Montag, 15. September 2014

Die unglaubliche Geschichte des Mr. C




















Regie: Jack Arnold

Mein Leben als Däumling...

Jack Arnold hat einige wichtige Kultfilme im Horror und Science Fiction Bereich gedreht. Er präsentierte dem Zuschauer mutierte Riesenspinnen in "Tarantula", Kiemenmonster in "Der Schrecken vom Amazonas", Fliegende Untertassen in "Gefahr aus dem Weltall" und Mad Scientists in "Der Schrecken schleicht durch die Nacht".
Sein vielleicht bester Film ist aber der 1957 entstandene "Die unglaubliche Geschichte des Mr. C" - eine Geschichte über einen Mann, der langsam schrumpft und immer kleiner und kleiner wird. Dieser Mann heißt Scott Carey (Förder Williams),  ist ein junger erfolgreicher Geschäftsmann, der mit seiner Frau Louise (Randy Stuart) auf einem Boot vor der Küste von Kalifornien seinen Kurzurlaub genießt. Wenn er Louise nicht dazu überredet hätte ihm ein Bier zu holen und die kurzfristig unter Deck geht, dann wäre sie es vermutlich gewesen, die diese große, seltsame Wolke am Horizont gesehen hätte. Diese Wolke kommt nun aber immer näher auf Scott zu und wandert dann weiter. Als Louise wieder hoch kommt, ist der Spuk schon vorüber - lediglich hat sich auf Scotts Haut etwas Staub der Wolke abgesetzt. Louise ist zwar etwas beunruhigt, aber im Alltag vergisst das junge Paar das seltsame Erlebnis auch schnell wieder. Erst ca. 1/2 Jahr später bemerkt Scott, der normalerweise 1,85 cm groß und 190 Pfund schwer ist, dass er abgenommen hat und vor allen Dingen kleiner geworden ist. Aber noch sieht sein Arzt Dr. Bramson (William Schallert) bei 4 verlorenen Zentimetern keinen Handlungsbedarf.
Der einzige der besorgt bleibt ist Scott selbst. Er geht auch weiterhin zum Arzt und nach mehreren Ergebnissen kommt man durch die Röntgen-Aufnahmen tatsächlich zum Schluß, dass Scott immer kleiner wird. Es wird aber kein Grund dafür gefunden. Erst da fällt Scott die Begegnung mit dieser Wolke wieder ein.
Nach einem anfänglichen Hoffnungsschimmer gehts rapide bergab. Mit seiner Statur schrumpft auch sein Selbstbewusstsein und seine emotionale Ausgeglichenheit, in der Ehe häufen sich die Anspannungen. So gut es geht schreibt Scott an seiner Autobiographie, während sein Haus von Reportern belagert wird. Nur kurz kann ihn die Liliputanerin Clarisse (April Kent) etwas aufbauen und ihm neuen Lebensmut einflößen. Bald jedoch ist Scott kaum noch größer als ein Spielzeug. Ein Puppenhaus wird seine neue Heimat.  Er kann nur noch schreiend mit Louise kommunizieren und verfällt zunehmend in Agonie. Als Louise eines Tages das Haus verlässt, kommt es zu einer für Scott fast tödlichen Verfolgung durch seine geliebte Katze, für die er inzwischen zu einem nahrhaften Happen wie eine Maus geworden ist. Scott stürzt auf der Flucht die Kellertreppe herab und bleibt für seine Frau fortan verschollen. Während Louise glaubt, dass Scott von der Katze gefressen wurde, richtet der Zwerg im Keller ein neues Leben ein. Doch der Hunger plagt ihn und es lauert da unten auch ein Feind. Eine Spinne, die ebenfalls auf der Suche nach Nahrung ist...


 Besonders die Sequenzen im Keller sind sehr gut gelungen. Da wird eine Mausefalle zur echten Gefahr und Herausforderung. Eine Streichholzschachtel zum neuen Dominzil, dass etwas Sicherheit in einer feindlichen Umgebung bietet. Nadeln und Bleistifte werden zu Waffen, aber die Gefahren lauern überall und bald muss sich Scott seinem Kampf des Lebens stellen, um in dieser Umgebung überleben zu können. Am Ende steht eine Veränderung seiner Sichtweise und er verzweifelt nicht mehr an seiner aussichtslosen Lage, sondern erkennt auch einen tieferen Sinn in seiner neuen Daseinsform. Am Ende von Jack Arnolds famosem Klassiker, der ein optimaler Mitternachts-Grusler der alten Schule ist, steht die Vielfalt der Schöpfung im Mittelpunkt und der Verweis seine Position auch einmal zu verändern, weil jedes Leben Wert besitzt. Auch das Leben im Mikrokosmos.



Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Sonntag, 14. September 2014

The Quiet Ones


























Regie: John Pogue

Das paranormale Experiment...

Hurra, es lebe der "Hammer Horror". Nach "Wake Wood", "The Resident", "Let me in", "Die Frau in Schwarz" kommt mit "The Quiet Ones" der fünfte neue Horrorfilm aus der legendären britischen Horrorschmiede der Hammer Film Productions. Und das Versprechen Filme herauszubringen, die sowohl das Genre mit "old School" vertreten, als auch anspruchsvollen Stoffen eine Chance zu geben, wurde mit diesem Retro Parapsychologen-Grusler wieder eingehalten. Inspiriert wurde die Geschichte, die im England der frühen 70er Jahre spielt vom Philip-Experiment, dass 1972 in Toronto stattfand. Gedreht wurde der Poltergeist-Schocker von John Pogue, der bereits "Quarantäne 2" realisierte und jetzt aber einen bedeutend besseren Film gemacht hat. Die Geschichte beginnt in England, Mitte der 70er Jahre. Auch an den Universitäten des Landes sind die Themen "Parapsychologie" oder "Telekinese" gerade im Trend, so auch im altehrwürdigen Oxford. Dort sorgt der charismatische Professor Joseph Coupland (Jared Harris) mit seinen ausgefallenen Theorien zu Geisteskrankheiten und paranormalen Aktivitäten für Furore unter den Kollegen und Studenten. Er vertritt dabei vehement den Standpunkt, dass alles Übernatürliche nur eine Manifestation des Geistes des entsprechenden Patienten ist. Seiner Meinung nach ist es auch möglich, diese geistige Störung in eine Körperliche Form umzuwandeln und aus dem Patienten zu entfernen. Der unorthodoxe Coupland, der bereits den kleinen kranken Jungen David Q (Max Pirkis) behandelt hat, der glaubte, dass eine von ihm erfundene imaginäre Figur für die telekinetischen Verwüstungen verantworlich sein,  nutzt geheimnisvolle und kontroverse Methoden, um mit seinen besten Studenten Kristina Dalton (Erin Richards) und Harry Abrams (Rory Fleck-Byrne) ein gefährliches Experiment durchzuführen.  Die Erschaffung eines echten Poltergeistes, denn nach seiner Theorie nach basieren ja die paranormalen Aktivitäten auf der Grundlage negativer menschlicher Energie. Ganz wichtiger Mann im Team ist der junge Kameramann Brian McNeil (Sam Clavlin), der das Experiment festhalten soll. Das zentrale Forschungsobjekt ist Jane Harper (Olivia Cook), ein junges Mädchen, dessen Seele von einem Geist in Besitz genommen worden zu sein scheint. Nachdem die Probantin in der Anfangsphase des Projekts sehr oft herumschreit, verlegt man das Experiment von der Stadt aufs Land. Dort in der ruhigen Idylle lässt sich viel besser ein Poltergeist schaffen...


oder was auch immer beim Experiment herauskommt. In John Pogues Film stellt sich also die Frage, ob Janes erschaffene Figur Evey ein eigener Gedankenhorror des kranken Menschen ist (wie der rational agierende Wissenschaftler vermutet) oder ob es tatsächlich Geister gibt, die von aussen nach innen dringen. Eine interessante Fragestellung, die in einem recht ruhigen, aber durchaus interessanten Horrorbeitrag aufkommt. Wer durch die schnellen Schnitte und blutigen Exzesse des modernen Horrorfilms noch nicht ganz abgestumpft ist, der könnte durchaus Gefallen finden an diesem bedächtigen und psychologisch interessanten Grusler der alten Schule. Passend dazu natürlich der Retrolook der 70er Jahre mit Songs von Slade oder T. Rex. Zum Teil verwendete der Macher auch Found Footage Elemente, was aber hier gut passt, denn Student Brian filmt ja mit. Insgesamt ein feiner kleiner Gruselschocker, der Lust auf wietere Hammer Movies macht.


Bewertung: 7 von 10 Punkten.

Der Fluch der Mumie

























Regie: John Gilling

Prem, der Beschützer...

Nach dem klassischen und grandios fotografierten "Die Rache der Pharaonen" von 1959 (Regie: Terence Fisher) und seinem Nachfolger "Die Rache des Pharao" von 1964 (Regie: Michael Carreras) ist der 1967 realisierte "Der Fluch der Mumie" der dritte Film in Hammers "Mullbinden-Quartett". 1971 folgte noch "Das Grab der blutigen Mumie" (Regie: Seth Holt, Michael Carreras), der es allerdings nicht mehr in die deutschen Lichtspielhäuser schaffte und seine Erstaufführung hierzulande im Fernsehen erlebte.
"Der Fluch der Mumie" ist ein Film von John Gilling, der vor allem durch das Design der Mumie etwas aus dem Rahmen fällt. Man oriertierte sich dabei an den Austellungsstücken im berühmten "Raum 60" der ägyptischen Abteilung des britischen Museums. Es war der 7. Film von John Gilling für die Hammer Studios, seine bekanntesten dürften wohl "Nächte des Grauens" und "Das schwarze Reptil" sein. Die Morde, die die Mumie begeht, sind zwar phantasievoll gestaltet, doch reichlich harmlos und auch wenig gruselig. So liegt die Stärke des Films vor allem im optischen Bereich und Michael Ripper, der in insgesamt 34 Hammer Filmen mitspielte, ist hier in der Rolle des unterwürfigen Sekretärs Longbarrow zu sehen.
Im Film geht es um die Entdeckung des Grabes des Kindkönigs Kah-To Bey (Tootise Persaud), der sowohl seine Mutter (Toni Gilpin) als auch seinen Vater, den Pharao (Bruno Barnabe) durch das Komplott des Onkels verliert und mit seinem treuen Wächter Prem (Dickie Owen) in die Wüste flieht. Dort stirbt er auch, etwas später verliert auch Prem sein Leben. Während der mumifizierte Leichnam von Prem (Eddie Powell) bereits seit Jahren in einem Museum in Kairo zu bewundern ist, fehlte jedoch bisher jede Spur vom Körper des jungen Pharao. 1920 entdeckt die archäologische Expedition von Sir Basil Walden (Andre Morell) das wahre Grab. Es herrscht große Vorfreude - doch wie in jedem guten Mumienfilm werden die Expeditionsteilnehmer vor dem Öffnen der Grabkammer von einem Einheimischen (in unserem Fall von Hasmid, gespielt von Roger Delgado) gewarnt, weil das Öffnen des Grabs für den fremden Eindringling meist Tod und Verderben bedeutet. Und das geht dann auch schon an der Grabkammer los, indem Sir Basil von einer Schlage gebissen wird. In Gefahr sind nun der arrogante Stanley Preston (John Phillpps), dessen Sohn Paul (David Buck) sowie die Expeditionsmitglieder Claire de Sangre (Maggie Kimberley) oder Harry Newton (Tim Barrett). Als das Leichentuch verschwindet, auf dem magische Beschwörungsformeln stehen, passieren auch schon die ersten Morde. Inspektor Barrani (Richare Warner) hat es mit einem kniffligen Fall zu tun, denn auch die Mumie von Prem verschwindet aus dem Museum....



 "Der Fluch der Mumie" war der letzte Hammerfilm, der in den Bray Studios hergestellt wurde. Spätere Filme wurden in den Elstree Studios oder in den Pinewood Studios gedreht. Optisch wie immer sehr hübsch gemacht und als nostalgischer Happen eine gute Wahl für einen gemütilichen Horrorfilmabend, bei dem auch jüngere Zuschauer zuschauen könnten.
Storytechnisch unterscheiden sich die vier Hammer Filme über Mumien nicht sehr stark voneinander, steht doch immer das Öffnen einer alten Grabkammer und die Erfüllung eines damit verbundenen Fluches im Mittelpunkt. Darüberhinaus ist auch die Figur des Stanley Preston interessant, der Geld und Macht inne hat, aber auch über Leichen geht und um dessen Ehe mit seiner Frau (Elzabeth Sellars) es eher schlecht steht, weil man sich nach 26 Jahren nicht mehr viel zu sagen hat.



Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

Montag, 8. September 2014

Witching & Bitching

























Regie: Alex de la Iglesia

Die Hexen von Zugarramurdi...

Alex de la Iglesia stammt aus Bilbao und gilt zu Recht als Spaniens schrillster Regisseur. Auf sein Konto gehen skurrile Werke wie "El Dia de la Bestia" und "La Comuniadad". In letzterem Film spielt Carmen Maura, die durch die 80er Jahre Werke von Pedro Almodovar bekannt wurde, eine Maklerin die eine Menge Schotter in einer Wohnung findet. Der schwarzhumorige Thriller wurde mit großen Vorbildern von Polanski und Hitchcock verglichen. Es folgten "Ein ferpektes Verbrechen" und "The Oxford Murders". Mit "Mad Circus" entstand 2010 sein bislang ambitioniertester Film um zwei sich bis in den Tod bekämpfende Clowns. Der Film, dessen Geschichte von 1973 bis weit in die 70er Jahre reicht, wird zu seinem Ende hin reichlich maßlos, was aber auch seinen einzigartigen Reiz ausmacht. Das Werk wurde mit den Filmen von Rodriquez und Tarantino verglichen. Die zum Finale hin immer stärkere Energie und überzeichnete Szenerie ist auch in seinem neuen Film "Witching & Bitching" Programm. Dadurch wird diese Horrorkomödie zu einem ultimativen Partyfilm, rein oberflächlich könnte man von einer sehr europäischen Variante des Klassikers "From Dusk til Dawn" sprechen. Im Original heißt der Streifen "Las Brujas de Zugarramurdi" und nimmt damit auch schon Bezug auf den Ort, in dem der Hauptpart des Films spielt. 
Aufgrund der geschichtlichen Umstände wird der kleine Ort im westlichen Teil der Pyrenäen, oberhalb vom Baztan Tal und nahe der französischen Grenze als Hexendorf bezeichnet. Das Dorf wird dabei mit dem Prozess der Inquisitio  in Verbindung gebracht, demzufolge im Mittelalter rund dreißig Anwohner des Ortes hingerichtet oder erbarmungslos bestraft wurden. Zum einen begünstigte die isolierte Lage im Norden Navarras die Theorien der Teufelanbetung und die Nutzung von Naturheilmitteln, die immer auch als Hexerei interpretiert wurden. Und hier in Iglesias Film leben dort auch Hexen. Die Oberhexen sind Oma Martitxu (Terele Pavez), Mutti  Graciana Barrenetxea(Carmen Maura) und Töchterchen Eva (Carolina Bang). Aber natürlich brauchen sie für ein wahnwitziges Ritual, bei dem die Mutter aller Hexen (also Gott höchstpersönlich)  zum Leben erweckt werden soll. Dazu brauchen sie aber ein paar männliche Touristentrottel und die kommen auch. Aber zuerst muss Jose (Hugo Silva) ein von Silvia (Macarena Gomez) geschiedener Vater eine Bank ausrauben. Dies tut er nur, damit er weiterhin mit seinem geliebten Sohn Sergio (Gabriel Delgado) zusammen sein kann und auch mal mit ihm nach Disneyland Paris fahren kann, so wie er es als guter Vater auch versprochen hat. Kumpane ist Tony (Mario Casas), auf den ersten Blick ein Frauenheld, der aber Angst hat vor dem starken weiblichen Geschlecht. Beide haben etwas gemeinsam: Sie sind derzeit arbeitslos und was liegt als näher als die derzeit wirtschaftlichen Probleme damit zu lösen ein Ding zu drehen. So überfallen sie mit einigen Handlangern als Straßenkünstler getarnt einen Juwelier in Madrid. As Jesus, als Soldat, als Spongebob, als Minnie Mouse und als Unsichtbarer erbeuten sie dabei 25.000 Goldringe. Ausser Jesus, dem Soldaten und dem Kind, dass mitgemacht hat (der kleine Sergio) werden alle geschnappt, während die Flüchtenden in einem Taxi von Tony (Jaime Ordonez) in Richtung Norden unterwegs sind. Dicht auf ihren Fersen die beiden etwas tölpelhaft agierenden Bullen Pacheco (Secun de la Rosa) und Calvo (Ppon Nieto), die dem Wagen der aufgebrachten Mutter Silva folgen. Alle Wegen führen da natürlich ins Verderben, in das idyllische Hexenörtchen Zugaramurdi...



Iglesias startet mit dem Überfall richtig fulminant und die ersten Minuten begeistern durch volles Tempo. Danach wird es etwas ruhiger und die männlichen Figuren im Taxi werden besser vorgestellt. Als Zwischenstopp kommen sie kurz vor dem Hexenort an einem fiesen Gasthaus vorbei, dort ist nicht nur die Toilette schrecklich. Bis es mit voller Frauenpower dem schwachen Männergeschlecht an den Kragen geht. Carmen Maura hat sichtlich Spass an der Rolle als Oberhexe. Es ist aber vor allem der riesige Einfallsreichtum des Filmemachers, der diesen Film zu etwas ganz Speziellem macht. Die Detailfreude und die kleinen fiesen Widerhaken, die er in seinen Bildern setzt. Ein Woweffekt der ganz besonderen Art ist dabei die Gottheit, die erweckt wird. Eine ekligere Hexe hat man selten gesehen. Es kommt auch in dem Hexenszenario ab und zu eine Erinnerung an Nicholas Roegs "Hexen hexen" auf, der ebenfalls von einem üppigen Hexenbankett erzählt.
Natürlich ist dieser schrille Genremix nicht jedermanns Sache. Denn vor allem der Höhepunkt, der an eine Inquisition erinnert, wird so genüsslich zelebriert, dass er irgendwie dann doch zu überzogen in Richtung Trashgranate abdriftet. Dennoch ist das Feuerwerk der aberwitzigen Ideen, die Iglesias vorher bot, so stilvoll dargeboten, dass beste Unterhaltung bestehen bleibt. Der Film endet mit einem Augenzwinkern, rückblickend auf eine sehr temporeiche Achterbahnfahrt. Am Ende ist man sogar etwas an "Delicatessen" erinnert, aber auch die schrille "Adams Family" kommt in den Sinn. Kein Wunder bei diesen wilden Horror Cocktail, der da mit schrillen Ideen und sonderbaren Figuren geboten wurde.



Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Sonntag, 7. September 2014

The Borderlands

























Regie: Elliot Goldner

Auf heidnischem Grund...

Auch wenn sich im Found Footage Genre alles irgendwie wiederholt, ich hab dennoch eine kleine Schwäche für diese Filme, die seit "Blair Witch Project" einen festen Platz im Bereich des Horrorfilms einnehmen. Dabei orientierten sich die "Blair Witch" Macher Daniel Myrick und Eduardo Sánchez sicherlich auch am umstrittenen "Cannibal Holocaust" von Ruggero Deodato. Es entstanden Filme wie "Rec", "Noroi" "Cloverfield", "District 9" oder "Paranormal Actifiy", die sicherlich zu den neuen Klassikern des Genres gezählt werden. Interessant waren auch "The Bay", "Trollhunter", "Der letzte Exorzismus", "Chronicle" oder "Devils Pass", die alle ihre Momente hatten und stellenweise für guten Grusel sorgten. Von "The Borderlands", einem englischen Vertreter, habe ich gar nicht viel erwartet. Umso überraschter war ich, dass sich der Film von Elliot Goldner in seiner Gesamtheit ein kleines Meisterwerk zeigt mit dem richtigen Gespür für eine extrem beklemmende und unerklärliche Situation. Im Grunde brauchte der Macher nicht viel und am Ende kommen doch so tolle Klassiker wie "The Wicker Man" oder "The Witches" aus den Hammer Productions in den Sinn. Die Handlung läuft recht karg ab. Es zeigt ein vom Vatikam beauftragtes Forscherteam, dass im nordenglischen Hinterland einen mysteriösen Vorfall in einer Kirchengemeinde untersuchen soll. In dieser besagten Kapelle kam es zu merkwürdigen Vorfällen. Nachdem bei einer Taufe eines Babys mysteriöse Dinge geschahen, entstendet die katholische Kirche eine Untersuchungskommission. Techniker Gray (Robin Hill) ist als erstes Teammitglied vor Ort und ihm obliegt die Aufgabe der Kamera und der Technik. Deacon (Gordon Kennedy) hat schon viele Erfahrung auf dem Gebiet der parnormalen Phänomene gemacht und bei seinem letzten Einsatz gabs Tote. Er trinkt mehr als er als Geistlicher dürfte und hat vor dieses angebliche Wunder als Humbug zu entlarven. So jedenfalls fällt sein erster Eindruck aus, den er von dem dortigen Geistlichen Vater Crellick (Luke Neal) hat. Tatsächlich wirkt der junge Priester auch reichlich sonderbar. Nur gut, dass mit dem Geistlichen Mark (Aidan McArdle) noch ein drittes Teammitglied auftaucht, der möglicherweise zu anderem Schluß kommt. Doch schnell sind sich Mark und Deacon einig, dass da nichts Göttliches in dieser Kirche passiert, sondern alles von Menschenhand manipuliert wurde. Verdächtig für die beiden erscheint der möglicherweise psychisch kranke Pfarrer, der die Vorfälle selbst inszeniert haben könnte. Um sicherzugehen, statten sie allerdings jeden Winkel der Kapelle mit modernster Überwachungstechnik aus und legen sich anschließend auf die Lauer. Lange müssen sie nicht warten, bis sie erkennen, dass in den Eingeweiden der Kirche tatsächlich das Böse erwacht und ein wahnsinniges Inferno ausbricht. Mit Vater Calvino (Patrick Godfrey) kommt ein vierter Mann aus Rom hinzu...

Der Regisseur zeigt uns eine Art englisches Nirgendwo, weit weg von der städtischen Zivilisation. In dieser Abgeschiedenheit, wo Eigenbrötler und Einheimische zuhause sind, kommt es in seinem leicht abseits gelegenen Gotteshaus zu seltsamen Zwischenfällen. Es hört sich so an, als käme aus den Wänden des Gotteshauses Babygeschrei. Das Ermittlerteam geht recht nüchtern mit ihrer Aufgabe um, aber Deacon ist es, der sich dann mit den eigenen Schlußfolgerungen nicht mehr zufrieden gibt und noch einmal zu recherchieren beginnt. “Borderlands“ folgt eigentlich sehr stark dem “Blair Witch Project“-Raster, allerdings mit stark britischen Einschlag. Immer wieder wird die Arbeit des Teams durch sonderbare Ereignisse unterbrochen. Ein Schaf wird vor dem Haus des Teams verbrannt. Eine Gruppe Dorfjugendlicher imitiert das Meckern eines Ziegenbocks. Ist der Teufel kein Unbekannter in diesem abgelegenen Ort ? Ein altes Tagebuch erzählt von einem Waisenhaus und einer uralten Macht, dargestellt durch ein seltsames Symbol, die möglicherweise unter der Kirche haust. Am Ende wirds dann richtig unangenehm und klaustrophobisch. Nicht immer ist der Mensch gut beraten, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen. Die Geschichte fasziniert irgendwo und man bleibt gebannt dabei. Natürlich wartet man auf die Auflösung welche heidnische Mächte hier präsent sind. Die beiden ungleichen Partner Gray und Deacon sind gut getroffen in ihren Gegensätzen: Da ist der etwas vorlaute Gray, zwar unreligiös, aber irgendwie doch offen für Unerklärliches. Deacon hingegen ist zwar tief im christlichen Glauben verwurzelt, doch er ist auch ein Skeptiker, der hinter jedem Wunder Manipulation vermutet und damit meist recht behält. Seine Aggression ist schliesslich die Triebfeder den Dingen auf den Grund gehen zu wollen. Diese beiden treiben den Film voran, auch wenn dann mit den dunklen Einstellungen in der Kirche der echte Horror ganz langsam kommt und man immer mehr im Wohnzimmersessel zu frösteln beginnt.


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Samstag, 6. September 2014

Rigor Mortis - Leichenstarre

























Regie: Juno Mak

Das fast verlassene Gebäude, in dem auch Geister wohnen...

Juno Mak ist der Regisseur des Hong Kong Horrorfilms "Rigor Mortis" (Leichenstarre) und er verlässt sich in seinem Debüt ganz auf das extrem beeindruckende Design seines Filmes, der durchgehend in einem alten, heruntergekommenen Wohnkomplex spielt. Diese leeren Gänge, durch die eine obdachlose Mutter (Kara Hui) mit ihrem albinohaften Jungen streift und wo auch schon mal eine Geisterprozession stattfindet, verursachen dem Zuschauer tatsächlich Unbehagen. Das verwitterte, früher vielleicht einmal moderne, heute zu einem verfallenen, grauen Betonklotz verkommene Gebäude, ist unheimlicher ist als so manches Gruselschloss. Zudem besitzt der Jungregiesseur ein Talent dafür, eine morbid-bedrohliche Stimmung zu zaubern. Die Geschichte beginnt mit dem Einzug des abgehalfterten Schauspielers Chin Siu Ho (Chin Siu Ho), der dort eine Mietswohnung bezieht. Es ist eine ruhige Gegend und sie eignet sich sehr den schon länger gehegten Suizidgedanken in die Tat umzusetzen. Der früher begehrte Akteur will sich hier das Leben nehmen. Das Seil zur Decke ist schon geknüpft, odch während er im Zimmer baumelt, plagen ihn gespenstische Visionen von den Geistern dort verstorbener Zwillingsschwestern, die seinen Körper besetzen möchten. In letzter Sekunde wird er von seinem Nachbarn Yau (Anthony Chan Yau) gerettet. Dieser war in früheren Zeiten ein großer Vampirjäger, docch da die Vampire immer seltener wurden und nun schon beinahe ausgestorben sind, ist auch seine große Zeit vorbei. Heute verdient er sich sich seine Brötchen mit einem Restaurant, dass er im Wohnkomplex betreibt. In dieser Kneipe treffen sich die Bewohner gerne, so auch der Schwarzmagier Gau (Chung Faat) und das Ehepaar Onkel Tung (Richard Ng) und Tante Mui (pau Hei-ching).  Tung verunglückt einige Tage später durch einen Treppensturz und verstirbt, seine Witwe kann aber nicht loslassen und bittet daher den Schwarzmagier ihren Mann wieder zum Leben zu erwecken. Das geht natrülich nicht ohne Haken...denn ein Leben nach dem Tod bedeutet auch Vampir zu sein. So wird Vampirjäger Yau sein Klebereis gegen die Blutsauger wieder zum Einsatz bringen...



Visuell ist "Rigor Mortis" ein absolut betörender Film. Kühle Bilder werden entworfen, das Produktionsdesign ist mehr als beeindruckend. Es gelingt dem Macher durchaus eine geisterhafte Atmosphäre herzustellen, die eine morbide Stimmung von Tod und Trauer verstärken. "Rigor Mortis" ist ein sehr anspruchsvoller Genrefilm, der nicht jedem Horrorfan gefallen wird, da die Story einerseits schwer zu greifen ist, andererseits das Tempo des Films doch sehr ruhig abläuft. Neben diesen ruhigen Einstellung gibts aber durchaus einige grausame Szenen und sogar Kämpfe, denn in China wird auch gegen Geister und Vampire natürlich Kung Fu, Karate oder andere Kampfsportarten eingesetzt. So ist "Rigor Mortis" auch ein Geisterfilm mit Martial Arts-Einlagen. Statt Knoblauch arbeitet der Vampirjäger mit Klebreis. 
Wer den Vampirfilm "Durst" aus Südkorea gut fande, der wird auch diesen Film mit seiner melancholischen Grundstimmung und komplexer Gestaltung sehr interessant finden. Wer Horrorfilme mag, die mit einer unglaublichen Bildgewalt daherkommen, der wird an diesem atmosphärisch dichten Asia-Schocker seine Freude haben.



Bewertung: 8 von 10 Punkten.

House

























Regie:. Steve Miner

Ein Gruselhaus aus den 80s...

Wenn der Pizzaboy (James Calvert) zweimal klingelt...und keiner öffnet. Dabei wirkt das Häuschen von Tante Elisabeth (Susan French) schon etwas geisterhaft. Der Schreck ist groß als der Junge die Hausherrin im ersten Stock erhängt vorfindet. Und schon ist der Zuschauer mittendrin in "House" - einer amüsanten Horrorkomödie aus dem Jahr 1986 und wie in jedem guten alten Horrormovie der 80s mit jeder Menge stimmungsvollem Zeitkolorit versehen. Regie führte Steve Miner. Für Kenner kein Unbekannter, denn auf sein Konto gehen Horrortrashies wie "Lake Placid", "Freitag, der 13te - Jason kehrt zurück", "Und wieder ist Freitag, der 13te", "Halloween H20".
Held der Story ist Carries Date für den Schulabschlußball. Ja genau...Tommy Ross aus dem legendären Brian de Palma Film ist wieder da. Hier spielt William Katt - natürlich ein Jahrzehnt älter - den bekannten Horrorschriftsteller Roger Cobb, dessen beste Zeit wahrscheinlich schon vorbei ist. Vor einem Jahr verschwand sein kleiner Sohn im Haus seiner Tante Elisabeth spurlos und tauchte bis heute nicht mehr auf. Roger glaubt immer noch, dass das Kind lebt. Die Ehe mit Sandy (Kay Lenz) ging aber in die Brüche und nun hält er sich so gut wie es geht mit Autogrammstunden für seine vielen Fans über Wasser. Aber er plant immerhin ein neues Buch...diesmal kein Horror, sondern er will über seine traumatische Zeit in Vietnam schreiben. Dort war er in einer Einheit mit dem durchgeknallten Kameraden Big Ben (Richad Moll). Der Tod seiner Tante hat damit auch was gutes, denn er kann in der Abgeschiedenheit dieses schönen viktorianischen Hauses Ruhe und Inspriation für seinen Roman finden. Doch schon in der ersten Nacht erscheint ihm die tote Tante, die ihm besorgt mitteilt, dass es im Haus von Geistern nur so wimmelt. Da sich auch die Indizien mehren, dass der kleine Sohn im Haus von den Geistern versteckt wird, bleibt Roger natürlich am Ball. Immerhin kann er auf die Unterstützung des Nachbarns Harold Gorton (George Wendt) hoffen...


Der Macher von "Freitag, der 13te" Sean S. Cunningham ist bei diesem Film als Produzent tätig und überliess seinem Freund Steve Miner die Rolle des Regisseurs.  . Die Effekte sind recht nett, stellenweise ganz putzig aber auch nicht wirklich atemberaubend. Blut fließt praktisch gar keines, es würde auch gar nicht passen.
Dafür gibts aber reichlich Monster im Wandschrank, ausgestopfte Fische die zum Leben erwachen und fliegende Äxte, der Film wartet mit allem auf, was in einen Spukhaus der 80er Jahre vorkommen muss und in den Spukhausfilmen neueren Datums fehlt. Die Vietnam Sequenzen wirken zwar reichlich albern, sind aber für den Verlauf der Geschichte von Bedeutung.  Der Film kann mit einigen wirklich guten Gags glänzen, was ihn wirklich unterhaltsam macht. Alles in Allem ist der Film ein netter Gruselspaß.


Bewertung: 6 von 10 Punkten.