Sonntag, 22. Januar 2017
Wiegenlied für eine Leiche
Regie: Robert Aldrich
Hollywood Grand Guignol...
Nach dem riesigen Kinoerfolg (9 Millionen Dollar Kasse) von "Was geschah wirklich mit Baby Jane ?" hatte Hollywood Regisseur offensichtlich Spass noch ein weiteres grotesk-triviales Horrorstück im Stil des Grand Guignol zu inszenieren. Und es sollte wieder mit dem herrlich funktionierenden Grusel- Duo Bette Davis und Joan Crawford besetzt werden. Doch die Crawford wurde krank. Es ging aber auch das Gerücht herum, dass sie aus dem Unternehmen ausstieg, weil sie empfand, dass Aldrich Bette Davis bevorzugte. Vivien Leigh und Katharine Hepburn sagten ab - so kam es zur Verpflichtung der großartigen Olivia de Havilland, die es wunderbar beherrscht völlig gütige Charaktere zu spielen (Cousine Melanie in "Gone with the wind oder als Ruth in der Doppelrolle in "Dark Mirror") oder auch das krasse Gegenteil (Terry in "Dark Mirror" - die von Hass und Paranoia zerfressene Zwillingsschwester der gütigen Ruth). In "Wiegenlied für eine Leiche" durfte sie die Cousine der seltsamen und etwas durchgeknallten Bette Davis spielen. Und zwar etwas angelegt wie in Henry Kosters "Meine Cousine Rachel" - dort ist der Zuschauer auch erst mal damit beschäftigt diese Cousine richtig einzuschätzen. Ist sie gekommen um zu helfen oder hat sie etwa finstere Pläne ?
"Wiegenlied für eine Leiche" spielte wieder reichlich Geld ein - mit 8 Millionen Dollar Umsatz schaffte es Robert Aldrich auf Platz 20 der Kinojahrescharts. Und tatsächlich ist der Film beinahe genauso stark wie der Vorgänger - er fällt lediglich beim zweiten Sehen etwas ab, da man dann die vielen Wendungen des Psychothrillers mit fiesem Horroreinschlag bereits kennt. Und es gibt darin nicht nur ein Wiedersehen mit diesen Legenden der Leinwand Bette Davis und Olivia de Havilland.
Auch für die Nebenrollen hat Aldrich ein paar grandiose Kinostars der 40er verpflichtet: Joseph Cotten, Mary Astor, Agnes Moorehead oder Cecil Kellaway.
Ein langes Intro führt den Zuschauer zurück ins Jahr 1927, nach Louisiana. Dort hat sich die Southern Belle Charlotte Hollis (Bette Davis) in den verheirateten John Mayhew (Bruce Dern) verliebt. Die beiden haben vor nach Mexiko zu fliehen, er hat für sie sogar ein Lied "Hush Hush sweet Charlotte" geschrieben. Doch der Vater von Charlotte, der steinreiche und einflussreiche Big Sam Hollis (Victor Buono) erfährt von der untragbaren Liason und zwingt den Liebhaber sich von Charlotte fernzuhalten. Am gleichen Tag findet im Herrenhaus von Hollis ein riesiger Ball statt. John gibt Charlotte im Pavillon den Laufpass und wird später brutal ermordet. Die Hand wird ihm mit einem Schlachtermesser abgetrennt, ausserdem wird er enthauptet. Charlotte erscheint dann im Ballsaal mit einem blutigen Kleid.
37 Jahre später: Die Kinder im Ort machen sich schon seit Jahren einen Spass mit einer Mutprobe. Wer den Mut hat in der Dunkelheit in das Haus zu gehen, der ist ein Held. Ausserdem haben sie schon vor Jahren den Song von Charlottes Liebhaber als Spottlied umgedichtet. Im Ort gilt Charlotte, die nie heiratete, als verschrobene, reizbare und leicht verrückte Einzelgängerin, für die die Zeit stehen geblieben ist. Sie gilt jedoch als harmlos, obwohl sie immer die Hauptverdächtige in diesem bis heute unaufgeklärten Mordfall des Jahres 1927 war. Sie hat nur eine echte Bezugsperson - die Haushälterin Velma (Agnes Moorehead). Gelegentlich schaut der Arzt Dr. Drew Bayliss (Joseph Cotten) vorbei. Oder neuerdings Luke Standish (Wesley Addy), der Sheriff des Orts, denn Charlotte will das alte Anwesen nicht verlassen - obwohl die Räumung schon angesetzt ist. Die schrullige Charlotte wäre wohlhabend genug, um in einem viel schöneren Haus zu wohnen. Doch sie hängt an ihren Erinnerungen fest und glaubt die Räumung wäre ein Komplott von Jewel Mayhew (Mary Astor), der Witwe ihres ehemaligen Lovers. Nur gut, dass vielleicht Hilfe in der Person ihrer Cousine Miriam Deering (Olivia de Havilland) kommt - zumindest setzt Charlotte auf sie. Mit dem Einzug von Miriam mehren sich aber auch mysteriöse und schreckliche Vorkomnisse im Haus. Kann es sein, dass Charlotte nun endgültig den Verstand verliert. Zur gleichen Zeit taucht auch der Versicherungsagent Harry Willis (Cecil Kellaway) in der Stadt auf, der sich für den alten Mordfall besonders interessiert....
Natürlich spielt so ein erlesenes Ensemble mit riesiger Freude. Für Agnes Moorehead als Velma sprang sogar eine Oscar-Nominierung heraus. Nominiert wurde der Film ausserdem für die beste Kamera (Joseph Biroc), Art Directon (Glasgow & Bretton), Beste Kostüme (Norma Koch), bester Schnitt (Michael Luciano), beste Filmmusik (Frank de Vol), ausserdem wurde der Song selbst nominiert. Obwohl der Film viel weniger subtil ans Werk geht wie der Vorgänger. Dort bezieht die Geschichte ihren Horror aus dem Umgang der beiden Schwestern miteinander. In "Wiegenlied für eine Leiche" agiert Bette Davis noch überzogener - aber es funktioniert prächtig. Auch die Geschichte ist viel sadistischer und grob inszeniert. Eine eh schon durchgeknallte reiche Jungfrau soll wirklich verrückt im Sinne von "krank" gemacht werden. Dafür setzen die Übeltäter abgetrennte Körperteile ein, sie spielen nachts auf dem Klavier und rufen mit dem "Hush Hush Sweet Charlotte" ihr potentielles Opfer aus dem Bett. Eine Geschichte um Mord, Chaos und Täuschung. Sehr wendungsreich - wenn man an die vielen heutigen Filme mit den irren Wendungen denkt, dann ist "Wiegenlied für eine Leiche" sogar ein sehr zukunftsweisender Schocker. Für seine Entstehungszeit waren auch die Gruseleffekte recht krass. Aus heutiger Sicht natürlich schon etwas veraltet...aber es ist dennoch ein Vergnügen diesen kranken Südstaatencharakteren bei ihrem perfiden Spiel zuzusehen. Das Ende heißt Mord - aber auch Erlösung durch einen Brief.
Bewertung: 9 von 10 Punkten.
Sonntag, 15. Januar 2017
Logan´s Run - Flucht ins 23. Jahrhundert
Regie: Michael Anderson
Vom Sandmann zum Läufer...
Michael Andersons "Flucht ins 23. Jahrhundert" (Original: Logan´s Run) gilt als gewisser Vorbote für den Megaerfolg "Star Wars" von George Lucas und erinnert auch etwas an einen weiteren George Lucas Film: "THX 1138" aus dem Jahr 1971, ausserdem gibts ein paar Ähnlichkeiten zu George Pals "Zeitmaschine" - dort werden die Menschen nicht "aufsteigen" sondern in eine unterirdische Welt absteigen und dort von einer bösen, unterirdischen Gegenzivilisation gefressen werden, wenn sie reif sind. In beiden Fällen geschieht dies sinnvollerweise solange sie jung und knackig sind. Bis dahin leben die Menschen dieser Zukunft ähnlich apathisch und frei von materiellen Sorgen. In "Flucht ins 23. Jahrhundert" ist mit 30 Jahren Schluß. Aber bevor die Kristall-Lebensuhr zu Ende geht und sichtbar in den Handflächen "Rot" aufleuchtet, leben die jungen Menschen sorglos und mit heiterer Gelassenheit in einer von einer mächtigen Kuppel umwölbten Stadt. Der Film nach der Romanvorlage "Logans Run" von William F. Nolan und George Clayton Johnson war ein riesiger Kinoerfolg im jahr 1976 und spielte alleine in den USA 25 Millionen Dollar ein.
Diese futuristische Welt schreibt Überwachung sehr groß. Die jungen Menschen werden von einem strengen Kontrollsystem überwacht, das ein allwissender Großcomputer steuert. Es ist aber keiner älter als 30 Jahre, denn mit diesem Zeitpunkt werden die Menschen mit der Illusion belogen, dass sie erneuert werden. Mit diesem Zeitpunkt werden sie zur Teilnahme am Karussel verpflichtet - eine Art Show, bei der die jüngeren die Kandidaten anfeuern, sich erneuern zu lassen. Doch nicht alle stehen auf dieses Ritual, denn sie denken - zu Recht - dass sie an diesem Happening getötet werden. Diese Menschen werden "Läufer" genannt und von den "Sandmännern" unerbittlich gejagt und eliminiert. Die beiden Freunde Logan 5 (Michael York) und Francis 7 (Richard Jordan) sind Sandmänner. Eines Tages bekommt Logan 5 vom Großcomputer den Befehl die "Zuflucht" zu suchen, weil sich dort Läufer befinden. "Die Zuflucht" soll ein Bereich sein, den keiner betreten darf, Logan 5 bekommt Sonderrechte durch seinen Auftrag - allerdings soll er sich als Läufer tarnen und zu diesem Zweck wird seine Uhr schon auf "baldige Erneuerung" gestellt. 4 Jahre zu früh...Logan merkt immer mehr, dass etwas nicht stimmt in diesem System. Er lernt die hübsche Jessica 6 (Jenny Agutter) kennen, die zu den Läufern gehört - als er eine Läuferin verschont, wird dies von seinem Freund beobachtet. Bald ist er, der die Zuflucht finden und zerstören soll, tatsächlich der Gejagte der Sandmänner...
Bei dieser Flucht kommt dann ein einfallsreiches Setdesign zum Einsatz. Ein unterirdisches Labyrinth, ein unterirdisches Kraftwerk, eine Eishöhle und anschließend in die Überreste der Stadt Washington mit dem Capitol und der überlebensgroßen Statue von Abraham Lincoln. Am Ende finden Logan und seine Freundin einen alten Menschen (Peter Ustinov), der seit vielen Jahren nur mit seinen Katzen zusammen lebt. Der Film hat heute noch einen sehr schönen naiven Charme, auch wenn die erste Hälfte mit einer sehr gut inszenierten Karussell Sequenz und den Verfolgungsjagden viel besser ist als Teil 2, der an der Oberfläche spielt und Peter Ustinov ein paar weiße Worte sagen darf. Diese Szenen wirken etwas behäbig und es stellt sich etwas Langeweile ein..
Für die "Besten visuellen Effekte" gab es 1977 einen Sonderoscar. Nominiert wurde auch das Beste Szenenbild und die beste Kamera (Ernest Laszlo)
Für die "Besten visuellen Effekte" gab es 1977 einen Sonderoscar. Nominiert wurde auch das Beste Szenenbild und die beste Kamera (Ernest Laszlo)
Dienstag, 3. Januar 2017
Star Trek - Der Film
Regie: Robert Wise
Das Abenteuer Enterprise beginnt gerade erst...
1979 war es soweit. Die erfolgreiche Science Fiction TV-Serie "Raumschiff Enterprise" aus den Jahren 1966 bis 1969 kam als großer Spielfilm in die Kinos. Und erwartungsgemäß wurde "Star Trek Der Film" unter der Regie von Altmeister Robert Wise ein riesiger Erfolg, er spielte alleine in den USA 139 Millionen US-Dollar ein und kam auf Platz 4 der erfolgreichsten Kinofilme gleich hinter "Moonraker", "Rocky 2" und "Alien". Doch die Fans der Serie mit den billigen Tricks und Kulissen aus Pappmache, aber dafür mit unschlagbarem Charme, waren enttäuscht.
Denn Wise setzte auf die Inszenierung einer opulenten Weltraum-Oper. Dazu wurde der Kameramann Richard H. Kline verpflichtet, der bereits mit sehr gute Leistungen in den Filmen wie "Hängt ihn höher", "Andromeda", "Kalter Hauch", "Jahr 2022...die überleben wollen" oder "Teufelskreis Alpha" auf sich aufmerksam machen konnte. Wise schwebte irgendwie eine Kreuzung zwischen der TV-Serie und der authentischen Atmosphäre des Kubrick Klassikers "2001...Odysee im Weltraum" vor. So zumindest wirken viele Einstellungen des Films. Tatsächlich stammten die vielen visuellen Effekte von Douglas Trumbull und Richard Yurichich, die auch für den Kubrick Klassiker tätig waren. Die erhabene Filmmusik von Jerry Goldsmith passt da natürlich genau hin - zu diesen wunderbaren Bildern aus dem Weltraum. Doch genau da setzte auch die Kritik der Fans ein "Zu langweilig"...der Film mit einer Lauflänge von 132 Minuten lässt sich Zeit, setzt zu keiner Zeit auf Action, wie in der Serie und genügt sich selbst in seiner schwelgend-barocken Üppigkeit. Durch den kommerziellen Erfolg kam es natürlich zu einer Fortsetzung und "Der Zorn des Khan" fand dann tatsächlich zu der alten Form der Serie zurück, der Film war viel beliebter als das Kinodebüt und ebnete den Weg für zahlreiche Fortsetzungen. Dennoch ist "Star Trek - der Film" aus heutiger Sicht alles andere als ein schlechter Film. Man muss allerdings akzeptieren, dass Captain James T. Kirk (William Shatner) besonders am Anfang des Films den unsympathischen Vorgesetzen raushängen darf und seiner Crew, die ihn dennoch liebt, barsche Befehle geben darf. Er hat sogar durch seine Erfahrung einen neuen Enterprise Captain ausgebotet. Dieser Will Decker (Stephen Collins) muss nun den Captain Sessel räumen, darf aber als Commander von Admiral Kirk Befehle ausführen.
Zum Glück kommt aber der extrem unterkühlte Spock (Leonard Nimoy) zurück an Bord und der immer kauzige Dr. McCoy (de Forrest Kelley) hat die Aufgabe den guten Kirk, der immer leicht am Abheben ist, wieder auf die Erde zurückzuholen. Dabei sind auch Scotty (James Doohan), Sulu (George Takei), Uhura (Nichelle Nichols) und Chekov (Walter Koenig)...allles gute und liebegewonnene Bekannte. Neu dabei ist die schöne Deltanerin Lieutenant Ilia (Persis Khambatta), die Ex-Geliebte von Decker.
Eine riesige, durch den Raum treibende Energiewolke befindet sich auf dem Weg zur Erde. Dabei zerstört sie drei klingonische Raumschiffe und die Föderationsraumstation Epsilon 9, die zuvor erfolglos versucht hatte, mit der Wolke zu kommunizieren. Die Föderation sieht die Erde durch die Wolke bedroht und entsendet die generalüberholte U.S.S Enterprise um die böse Wolke zu besiegen....
Erst am Ende des Films kommt Kirk hinter das Geheimnis der Wolke, deren Kern eine Maschine ist. Eindeutig geht die Richtung von "Star Trek - der Film" in Richtung Arthaus, ein klassisches Popcornmovie darf man zu keiner Zeit erwarten. Die Maschine, die sich "V´ger" nennt, wird von Kirk als "Voyager 6" erkannt. Eine von der Nasa im 20. Jahrhundert gestartete Raumsonde, deren Ziel es war, gesamtes Wissen über das Universum zu sammeln. Auf ihrer Odyssee im Weltraum kam sie auf einen Planeten, der von Maschinen beherrscht war. Diese entwickelten sie weiter und so setzte V´ger die Reise fort mit dem Ziel dieses gesammelte Wissen dem Schöpfer zu übergeben. Eine interessante, aber auch sehr schwierig zu verstehende Thematik aus dem Kreis "Mensch-Maschine-Gott", was zur Folge hat, dass das Ende ein bisschen zu absurd und menschlich gelöst wird. Da hat sicherlich nicht nur Spock die Logik vermisst. Aber ansonsten "Das menschliche Abenteuer beginnt gerade erst" und ich muss sagen nach nunmehr über 35 Jahre des Wiedersehens mit diesem Film, den ich damals auch nicht sonderlich spannend fand, ist Robert Wises Weltraumfilm doch mit viel Würde gealtert und es lässt sich heute feststellen, dass das erste Kinoabenteuer des Raumschiffs Enterprise viel besser als sein Ruf ist.
Regie: 7 von 10 Punkten.
Ghostbusters
Regie: Ivan Reitman
Ein Marshmallow-Man in New York...
Die "Ghostbusters" waren so etwas wie die 80er Version von "Men in Black" und in beiden Fällen kann man von echten Blockbustern reden. Im Jahr 1997 war "Men in Black" gleich nach "Titanic" der zweiterfolgreichste Blockbuster des Jahres. Den gleichen Rang in den Jahrescharts 1984 belegten auch Ivan Reitmans "Ghostbusters".
Ein solch fetter Erfolg gelang dem Regisseur weder vorher (Babyspeck und Fleischklöschen, Ich glaub mich knutscht ein Elch) noch nachher (Staatsanwälte küßt man nicht, Evolution). Er konnte allerdings eine erfolgreiche Fortsetzung des Erfolgsfilm mit den Geisterjägern drehen und mit Arnold Schwarzenegger gelangen ihm einige gut besuchte Kinohits (Twins, Kindergarten Cop, Junior).
"Ghostbusters" ist natürlich ein extremer Zeitgeistfilm, alles erinnert aus heutiger Sicht an die good old 80s und leider dominieren auf den Höhepunkt des Films die Special Effekts. Alles wird da in Schutt und Asche gehauen, aber immerhin darf ein riesiger Marshmallow-Man als Monster aufkreuzen und für ein nachhaltiges, noch nicht vergessenes Kinobild sorgen.
Die Darsteller Harold Ramis und Dan Aykroyd schrieben das Drehbuch, dass auch vor allem auf die Komik von Bill Murray zugeschnitten wurde und genau wie in den Dialogen von Will Smith und Tommy Lee Jones als Alienjäger eine ganze Menge an flapsigen und obercoolen Sprüchen beinhaltet.
Dabei denkt man zuerst, dass die wenig erfolgreichen Parapsychologen Dr. Peter Venkman (Bill Murray), Dr. Raymond Stantz (Dan Aykroyd) und Dr. Egon Spengler (Harold Ramis) sehr seriös mit ihrer wissenschaftlichen Materie umgehen. Doch das täuscht und so werden sie auch die Gelder gestrichen und die drei werden von der Universität geworfen. Es kommt wie es kommen muss: Die Geisterjäger müssen in der freien Wirtschaft ihr Geld verdienen. Zum Glück wird New York, diese stadt, die niemals schläft, gerade von etlichen Geistern heimgesucht. Alles fängt in der Stadtbibliothek an und so kommen die drei Ghostbusters zu einigen Aufträgen, das macht eine Sekretärin (Annie Potts) und ein weiterer Mitarbeiter (Ernie Hudson) notwendig. Auch im Appartment der attraktiven Dana Barrett (Sigourney Weaver), die in einem Art Deco Hochhaus - Tür an Tür mit Rick Moranis - wohnt, hat sich ein fieser Dämon häuslich niedergelassen. Gozer, (Slaviza Jovan) eine Gottheit will mit Hilfe eines Torwächters und eines Schlüsselmeisters in unsere Welt zurückkehren - natürlich um sie zu zerstören.
Diesen Plan können nur die Ghostbusters verhindern, aber die haben mit der Umweltbehörde und Walter Peck (William Atherton) einen Widersacher, der die drei nur zu gerne als Betrüger entlarven möchte...
Insgesamt wirkt "Ghostbusters" aus heutiger Sicht leider etwas veraltet, die alten Gags wollen nicht mehr ganz so zünden wie damals im Kino und mit dem "Ghostbusters" Song von Ray Parker Jr. als Verstärker, der ebenfalls viel Coolness ausdrückte. Man merkt, dass das Drehbuch doch recht dünn geraten ist und abgesehen von einigen guten Monstern und Geistern (die Hunde, die Geisterfrau in der Bilbliothek, der grüne Vielfraß) das ganze Szenario lediglich von den drei Hauptakteuren zusammengehalten wird. Egal wie man zu Bill Murrays Humor steht, aber er kommt dabei am besten weg. Sigourney Weaver darf sich hier mal von einer etwas komischeren Seite zeigen - auch gut gemeistert. Am schwächsten wirkt das Ende, da hat man das Gefühl, dass Reitman am Ende dem Vandalismus zu großen Raum bietet. Alles kaputt...aber Ende gut, alles Gut.
Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.
High Rise
Regie: Ben Wheatley
Vom Verfall einer Gemeinschaft....
Ben Wheatley gilt seit seinen drei geglückten Überraschungshits "Kill List" (2011), "Sightseers" (2012) und "A field in England" (2013) nicht nur als Enfant Terrible des neuen britischen Films, er dürfte auch einer der interessantesten neuen Regisseure auf der Insel sein. Auch seine Verfilmung "High Rise" des gleichnamigen dystopischen Romans von J. Gl Ballard löste interessante Diskussionen aus. Die Geschichten von Ballard sind oft schräg - Cronenberg verfilmte beispielsweise im Jahr 1996 den Roman "Crash". Und an David Cronenbergs "Shivers" erinnert "High Rise" auch immer wieder. Leider verzettelt sich Wheatley gesamthaft mit dieser Science Fiction Verfilmung über den menschlichen Zerfall. Einerseits ist dieser düstere Ausflug in die Abgründe des menschlichen Zusammenlebens sehr interessant gestaltet, aber auf dem Höhepunkt des Treibens verliert der Zuschauer ebenso den Überblick wie die Protagonisten und wie der Regisseur. Dabei brilliert aber Tom Hiddleston als englischer Gentleman in seiner bislang besten Rolle.
Provokativ fängt "High Rise" an, denn der Psychiater Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) sitzt auf der oberen Terasse des verwüsteten Hochhauses (dem Turm), er ist zufrieden, weil er den sibirischen Husky des Architekten und Hausbesitzers Anthony Royal (Jeremy Irons) verspeist. Der Zuschauer erfährt dann in der Rückblende, wie dieses anarchistische Treiben im Hochhaus vor etwa 3 Monaten begann. Am Stadtrand befindet sich dieser imposante vierzigstöckige Hochhaus-Turm. Für den smarten, frisch geschiedenen und wohlhabenden Arzt Dr. Laing genau das Richtige. Das Hochhaus bietet allen Mietern Schwimmbad, Fitnessraum, Supermarkt und sogar eine Grundschule. Im Grunde muss man das Gebäude gar nicht mehr verlassen. (Dieses Szenario löst in Gedanken tatsächlich einen echten Horror aus). Das Haus ist der inbegriff von neuem modernen Wohnen. Dabei sind die Stockwerke von oben nach unten hierarchisch geordnet. Die oberste Schicht wohnt auch ganz oben, die mittleren in der Mitte und die Unterschicht lebt unten.
Laing hat es immerhin in den 25. Stock geschafft - obere Mittelschicht sozusagen. Und er geht auch schnell eine Beziehung mit der alleinstehenden Mutter Charlotte Melville (Sienna Miller) ein. Mit deren intelligenten Jungen Toby (Louis Sac) hat er gleich einen recht guten Kontakt. Mit dem unbeherrschten Richard Wilder (Luke Evans) und seiner Frau Helen (Elisabeth Moss) freundet er sich ebenfalls an.Bald kommt es im Haus zu Streitigkeiten zwischen den Schichten. Die Müllschächte verstopfen sich immer öfters, das Wasser ist abgeschaltet, es kommt zu Stromausfällen. Und dann setzt sich auch bald ein Klassenkampf ein. Als Laings Student Munrow (August Prew) von der 39. Etage in den Tod springt, eskaliert die Situation total....
Wheatley gelingt es vor allem im ersten Teil des Films die immer weniger geltenden Pfeiler Recht und Ordnung aufzulösen und für eine beklemmende Auswegslosigkeit zu sorgen. Der Horror scheint auch von diesem sonderbaren Turm selbst auszugehen. Die Gewalt wird was ganz normales. Es wirkt auch so, als hätten in diesem Spannungsfeld schon einige der Bewohner geistige Störungen. So auch Laing, der von der Hausgemeinschaft am Ende der Geschichte genötigt wird, eine Lobotomie vorzunehmen. Leider herrscht am Ende Chaos, aber vielleicht ist es ja dieser horrorartigen Science Fiction Geschichte geschuldet, dass nichts anderes herauskommen kann als das pure Chaos. Und dies alles visualisiert als eine eher gepflegte Form von Anarchie. Mir persönlich waren die späteren Szenen des Films alle ein bisschen zu abstrakt und emotional hat mich dieser Film leider nicht gepackt. Auch wenn das Szenenbild von "High Rise" (Szenenbilder: Mark Tildesley/Ausstattung Paki Smith) sehr gut gelungen ist. Vielleicht muss man auch gerade für diesen Film in einer ganz bestimmten Stimmung sein, damit er wirken kann.
Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.
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