Mittwoch, 2. September 2015

Chinese Ghost Story


Regie: Ching Siu Tung

Die Geister und Dämonen im Lan-Ro Tempel...

Regisseur Tsui Hark (Peking Opera Blues, Once upon a time in China) gründete bereits 1984 seine eigenen Produktionsfirma "Film Workshop" mit einer eigenen Special Effects Abteilung. Seit dieser Zeit ist er auch als Produzent tätig und förderte mit seinem Knowhow das neue Hong Kong Kino. Er hat die Angewohnheit sich sehr stark in die Gestalung der von ihm produzierten Filme einzumischen. Häufig verlangte er schon Änderungen am Set und ließ es sich nicht nehmen bei manchen Szenen seiner Produktionen selbst auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen. Deshalb weisen seine prouzierten Filme auch sehr oft diesen typischen "Tsui Hark Stil" auf. Ein Beispiel ist die "Chinese Ghost Story" Triloge, bei allen drei Teilen führte zwar Ching Siu Tung ( Die Krieger des Kaisers) Regie, aber der Einfluss des Produzenten lässt sich nicht übersehen
Viele Kollegen halten deshalb die Zusammenarbeit mit ihm für schwierig.
Der erste Teil entstand 1987 und war so erfolgreich, dass man 1990 und 1991 für Nachschub sorgte - dennoch ist Teil 1 gleichzeitig auch der beste dieser Wuxia-Trilogie.Erzählt wird die Geschichte des Schuldeneintreibers Ling Choi Sing (Leslie Cheung), der in seinem jugendlichen Leichtsinn und seiner Naivität auf der Wanderschaft die Schuldbriefe verliert und nun kein Geld mehr auftreiben kann. Mittellos sucht er vor einem aufkommenden Sturm im verlassenen Lan-Ro Tempel ein Nachtquartier. Dort herrscht allerdings reges Leben. Auch der einsame taostische Mönch Yin Chek Hsia (Ma Wu) hält sich in den alten Gemäuern auf. liefert sich dort mit dem rivalisierenden Schwertkrieger Hah Hau (Lam Wai) nächtliche Kämpfe und jagt dort auch Geister. An die glaubt unser junger Held natürlich nicht, auch wenn die Leute im Dorf ihm schon erzählt haben, dass es dort im Tempel spukt. Leider sind die Schönheiten wie Nip Siu Yin (Joey Wang) oder Siu-Ching (Xue Zhilun) keine Menschen, sondern Geister, die vom mächtigen Baumdämon (Lau Siu-ming) als Lockvögel benutzt werden um für den das hungrige, blutsaugende Monster menschliche Opfer, vor allem junge Männer, anzulocken. Auch Ling Choi Sing erliegt den Reizen der schönen Nip Siu Yin, zuerst ohne zu ahnen, dass sie eine Untote ist. Und die Liebe hat natürlich die Macht Geistwesen und Mensch aneinander zu fesseln....



Der Film erzählt vom gemeinsamen Kampf des jugendliche Helden mit dem taoistischen Mönch gegen die böse Welt der Dämonen. Ein Kampf gegen die Zeit, denn die Schönheit, die es zu retten gilt, soll mit dem schwarzen Fürsten der Hölle vermählt werden. Die Grundstruktur von "Chinese Ghost Story" ist der chinesischen Folklore entlehnt. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts, in der frühen Qing Dynastie verfasste Pu Songling eine chinesische Geschichtensammlung, die später zahlreiche Hongkong Filme inspirieren sollte. Darunter auch der große Klassiker "Ein Hauch von Zen" von King Hu. "Chinese Ghost Story" ist vor allem durch seine originelle Art und Weise bemerkenswert, denn dem Film gelingt der Balanceakt Horror mit asiatischer Kampfkunst zu verbinden und dem Ganzen noch als dritte dominierende Komponente Humor und Slapstick beizumischen. Das Verschmelzen dieser verschiedenen Genres spiegelt auch die gattungsübergreifende Synthese wider, die auch die chinesische Folklore charakterisiert.Imposant auch der Baumdämon, dessen Geschlecht hier nicht eindeutig festgelegt scheint. Ein Mischwesen aus Mann und Frau und von Lau Siu Ming,  dem großen Meister der asiatischen Kampfkunst, toll gespielt. In weiteren wunderbaren Szenen sieht man wie Skelette zum Leben erwachen oder wie Geisterfrauen und Schwertkämpfer mit wehenden Gewändern durch die Luft fliegen und der Schwerkraft trotzen. Regisseur Ching Siu-Tung choreografierte später auch die Meisterwerke "Hero", "House of the Flying Daggers" und "Der Fluch der goldenen Blume". Die Nachtszenen im Wald sind sehr unheimlich gestaltet und erinnern ein biisschen an Sam Raimis "Tanz der Teufel". Höhepunkt der Teufelei ist eine riesengrße Zunge, die auf der Suche nach Menschenfleisch ist.
Hauptdarsteller Leslie Cheung war einer der beliebtesten Filmstars in Hongkong. Sein Leben endete tragisch. 2003 verübte er im Alter von 46 Jahren Selbstmord, indem er aus einem Fenster des Hongkonger Hotels Mandarin Oriental sprang. Er hinterliess einen Abschiedsbrief, in dem er schwere Depressionen offenbarte.




Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Ringu 2

























Regie: Hideo Nakata

Sadako Yamamura lebt weiter....

Durch den Riesenerfolg von "Ringu" im Jahr 1998 wurde schon ein Jahr später mit "Ringu 2" die Fortsetzung in die Kinos gebracht. Auch hier führte wieder Hideo Nakata Regie. Er drehte in den Folgejahren auch den 2. Teil der US-Augabe von "Ring" (den ersten Teil drehte Gore Verbinski) und schrieb das Drehbuch des amerikanischen Remake seines Erfolgs "Dark Water". 
Darüberhinaus finden sich in seiner Filmografie weitere gute Genrearbeiten wie "Kaidan", "Incite Mill", "Chatroom" und "The Complex".
Für den zweiten Ring Film braucht man natürlich ein bisschen Wissen vom ersten Teil, ansonsten hat man etwas Mühe mit der verschachtelten, alptraumhaften Handlung, in der Leute sterben, andere Leute flüchten und auch einige Menschen weiter recherchieren. Die Geschichte setzte dort ein, wo Teil 1 endete. Bei der Untersuchung der Leiche von Sadako Yamamura finden die forensischen Experten erstaunliches heraus: Obwohl sie vor fast 30 Jahren in einen verschlossenen Brunnen lebendig eingesperrt wurde, starb die Frau erst vor 1 oder 2 Jahren. Der einzige Überlebende von Sadakos Familie ist der betagte Onkel Takaishi Yamamura (Yoichi Numata).
Ryuji Takayama kam ja im ersten Teil zu Tode, dessen Ex-Frau Reiko Asakawa (Nanako Matsushima) ist mit ihrem kleinen Sohn Yoichi (Rikiya Otaka) untergetaucht. Die junge Mai Takano (Miki Nakatani) war Takayamas Assistentin und sucht weiterhin nach Fragen über dessen plötzliche Tod. Und wieder tauchen diese verdammten Videobänder auf, auch dem Reporter Okazaki (Yürei Yangi) wird von der jungen Kanae Sawaguchi (Kyoko Fukada) eines dieser bösen VHS-Tapes angeboten, er muss ihr aber versprechen das Band innert von einer Woche anzuschauen und es dann in Kopie weiterzugeben. Ansonsten wartet der Tod, der das schöne Gesicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt und verzerrt. Antworten gibts vielleicht in der Psychiatrie. Denn dort hält sich seit einiger Zeit die junge Masami Kurahashi (Hitomi Sato) auf, die mitansehen musste, wie ihre Freunde durch das Band zu Tode kamen und die seitdem stumm ist und sich weigert aus Angst das Zimmer zu verlassen....


 Insgesamt betrachtet kommt "Ringu 2"nicht an seinen Vorgänger heran, obwohl er auch ein paar nette Gruselszenen zu bieten hat. "Ringu" punktete vor allem durch seinen mystischen Touch, der um das Tape und den Fluch webte. Die Gefahr, die davon ausging, blieb durchgehend undefinierbar und genau dies machten den japanischen Horror Film so interessant. Diese Zutaten wurden nun in Teil 2 zugunsten einer wissenschaftlicheren Herangehensweise fallengelassen, was dem Thema viel von seiner mysteriösen Ader raubt. Nakato  versucht das Phänomen mit der weißgekleideten schwarzhaarigen Frau aus dem Brunnen mit wissenschaftlichen Theorien und Experimenten zu begründen, was bewirkt, dass zwar mehr Licht ins Dunkel kommt - andererseits mininiert dies einfach den unheimlichen Faktor. Das Tape bzw. der Fluch sind keine Gefahr des Übernatürlichen mehr, sondern ein Produkt von übermenschlichen, wenn auch außergewöhnlichen Kräften.


Bewertung: 6 von 10 Punkten. 

Cheap Thrills

























Regie: E.L. Katz

Für Geld machen wir alles...

 "Cheap Thrills" ist ein kammerspielartiger Thriller, den der Regieneuling E.L. Katz im Jahr 2013 inszenierte. Die Kritiken waren meistens sehr positiv, viele feierten sogar den Film als schwarzhumoriges Meisterwerk. Leider konnte ich keinen Humor in diesem Film entdecken, dazu fand ich das Szenario vielleicht viel zu bedrückend, denn in den 85 Minuten Laufzeit wird der Zuschauer mit einer ganz dunklen Seite des Menschseins konfrontiert. "Was Menschen so alles für Geld tun" ist das Motto von "Cheap Thrills" und man kann sich mit der Ausgangslage zuerst einmal ganz gut identifizerien, denn jeder hat ja schon Abende mit Freunden erlebt, die dann zu später Stunde und mit zuviel Alkohol auch mal mit obskuren Mutproben einhergingen. "Komm, zieh dich nackt aus, dann kriegst du 20 Euro"...dies ist der Grundsatz des Films.Konfrontiert wird der Zuschauer mit dem nicht sonderlich sympathischen Durchschnittstyp Craig (Pat Healy), der sich aber in den ersten Szenen als guter Ehemann und liebsorgender Vater zeigt. Doch dunkle Wolken bedrohen den Alltag der Durchschnittsfamilie. Ihm und seinen Lieben droht die Zwangsräumung. Er verdient als Automechaniker einfach zu wenig, um der monatlichen Tilgung nachzukommen, Inzwischen hat er 4.500 Dollar Schulden. Und der Tag ist noch nicht schwarz genug, denn er verliert gerade heute auch seinen Job, weil der Betrieb einsparen muss. Der Chef tröstet ihn damit, dass es nicht an seinen Fähigkeiten lag, sondern einfach an der wirtschaftlichen Lage, wo jeder einsparen muss. So ist der Weg nach Hause auch erschwert. Sein Bündel von unlösbaren, existenziellen Problemen nimmt er mit in diese Kneipe, wo er sich den Kummer mit ein Drinks ertränken will, doch zufällig trifft er auf seinen alten Schulfreund Vince (Ethan Embry). Die beiden haben sich etwa 5 Jahren nicht mehr gesehen und wie Craig erfährt hat es Vince zu nichts gebracht. Er war schon zu Schulzeiten einer der das Geld mit Drogen, Alkohol und Mädels verbrasste und im Grunde nichts auf die Reihe brachte. Doch Craig lässt sich auf einen Drink mit vince überreden und während sie über die schlechten alten Zeiten quatschen werden sie auch schon von einem scheinbar reichen Ehepaar eingeladen. Colin (David Koechner) seine hübsche blonde Frau Violet (Sara Paxton) wollen feiern, bei diesem ungleichen Duo sitzen die Geldscheine sehr locker. Und Colin outet sich als Zocker. So wettet er gerne mit Violet. 200 Dollar würde er locker machen, wenn sich einer der beiden Freunde traut, eine fremde Frau an der Theke so zur Weißglut zu treiben, dass sie ihm eine scheuert....und so startet langsam das Motto des Abends. Schnell verdiente Kohle sowohl für den mittellosen und abgebrannten Vince als auch für Craig, dessen ganze Existenz auf dem Spiel steht. Die Einsatze, die Colin anbietet, werden immer lukrativer - dafür werden die Aufgaben, die gemeistert werden sollen immer absurden und gefährlicher...

Am Ende des Abends wird sich der Wetteinsatz auf 250.000 Dollar einpendeln. Eine Summe, die dem Gewinner auch einiges abverlangen wird. Und mit den lukrativen Mutproben wird jedesmal ein weiteres unangenehmes Stück menschlichen Verhaltens offenbart. Ja, man kommt am Ende zum Schluß, dass es durchaus berechtige Gründe für Misantrophie gibt. Qualitativ finde ich den Film durchaus gut gemacht - es ist ein Kammerspiel und die vier Protagonisten spielen vor allem als Ensemble mit dem Ziel, dass die zynische Bestandsaufnahme bis zum Schluß auch fesselt. Allerdings sind solche Filme für mich schwerverdaulich...ich bereue am Ende ein bissel, dass ich mir das destruktive Spiel angesehen habe. Schwarzer Humor ist anders - aber als fieses Spiegelbild einer verkommenen Ausrichtung des Menschen, wo Egoismus und die Gier über allem steht, ist dieser dunkle Film durchaus gelungen.
Somit qualitativ sehr gut gemacht, dennoch kein Film, den ich nochmals sehe wollte.


Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Samstag, 29. August 2015

The Second Coming


























Regie: Herman Yau

Der Zwilling...

Der asiatische Horrorfilm hatte seine große Zeit vor etwa 15 Jahren, damals entstanden Meisterwerke wie "The Ring" (Hideo Nakata), "Audiition" (Takashi Miike, 1999), "Dark Water" (Hideo Nakata, 2002), "The Grudge" (Takashi Shimizu, 2002), "The Eye" (Pang Brothers, 2002)  oder "A tale of two Sisters" (Kim Jee-Won, 2003). Diese Populärität brachte auch eine riesige Schwemme an weniger gelungenen Verwandten hervor - die Motive wiederholten sich zu oft und irgendwann war die Luft draußen. Heute werden die Asia-Schocker sehr oft mit den großen Vorbildern des Genres verglichen und man merkt, dass in den meisten Fällen einfach der innovative Charakter auf der Strecke geblieben ist. Es gibt aber nach wie vor interessante Horrorfilme aus dieser Region. Sehr aufregend empfand ich Juno Maks "Rigor Mortis", ein Geisterhausfilm aus dem Jahr 2013. Auch Altmeister Park Chan Wook operierte erfolgreich im Horrorfach und hatte ein paar neue Facetten zum Thema "Vampir" in seinem melancholischen "Durst" beizutragen. Auch "Nightmare Detektive" von Shinya Tsukamato, "Retribution" von Kyoshi Kurosawa oder "Noroi" von Koji Shiraisi waren gut gemachte Genre-Arbeiten.
Mit "The Second Coming" kehrte nun auch Regisseur Herman Yau (größter internationaler Erfolg: IP-Man - The Final Fight) zum Horrorgenre zurück. Bereits im Jahr 1993 sorgte er für Unbehagen mit seinem fiesen Horrorserienkillerfilm "The Untold Story". Sein neuer Film weist dabei auch wieder die für Yau sehr typischen provozierenden, kranken Szenen auf. Da wird die Abtreibung der verzweifelten Mutter Jen (Maggie Siu) in den ersten Szenen des Films gezeigt. Im Grunde wollte sie es gar nicht tun, aber ihr sehr aggressiver Ehemann (Tak Bun Wong) macht mit seinen Gesten klar, dass er das ungeborene Kind auf keine Fall will. Der kleine Sohn wird Zeuge, wie seine Mutter beinahe verblutet. Ein Krankenwagen soll die Frau ins Spital bringen, Vater und Sohn sind dabei, dann ereignet sich ein Autocrash. Dann Szenenwechsel, viele Jahre sind inzwischen vergangen. Die junge Lucy (Joey Leong) hat es nicht leicht in ihrer Familie. Sie spürt immer wieder die latente Ablehnung ihres Vaters. Die Mutter versucht ständig Lucy mit ihrem großen Bruder Sunny (Yat Long Don Li) zu vergleichen, der im entfernten Australien Medizin studiert und nun die Familie besuchen kommt. Zu ihrem 16jährigen Geburtstag bekommt das Mädchen einen süßen Hund (Kumi) geschenkt. Dieser buddelt einige Tage später im Garten neben einem Baum ein Glas mit einem merkwürdigen grünen Inhalt aus. Als sie diese seltsame Flasche öffnet, beginnt das Mädchen sehr bald zu halluzinieren. Sie sieht ein menschenähnliches Wesen plötzlich im Kühlschrank sitzen oder sie sieht in der harmlosen Geburtstagstorte plötzlich eine ganze Armada von Maden herauskriechen. Schreiend stellt sie fest, dass nur sie diese Bilder sieht....


 Mag sein, dass "The Second Coming" einige Schwächen hat, aber insgesamt entpuppt sich die Geschichte um ein unerwünschtes Kind und um weitere gravierende Familiengeheimnisse, die sich mit dem Lauf der Handlung immer mehr offenbaren, als unterhaltsamer Mitternachtsgrusler. Dabei wird der Zuschauer mit einigen obskuren Einfällen konfrontiert: Da gibts mal Fötusblut im Einmachglas oder die Abtrennung eines Geschlechtsteils, das dann kurze Zeit später im Magen eines hungrigen Schäferhundes landet. Ja, man muss sich in "Second Coming" auf einige geschmackliche Entgleisungen einstellen. Ansonsten ist aber diese Verbindung von Geistern und Familientragödie sehr interessant gestaltet - im Lauf des Films fügen sich langsam die einzelnen Puzzleteile zusammen, am Ende wartet Lau sogar noch mit einem bizarren Plot auf. Was will man mehr ?

Bewertung: 6 von 10 Punkten.

Curtains


























Regie: Richard Ciupka

Audra...es kann nur Eine geben....

Der 1983 entstandene kanadische Horrorfilm "Curtains" war lange Jahre nur gekürzt zu sehen. Dennoch hat sich dieser Schlitzerfilm von Regisseur Richard Ciupka über ein seltsames Casting zu einem echten Kult-Horrorfilm entwickelt. Und dieses Prädikat hat der Film tatsächlich auch verdient, auch wenn der Inhalt eher zweitrangig ist. Perfekt gemacht ist allerdings die Optik des Films (Kamera: Robert Paynter), die visuelle Gestaltung der Morde und der maskierte Mörder, der gerne mit einer Sichel unterwegs ist.
Am Anfang lernt der Zuschauer den extravaganten Regisseur Jonathan Stryker (John Vernon) kennen, der mit seiner bewährten Hauptdarstellerin Samantha Sherwood (Samantha Eggar) eine Probe zum geplanten Film "Audra" absolviert. Der Filmemacher ist nicht so ganz zufrieden mit seiner Muse, daher fasst die Diva den folgenreichen Entschluß sich in eine Psychiatrie einweisen zu lassen, um die Hauptfigur "Audra", die an paranoider Schizophrenie leidet, besser verstehen und noch besser darstellen zu können. Stryker begleitet die Frau und es gehört sich einfach, dass während der Vorstellung beim Arzt eine schauspielerisch perfekte Einlage stattfindet: Samantha geht mit einem Messer auf Stryker los, was vorher abgesprochen war, aber dem Arzt den Beweis liefert, dass die Frau auf jeden Fall zwangsbehandelt werden muss. Während dem Aufenthalt in der Klapse, tut sich draussen aber so einiges: Der Regisseur scheint eine andere Besetzung für "Audra" zu suchen, vor allem soll sie jünger als Samantha sein. Zu diesem Zweck lädt er sechs junge Frauen in seine entfernte, im Wald gelegene Villa ein.
Mit dabei die schon erfahrene Brooke (Linda Thorson, bekannt als Tara King aus "Mit Schirm, Charme und Melone"), die etwas nervöse Stand-up Komödiantin Patti O´Connor (Lynne Griffin), die Tänzerin Laurian Summers (Anne Ditchburn), die Eiskunstläuferin Christie Burns (Lesleh Donaldson) und die Musikerin Tara De Millo (Sandee Currie). Nein, ich habe keine vergessen, denn das Girl Nr. 6, die blonde Amanda Teuther (Deborah Burgess) wird nach einem fiesen Alptraum (sie fährt auf dem Weg in die Villa und entdeckt auf der Straße eine Puppe) wach und wird von einem Killer mit der Maske einer fiesen, langhaarigen Alten, ermordet. Dafür kommt aber unerwartet auch Samantah Sherwood zum Wochenend-Casting, sie hat von dem Alleingang Strykers gehört und floh aus der Psychiatrie. Ganz nach dem Motto "10 Little Indians" wird eine Kandidatin nach der anderen aus dem Weg geräumt...



Wer einen guten alten Slasher aus den 80er Jahren sehen möchte, der sitzt natürlich bei "Curtains" in der ersten Reihe. Einzelne Szenen sind richtig klasse geworden und es ist offensichtlich, dass der kanadische Director auch ein Faible zum italienischen Giallo hat. So ähnlich sind nämlich die Morde in Szene gesetzt. Vor allem die Szene mit der Eiskunstläuferin ist total klasse, vor allem dann wenn die mordende Alte mit Schlittschuhen ihrem Opfer auf dem Eis nachjagt. Auch die bereits erwähnte Puppenszene ist großes Kino, genauso wie das Katz und Maus Spiel auf dem Höhepunkt des Films, dass sich zwischen lauter Theaterrequisiten und lebensgroßen Puppen abspielt.




Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Freitag, 28. August 2015

Halloween 3


























Regie: Tommy Lee Wallace

Kinderopfer für Samhain....

In "Kingsman - The Secret Service" verteilt der irre Milliardär SIM Karten an die gesamte Menschheit, mit denen sie kostenlos telefonieren oder im Internet surfen können. Die Nachfrage nach den Karten ist natürlich riesig, doch was keiner weiß: Der Gönner kann an die Telefone, die seine Gratis Karten enthalten, ein Signal senden, das alle Menschen in deren Umkreis zu mordenden Bestien verwandelt. So - sein perfider Plan - bringen sich die Menschen selbst um. Von ähnlichem Kaliber ist der reiche irische Spielzeugfabrikant Conal Cochran (Dan O´Herlihy) aus dem vielkritisierten "Halloween 3 - Season of the Witch" aus dem Jahr 1982, der leider viel zu schlecht wegkommt.
Ganze 32 Jahre nach seiner Uraufführung und 28 Jahre nach der Veröffentlichung auf dem deutschen Markt ist dieser dritte Teil der „Halloween“-Reihe mit dem berühmten Bösewicht Michael Myers hierzulande jetzt erstmals ungekürzt erhältlich. Bis Anfang 2012 stand der Film sogar auf dem Index, nun hat ihn die FSK nach beantragter Neuprüfung bereits ab 16 freigegeben und dies obwohl das Halloweenfest sogar ohne Michael Myers auskommt. Da die erste Fortsetzung, die im Krankenhaus spielte, nicht so erfolgreich wie das Original von Carpenter war, beschlossen die Macher mit der zweiten Fortsetzung ganz neue Wege zu gehen. Und im Jahr 1982 hatte die Figur des Michael Myers natürlich noch nicht diesen Kultstatus inne, die er heute genießt. Allerdings waren die Zuschauer damals dennoch enttäuscht, dass der Schlitzer nicht auftaucht und so wurde "Halloween 3" von Regisseur Tommy Lee Wallace nicht nur ein Kassenflopp sondern auch das unbeliebteste Sequel der Halloween Serie.
Wer allerdings Filme wie "Tot und begraben" von Gary Sherman mag, der wird auch an dieser sehr ungewöhnlichen Ausrichtung und der "Season of the Witch" Gefallen finden. Die Geschehnisse beginnen am 23. Oktober 1982. Der Spielzeugladenbesitzer Harry Grimbridge (Al Berry) wird unter mysteriösen Umständen ins Krankenhaus eingeliefert und dort von einem unbekannten Mann im Anzug getötet, der sich kurze Zeit später in einem Auto abfackelt. Zeuge dieses kuriosen Szenario wird der geschiedene Arzt Dr. Dan Challis (Tom Atkins). Seine Spur, die er mit Grimbridges hübscher Tochter Ellie (Stacey Nelkin) verfolgt, führt in von seiner Heimat in Nordcalifornien bis runter an die Küste. Dort liegt das beschauliche Dörfchen Santa Mira. In diesem kleinen Kaff hat sich der irische Spielzeugfabrikant Conal Cochran mit siener Firma "Silver Shamrock" niedergelassen, er produziert dort mit seinem eigen angereisten Personal die berühmten irischen Halloween-Masken, die bei allen Kindern im ganzen Land mächtig angesagt sind. Kein Wunder: Der Werbeclip zu den kommenden Halloween-Feierlichkeiten am 31. Oktober wird rund um die Uhr gesendet. Der Begleitsong zum Clip, der die Kids auffordert am Halloween Abend um 21 Uhr bemaskt vor der Glotze zu sitzen, ist für manche zwar der reine Nervtöter, für die Fans aber ein echter Ohrwurm mit seiner Melodie, die an "Ding Dong the Witch is dead" erinnert. Der Arzt steigt derweil mit seiner Begleitung im Rose of Shannon Motel ab und lernt dort in der Wahlheimat des irischen Millionärs einige skurrile Personen kennen. Da wäre die aufgebrachte Marge Guttmann (Garn Stephens) und Buddy Kupfer (Ralph Strait) der beste Verkäufer der Masken, der mit Ehefrau Betty (Jadeen Barbor) und Sohnemann (Brad Schachter) angereist ist und mit dem Cochran sogar eine Führung in die Fabrikhallen macht. Zufällig dürfen auch die beiden Schnüffler mit dabei sind und der Verdacht, dass hier etwas nicht stimmt, wird immer mehr erhärtet...


 "Season of the Witch" glänzt mit merkwürdigen Szenen, da wird einmal aus einem Lautsprecher "Zapfenstreich" verkündet, die Leute im Kaff müssen ab 18 Uhr in ihren Häusern sein. Ist das nicht seltsam ? Genauso auch der Geheimbereich der Firma, der sich "Endbearbeitung" nennt. Was keiner weiß: Der Fabrikant ist ein Jünger von Samhain, dem Gott der Kelten und dieser braucht mal wieder nach 3000 Jahren ohne Opfer neue Nahrung. Am besten eignen sich da die Kinder, die diese ferngesteuerten und präparierten Masken mittels eines Werbespots in der Halloweennacht getötet werden sollen. Und das alles mit Hilfe von Stonehenge Gestein...das hört sich kurios an, aber inszenatorisch sehr solide und geglückt gelöst. Überhaupt merkt man bei "Halloween 3" die Handschrift von John Carpenter, der den Film produzierte und einmal mehr den hypnotischen Track beisteuerte. Es sind auch tolle Szenen, die begeistert: So eröffnet Wallace den besagten Halloween Tag mit schnellen Schnitten von Impressionen verschiedener amerikanischer Städte wie Dayton, Ohio - New York, New York - Seattle, Washington - Los Angeles, Californien - Baton Rouge, Louisiana - Omaha,  Nebraska und zuletzt Phoenix, Arizona, wo im Abendrot die Silhouetten von Kindern zu sehen sind, die sich als Hexen verkleidet haben. Ich mag diesen Film sehr.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Dienstag, 25. August 2015

Halloween 2

























Regie: Rick Rosenthal

Michael Myers im Krankenhaus...

John Carpenter schuf mit "Halloween - Die Nacht des Grauens" aus dem Jahr 1978 einen der besten und unsterblichen Horrorfilme aller Zeiten. Der Erfolg war riesig und so kamen die Macher auf  die Idee die Geschichte fortzusetzen. Halloween brachte es in der Folgezeit auf 7 Fortsetzungen und läutete somit auch die Entwicklung ein, dass besonders erfolgreiche Horrorfilme mit ihren fiesen Ikonen einfach in Serie gehen müssen. So machten es auch Jason Vorhees aus "Freitag, der 13te" (Regie: Sean S. Cunningham) und Freddy Krueger aus "Nightmare on Elm Street" (Regie: Wes Craven) dem von John Carpenter geschaffenen Michael Myers nach.
Für "Halloween 2" machte allerdings John Carpenter seinem Kollegen Rick Rosenthal auf dem Regiestuhl Platz und begnügte sich damit - gemeinsam mit Produzentin Debra Hill - das Drehbuch dieser Fortsetzung zu schreiben. Auch die perfekt abgestimmte, nervenaufreibende Musik stammte wieder aus seiner Feder.
Der Film machte gute Kasse, obwohl dieser Nachfolger nach seinem Kinoeinsatz sehr stark mit Beschlagnahmung und Indzierung belegt wurde. Seit dem Jahr 2001 gibt es den Film wieder mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren, die allerdings stark gekürzt wurde.
Die Geschichte geht exakt dort weiter, wo sie in Teil 1 aufgehört hat. Und wie: Auch wenn "Halloween 2" nie die Klasse des Originals erreicht, so sind die Kamerafahrten von Dean Cundey sensationell gut. Der Zuschauer läuft sozusagen mit dem Monster Michael (Tony Moran) mit und sieht sich in Haddonfield, einer Kleinstadt in Illinois, in dieser unheimlichen Halloween Nacht wieder nach Opfern um. Der Kerl ist nach den Schüssen, die Dr. Loomis (Donald Pleasence) auf ihn abgegeben hat und dem daraus resultierenden Sturz von einem Balkon im ersten Stock immer noch nicht totzukriegen. Beinahe hätte es Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) auch dran glauben müssen, doch sie konnte noch ihrem Verfolger und Peiniger mit Holfe von Stricknade, Kleiderbügel und Küchenmesser abwehren. Nun ist sie aber mit den Nerven fix und fertig und wird ins örtliche Krankenhaus eingeliefert. Dr. Loomis sucht derweil mit Sheriff Leigh Brackett (Charles Cyphers) nach dem verletzten Psychopath die ganze stadt ab, denn dessen Blutrausch ist noch lange nicht gestillt. Und tatsächlich killt er im Örtchen nach Vorspeisenmanier noch einige Teenies, die Hauptspeise liegt aber im Krankenhaus und dorthin gelangt Michael Myers natürlich im Lauf der Handlung...



 es ist dort Nacht und das Spital ist nur spärlich besetzt, da gibts einige Krankenschwestern (Tawny Moyer, Ana Alicia) und Schichtleitung Mrs. Alves (Gloria Gifford), ausserdem zwei Sanitäter, einer davon heißt Timmy (Lance Guest), der für Laurie schwärmt. Hauptdarsteller werden aber zunehmend die schmalen und unüberschaubaren Korridore der einzelnen Stationen und sämtliche verdunkelten Räume des Krankenhauses, inklusive der unheimlich wirkenden Treppenhäuser. "Halloween 2" hat aufgrund dieser Krankenhaus-Sequenzen bleibenden Erinnerungswert und einige gute Gruselmomente lassen sich so herausholen. Das Ganze hat diesen speziellen John Carpenter Touch, wirkt aber im Vergleich zu den Meisterwerken des Regisseurs wie "Assault", "Halloween", "Das Ding", "Fog" oder "Die Klapperschlange" wie eine beiläufige lockere Fingerübung.




Bewertung: 7 von 10 Punkten.