Mittwoch, 9. Juli 2014

Dracula (1931)




Regie: Tod Browning

Der amerikanische Nosferatu...

Bram Stokers Horror-Roman "Dracula" erschien 1897 und wurde sehr schnell zum Welterfolg. Es war die Geschichte eines über 400 Jahre alten transylvanischen Vampirs, der auf die historische Gestalt des Vlad Tepes (Vlad, der Pfähler) zurückgeht, der von 1431 bis 1476 lebte. Graf Dracula lebt in Transilvanien und hat aber vor nach London, in die verwahrloste und leerstehende Carfax Abtei zu ziehen. Die ersten Szenen des 1931 entstandenen Universal Welterfolgs "Dracula" von Regisseur Tod Browning zeigt eine Kutsche, in der sich mehrere Reisende über Vampire unterhalten. Doch der englische Makler Renfield (Dwight Frye) glaubt nicht an diese Märchen der einfachen Leute. Am Gasthof angekommen soll die Reise weitergehen - denn um Mitternacht ist er dort oben am Borgo Pass mit einem Grafen Dracula verabredet. Der Wirt, die Kutscher und alle anderen Leute, die diese selbstmörderische Absicht mit anhören versuchen den Mann zur Übernachtung im Gasthaus zu überreden. Er könne doch morgen früh weiterreisen, denn es ist Walpurgisnacht und in der Dunkelheit steigen der Untote Graf Dracula (Bela Lugosi) und seine Frauen aus ihren Särgen und sind gezwungen sich vom Blut der Menschen zu nähren, damit sie überleben können. Diese ersten Szenen des Films sind auch mit die besten, sie erinnern an die expressionistischen deutschen Filme. Der Kameramann Karl Freund war sehr einflussreich, was die morbide Optik des Films angeht. Diese Szene, in dem die Frauen aus ihren Gräbern steigen und es vor Ratten und Gürteltieren wimmelt ist wahnsinnig gut gemacht und der Macher wurde sicherlich von Murnaus "Nosferatu" inspiriert, der ähnliche Bilder des Verfalls und Untergangs zeigte. Heute mag man sich vielleicht über die Qualität von Bela Lugosis Dracula Performance streiten - ich finde sie gut, trotz der etwas übertriebenen und theatralisch stilisierten Ausrichtung. Aber er hat Charisma und die Geschichte ist - obwohl schon so bekannt - immer noch gruselig und fasznierend. 


Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Edward von Sloan spielt den deutschen Professor Van Helsing und Dwight Fryes Darbietung als Renfield bleibt auch unvergessen. Das Ende kommt etwas abrupt - da hat sich Coppola viel mehr Zeit gelassen. Hier im Klassiker von 1931 wird er leicht besiegt, schnell gepfählt und man hört nur ein letztes Stöhnen aus dem Off. "Dracula" gehört zu den großen Produktionen des Studiochefs Carl Laemmle jr., es folgten "Frankenstein", "Die Mumie", "Die schwarze Katze"
, "Der Unsichtbare" und "Frankensteins Braut"


Bewertung: 8 von 10 Punkten.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Der Foltergarten des Dr. Diabloo

























Regie: Freddie Francis

Der Teufel mit der Schicksalsschere..

Amicus, das Konkurrenzunternehmen von Hammer, hatte vor allem mit seinen Episoden-Geisterfilmen in den 60er Jahren guten Erfolg. Die britische Filmproduktionsfirma wurde von den beiden Amerikanern Milton Subotsky und Max J. Rosenberg gegründet, der Hauptsitz waren die Shepperton Studios in Middlesex. 1975 war dann leider aus. Der visuelle Stil war dabei ähnlich wie bei den Hammer-Movies. Lediglich die Episoden, die einer übergeordneten Rahmenhandlung dienen, waren dabei neu, sehr eigenständig und innovativ. Es entstanden Klassiker wie "Stadt der Toten", "Asylum", "Tanz der Totenköpfe" oder "Die Todeskarten des Dr. Schreck". Auch der 1967 mit zwei Hollywoodstars inszenierte "Torture Garden" (Der Foltergarten des Dr. Diabolo) gehört zu den Vorzeigewerken des Studios. Und diesen Foltergarten gibt es für Insider auf dem Jahrmarkt zu bestauen. Die Attraktiion dort im Vergnügungspark heißt "Foltergarten" und 5 Neugierige spazieren hinein in ein Wachsfigurenkabinett, der Besitzer des Etablissements nennt sich Dr. Diabolo (Burgess Meredith), ist wie ein Teufel gekleidet und zeigt den Gästen voller Begeisterung wie ein Mensch geköpft wird und ein anderer auf dem elektrischen Stuhl verbrennt. Darüberhinaus gibt es für 5 Pfund noch eine Schmankerl oberdrauf, eine ganz besondere Attraktion. Der Playboy Colin Williams (Michael Bryant), die Amerikanerin Carla Hayes (Beverly Adams), deren Freundin und Musikliebhaberin Dorothy Endicott (Barbara Ewing), der Edgar AllanPoe Fan Ronald Wyatt (Jack Palance) und ein Arzt (Nail McGinnis) sind so neugierig, dass sie den Preis bezahlen. Doch der erste Eindruck ist enttäuschend, im Hinterzimmer, dort wo das Schrecken sein soll, steht nur eine Wachsfigur. Diese soll die griechische Schicksalsgöttin Atropos darstellen. Eine Göttin, die den Menschen die Zukunft voraussagen kann und ihnen aufzeigt welche Gefahr sie in der nahen Zukunft meistern müssen. Einer nach dem anderen soll nun ganz tief in das Gesicht der Figur und auf deren Schicksalschere blicken, dann zeigt sich das Schicksal in Form einer Geschichte. Die einzelnen Episoden beginnen..


wobei die erste und zweite wohl am besten gelungen sind. Playboy Colin Williams unter dem Einfluss einer Hexe, die der Gestalt einer Hauskatze auftritt sowie die Geschichte der ehrgeizigen Carla, die beim Film groß rauskommen wil und für die Zugehörigkeit unter den Top 10 der Zunft für so manches Opfer bereit ist. In Episode 3 gibts ein eifersüchtiges Klavier namens Euterpe und in Episode 4 taucht der große Peter Cushing in einer Nebenrolle auf. Dies alles wurde von Regisseur Freddie Francis, der bekanntlich einer der bedeutendsten Kameramänner der Filmgeschichte war, sehr hübsch in Szene gesetzt und macht "Torture Garden" zu einem grusligen und charmanten Mitternachtsfilm. Die altmodische Machart wirkt dabei sehr positiv, vor allem für Freunde der guten alten Hammerfilme - zu denen ich auf jeden Fall gehöre.


Bewertung: 7 von 10 Punkten. 

The Body (El Corpo)


























Regie: Oriol Paulo

Rache - ein Gericht, dass man eiskalt serviert...

Der Film ist nicht unbedingt logisch, aber extrem spannend. Und selbst Vorbild Alfred Hitchcock war kein Meister der Logik. Da wird dann mal kurzerhand in der sicheren Wohnung von Richard Hannay, während er schläft, seine ominöse Bekanntschaft Miss Anabelle Smith mit dem Messer von hinten ermordet, dabei sind die beiden Übeltäter vor und nach der Tat draussen auf der Straße und warten. Wo also fand Anabelle den Tod ? War sie draussen, obwohl sie wusste, dass dort ihre Mörder sind ? Keine Ahnung...jedenfalls macht man sich erst viel später (möglicherweise erst beim dritten Mal Schauen) Gedanken über die Logik der Szene, denn in dem Moment war man so überwältigt vor Spannung, dass man nur mit staunenden Augen das Gesehen verfolgte. Und genau dieser Struktur ist auch der spanische Psychothriller "The Body" (El Cuerpo) des Regieneulings Oriol Paulo verpflichtet. Der Mann hat aber schon alleine durch sein Drehbuch zu "Julias Eyes" von Guillem Morales eine sehr gute Referenz hinterlassen. Sein Debüt auf dem Regiesessel ist ein intelligenter Horrorthriller mit vielen Überraschungen und einem doppelten Boden. Und möglicherweise fällt man da als Zuschauer hinein, um gleich wieder auf den selben Trick hereinzufallen. Alles dreht sich um eine Tote. Denn die Karrierefrau Mayka Villaverde (Belen Rueda) war noch vor kurzem Leiche im örtlichen Leichenschauhaus, jetzt ist sie verschwunden. Der Wächter dort kann nichts sagen, denn er liegt im Krankenhaus auf der Intensivstation. Er muss wohl von dort panikartig geflohen sein, dann in den Wald gerannt und auf der Straße von einem Auto erfasst worden - nun liegt er auf der Intensivstation und ist nicht ansprechbar. Inspektor Jaime Pena (Jose Coronado) nimmt die Ermittlungen auf, der Mann hat immer noch nicht selbst nach vielen Jahren den tödlichen Autounfall seiner Frau überwunden, mit seiner Tochter, die mittlerweile in Berlin lebt, hat er wohl ein angespanntes Verhältnis. Jedenfalls ist der neue Fall sehr suspekt und sehr schnell kommt dem Ermittler der Verdacht, dass der Maykas jüngerer Ehemann Alex (Hugo Silva) etwas mit dem Verschwinden der Leiche zu tun haben könnte. Will der Witwer etwas vertuschen ? Seine Frau verfügte über ein riesiges Vermögen und Alex ist der Alleinerbe ? Hat er sie vielleicht sogar ermordet ? Fragen über Fragen. Doch der Totenschein lautet auf "Herzversagen". Der Zuschauer wird aber sehr schnell zu einer Art Mitwisser, denn es ist offensichtlich, dass Alex, der durch die aggressive Art seiner Frau, gehörig unter der Fuchten stand, eine jüngere Geliebte (Aura Garido) hat. Der Fall wird für alle Beteiligten kompliziert. Während der Inspektor in einem möglichen Mordfall und einem Leichenklau ermittelt, wird Alex immer mehr mit einer recht lebendigen Leiche konfrontiert...


Der Film verbindet seine vielen möglichen Varianten sehr dicht zu einer spannenden Einheit, die immer wieder durch neue Facetten durcheinandergewirbelt werden. So bleibt die Hochspannung bis zum Schluß gewahrt. Auch die Protagonisten sind äusserst interessant. Ein sehr unkonventioneller Ermittler, der sehr schnell mal die Kontrolle verliert. Ein Ehemann, der Dreck am Stecken hat, aber selbst Opfer einer Rache zu werden scheint. Eine tote, aber doch sehr lebendige Ehefrau, die für ihre derben Späße auch schon zu lebzeiten berüchtigt war. Und eine hübsche Geliebte, die mit der neuen Situation hoffnungslos überfordert zu sein scheint und versucht Alex zu überreden, einfach die Flucht aus diesem undurchsichtigen und äusserst gefährlichen Szenario anzutreten. "The Body" spielt gekonnt mit Thriller- und Horrorelementen und hält die letzte Karte bis zum Ende geschickt verborgen. Ein Thriller über abgründige Motive und noch abgründigere Rachepläne.


Bewertung: 9 von 10 Punkten.

Dienstag, 1. Juli 2014

Paranormal Acifity 4

























Regie: Henry Joost und Ariel Schulman

Alex und Ben auf Dämonenjagd...

Henry Joost und Ariel Schulman sind die beiden Regisseure von "Paranormal Actifity 4" und laufen dabei Gefahr, dass sich wie schon in den beiden Fortsetzungen des 2007er Horror-Überraschungshit von Oren Peli die Szenerie zu oft wiederholt. Alle 4 Teile sind im Found Footage Format gedreht, sie sollen aufgrund der Amateur-Wackelkamera die größte Echtheit des Filmmaterials suggerieren. Im Laufe des 4. Teils ist dies dann meistens nur noch dramaturgisches Stilmittel, vor allem beim Showdown - denn wer glaubt schon, dass die Protagonisten in Sekunden höchster Not die Videokamera mitlaufen lassen. Egal, die Ungereimtheiten muss man schlucken und man muss auch eine gewisse Sympathie für die Geschichte haben, die in dieser Reihe erzählt wird, denn sie hängen zusammen. Sogar das japanische Spin-off "Tokyo Nights" hat Verweise zum US-Verwandten. In Teil 4 wird sozusagen die letzte Szene aus Teil 2 aufgegriffen, wo die besessene Katie (Kathie Featherstone) ihre Schwester Kristi und deren Sohn Hunter (William Huan Priento) besucht. Nach den grauenhaften Ereignissen im ersten Teil bleibt Katie verschwunden, auch Kristis Sohns Hunter ist weg. Die ersten Bilder des Films geben dem Zuschauer Klarheit, was Katie und Hunter betrifft. Katie verschwindet mit ihm im Dunklen. Es vergehen 4 Jahre. Die Nelsons bekommen neue Nachbarn. Tochter Alex (Kathryn Newton) hängt mit ihren Freund Ben (Matt Shively) herum, die Eltern Doug (Stephen Dunham) und Holly (Alexondra Lee) begleiten Sohn Wyatt (Aiden Lovekamp) zum Fußballspiel. Dort sehen sie den Nachbarjungen Robbie (Brady Allen) zum ersten Mal. Als deren Mom ins Krankenhaus kommt, erklären sich die Nelsons bereit das Kind für einige Tage bei sich aufzunehmen. Doch der Junge benimmt sich äusserst seltsam, zumindest in den Augen von Alex und Ben, denn Robbie erzählt auch von seinem imaginären Freund, der ebenfalls im Haus ist. Jedenfalls werden die Begebenheiten immer seltsamer und bald ahnen Alex und Ben eine dämonische Präsenz. Leider glauben die Eltern mal wieder kein Wort, aber dann ist es eh schon zu spät..


Der Film verlässt sich der ersten Hälfe vielleicht ein bisschen zu viel auf seine Vorgänger, daher wirkt alles ein bisschen schleppend und vor allem ist nicht ein Funken Innovation dabei. Erst ab der 2. Hälfte gewinnt der Film an Fahrt und zieht konsequent seine Geschichte weiter durch, die mit dem gruseligen Schlußbild etwas mehr erklärt, aber auch wieder neue Fragen aufwirft. So ist auch eine Fortsetzung schon in den Startlöchern. Mit 140 Millionen Dollar Einspiel -was für einen Horrorfilm phänomenal ist - war dies auch keine sonderliche Überraschung. Mir gefällt auch Teil 4, allerdings könnten einige Zuschauer die Geschichte mittlerweile als langweilig ansehen.


Bewertung: 6,5 von 10 Punkten.

Der unheimliche Gast

























Regie: Lewis Allen

Der Geist von Winword House...

Eigentlich ist der als Film Noir bei Koch Media erschiene "Der unheimliche Gast" eher ein Geisterfilm. Der romantische Grusler entstand 1944 unter der Regie von Lewis Allen. Dabei gibts öfters Erinnerungen an Hitchcocks Hollywood-Einstand und Oscarerfolg "Rebecca" von 1944.  Gut, der Film Noir ist nicht nur Genre, sondern definiert sich nicht durch die Konventionen des Schauplatzes oder des Konflikts (auch wenn der Großstadtdschungel sehr oft auftaucht) , sondern vor allem durch seine eher düstere Atmosphäre. Und wie so oft im Film Noir sind es hier die Personen, die mit der Last der Vergangenheit konfronitert werden. Die Geschichte führt den Zuschauer an die malerische Küste des westenglischen Cornwalls. Dort machen die Geschwister Roderick (Ray Milland) und Pamela Fitzgerald (Ruth Hussey) im Sommer 1973 Ferien. Doch die sind bald vorbei, noch einmal machen sie einen Spaziergang mit ihrem Hund Bobby. Dieser jagt dann ein Eichhörnchen, dass sich durch ein offenes Fenster eines Hauses flüchtet. Dieses schöne Haus scheint offenbar seit Jahren leer zu stehen, als Rick und Pamela es betreten, denn auf ihre Rufe antwortet keiner und es sind fast keine Möbel darin zu sehen. Doch die Stadtmenschen verlieben sich spontan in dieses Häuschen in ländlicher Idylle. Noch vor Ort überredet Pamela ihren Bruder zum Kauf es Anwesens. Und die beiden scheinen Glück zu haben. Denn der Besitzer Commander Beech (Donald Crisp) ist zum Verkauf bereit. Obwohl dessen Nichte Stella Meredith (Gail Russell) ganz und gar nicht darüber erfreut ist. Der Commander gibt aber an, dass er vor 5 Jahren schon einmal vermietet hätte und dieser sich über "Störungen" im Haus beklagt hätte. Störungen ? Also seltsame Geräusche in der Nacht. Diese Geistergeschichten sind für die Großstädter natürlich absurd. Doch Winwward House ist nicht ohne. Tatsächlich werden die neuen Besitzer in der Nacht, ein schreckliches Weinen oder Wimmern ist immer kurz vor Sonnenaufgang zu hören. Und Blumen, die in einem bestimmten Zimmer abgelegt werden, verwelken in Sekundenschnelle. Was für ein Geheimnis verbirgt das Haus ? Die Vorbesitzerin Mary Meredith, Tochter von Commander Beecham und Mutter von Stella, starb durch einen Sturz von den Klippen...


 Im Hause spukt es immer mehr, es scheint ein verfluchtes Haus zu sein, im dem irgend jemand gewaltsam zu Tode kam. Es scheint so als würde der Geist der Toten keine Ruhe finden. Es gibt allerdings in der Geschichte Personen, die mehr wissen, aber die Vergangenheit ruhen lassen wollen - sie haben dafür Gründe. So müssen die Geschwister das Rätsel des Geisterhauses selbst lösen. Zur Seite steht ihnen eine furchtsame irische Haushälterin (Barbara Everest). Ganz nach Rebecca-Manier taucht eine Art Miss Danvers auf, die heißt hier Miss Holloway (Cornelia Ottis Skinner) und ist die Leiterin einer dubiosen Psychiatrieeinrichtung. In ihrem Büro das überlebensgroße Portrait ihrer besten, verstorbenen Freundin Mary Meredith. Der Film ist so eine Art Vorläufer der heute immer noch sehr beliebten Geisterfilme, Filme um Häuser, in denen es spukt - 1944 gabs also schon diese Seiten eines Buches, die sich von unsichtbarer Hand umblättern un die sich mit einem Knall öffenden Türen. Atmosphärisch dicht hat Lewis Allen die Geschichte inszeniert, Charles Lang (Reporter des Satans, Manche mögens heiß, Heißes Eisen) wurde mit der Kameraarbeit betraut, schon die ersten Bilder von der Küstenlandschaft und der unheimlichen See bereiten den Zuschauer bestens auf das Mysterium vor, dass von einem unheimlichen Gast im Haus beherrscht wird. Ein interessanter Klassiker, den ich bisher noch nicht kannte.


Bewertung: 8 von 10 Punkten. 

Das Grauen kommt um 10

























Regie: Fred Walton

Haben sie schon nach den Kindern geschaut ?

"Das Grauen kommt um 10" ist ein 1979 entstandener Horrorthriller, der von Fred Walton inszeniert wurde. Berühmt wurde der Streifen durch seine ersten 15 Filmminuten, die sich an der Überlieferung "The Babysitter and the Man upstairs" orientiert und aus einer ganz normalen Szene den Mega-Suspence bezieht. Es geht darin um die junge Babysitterin Jill Johnson (Carol Kane), die auf die Kinder von Dr. Mandrakis (Carmen Argenziano) aufpassen soll. Die Eltern gehen aus, aber die beiden Kinder schlafen schon und Jill soll sie am besten gar nicht wecken. Also bleibt Jill unten und telefoniert noch mal kurz mit ihrer Freundin. Thema des Gesprächs sind natürlich die Jungs. Sie legt auf, dann klingelt es nochmals. Der anonyme Mann an der anderen Leitung fragt "ob sie schon nach den Kindern gesehen hätte"...ein verstörendes Gespräch, der Mann legt auf. Ruft aber kurze Zeit später schon wieder an und wiederholt seine irritierende Frage. Ist Jill Opfer eines üblen Telefonstreichs, wie der Polizist meint, den sie telefonisch um Hilfe bittet. Alles spielt sich in der Wohnung der Mandrakis ab und wird so zum großen Verbrechen, dass den Mörder, einen englischen Seemann namens Curt Duncan (Tony Beckley) in die forensische Abteilung der Psychiatrie bringt. Jahre später kann der Patient aber entfliehen und versteckt sich auf der Straße - ohne eine Bliebe zu haben. Seine Zuflucht ist das Obdachlosenheim und dunkle Bars. Dort lernt er die resolute Tracey (Coleen Dewhurst) kennen, die er darum bittet, dass er bei ihr übernachten kann. Die Frau wirft ihn aber raus. Inzwischen ist auch der Bulle von einst, Officer John Glifford (Charles Durning) hinter ihm her. Er arbeitet inzwischen im Auftrag von Mandrakis als Privatdetektiv. Die Schlinge um den Hals des Killers zieht sich immer mehr zu...


Dabei gelingt Walton ein selten geglücktes Beispiel für eine starke Killerfigur, die darüberhinaus durch die Mitelidlosigkeit und Aggression seiner Mitmenschen als armes, gehetztes Tier - ohne Aussicht auf eine Zukunft - wahrgenommen wird. Das schmlert aber seine Gefährlichkeit nicht, im Gegenteil: Es macht ihn umso glaubwürdiger. 2006 entstand mit "Unbekanner Anrufer" ein vergessenswertes Remake, das nicht mal in Ansätzen an die Qualität der Vorlage heranreicht. Diese ist ein sehr gutes, typisches Beispiel eines kalten, unterkühlten 70er Jahre Thrillers mit dreckigen, nicht gerade einladender Location. Die Szene, in der aufgrund der Fangschaltung klar wird "dass der Anrufer vom gleichen Anschluß, also von Haus aus, anruft" schrieb Horrorfilmgeschichte und gilt als einer der spannendsten Szenen des Horrorfilms. Eine gute Ensembleleistung der Darsteller Charles Durning, Carol Kane, Coleen Dewhurst und Tony Beckley machen den heute leider etwas in Vergessenheit geratenen Thriller zum spannenden Erlebnis.


Bewertung: 10 von 10 Punkten.

Frankenstein (1931)

























Regie: James Whale

Der Wissenschaftler, der Leben erschuf...

Selbst Zuschauer, die "Frankenstein" zum ersten Mal sehen, dürften auf viele bekannte Szenen stoßen: Die Erschaffung des Monsters (Boris Karloff) unter dem tosenden Himmel in einem Turm, wo der junge Baron Dr. Henry Frankenstein (Colin Clive) mit seinem buckligen Diener Fritz (Dwight Frye) sein Labor hat und ein extremes Gewitter braucht, um seinen persönlichen (Alp)traum zu erfülen: Die Erschaffung eines Menschens. Das Monster auf dem Operationstisch liegend, wie es sich langsam bewegt und das berühmte Close up in sein Gesicht, die Kamera fängt ein Wesen ein, dass undurchsichtig wirkt, die Augen verraten nichts über die Gesinnung. Doch Fritz ist beim Klau in der Universität ein Mißgeschick passiert. Der Glasbehälter mit dem "normalen Gehirn" ging durch einen jähen Glockenschlag zu Boden und so musste alternativ auf "anormales Gehirn" zurückgegriffen werden, das einem Schwerverbrecher gehört. Die Frankensteins geben ein Fest, Henry ehelicht endlich seine große Liebe Elizabeth (Mae Clark), doch die hat üble Vorahnungen am Tag der Hochzeit. Während das ganze Dorf im Freudentaumel versinkt, meuchelt das Monster den Wissenschaftler Prof. Waldman (Edward VanSloane), während dieser das Monster, das man für tot hält, sezieren will. Dann eine weitere berühmte, oftmals kopierte Szene mit dem Kind am See. Die kleine Maria (Marilyn Harris) wird Opfer des Monsters. Aber nicht weil dieser so gewalttätig agiert wie bei Fritz oder Dr. Waldman, sondern aus reiner Unwissenheit. Das Mädchen machte den Fehler Blumen ins Wasser zu werfen, die dann auf der Wasseroberfläche liegen. Ein Schubs ins Wasser, doch Maria kann nicht schwimmen. Verstört wandert die flüchtige Bestie in Richtung Dorf. Dort wird gefeiert, aber der Vater des Kindes betritt die Szenerie mit dem toten, ertrunkenen Kind im Arm. Jäh finden die Feierlichkeiten ein Ende. Der Mob mit brennenden Fackeln sucht nach dem Mörder der Kleinen und es gibt keinen Zweifel an der Gesinnung der lynchfreudigen Menge...


Im Prolog von James Whales Klassiker "Frankenstein" wird der Zuschauer auf die faszinierende und äusserst verstörende Geschichte aufmerksam gemacht. Ist er mental stark genug für diesen Horror ? Zu gerne war es der Zuschauer, denn der Produktion von Carl Laemmle gelang 1931 ein Riesenhit und einer der einflussreichsten Horrorfilme aller Zeiten. Dutzende Male kopiert, persifliert...man kennt die Abfolge der Geschichte genau. Boris Karloff schafft mit seinem Aussehen und seiner tragischen und beinahe sehnsüchtigen Performance einer der bekanntesten Figuren des Genres, er hat einen festen Platz in der Geschichte des Kinos. Seine Figur wirkt kindlich und rührend, auch wenn sie Schrecken verbreitet und so gar nicht zu Kontrollieren ist. Dies ist vielleicht das große Manko des Werks eines Wissenschaftlers, der wie Gott sein wollte. Das Ende hätte vielleicht merklich düsterer ausfallen sollen. Aber so war immerhin die genauso geniale Fortsetzung "Frankensteins Braut" machbar. 



Bewertung: 10 von 10 Punkten.