegslose Situation und für eine erdrückende Atmosphäre hat Regisseur Colm McCarthy seinen Film inszeniert, der auf dem gleichnamigen Roman von Mike Carey basiert, der auch das Drehbuch zum Film schrieb.
Auch die Filmmusik unterstützt die Stimmung des Films perfekt. Sie wurde von dem Chilenen Cristobal Tabia de Veer komponiert. Schon das geheimnisvolle Eröffnungslied des Soundtracks geht unter die Haut, es hört sich an wie der Obertongesang der Inuit.
Auch wenn die Action nicht zu kurz kommt und es einige megaspannende Szenen gibt, ist die Charakterzeichnung der Figuren sehr gelungen.






Bewertung: 8,5 von 10 Punkten. 

Freitag, 14. Dezember 2018

The First Purge

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Regie. Gerard McMurray
 
Beim ersten Mal tuts noch weh...
 
Der dystopische Horror, den die "Purge" Filme als Grundidee entwerfen ist eigentlich genial. Dennoch ist bislang keiner der vier Purge Movies ein echtes Meisterwerk geworden. Am ehesten hat sicherlich der 2013 gedrehte Erstling "The Purge - Die Säuberung" von James DelMonaco hohes Kultpotential und erweist sich vielleicht in der nahen Zukunft bereits als echter Klassiker des Genres, auch wenn vielleicht die Nachfolgefilme mehr Purge und mehr Action liefern. Aber an den ersten Film erinnert man sich vor allem durch die gutbetuchte Familie, die dann plötzlich ins Fadenkreuz ebenso wohlhabender junger Säuberer geraten. Der Grund befindet sich im Haus: Ein dunkelhäutiger Mann, auf den die Jagd eröffnet wurde. "Purge" hatte diesen gesellschaftskritischen Unterton und optisch wirkten die potentiellen Killer vor dem Haus wie die Auferstehung der Manson-Familie.
89 Millionen Dollar spielte der Film weltweit ein und ließ bis dato 3 Fortsetzungen folgen, die allesamt gute Kinoerfolge werden konnten.
Regisseur James DelMonaco drehte auch "The Purge - Anarchy" und "The Purge - Election Day". Für "The First Purge" schrieb er lediglich das Drehbuch, die Regie überließ er diesmal Gerard McMurray.
Die Geschichte spielt noch vor den Ereignissen des 1. Teils, der die erste landesweite Säuberung zum Thema hatte. In "The First Purge" wird der Probelauf gezeigt, der auf Staten Island ablaufen soll.
Also dort wo sehr viele dunkelhäutige Menschen leben. Dort will die neue amerikanische Regierung (weder Demokraten, noch Republikaner) beweisen, dass eine Säuberung diese reinigende Wirkung haben wird. Sozial Schwache werden beseitigt - die Wohlstandsbürger sollen möglichst in Vielzahl die Rolle der Vollstrecker übernehmen. Das wirkt zusätzlich noch wie ein kathartischer Effekt. Was will man mehr ?
Zumindest gibts aber im betreffenden Stadtbezirk Proteste. Auch die junge Nya (Lex Scott Davies) ergreift das Wort, aber die Sache ist natürlich schon beschlossen. Der von der Regierung ernannte Generalstabschef Arlo Sabian (Patch Darragh) berichtet bereits live im TV über die kommende Nacht. Als Stargast ist die Macherin des "Purge" Dr. Updale (Marisa Tomei) dabei, die ihre Idee mit vielen PRO  Argumenten für die Zuschauer verteidigt. Nya hat einen Bruder, der Isaiah (Joivan Wade) heißt und eine Wut auf den Psychopathen Skeletor (Rotimi Paul) hat. Entgegen der Anweisung seiner älteren Schwester geht er in der Purge Nacht nicht ins sichere Manhattan, sondern er bleibt vor Ort und wartet auf die Purge. Gangsterboss Dmitri (Y´lan Noel) wohnt auch auf Staten Island, er ist mit seiner Gang gut gerüstet auf dieses bescheuerte Event und lässt sich vorerst nicht davon beindrucken, dass dort bald zur Jagd beblasen wird. Tatsächlich hält sich die Lust am Säubern in Grenzen, doch die Regierenden haben für dieses Problem bereits mit Killerkommandos vorgesorgt...




Vielleicht sogar der politisch auffälligste Teil der Reihe, aber gerade deshalb vielleicht mehr gewollt statt gekonnt. Durch die black Gang wird das Ganze zu sehr in einen rassistischen Kontext gesetzt. So werden die Kriminellen der Gang zu den Guten, die Bösen haben allerdings wenig Profil, wenn man mal vom Psycho absieht, der immer wieder im Laufe der Geschichte auftaucht. Es fehlt das Gesicht des Mobs, auch der zynische Unterton ist reduziert. Mit 136 Millionen Dollar Einspiel liegt Teil 4 inzwischen auf Platz 1 im Purge Ranking - mir haben aber alle drei Vorgänger mehr imponiert. Ist etwa die Luft schon draußen ?




Bewertung: 6 von 10 Punkten.