Donnerstag, 25. September 2014

Eine Million Jahre vor unserer Zeit

























Regie: Don Chaffey

Am Anfang war Raquel Welch...

Stell dir vor es ist Urzeit und die Geschichte wird neu geschrieben. Denn neben den Steinzeitmenschen leben hier auch immer noch Saurier, die ja eigentlich am Ende des Mesozoikums, in der Kreidzeit durch einen Meteorit ausstarben.  Ausserdem leben in dieser prähistorischen Phase gigantische Wasserschildkröten, Riesenspinnen, Neanderthalern und Riesenleguane. Unsere zotteligen Vorfahren leben in Zwietracht nebeneinander. Siegreich ist immer das Alphamännchen. Daher ist es auch schwer für Tumak (John Richardson) sich gegen seinen mächtigen Vater Akhoba (Robert Brown) und seinen Bruder Sakana (Percy Herbert) durchzusetzen. Nach einer erfolgreichen Warzenschweinjagd eskaliert die Situation in der Höhle. Tumak fällt im Kampf mit seinem Vater von der Klippe des Berges. Er überlebt aber und so macht er sich auf einen Weg durch feindliches Land. Feindlich im Sinne von "Fressen und gefressen werden". Urzeitliche Riesentiere bedrohen den Einzelgänger, der nach seiner Flucht vor einer Riesenschildkröte entkräftet an einem Strand liegenbleibt. Dort lebt bereits ein zivilisierterer Stamm von blonden Jägern und Sammlern. Von den meisten Stammensmitgliedern wird "Der Neue" wegen seiner linkischen Art misstrauisch beäugt. Lediglich die schöne und kluge Luana (Raquel Welch) entwickelt ein Faible für Tumak und verteidigt ihn. Als ein Harryhausen´scher Velociraptor das Dorf überfällt, schlägt die Stunde von Tumak, der ein kleines Mädchen aus den Klauen des Echsenmonsters befreien kann und das Tier töten kann. Doch der blonde Dorfschönling ist eifersüchtig, so kommt es zum Kampf und anschliessend wandert das neue Paar Tumak und Luana durch die unwirtliche Urwelt, wo wieder Gefahren lauern. Es ist nicht leicht in dieser Steinzeit...



 Ray Harryhausen entwickelte die Stop Motion Technik seines Lehrers Willis O´Brien zur Perfektion. Seine Technik war viele Jahre wegweisend für Spezialeffekte beim Film. Er entwickelte damit zahlreiche Fabelwesen, Dinosaurier und Geister auf der Leinwand zum Leben. Unvergessen sind seine Kreationen in Filmen wie "Sindbads 7. Reise" mit fiesen Zyklopen, "Jason und die Argonauten" mit Skelettkriegern oder "Kampf der Titanen" mit tollen Figuren wie Calibos oder Medusa. Hier in dem Hammermovie "Eine Million Jahre vor unserer Zeit" von Don Chaffey aus dem Jahr 1966 präsentiert er diverse Saurierarten wie Triceratops, Ceratosaurus, Allosaurus, Brontosaurier, Pteraodon oder Rhamphorhynchus - sehr zur Freude seiner nostalgisch angehauchten Fans.  Witzig ist der Trashstreifen auch noch, denn er räumt mit dem Klischee der dummen Blondinen auf - die Doofen sind eher die sich stark fühlenden Männer, die ständig aufgrund ihrer Dummheit in die Predouille kommen. Natürlich ist das ganze Szenario völlig unglaubwürdig, aber da muss man durch. Schliesslich liegen die Stärken dieses Urzeitfilms nicht in der authentischen Atmosphäre. Wer aber naiv wie ein Kind an den Film herangeht und auch an Felswänden aus Schaumstoff seine Freude hat, der wird "Eine Million Jahre vor unserer Zeit" auch heute noch vergnügliche Seiten abgewinnen. Damals war das sogar ein riesiger Kinoerfolg und machte das Busenwunder Raquel Welch zum ulitmativen Weltstar.




Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

Haus des Grauens (Paranoiac)

























Regie: Freddie Francis

Anthonys Rückkehr...

Nachdem "Ein Toter spielt Klavier" aus dem Jahr 1961 für die Hammer Productions ein Riesenerfolg wurde, realsierte man weitere Suspence Thriller im Hitchcock´schen Stil. Der berühmte Kameramann Freddie Francis (Schloß des Schreckens, Der Elephantenmensch, Glory, Kap der Angst) drehte zwei der besten Nachfolger. 1964 entstand "Der Satan mit den langen Wimpern", aber bereits ein Jahr vorher betrat der Kinozuschauer das "Haus des Grauens" (Originaltitel: Paranoiac), der die Geschichte der wohlhabenden Familie Ashby erzählt. Leider sind Mr. und Mrs. Ashby bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen und dieses tragische Ereignis ist schon vor 11 Jahren passiert. Die drei Kinder der Ashbys waren noch sehr jung und kamen in die Obhut ihrer Tante Harriet (Sheila Burrell), die allerdings nicht verhindern konnte, dass der älteste Sohn Anthony im blühenden Alter von 15 Jahren Selbstmord durch einen Sprung von der Klippe ins Meer beging - Simon (Oliver Reed), der jüngere Bruder ist nun als Erwachsener ein verschwenderischer Alkoholiker, der seine Mitmenschen grausam behandelt. Seien Schwester Eleanor (Janette Scott) ist psychisch sehr labil und wird von der hübschen Krankenschwester Francoise (Liliane Brousse) betreut. Insgeheim will der maßlose Simon seine Schwester in den Wahnsinn treiben, damit er das gesamte Vermögen der Eltern erben kann. Aber noch hat der Anwalt und Vermögensverwalter John Kossett (Maurice Denham) ein wachsames Auge darauf.  Als bei der Trauerfeier für die Eltern plötzlich in der Kirche ein geheimnisvoller Mann (Alexander Davion) auftaucht, ist Eleanor felsenfest davon überzeugt, dass sie gerade ihren toten Bruder Anthony gesehen hat...


"Haus des Grauens" bietet sehr guten Old School Grusel, das Drehbuch von Jimmy Sangster baut kontinuierlich Spannung auf und sowohl Freddie Francis als auch  Kameramann Arthur Grant haben ein gutes Gespür für atmosphärische Bilder, die den Film noch zusätzlich aufwerten können.
Was sich im ersten Teil des Films zunächst noch wie eine recht konventionelle Geschichte um mögliche Erbschleichereien anmutet, nimmt etwa in der zweiten Hälfte des Films eine plötzliche Wendung, in dem sich der Mix aus Thriller und Horror voll entfalten kann. Man darf rätseln über die wahre  Identität Tonys und darüberhinaus bekommt man einen guten Einblick  in die psychologischen Abgründe der Ashbys. Neben der geheimmisbeladenen Tante, einem wahsinnigen Bruder und hübschen Frauen in der Opferrolle, noch dazu im Sixties-Outfits kommen noch mumifizierte Leichen, bizarre Masken und einige Gothic-Horror-Schocks zum Einsatz.  Nach 77 Minuten ist leider Schluß - aber gerne wäre man noch länger zu Besuch geblieben bei den Ashbys und einem grandios aufspielenden Oliver Reed, der alle anderen beinahe an die Wand spielt.


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.

Schock

























Regie: Val Guest



"Schock" - war der erste Horrorbeitrag der legendären Hammer-Productions. Der Erfolg des Films, der im Original "The Quatermass Xperiment" heißt machte weitere Genrefilme möglich und so wurde in den Folgejahren aus den Hammer-Filmen langsam die heute geliebte Legende. Der Ausflug in die Horrorgefilde des Science Fiction Fachs blieb natürlich nicht das einzige Thema - 1957 präsentierte man Frankenstein, ein Jahr später den legendären Dracula, nach einem weiteren Jahr die Mumie, 1961 den Hitchcock´schen Suspence, 1965 gabs Zombies, ab 1970 war man Gast in Karnstein.
"Schock" basiert wie auch die zwei später entstandenen Quatermass-Filme "Feinde aus dem Nichts" und "Das grüne Blut der Dämonen" auf einer Fernsehserie aus der Feder Nigel Kneales, der mit der Filmadaption nicht ganz zufrieden war.
In nüchterner Schwarz-Weiß Optik ist der Film typisch für die Science Fiction Film der 50er Jahre. Der zweite Weltkrieg war zu Ende, der kalte Krieg zog langsam an und sorgte damit für einen guten Nährboden von paranoiden Ängsen. Der durch eine fremde Macht mutierte Victor Carroon, sehr gut gespielt von Richard Wordsworth, ist eine Art Symbol für eine feindlich politische Gesinnung - ein ehemals guter Bürger, der nun unter feindlichem Einfluß steht und die bestehende Gesellschaftsordnung unterwandert, zuerst noch unerkannt durch sein menschliches Aussehen. Ähnlichkeiten mit Don Siegels Klassiker "Invasion of the Body Snatchers" sind gegeben, aber auch an "Invasion vom Mars" wird man sich erinnern. In all diesenFilmen geht es um eine fremde und gefährliche Macht, vesteckt unter der Oberfläche bekannter und vertrauter Personen. Zunächst vermutet man aber radioaktive Strahlung für Victors beginnende Mutation.
Eine unter der Leitung des selbstbewussten und auch arroganten Professor Quatermass (Brian Donlevy) durchgeführte Weltraumexpetion findet ein unrühmliches Ende. Die Rakete, die ins All geschossen wurde, muss in der ländlichen Gegend der Grafschaft Berkshire notlanden. Von der ursprünglichen dreiköpfigen Besatzung ist aber nur noch der Astronaut Victor Carroon an Bord. Seine beiden Kollegen sind unauffindbar und wie vom Erdboden verschwunden. Nur die leeren Raumanzüge liegen im Raumschiff. Eine Auswertung eines an Bord aufgenommenen Films bringt ebenfalls wenig brauchbare Antworten. Carroon selbst ist seltsam - er wirkt apathisch und scheint unter einem fremden Einfluss zu stehen. Die Ärzte finden heraus, dass die Zellstruktur des Mannes in einer Änderung begriffen ist. Als er seiner Verzweiflung Ausdruck verleiht und an die Fensterbank schlägt, verbindet sich sein Gewebe mit dem Gewebe einer dort stehende Kaktuspflanze. Es kommt noch schlimmer. Caroons Ehefrau (Margia Dean) misstraut den Bemühungen von Quatermass und schmiedet einen Plan, wie sie ihren geliebten Gatten aus dem Krankenhaus holen kann. Sie lässt ihn entführen, dadurch kann aber Caroon fliehen und mordet sich durch London. Die Opfer sind zuerst die Tiere in einem Zoo, dann schlägt das Monster in der Maske des Bürgers auch bei seinen Artgenossen zu.


 Am Ende wird der Zuschauer Zeuge einer grausamen Verwandlung. Brian Donlevy ist überzeugend in der Rolle des reichlich egoistischen Prof. Quatermass.  Richard Woodsworth, der in den besten Momenten an Boris Karloffs Frankenstein-Ungeheuer erinnert, hat eine unvergessene Szene mit einem kleinen Mädchen, dass mit ihrer Puppe spielt. Die Erzählweise ist eher langsam gehalten mit einem hohen Maß an Realismus, man hat stellenweise das Gefühl einer Wochenschau beizuwohnen.

Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Donnerstag, 18. September 2014

Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes





















Regie: Robert Fuest

Vincent Price und die 10 Plagen...

Immer diese grausamen Wettrennen gegen die Zeit in den neuen Horrorfilmen: Das potentielle Opfer hat nur sechs Minuten zur Verfügung, um einen Schlüssel operativ aus dem Körper seines Jungen zu entfernen und damit den Schließmechanismus des Operationstisches zu lösen. Sechs Minuten: die ab sofort ablaufen, denn nach Ablauf dieser nur sehr kurzen Frist wird sich durch eine perfide Vorrichtung an der Decke Säure auf den Tisch ergießen und den Patienten bis zur Unkenntlichkeit verätzen. Hört sich sehr nach Jigsaws "Saw" Methoden an, ist aber schon viel früher gezeigt worden. In Robert Fuests optisch brillanten Brithorror-Classic "Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes" aus dem Jahr 1971 mit dem unvergessenen Vincent Price in einer seiner besten Rollen als unerbittlichem Rächer.
Der fiese Vollstrecker sagt in dem Film kein einziges Wort direkt, sondern nur mittels Mikrophon und Lautsprechern. Wenn Phibes etwas zu sagen hatte, blieb sein Mund geschlossen,  die Bewegungen an der Halsmuskulatur suggerieren dem Zuschauer aber das Gefühl , als würde er sprechen. Völlig schweigsam, mit Ausnahme ihres Todesschreis, bleibt Phibes Assistentin Vulnavia (Virgina North), die die ominöse 10er Mord- und Racheorgie manchmal auf der Geige begleitet oder aber mit ihrem schönen Afghanen Windhund dem Szenario einfach nur als Zuschauerin beiwohnt. Sie fugiert aber in vielen Fällen als todbringede Helfeshelferin.
Dieser Anton Phibes (Vincent Price) , ein virtuoser Orgelspieler, ist seit einem Autounfall im Jahr 1921 grausam entstellt. Aber er lebt - obwohl er offiziell auf dem Friedhof in der Familiengruft seine letzte Ruhestätte beigesestzt sein sollte. Im Jahr 1921 war es als seine geliebte Frau (Caroline Munro) starb. Die Frau wurde ein Opfer von inkompetenten Ärzten und Schwestern, 10 an der Zahl, und nach seinem offiziellen Ableben beginnt der Rächer, der auch Theologie studiert hat, mit seinen detaillierten Pläne, alle 10 Verantwortlichen zu töten. Inspektor Trout (Peter Jeffrey) ist mit dem ersten Fall betraut - ein Mediziner wurde das Opfer eines nächtlichen Fledermausschwarms. 
Die phantasievollen Methoden, mit denen die Ärzteschaft zu Tode kommt, sorgt natürlich für Furore und sehr bald ist klar, dass der Mörder die 10 biblischen Plagen, die Ägypten im Alten Testament widerfuhr, als Inspiration für seine Rache ausgewählt hat.
Der Zuschauer darf sich also neben den Gesichter nagenden Fledermäusen auf Bienen, Froschmasken, Blutentleerung, Eismaschine und Hagel, Ratten im Flugzeug, Messinghörner, Heuschrecken, Finsternis und den Tod des Erstgeborenen freuen. Weniger erfreut ist Dr. Vesalius (Joseph Cotten), dessen Sohn Lem (Sean Bury) in große Gefahr gerät....
 



Robert Fuest hat neben "Das Schreckenskabinett des  Dr. Phibes" noch einen weiteren tollen Klassiker des britischen Horrorfilsm hinterlassen. "And soon the Darkness" entstand 1970 kurz vor den beiden schwarzhumorigen Phibes Filmen und wurde erst vor kurzem durch ein gleichnamiges Remake mit Amber Heard von den Horrorfans wiederentdeckt und gefeiert. Ansonsten bemerkt man in "Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes" auch den Einfluss der britischen Kultserie "Mit Schirm, Charme und Melone" - Fuest hat ind en 60ern einige Folgen dieser grandiosen Agentenserie um Emma Peel und John Steed inszeniert.  Nach den Phibes Filmen wurde es still um Fuest - kein Wunder, da auch sein US-Film "Nachts, wenn die Leichen schreien" damals verheerende bis vernichtende Kritiken erhielt. "Dr Phibes" allerdings ist visuell hervorragend gestaltet und schwelgt in seiner äusserst bemerkenswerten Ausstattung. Darüberhinaus ist das Werk sehr fies und schwarzhumorig. Unvergessene Szenen für mich sind die erdrückende Froschmaske und die Mordszene im Club, bei dem der britische Gentleman nur daran interessiert ist seine Zeitung zu lesen, während Scotland Yard gerade vor seinen Augen einen Toten in der Tür von einem riesigen Messinghorn befreit. Auch die Szene des erfrorenen Arztes in seiner Limousine ist umwerfend gut gestaltet. Für mich ein total empfehlenswerter Klassiker, der in den britschen Elstree Studios gedreht wurde und auch optisch eine klare Verwandtschaft zu den Hammermovies nicht leugnen kann.




Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Her

























Regie: Spike Jonze

Verliebt in die Computerstimme....

 "Her" von Spike Jonze nimmt man erst auf den zweiten Blick als Science Fiction Film wahr, denn die Geschichte, die in einer sehr nahen Zukunft in San Francisco spielt, wirkt doch erschreckend zeitgemäß und real.
In dieser Zukunft ersetzt der Macher von "Beeing John Malkovich" oder "Adaptation" das heute allgegenwärtige Smartphone durch einen kleinen Knopf im Ohr, der über eine künstliche Intelligenz verfügt. Die Menschen gehen genauso gemeinsam wie mit ihrem Handy oder Smartphone durch die Straßen und reden ununterbrochen mit sich selbst und mit dem modernen Artefakt als ständiger Begleiter. Ein gar nicht mehr so ungewöhnlicher Anblick, denn man sieht seine Mitmenschen ja heute schon ständig in Kommunikation mit der Maschine. Auf diesem Weg setzt sich Jonze zusammen mit seinem Publikum kritisch - aber nie pessimistisch - mit der immer schneller voranschreitenden technologischen Entwicklung auseinander.
Möglich sogar, dass für viele Menschen das Mobiltelefon schon lange zur Verlängerung ihres eigenen Körpers und Geistes geworden ist, unverzichtbar und schmerzhaft vermisst, wenn es einmal vergessen wird. Aufbauend auf dieser gesellschaftlichen Entwicklung und den technologischen Fortschritten erzählt der Filmh die Geschichte eines Mannes, der sich in sein Betriebssystem verliebt. In dieser nicht allzu fernen Zukunft wird das individualisierte System "OS 1" eingeführt, das den Nutzer die Möglichkeit gibt, sein Operation System entweder mit männlicher oder weiblicher Stimme zu wählent, Der absolute Knaller ist aber, dass sich der künstlich geschaffene Partner auch über eine sich fortwährend entwickelnde Persönlichkeit auszeichnet. Samantha (im Original gesprochen von Scarlett Johansson) kann genauso wie ein Mensch Freude, Liebe und Eifersucht empfinden, ausserdem zeichnet sie sich als sehr kreativ, intelligent und witzig aus.
Nach seiner gescheiterten Ehe mit Catherine (Rooney Mara) ist der einsame Theodore (Joaquin Phoenix) in einem latent depressivem Zustand. Der Mann verdient senen Lebensunterhalt damit, Briefe zu schreiben. Nicht seine eigenen, sondern er schreibt gemäß Auftrag Briefe für Andere. Theodore ist mit einem großartigen Gespür für die Gefühlswelt anderer ausgestattet, er kann sich in deren Emotionen gut hineinversetzen und bringt diese Gefühle für seine Auftraggeber auf Papier.
Es sind Liebesbekundungen, Geburtstagsgrüße oder Dankeskarten. Die Handschrift seiner Kunden wird durch den Computer virtuell kopiert und beigefüft, der Brief zwar mündlich eingesprochen, jedoch am Ende ganz klassisch ausgedruckt und per Post zu seinem Adressaten geliefert. Damit tauchen schon bei seiner Tätigkeit Fragen der Zukunft auf, denn was ist Wahrheit und Lüge, Authentizität und Illusionf. Theodores Briefe sind zwar gefühlvoll und berührend, aber da sie nicht vom Auftraggeber selbst geschrieben wurden, fehlt da auch diese Echtheit. Und damit gelangt man zum Thema des Films, denn die zunehmend intimer werdende Beziehung zu Samantha gibt ihm zwar die menschlichen Freuden der Gemeinsamkeit zurück, aber hat diese Liebe zwischen Mensch und Computer tatsächlich eine Zukunft. Die besten Szenen des Films zeigen diese Integration der OS in die moderne Welt des Menschen. Theodores Bekannte Amy (Amy Adams), die sich auch von ihrem Mann (Matt Letscher) getrennt hat, hat in der Folgezeit ebenfalls eine virtuelle Freundin. Und Theodores Arbeitskollege Paul (Chris Pratt) sowie dessen Freundin laden Theodore samt OS zu einem Picknick am Wochenende ein. Dieser stellt natürlich die Beziehung immer mehr in Frage, aber die realen Dates (Olivia Wilde) erweisen sich trotz guter Attraktivität und köperlicher Anziehung als Mißerfolg auf ganzer Linie.


"Her" ist tatsächlich ein sehr interessanter "Jetzt schon Klassiker" des Genres. Denn als Glücksgriff erweist sich die Dynamik der Lovestory, die nach überschwänglicher Verliebtheit - ganz wie in den normalen Beziehungen - in eine Krise und schliesslich in die Entfremdung mündet. Dies alles hat Spike Jonze meisterhaft dargeboten.
Es geht dabei um die Beschaffenheit unserer Gefühle, die stellt der Filmemacher auf den Prüfstand. Was sind wahre Emotionen. Was macht eine Beziehung aus ? Was ist das...Liebe ?
Wenn ich die diesjährige Oscarverleihung und die nominierten Kandidaten so ansehe, dann imponierte mir neben Alexander Paynes "Nebraska" diese kleine Zukunftsschau am meisten. Honoriert wurde dann das Beste Originaldrehbuch, das Jonze selbst schrieb. Ebenso gabs Nominierungen als Bester Film, Bestes Szenebild, Beste Filmmusik und den besten Filmsong. "Her" ist anspruchsvolle Unterhaltung mit Tiefgang und guten Darstellerleistungen.



Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Montag, 15. September 2014

Splice

























Regie: Vincenzo Natali

Die Kreatur, die wir schufen...

Vincenzo Natali ist ein interessanter Regisseur des Horrorgenres. Seinen Durchbruch schaffte er mit dem bereits zum Klassiker avancierten "Cube", es folgte der vielschichte "Cypher", der Horrrorelemente mit dem Agententhriller verband. Sein neuer Film heißt "Haunter" und bringt neue Facetten in das Geisterhaus-Genre. 2009 drehte er mit "Splice" eine fulminante und auch tragische B-Picture Version über das (über)lebende Produkt von zwei Gentechniker.
"Splice" erzählt die Geschichte des Wissenschaftlerduos Clive Nicoli (Adrien Brody) und Elsa Kast (Sarah Polley), die auch privat ein Paar sind, Die beiden hoffen darauf durch das Spleißen von tierischen Erbgut neue Lebewesen zu schaffen
. Tatsächlich können zwei überdomensionale Würmer am Leben erhalten werden. Der Arbeitgeber, ein Pharmakonzern, erhofft sich von den Ergebnissen ihrer Arbeit großen Nutzen für die medizinische Forschung und natürlich ne Menge Geld. Gleichzeitig erzeugen die beiden Wissenschaftler heimlich, vor allem Elsa, in den Labors des Konzerns ein Mischwesen aus menschlicher und tierischer DNa, um durch die neue DNA eine Vielzahl von Krankheiten heilen zu können.
Doch das Leben der Kreatur hängt von Anfang an an einem seidenen Faden, zumal Schöpfer Clive das Wesen am liebsten wieder töten will. Doch unter Elsas Schutz und Mutterinstikt wächst die Kreatur, die weiblich ist, versteckt von der Aussenwelt im Keller des Instituts auf. Als dieses Domizil zu eng und gefärhlich wird, zieht das Paar mit der inzwischen pubertierenden Dren (Delphine Chanéac) auf eine Farm, die Elsas verstorbenener Mutter gehörte. Das Wesen entwickelt sich rasend schnell und sieht nach kurzer Zeit einer erwachsenen menschlichen Frau sehr ähnlich, hat aber auch Giftdrüsen, einen Schwanz mit Stachel an der Spitze, Flügel und amphibische Lungen und vor allem Launen und Gefühle...



 Natali orientiert sich sehr stark an den Klassikern dieser Sparte und es geling ihm sehr schnell für seine Kreatur Mitleid zu schaffen, die möglicherweise auch deshalb so unberechenbar wurde, weil sie seit ihrer Geburt von den Launen ihrer Macher, dem Menschen, abhängig war. Mehrfach wurde versucht ihr das Licht auszublasen - alles keine guten Voraussetzungen für eine gemeinsame Zukunft zwischen Mischwesen und Mensch. Die Geschichte ist natürlich alles andere als Neu, aber Natalis Neuinterpretation des alten Gruselstoffes über experimentierende Wissenschaftler, die keine Grenzen kennen, macht Spass und hat den gewissen Cronenberg-Touch, also viel Bodyhorror gibts zu Bestaunen. Der Showdown ist vielleicht zu ausufernd, aber insgesamt ein guter Genrevertreter.



Bewertung: 7,5 von 10 Punkten.