Donnerstag, 27. Dezember 2018
Raw
Regie: Julia Ducurnau
Lust auf Fleisch...
"Somos lo que hay" ist spanisch und heißt übersetzt "Wir sind was wir sind". Das Filmdebüt von Jorge Michel Grau erzählt die Geschichte einer Familie, die Menschenfleisch zum Überleben braucht. Es ist auch der erste nennenswerte Horrorbeitrag, der tiefer in die Welt der Menschenfresser eindringt und sich auch psychologisch diesem Zwiespalt dieser zerstörerischen Sucht der Protagonisten widmet. "Wir sind was wir sind" hatte beinahe schon eine poetische Note und Jim Mickles Remake für den US-Markt "We are what we are" tat es ihm gleich. So hatten beide Filme eine gewisse Verwandtschaft zum schwedischen Vampirfilm "So finster die Nacht", der auch ins Innenleben eines kleinen Vampirmädchen blickt und ihr einen introvertierten Jungen als Partner zur Seite stellt, damit sich die beiden anfreunden können. Erwähnenswert in dieser Genreschau ist natürlich auch Antonia Birds "Ravenous" und S. Craig Zahlers "Bone Tomahawk" - beide Arbeiten erzählen von Kannibalen im Wilden Westen. Frank Marshalls "Überleben" hatte das Flugzeugunglück vom 13. Oktober 1972 zum Thema. Die Maschine mit einer Gruppe junger Rugbyspieler stürzte in den Anden ab. Um zu überleben ernährten sie sich irgendwann vom Fleisch ihrer verstorbenen Kameraden.
Tatsächlich hat aber des Kinos Lieblingskannibale Hannibal Lecter deren Sicht auf die Menschenfresser verändert. Ein Feingeist, ein Psychiater mit der dunklen Leidenschaft als kannibalistischer Serienkiller und dessen Speiseempfehlung Kinogeschichte schrieb "Einer dieser Meinungsforscher wollte mich testen. Ich genoss seine Leber mit ein paar Fava-Bohnen, dazu einen ausgezeichneten Chianti".
In den 70ern hatte der Kannibalenfilm Hochkonjunktur mit "Mondo Cannibale" von Umberto Lenzi, "Der Vogelmensch" und vor allem durch "Cannibal Holocaust - Nackt und zerfleischt" von Ruggero Deodato. Diese Filme lösten eine Welle aus, alle sehr billig heruntergekurbelt und leider auch sehr oft mit widerlichen Tier Snuff Szenen angereichert.
Der französisch-belgische Film "Raw" (Original: Grave) geht da natürlich die Wege, die bereits mit "Wir sind was wir sind" eingeschlagen wurden und hat durch die noch sehr junge Protagonistin (eine Studentin der Tiermedizin) noch zusätzlich eine Coming of Age Variante. Die Regisseurin Julia Ducournau arbeitete mit einer tiefen Symbolik und destruktiver Atmosphäre. Die junge Studentin, noch ein Teenager, wird mit ihrer gewaltvollen, aggressiven und sexuellen Wildheit konfrontiert. Kritiker sehen die Nähe zu "So finster die Nacht" aufgrund des poetischen Einschlags und andere erkannten eine Mischung aus "Suspiria" und "Ginger snaps". Möglicherweise eine erotische Meditation über den Urhunger aller Art, nicht zuletzt über das Tier im Menschen.
In ihrem ersten Spielfilm versucht die Filmemacherin die Veränderungen eines Teenagers zu ergründen, die durch innere Einflüsse zur Erwachsenen Frau heranreift. Doch dieser Reifeprozess gestaltet sich als enorm schwierig. Justine (Garance Marillier) wird von ihren Eltern (Laurent Lucas/Joanna Preis) auf den Campus der Uni gefahren. Sie wird dort wie ihre ältere Schwester Alexia (Ella Rumpf) ihr Studium an einem Institut für Tiermedizin beginnen. Sie soll mit einer anderen Studentin ein Zimmer teilen, doch zu ihrer Überraschung wird der offen schwul lebende Adrien (Rabah Nait Oufella) ihr Zimmergenosse. Die Familie von Justine hat bisher streng vegetarisch gelebt, doch bereits das Aufnahmeritual an der Uni zwingt die junge Frau eingelegte Hasennieren zu essen. Vor allem ihre ältere Schwester drängt als ältere Kommilitonin die Neulinge zu diesem Ritual. Ein paar Tage später bekommt Justine einen Ausschlag. Kommt dieser Ausschlag, der sich an mehreren Stellen des Körpers ausbreitet, vom Fleischessen ? Sollte eigentlich mit einer Salbe in ein paar Tagen wieder gut sein, doch mental hat es was ausgelöst. In Justine kommt plötzlich eine Lust auf Fleisch zu essen. Mit ungeahnten Folgen und mit immer größerer Gier...
Ein ungewöhnlicher Horrorfilm mit einigen Szenen, ganz nah am Tabubruch. "Raw" ist die Geschichte einer introvertierten Aussenseiterin, die kannibalistische Neigungen bei sich entdeckt. Doch dieser Kannibalismus fungiert dabei auch als Metapher und symbolisiert die unterdrückte und unkontrollierte Sexualität, die allmählich in der jungen Frau erwacht und sie dabei den Boden unter den Füßen verliert. Es herrscht Chaos und sie verliert bei der Entdeckung dieser Neigung zunehmend die Kontrolle. Am Ende setzt die Regisseurin mit einem obskuren und auch zynischen Sahnehäubchen noch einen interessanten Plot. Natürlich erinnert dieser Bodyhorror auch an DAvid Cronenberg, den Meister dieser Sparte. Diie jungen Darsteller spielen klasse.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
Mandy
Regie: Panos Cosmatos
Der Rächer und die Teufelssekte...
Von einigen Kritikern wurde der Horrorfilm "Mandy" des kanadischen
Filmemachers Panos Cosmatos (der Sohn des griechischen Regisseurs George
Pan Cosmatos, der 2005 verstarb und in den 80er Jahren Erfolge mit
"City Cobra", "Leviathan" oder "Tombstone" hatte) hochgelobt und die
Machart des Films in die Nähe von Kubrick und Lynch gesetzt. Dieser
Vergleich ist zwar zu hoch gegriffen, aber sein Rache-Movie ist sehr
eigenwillig konzipiert und hat das Zeug zu einem Kultfilm.
"Mandy" wurde von keinem Geringerem als Elijah Wood und seiner auf
Horrorfilme spezialisierten Produktionsfirma SpectreVision
mitproduziert. Spectrevision scheint auch wohl auf eigenwillige
Horrorbeiträge zu stehen, denn sie haben auch dem feministischen
Vampirfilm der Iranerin Ana Lily Amirpour finanziell auf die Beine
geholfen.
"Mandy" überzeugt mit seinen visuellen Einfällen. Der Film wurde im
anamorphotischen Verfahren gedreht. Da der Film in den80ern spielt,
wurde ein Song von King Crimson aus dem Jahr 1974 als Titellied gewählt.
Es hat einen melancholischen Charakter - ähnlich wie ein dramaturgisch
wichtiger Song, der in der Mitte des Songs vom Sektenführer Jeremiah
Sand gesungen wird. Zu diesem Zeitpunkt ist auch endgültig die
Verwandtschaft dieses widerlichen Schurken mit Charles Manson gegeben,
der seine Jünger zu einer rassistischen und sektenähnlich strukturierten
Hippie-Kommune formte und durch die bestialischen Morde u.a. auf
Schauspielerin Sharon Tate in die Kriminalgeschichte einging.
Dramaturgisch wichtiger Bestandteil für die Atmosphäre des Films
ist nicht nur die exzellente Kameraarbeit von Benjamin Loeb. Auch der
Soundtrack des Isländers Johan Johannson setzt bedrückende und
geheimnisvolle Akzente. Der Musiker verstarb leider am 9. Februar dieses
Jahres durch eine Überdosis Kokain und Medikamenten in Berlin.
Als Hauptdarsteller wurde Nicolas Cage verpflichtet, der schon in
vielen guten Filmen mitmachte (8mm, Spiel auf Zeit, Birdy, Im Körper
meines Feindes, Wild at Heart, Leaving Las Vegas, Bringing out the Dead)
aber sicherlich in doppelt so vielen Filmgurken.
In der Nähe der Shadow Mountains und des Crystal Lakes lebt der
Holzfäller Red Miller (Nicolas Cage) mit seiner Freundin Mandy Bloom
(Andrea Riseborough), einer Künstlerin. Mandy arbeitet gelegentlich an
einer nahe gelegenen Tankstelle im Wald. Möglicherweise ahnt sie das
kommende Unheil, denn sie gesteht Red, dass sie gerne dort hinziehen
würde wo mehr Zivilisation gegeben ist. Die Idylle im Wald erzeugt
vielleicht auch eine gewisse Depression und Angst. Die Gespräche des
Paares sind sehr innig, man merkt, dass beide eine schwierige Erfahrung
hinter sich ließen und ihre Stärke aus der Gemeinsamkeit beziehen.
Auf dem Weg zur Arbeit geht Mandy durch den Wald. In dem Moment
fährt auch der Lieferwagen der "Children of the New Dawn" vorbei.
Sektenmitglieder, die von Jeremiah Sand (Linus Roache) angeführt werden.
Seine rechte Hand ist Brother Swan (Ned Dennehey). Mit Mother Marlene
(Olwen Fouere) und Sister Lucy (Line Pillet) sind auch zwei Frauen
dabei, die dem Sektenführer und seinen männlichen Jüngern auch sexuell
gefällig sein müssen und wollen. In dem Moment als Jeremiah Mandy dort
laufen sieht, hat er eine Erleuchtung, dass sie die Frau ist, die wie
geschaffen ist seine Gefährtin zu sein. Sie entführen mit Hilfe von vier
Motorradmutanten, die aus der Hölle entstammen könnten, die Frau und
versuchen sie mit bewusstseinserweiterten Drogen gefügig für ein Leben
als Sektenmitglied zu machen. Er präsentiert sich Bloom nackt, woraufhin
er von dieser ausgelacht wird. Sand lässt sie daraufhin vor Millers
Augen lebendig verbrennen und lässt letzteren gefesselt auf seinem
Grundstück zurück. Der schwört natürlich Rache...
Der erste Teil des Films dauert etwa eine Stunde und endet mit dem
Tod von Mandy. Diese sehr ausufernde Einleitung ist aber extrem gut
gemacht und leider fällt der Rachefeldzug - also der Höhepunkt des Films
- nicht ganz so stark aus. Wobei die fiese Geschichte am Ende noch
einmal alle Register zieht und einige sehr effektive Szenen für den
Zuschauer bereit hält. Zuschauer mit schwachen Nerven werden da nicht
geschont. Der Film ist als Old School Movie konzipiert, in einigen
Szenen erinnert man sich an die schöne Zeit, als man sich noch in der
Videothek des Vertrauens fürs Wochenende ein paar B-Horrorfilme
aussuchte. Cosmatos arbeitet sichtlich gerne mit Rotlicht, Filmnebel und
Farbfilter. Dies gibt dem Film auch eine lockere Verspieltheit, die
eigentlich dem schrecklichen Szenario zunächst nicht angemessen scheint.
Doch diese Gegensätze ziehen sich irgendwie an, genauso wie die beiden
sehr unterschiedlichen Filmhälften.
Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.
Dienstag, 25. Dezember 2018
Summer of 84
Regie: Francois Simard, Anouk Whissell and Yoann Karl Whissell
Es war einmal vor langer Zeit im Sommer...
"Summer of 84" ist ein kanadischer Film des Regie Kollektivs RKSS:
Francois Simard, Anouk Whissell und Yoann Karl Whissell. Der Film ist
ein naher Verwandter von Filmen wie "Disturbia" von D. J. Caruso, den
80er Horrorbeiträgen "Die rabenschwarze Nacht" von Tom Holland, seinem
Nachfolger "Mein Nachbar, der Vampir" von Tommy Lee Wallace oder dem
2011er Remake "Fright Night" von Craig Gillespie. Es ist sicherlich fast
unnötig darauf hinzuweisen, dass diese Filme mit der neugierigen
Hauptfigur, die den Nachbarn ausspioniert, alle irgendwie inspiriert
sind von Hitchcocks "Fenster zum Hof". Dort hat der Fotojournalist Jeff
Jeffries aufgrund seines Gipsbeines gerade mal sehr viel Zeit von seinem
Fenster aus in die anderen Fenster seiner Nachbarn zu schauen.
Natürlich entdeckt er dabei etwas, was ihn bald in Lebensgefahr bringen
wird - er hat einen Mörder entdeckt. Ob Mörder, Vampir,
Serienkiller...immer wenn man seine Nase zu sehr in fremde
Angelegenheiten steckt, kann sich dies mehr als verhängnisvoll
auswirken.
So auch in "Summer of 84" - aber dort wird auch noch eine
Liebeserklärung an die 80er Jahre Filme wie "Die Goonies", "Fright
Night", "Explorers" oder "Stand by me" sichtbar.
Die Geschichte spielt im Sommer 1984 in der Kleinstadt Cape May in
Oregon. Die Stadt ist in Angst wegen einem Serienmörder, den man den
"Cape May Slayer"nennt, schon 13 Jungen sind in den letzten Jahren
einfach verschwunden. Aber auch Erwachsene Todesopfer rechnet man dem
fiesen Killer zu.
Dort lebt auch der
fünfzehnjährige Davey Armstrong (Graham Verhere), der mitten in der
Pubertät steckt und Sohn eines Journalisten (Jason Gray Stanford) ist.
Seine Freunde könnten unterschiedlicher nicht sein und entstammen
natürlich den beliebten Besetzungsklischees der damaligen Zeit. Tommy
"Eats" Eaton (Judah Lewis) ist der Draufgänger, Dale "Woody" Woodworth
(Caleb Emery) ist der gutmütige dicke Boy und natürlich darf auch nicht
der bebrillte Schlaumeier fehlen. Diesen Part deckt Cory Cruter-Andrew
in der Rolle des intelligenten Curtis Farraday ab. Ein perfekt
harmonierendes Quartett und alle Jungs schwärmen irgendwie für die
hübsche gleichaltrige Nikki Kaszuba (Tiera Skovbye). Im Lauf der
Handlung hat aber Davey dann doch die besten Chancen bei dem Mädchen.
Doch viel Zeit zum Flirten erlaubt die gefährliche Verbrecherjagd nicht,
die die vier Jungs irgendwann starten. Urheber ist natürlich Davey, der
die Freunde zuerst mal überzeugen muss, dass er diesmal nicht einer
kruden Verschwörungstherorie anheim gefallen ist. Davey ist sich nämlich
sicher, dass der Nachbar - der ledige Polizist Wayne Mackay (Rich
Sommer) ein Doppelleben als Serienkiller führt. Die Indizien sind zwar
am Anfang etwas dürftig und im Laufe der Ermittlungen der Jungen gibts
zwar Rückschläge, aber irgendwie verdichtet sich der Verdacht dann doch.
Und nicht nur deshalb, weil schon wieder ein Junge (Harrison Houde)
veschwindet...
Das Regiegespann hat gut daran getan, dass es sich viel Zeit
genommen hat bei der Vorstellung ihrer Figuren. Alles wirkt dabei echt
und erzählerisch stimmungsvoll. Auch wenn die vier Freunde auf den
ersten Blick die absoluten Stereotypen abdecken, schaffen es die vier
Jungschauspieler dennoch den Eindruck zu erwecken, dass sie echt sind.
Echte Freunde, die dann auch bis zum Schluß zusammenhalten werden.
Allerdings mussten ein, zwei Widerhaken her, damit die Zuschauer dem
Sommer von 84 im Gedächtnis behalten werden. Und so geht das Regietrio
am Ende ungewohnte, aber unvermeidbare Wege und gehen das Risiko von
waghalsigen Wendungen ein. Dies glückt - denn bis dahin haben die Macher
bereits ihre Zuschauer mit einer perfekten 80er Inszenierung gemütlich
eingelullt, doch der finale Akt schaufelt ein dunkles Loch frei.
Bewertung: 8 von 10 Punkten.
The Girl with all the Gifts
Regie: Colm McCarthy
Das hybride Mädchen der zweiten Generation...
Allein schon wegen seinem überraschenden wie verstörendem Ende ist
"The Girl with all the gifts" von Colm McCarthy einer der besten
Zombiefilme, die nach den großen Klassikern von George A. Romero
entstanden. Ein Horrorbeitrag aus dem Vereinigten Königreich, genauso
wie Danny Boyles "28 Days later", dem vielleicht besten Zombiefilm der
letzten Jahrzehnte.
Hauptfigur dieser düsteren, fast auswegslosen Dystopie in einer
postapokalyptischen Welt ist das Mädchen Melanie, klasse gespielt von
der jungen Sennia Annua, die unterstützt von einem sehr guten Ensemble,
den Film beinahe mühelos allein trägt.
In einer nahen Zukunft wurde der große Teil der Menschheit von
einer mysteriösen Pilzkrankheit (einer Mutation von Ophiocordyceps
unilateralis) heimgesucht. Dabei verwandeln sich die Menschen in
schnelle, geistlose Fleischfresser - Filmkenner wissen sofort, dass es
sich um die good old Zomibies handelt - die von den letzten überlebenden
Menschen als "Hungries" bezeichnet werden. Immerhin arbeitet aber die
angesehene Wissenschaftlerin Dr. Caroline Caldwell (Glenn Glose) an
einem wirksamen Impstoff und sie glaubt, dass sie nahe dran ist an einem
Durchbruch. Auf einer Militärbasis betreibt sie ihre Forschungen, dort
sind auch hybride Kinder der zweiten Generation untergebracht. Kinder,
die ebenso süchtig nach Menschenfleisch sind, aber noch eine Fähigkeit
zum Denken und Lernen haben. Eine Gruppe von Soldaten unter der Leitung
von Sergeant Eddie Parks (Paddy Considine) sichert ab, dass die in
Zellen eingesperrten Kinder nicht entkommen und auch am Rollstuhl
angekettet, Sicherheitsvorrichtungen im Gesicht zum Unterricht der
Lehrerin Helen Justineau (Gemma Atherton) gefahren werden.
Interessanterweise hat diese Pilzinfektion das Gehirn der Kinder nicht
zerstört, sondern es hat deren Intelligenz verstärkt. Sämtliche Kinder
entstammen von schwangeren Frauen, die infiziert wurden - im Mutterleib
mutierten sie und fraßen sich von innen nach außen. Für die Wissenschaft
sind diese Kinder die einzige Möglichkeit die Menschheit zu retten.
Denn man hat schon die nächste Entwicklungsstufe der Hungries entdeckt.
Der Pilz hat sich inzwischen so weit ausgeprägt, dass sich der Wirt mit
anderen Wirten kollektiv vereinigt in Form einer riesigen Pflanzen mit
tausenden von Sporen. Sollte sich diese Art durch Luftübertragung
entfalten können, was sehr wahrscheinlich ist, dann bedeutet dies das
Ende der Spezies Mensch.
Für die Wissenschaftlerin ist die kleine Melanie (Senna Manua) das
optimale Wesen für ihre Experimente. Doch in dem Moment als sie das
kleine Mädchen für den Impfstoff opfern will, wird die Militärbasis von
den Zombies überrannt. Die Assistenzärztin (Anamaria Marinca) wird
gebissen und wird zum Zombie. Auch die Soldatin Devani (Dominique
Tipper) wird Opfer der Invasion. Nur die Lehrerin, die
Wissenschaftlerin, der Sergeant, Melanie (mit Beißschutzmaske) und
Private Kieran (Fisayo Akinade) können entkommen. Sie müssen sich mit
einem fast tankleeren Wagen nach London durchschlagen. Dort ist die
Chance gegeben auf eine weitere Menschenfestung zu stossen. Aber dort
gibt es auch tausende von Untoten...
Mit sehr viel Gespür für eine auswegslose Situation und für eine
erdrückende Atmosphäre hat Regisseur Colm McCarthy seinen Film
inszeniert, der auf dem gleichnamigen Roman von Mike Carey basiert, der
auch das Drehbuch zum Film schrieb.
Auch die Filmmusik unterstützt die Stimmung des Films perfekt. Sie
wurde von dem Chilenen Cristobal Tabia de Veer komponiert. Schon das
geheimnisvolle Eröffnungslied des Soundtracks geht unter die Haut, es
hört sich an wie der Obertongesang der Inuit.
Auch wenn die Action nicht zu kurz kommt und es einige
megaspannende Szenen gibt, ist die Charakterzeichnung der Figuren sehr
gelungen.
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten.
Freitag, 14. Dezember 2018
The First Purge
Regie. Gerard McMurray
Beim ersten Mal tuts noch weh...
Der dystopische Horror, den die "Purge" Filme als Grundidee
entwerfen ist eigentlich genial. Dennoch ist bislang keiner der vier
Purge Movies ein echtes Meisterwerk geworden. Am ehesten hat sicherlich
der 2013 gedrehte Erstling "The Purge - Die Säuberung" von James
DelMonaco hohes Kultpotential und erweist sich vielleicht in der nahen
Zukunft bereits als echter Klassiker des Genres, auch wenn vielleicht
die Nachfolgefilme mehr Purge und mehr Action liefern. Aber an den
ersten Film erinnert man sich vor allem durch die gutbetuchte Familie,
die dann plötzlich ins Fadenkreuz ebenso wohlhabender junger Säuberer
geraten. Der Grund befindet sich im Haus: Ein dunkelhäutiger Mann, auf
den die Jagd eröffnet wurde. "Purge" hatte diesen
gesellschaftskritischen Unterton und optisch wirkten die potentiellen
Killer vor dem Haus wie die Auferstehung der Manson-Familie.
89 Millionen Dollar spielte der Film weltweit ein und ließ bis dato
3 Fortsetzungen folgen, die allesamt gute Kinoerfolge werden konnten.
Regisseur James DelMonaco drehte auch "The Purge - Anarchy" und
"The Purge - Election Day". Für "The First Purge" schrieb er lediglich
das Drehbuch, die Regie überließ er diesmal Gerard McMurray.
Die Geschichte spielt noch vor den Ereignissen des 1. Teils, der
die erste landesweite Säuberung zum Thema hatte. In "The First Purge"
wird der Probelauf gezeigt, der auf Staten Island ablaufen soll.
Also dort wo sehr viele dunkelhäutige Menschen leben. Dort will die
neue amerikanische Regierung (weder Demokraten, noch Republikaner)
beweisen, dass eine Säuberung diese reinigende Wirkung haben wird.
Sozial Schwache werden beseitigt - die Wohlstandsbürger sollen möglichst
in Vielzahl die Rolle der Vollstrecker übernehmen. Das wirkt zusätzlich
noch wie ein kathartischer Effekt. Was will man mehr ?
Zumindest gibts aber im betreffenden Stadtbezirk Proteste. Auch die
junge Nya (Lex Scott Davies) ergreift das Wort, aber die Sache ist
natürlich schon beschlossen. Der von der Regierung ernannte
Generalstabschef Arlo Sabian (Patch Darragh) berichtet bereits live im
TV über die kommende Nacht. Als Stargast ist die Macherin des "Purge"
Dr. Updale (Marisa Tomei) dabei, die ihre Idee mit vielen PRO
Argumenten für die Zuschauer verteidigt. Nya hat einen Bruder, der
Isaiah (Joivan Wade) heißt und eine Wut auf den Psychopathen Skeletor
(Rotimi Paul) hat. Entgegen der Anweisung seiner älteren Schwester geht
er in der Purge Nacht nicht ins sichere Manhattan, sondern er bleibt vor
Ort und wartet auf die Purge. Gangsterboss Dmitri (Y´lan Noel) wohnt
auch auf Staten Island, er ist mit seiner Gang gut gerüstet auf dieses
bescheuerte Event und lässt sich vorerst nicht davon beindrucken, dass
dort bald zur Jagd beblasen wird. Tatsächlich hält sich die Lust am
Säubern in Grenzen, doch die Regierenden haben für dieses Problem
bereits mit Killerkommandos vorgesorgt...
Vielleicht sogar der politisch auffälligste Teil der Reihe, aber
gerade deshalb vielleicht mehr gewollt statt gekonnt. Durch die black
Gang wird das Ganze zu sehr in einen rassistischen Kontext gesetzt. So
werden die Kriminellen der Gang zu den Guten, die Bösen haben allerdings
wenig Profil, wenn man mal vom Psycho absieht, der immer wieder im
Laufe der Geschichte auftaucht. Es fehlt das Gesicht des Mobs, auch der
zynische Unterton ist reduziert. Mit 136 Millionen Dollar Einspiel liegt
Teil 4 inzwischen auf Platz 1 im Purge Ranking - mir haben aber alle
drei Vorgänger mehr imponiert. Ist etwa die Luft schon draußen ?
Bewertung: 6 von 10 Punkten.
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